Fed hebt auf 4 Prozent: die Futures-Basis nach dem Zinsschritt
Die Fed hat erstmals seit 2023 erhöht, auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Für den Bitcoin-Cash-and-Carry-Trade heißt das: Der risikofreie Boden, unter dem die Basis längst liegt, steigt weiter.
Am 16. September 2026 hat die US-Notenbank getan, was sie seit Juli 2023 nicht mehr getan hatte: Sie hat den Leitzins erhöht. Ein Viertelprozentpunkt hinauf auf 3,75 bis 4,00 Prozent, einstimmig, die erste Zinserhöhung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Für jeden, der den Bitcoin-Cash-and-Carry-Trade betreibt, ist das keine Randnotiz. Die Futures-Basis, also der Aufschlag der Terminkontrakte auf den Kassakurs, ist so etwas wie der Sparzins der Kryptowelt. Und dieser Zins wird an genau jenem risikofreien Satz gemessen, den die Fed gerade angehoben hat.
Die Ausgangslage ist unbequem. Seit über 150 Handelstagen liegt die annualisierte Basis unter dem, was eine kurzlaufende US-Staatsanleihe abwirft. Die Fed hat diese Hürde nun erneut angehoben, und 16 von 18 Sitzungsteilnehmern rechnen heuer mit mindestens einem weiteren Schritt. Dieser Beitrag erklärt, was ein höherer risikofreier Boden mechanisch mit der Basis macht, warum der Trade still den Besitzer gewechselt hat und was die Zahlen für den Rest des Jahres 2026 sagen.
Was am 16. September wirklich geschah
Die Entscheidung fiel deutlicher aus, als viele erwartet hatten. Das Federal Open Market Committee hob das Zielband um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an, und zwar mit 12 zu 0 Stimmen einstimmig. Es war die erste Erhöhung seit Juli 2023 und die erste Prognoserunde (das sogenannte Dot Plot) unter Warsh, der Jerome Powell im Mai 2026 abgelöst hatte. Im Statement hieß es, die Inflation bleibe erhöht; der Schritt solle eine zeitnahe Rückkehr zum Zwei-Prozent-Ziel unterstützen (CNBC).
Entscheidend war weniger die Zahl als der Ausblick. Das Dot Plot zeigte, dass 16 der 18 Teilnehmer heuer mindestens einen weiteren Schritt erwarten (zwölf sehen einen, vier sehen zwei, nur zwei sehen keinen mehr), mit einem Jahresendbereich um 3,9 bis 4,4 Prozent und einem Median nahe 4,1 Prozent bis Ende 2027. Die Dezember-Sitzung ist damit ausdrücklich offen (Cointelegraph). Warsh sagte auf der Pressekonferenz nüchtern, die Inflation sei „too high, and has been for too long“, und er wäre „hard-pressed to describe broad financial conditions as restrictive“ (CNBC). Wer gehofft hatte, die erste Erhöhung sei zugleich die letzte, wurde enttäuscht.
Die Europäische Zentralbank war der Fed sogar zuvorgekommen. Am 10. September hob sie alle drei Leitzinsen um 25 Basispunkte an, der Einlagensatz stieg auf 2,50 Prozent; Christine Lagarde nannte den Schritt einen „no brainer“ (CNBC). Erstmals seit langem straffen beide großen Notenbanken wieder in dieselbe Richtung. Für die Basis ist das relevant, weil der Vergleichsmaßstab, gegen den sie antreten muss, damit auf beiden Seiten des Atlantiks höher liegt.
Die Futures-Basis in einem Satz
Die Basis ist der Preisunterschied zwischen einem Terminkontrakt und dem Kassakurs. Annualisiert man ihn (Basis geteilt durch Kassakurs, mal 365 geteilt durch die Restlaufzeit), ergibt sich eine Jahresrendite, die man direkt mit Zinsen vergleichen kann. Liegt der Future über dem Spot, spricht man von Contango, meist ein Zeichen für Optimismus und gehebelte Nachfrage. Liegt er darunter, herrscht Backwardation, typischerweise ein Signal für Stress und Entschuldung.
Bei den Perpetual Futures, den Perps, die nie verfallen, übernimmt die Funding Rate die Rolle der Basis: Ist sie positiv, zahlen die Longs an die Shorts (das Contango-Äquivalent), ist sie negativ, läuft die Zahlung umgekehrt. Deribit deckelt das Funding für Bitcoin bei plus/minus 0,5 Prozent pro Achtstundenperiode. An der CME umfasst ein Bitcoin-Kontrakt fünf BTC und wird bar gegen die CME CF Bitcoin Reference Rate abgerechnet; der Ether-Kontrakt lautet auf 50 ETH (CME Group). Der Unterschied zu spekulativem Trading ist zentral: Die Basis misst nicht, wohin der Markt glaubt, dass der Preis geht, sondern wie viel es kostet, eine Position über die Zeit zu tragen.
Warum der risikofreie Zins der eigentliche Gegner ist
Der Preis eines fairen Terminkontrakts folgt der Cost-of-Carry-Formel: F = S × (1 + r × T), wobei r der Finanzierungszins und T die Laufzeit ist. Der risikofreie Zins r taucht in der Rechnung eines Basis-Händlers gleich zweimal auf. Erstens ist er der Boden, der im fairen Futures-Preis ohnehin eingebaut ist: Kostet Geld vier Prozent, sollte ein fairer Dreimonatskontrakt allein aus Finanzierungsgründen rund ein Prozent über dem Kassakurs notieren. Zweitens ist er die Hürde, die Opportunitätskosten: Ein marktneutraler Trade bindet Kapital, und dieses Kapital könnte risikofrei in einer Staatsanleihe liegen.
Daraus folgt der Kern dieses Beitrags: Die echte Krypto-Prämie ist nur der Überschuss über r. Hebt die Fed r an, steigen beide Größen zugleich, der faire Boden und die Hürde. Genau das ist am 16. September passiert. Der Leitzins wanderte von 3,50 bis 3,75 Prozent auf 3,75 bis 4,00 Prozent, und der Ausblick verschob den erwarteten Pfad nach oben. Für den Trade heißt das: Von einer ohnehin schmalen Basis bleibt nach Abzug des risikofreien Zinses noch weniger echte Prämie übrig. Wer die Mechanik von Zins und Laufzeit vertiefen will, findet sie auch in unserer Analyse zur stillen Duration in Österreichs Pensionskassen, wo dieselbe Zinslogik auf der Anleiheseite wirkt.
Ein Zahlenbeispiel macht es greifbar. Wirft die geglättete Dreimonatsbasis rund drei Prozent ab, während ein Dreimonats-T-Bill knapp vier Prozent bringt, dann ist die echte Krypto-Prämie nicht null, sondern negativ: Der Trade verdient weniger als das Papier, gegen das er antritt. Vor der Erhöhung war die Lücke schmal, danach wurde sie breiter. Der risikofreie Zins ist damit nicht bloß eine Vergleichsgröße, sondern die harte Untergrenze jeder ehrlichen Renditerechnung.
Ein Blick auf die Zinslandschaft macht das Problem sichtbar. Der interne Zins der Kryptowelt liegt heute unter dem, was der Staat für kurzes Geld bezahlt:
| Instrument | Rendite p.a. (annualisiert) | Kontext / Aufsicht |
|---|---|---|
| CME-Bitcoin-Basis (3M, geglättet) | rund 3 Prozent | MiFID II / FMA |
| Bitcoin-Perp-Funding | schwankend, zuletzt niedrig | CFD unter MiFID II (Retail 2:1) |
| US-Leitzins (Fed Funds) | 3,75 bis 4,00 Prozent | Federal Reserve (seit 16. Sep) |
| US-T-Bill (3 Monate) | rund 4 Prozent | risikofrei (USD) |
| 2-jährige US-Staatsanleihe | rund 4,6 Prozent | risikofrei (USD) |
| EZB-Einlagenzins | 2,50 Prozent | EZB (seit 10. Sep) |
| Euribor (3 Monate) | rund 2,5 Prozent | Referenz EUR |
| sUSDe (Ethena, gestakt) | rund 4 Prozent | DeFi, unreguliert |
Der Boden lag schon tief, jetzt liegt er höher
Die Basis ist nicht erst durch die Fed unter Druck geraten, sie lag schon lange niedrig. Nach einer Zählung des Analysten Marc Baumann notierte die annualisierte CME-Basis über 150 Handelstage in Folge unter dem staatlichen Vergleichszins (CryptoSlate). Anfang August, während der Sommer-Rally, sprang der vorderste Kontrakt zwar auf 7,89 Prozent (September 6,25 Prozent, Dezember 5,69 Prozent), doch das war teils ein Artefakt der Annualisierung eines kurzlaufenden Aufschlags. Der geglättete Dreimonatssatz lag mit rund drei Prozent bereits unter der zweijährigen US-Anleihe (4,19 Prozent).
Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor, im Boom nach dem ETF-Start und der US-Wahl, hatte die Basis zweistellig gerentiert, phasenweise über 20 Prozent. Zuletzt lag der Einmonatssatz bei etwa fünf Prozent, der glatte Dreimonatssatz bei rund drei Prozent. Und dann hob die Fed den kurzfristigen risikofreien Zins auf knapp vier Prozent. Die Reihenfolge ist wichtig: Die Basis war schon vor der Sitzung kein Renditebringer mehr, die Erhöhung hat den Boden nur noch ein Stück höher gezogen.
| Zeitpunkt | Annualisierte CME-Basis | Marktphase |
|---|---|---|
| Februar 2024 | rund 25 Prozent | Euphorie nach dem ETF-Start |
| November 2024 | über 20 Prozent | Rally nach der US-Wahl |
| Februar 2025 | unter 0 Prozent (Backwardation) | seltene Stressphase |
| Anfang August 2026 | 7,89 Prozent (Front), 5,69 Prozent (Dez) | Sommer-Rally, aber schon unter dem 2Y-Zins (4,19 Prozent) |
| Mitte September 2026 | rund 5 Prozent (1M), rund 3 Prozent (3M) | unter dem risikofreien Zins |
| ab 16. September 2026 | Boden bei rund 4 Prozent | Fed hebt auf 3,75 bis 4,00 Prozent |
Der Befund lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Wer heute kauft, tut es überwiegend mit echtem Geld, nicht auf Pump, und deshalb ist wenig Prämie zu holen. Ein spot-getriebener Markt zahlt keinen fetten Carry, weil kaum jemand bereit ist, für gehebelte Long-Positionen einen Aufschlag zu bieten.
Cash-and-Carry: die Mechanik hinter dem Trade
Der klassische Basis-Trade funktioniert so: Man kauft Bitcoin am Kassamarkt und verkauft gleichzeitig einen Terminkontrakt mit demselben Nominalwert. Bis zum Verfall konvergieren beide Preise, und man streicht die Basis ein, unabhängig davon, ob Bitcoin steigt oder fällt. In der Theorie ist das quasi risikolos, weil sich die Long- und die Short-Position preislich neutralisieren. Der Gewinn kommt nicht aus der Richtung, sondern aus der Konvergenz.
Der Haken liegt in der Zeit. Die Prämie wird nicht auf einen Schlag ausbezahlt, sondern reift bis zum Verfall; wer früher aussteigt, bekommt nur einen Teil. Und weil die meisten liquiden Kontrakte quartalsweise verfallen, muss die Position regelmäßig gerollt werden, also der auslaufende Kontrakt geschlossen und ein späterer eröffnet. Jeder Roll kostet Spread und Gebühren und setzt den Trade dem Risiko aus, dass sich die Basis zwischen zwei Kontrakten verändert hat.
Der Spot-ETF hat dieses Geschäft industrialisiert. Statt Coins selbst zu verwahren, kauft ein Fonds Anteile eines Bitcoin-ETF (das ist das Cash-Bein) und verkauft dagegen CME-Futures (das ist das Hedge-Bein). Deshalb bewegen sich ETF-Zuflüsse und Basis so oft im Gleichschritt: Fließt Geld in die Arbitrage, steigt die ETF-Nachfrage, ohne dass jemand auf einen höheren Bitcoin-Preis wettet. Diese Verzahnung von Verwahrung, ETF und Terminmarkt ist Teil der neuen Marktinfrastruktur, wie wir sie in der Analyse dazu beschrieben haben, warum der größte Wal heute ein Verwahrer ist.
Genau diese Mechanik erklärt auch, warum große ETF-Abflüsse nicht immer Panik bedeuten. Michael Marshall, Forschungsleiter bei Amberdata, beschrieb die Abflüsse vom Herbst 2025 als „a mechanical basis trade unwind, not broad investor fear“ (CoinDesk). Wenn die Basis nicht mehr genug abwirft, lösen Arbitrageure ihre Positionen auf; sie verkaufen ETF-Anteile und kaufen Futures zurück. Der Kurs kann fallen, obwohl niemand den Glauben an Bitcoin verliert. Es ist Buchhaltung, keine Kapitulation.
Der Seitenwechsel: Hedgefonds sind jetzt long
Jahrelang hielten die Hedgefonds an der CME strukturelle Short-Positionen, das Hedge-Bein des Cash-and-Carry. Im August 2026 kippte das Bild: Erstmals seit Jahren wurden die Hedgefonds in der Summe netto long (CoinDesk). Das klingt bullish, ist aber vor allem ein Beleg dafür, dass der Carry tot ist. Bei einer Dreimonatsbasis von nur rund drei Prozent, also unter dem risikofreien Zins, ist eine Long-Position kein Arbitragegeschäft mehr, sondern eine gerichtete Wette auf den Preis.
Die Positionsdaten stützen das. Laut dem 13F-Bericht von CoinShares für das erste Quartal 2026 bauten Hedgefonds ihr ETF-Engagement um 31.400 BTC ab (minus 39 Prozent), während Banken ihre Bestände auf 15.200 BTC mehr als verdoppelten (JPMorgan plus 3.000 BTC, Wells Fargo plus 4.000 BTC) (CoinShares). Der mechanische Verkäufer ist zum Käufer geworden. Das nimmt Verkaufsdruck vom Terminmarkt, bedeutet aber auch: Die CME-Menge wettet nun auf die Richtung, nicht mehr auf einen sicheren Spread. Wer die Basis als Stimmungsmesser liest, sollte diesen Vorzeichenwechsel im Kopf behalten, denn er verändert, was ein steigender Kurs eigentlich signalisiert.
Der Seitenwechsel ist zudem reversibel. Käme die gehebelte Nachfrage zurück, etwa in einer neuen Rally, würden die Hedgefonds vermutlich wieder in ihre strukturelle Short-Rolle schlüpfen, sobald die Basis weit genug über den risikofreien Zins steigt, um die Kosten zu decken. Bis dahin ist die netto-lange Position der klarste Beleg, dass an der CME derzeit auf Richtung gewettet wird, nicht auf einen sicheren Aufschlag.
Contango, Backwardation und die Zinskurve der Kryptowelt
Man kann Basis und Funding zusammen wie eine Zinskurve lesen. Das Perp-Funding ist der Tagesgeldsatz, die Quartalsfutures sind die Terminsätze. Eine normal ansteigende Kurve entspricht Contango; eine inverse Kurve, wie die kurze Backwardation-Phase im Februar 2025, als die Basis unter null fiel, ist ein Echtzeit-Stresssignal. Derzeit liegt die gesamte Kurve nahe oder unter dem risikofreien Fiat-Zins, was für sich genommen schon ungewöhnlich ist.
Das ist die eigentliche Schlagzeile: Der interne Zins der Kryptowelt ist niedriger als der einer Staatsanleihe. Wie sich das nach der Fed-Erhöhung konkret auf die Perps und den Hebel überträgt, haben wir in der Analyse zum neu bepreisten Perp-Funding nach dem Fed-Hike ausgeführt. Kurz gesagt: Steigt der risikofreie Zins, sollte auch das faire Funding steigen, doch solange die spekulative Nachfrage fehlt, bleibt der reale Aufschlag dünn. Die Kurve verschiebt sich nach oben, ihre Steigung bleibt aber flach.
Was die Erhöhung mechanisch mit der Basis macht
Die Zinserhöhung wirkt über zwei Kanäle auf die Basis, und beide zeigen in dieselbe Richtung.
- Höherer fairer Boden: Über F = S × (1 + r × T) hebt ein höheres r den fairen Terminpreis. Von jedem beobachteten Aufschlag ist damit ein größerer Teil bloße Finanzierung und ein kleinerer Teil echte Krypto-Nachfrage.
- Geringerer Hebel-Appetit: Höhere Zinsen auf längere Sicht und eine offene Dezember-Sitzung verteuern das Halten gehebelter Long-Positionen; genau diese trendfolgende Nachfrage treibt aber die Basis.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat den Mechanismus untersucht: Der Krypto-Carry rentierte historisch im Schnitt über zehn Prozent pro Jahr, in Spitzen über 40 Prozent, getrieben von gehebelter Nachfrage und begrenztem Arbitragekapital; Zinsdifferenzen allein erklären wenig (BIS Working Paper 1087). Steigt r, schrumpft der Überschuss, der als echte Prämie übrig bleibt. Die Erhöhung hat den Carry nicht getötet, er war schon dünn; sie hat das Regime bestätigt und die Latte für den Rest des Jahres höher gelegt. Higher for longer heißt für die Basis: Der Vergleichsmaßstab läuft davon, während der eigene Ertrag steht.
Wichtig ist die Denkrichtung: Nicht die Erhöhung an sich schadet der Basis, sondern der höhere Pfad, den das Dot Plot skizziert. Ein einmaliger Schritt ließe sich verschmerzen; die Aussicht auf higher for longer verankert dagegen einen dauerhaft höheren risikofreien Boden. Genau deshalb reagierte der Terminmarkt auf den Ausblick stärker als auf die Zahl selbst, und genau deshalb bleibt die Prämie so lange dünn, wie der Markt an weitere Schritte glaubt.
Die Marktreaktion: Bitcoin zuckt, dann blutet es leise
Der Kurs verhielt sich lehrbuchmäßig für einen erwarteten Schritt. Bitcoin war am Dienstag noch bei rund 78.200 US-Dollar in die Sitzung gegangen, rutschte unter 75.000 und stand am Mittwochvormittag bei etwa 75.700. Auf das Statement hin sprang er kurz auf rund 76.300 (Erleichterung), gab die Gewinne im Lauf der falkenhaften Pressekonferenz aber wieder ab und schloss nahe 75.600. Am 17. September stabilisierte er sich bei etwa 76.700 US-Dollar (rund 65.500 Euro), ein Plus von gut einem Prozent, und hielt die Marke von 75.000, die schon im Juli verteidigt worden war. Der Fear-and-Greed-Index stand bei neutralen 51 Punkten, und der Kurs blieb rund 39 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.080 US-Dollar (6. Oktober 2025).
Unter der Oberfläche floss Geld ab. Die US-Spot-ETFs verzeichneten am 16. September rund 296 Millionen US-Dollar Abfluss bei Bitcoin und rund 224 Millionen bei Ether, über zwei Handelstage summierten sich die Abflüsse auf etwa 746 Millionen (Cointelegraph). Am Terminmarkt wurden binnen 24 Stunden rund 455 Millionen US-Dollar an Positionen liquidiert; bei den Bitcoin-Perps überwog Verkaufsdruck von 82 Millionen, bei Ether von 68 Millionen, während der Spotmarkt netto leicht kaufte. Genau die Art von leisem, mechanischem Abbau, den Marshalls These beschreibt, nicht die laute Kapitulation.
Bemerkenswert war, was nicht geschah: Die üblichen Korrelationen brachen. Über 15 Tage lag die Verbindung zwischen Bitcoin und dem Dollar-Index bei plus 0,08 (von minus 0,54 auf 30-Tage-Sicht), zum S&P 500 bei 0,43 (von 0,75), zu Gold bei 0,28 (von 0,69). Der Grund lag weniger bei der Fed als bei der Politik: Die Abstimmung über das CLARITY-Gesetz war am 15. September mit 49 zu 50 an der nötigen Mehrheit gescheitert, und Krypto handelte seine eigenen regulatorischen Nachrichten. Wie stark am Sitzungstag das Timing das Signal macht, zeigt unsere Auswertung der Whale Alerts am Fed-Tag.
BTC und ETH: zwei Basiskurven, ein Zins
Bitcoin ist nicht der einzige Basis-Markt. Auch für Ether gibt es CME-Futures (50 ETH je Kontrakt), und beide werden mittlerweile über das Verfahren Basis Trade at Index Close abgewickelt, das Kassa- und Terminbein in einer Transaktion bündelt. Historisch liefen die beiden Basiskurven ähnlich, doch der Ether-Trade trägt eine zusätzliche Hürde: Wer ETH hält, verzichtet zugleich auf die Staking-Rendite von zuletzt rund drei bis vier Prozent. Diese entgangene Rendite ist eine weitere Schicht Opportunitätskosten, die den fairen Aufschlag drückt.
Für den Anleger heißt das: Die nackte Basis eines Ether-Kontrakts ist nicht direkt mit der eines Bitcoin-Kontrakts vergleichbar, solange man die Staking-Rendite nicht gegenrechnet. Nach der Fed-Erhöhung konkurrieren beide Kurven nun gegen einen höheren risikofreien Dollar-Zins und, im Fall von ETH, zusätzlich gegen die eigene Staking-Rendite. Das ist einer der Gründe, warum die Ether-Spot-ETFs am Sitzungstag ähnlich hohe Abflüsse sahen wie ihre Bitcoin-Pendants: Wenn der Carry überall zugleich schrumpft, ziehen Arbitrageure quer über die Produkte Kapital ab.
Brutto ist nicht netto: die wahre Rendite
Die annualisierte Basis in den Schlagzeilen ist eine Bruttozahl. Was am Ende hängen bleibt, ist deutlich weniger. Auf beiden Beinen fallen Handelsgebühren an, Quartalskontrakte müssen gerollt werden, große Orders erzeugen Slippage, und die Marge bindet Kapital, das anderswo risikofrei rentieren würde. Dazu kommt das Venue-Risiko: 2022 zeigten FTX, Three Arrows Capital und Celsius, dass „risikolos“ eine Annahme über die Börse ist, nicht über den Markt.
| Position | Beschreibung | Wirkung |
|---|---|---|
| Brutto-Basis | annualisierter Aufschlag der Futures | Ausgangspunkt (zuletzt rund 3 Prozent auf 3M) |
| Handelsgebühren | Maker/Taker auf beiden Beinen | schmälert die Rendite |
| Roll-Kosten | Rollen der Quartalskontrakte | wiederkehrend |
| Slippage | Ausführung bei großem Volumen | schmälert die Rendite |
| Kapitalbindung | Marge auf beiden Beinen | Opportunitätskosten gegenüber dem T-Bill |
| Venue-Risiko | Ausfall der Börse (2022: FTX, 3AC, Celsius) | nicht risikolos |
| KESt (Österreich) | 27,5 Prozent auf den Gewinn | reduziert den Nettoertrag |
| Referenz | risikofreier T-Bill | rund 4 Prozent, die zu schlagende Hürde |
Für einen österreichischen Privatanleger kommt die Steuer obendrauf. Gewinne aus Krypto-Assets unterliegen dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent (Paragraf 27a EStG), und inländische Plattformen behalten die Kapitalertragsteuer seit 1. Jänner 2024 automatisch ein (BMF). Rechnet man alles zusammen, ist ein Bruttosatz von drei Prozent gegen einen risikofreien T-Bill von rund vier Prozent für Privatanleger meist ein Verlustgeschäft. Wer die Gebührenseite genauer verstehen will, findet sie in unserer Analyse dazu, wovon Krypto-Börsen leben.
Wo der Trade heute lebt: CME, Kalshi und die Perps
Während die Rendite fiel, wurde die Infrastruktur besser. Seit 29. Mai 2026 handelt die CME ihre Krypto-Futures und -Optionen rund um die Uhr (mit einem kurzen wöchentlichen Wartungsfenster) und beendet damit die Wochenendlücke, die die Basis früher verzerrte (CME Group). Am selben Tag genehmigte die US-Terminaufsicht CFTC den BTCPERP-Kontrakt der Börse Kalshi, den ersten in den USA regulierten Bitcoin-Perpetual (CFTC).
CFTC-Chef Mike Selig nannte die Zulassung einen „major step forward“ und ein Instrument, das helfe, „cementing America as the crypto capital of the world“ (CoinDesk). Die CME wiederum klagt gegen die CFTC: Perps seien nach dem Dodd-Frank-Act Swaps und keine Futures, wobei die Funding-Zahlung der juristische Angelpunkt ist. Zugleich rutschte das offene Interesse der CME erstmals seit 2023 unter das von Binance (Binance rund 125.000 BTC beziehungsweise 11,2 Milliarden US-Dollar, CME rund 123.000 BTC beziehungsweise 11 Milliarden), und das CME-Open-Interest fiel von über 21 Milliarden auf unter 10 Milliarden US-Dollar. Bessere Rohre, weniger Wasser.
Dass die CME an offenem Interesse hinter Binance zurückfiel, ist nicht nur ein Ranking. Es zeigt, wohin der spekulative Hebel gewandert ist: an die Offshore-Perp-Börsen, wo hundertfacher Hebel möglich ist, während der regulierte, kapitalintensive Cash-and-Carry an der CME an Reiz verlor. Bessere Rohre allein bringen kein Wasser zurück, wenn der Druck, also die Renditeerwartung, fehlt.
Regulierung in Österreich: FMA, MiFID II und die 2:1-Grenze
Für österreichische Anleger ist die Einordnung wichtig. Futures und Perps sind Finanzinstrumente unter der Richtlinie MiFID II und werden von der Finanzmarktaufsicht (FMA) beaufsichtigt, nicht von MiCA, das nur Spot-Krypto-Assets und die Dienstleister (CASPs) abdeckt (FMA). Die Trennlinie verläuft also nicht zwischen Bitcoin und Aktie, sondern zwischen Kassa- und Terminmarkt.
Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA stellte am 24. Februar 2026 klar, dass der Handelsname „perpetual futures“ für die Einordnung irrelevant ist: Diese gehebelten Krypto-Derivate fallen unter die bestehenden CFD-Produktinterventionsmaßnahmen (ESMA). Das bedeutet für Privatkunden einen Hebel von höchstens 2:1, verpflichtende Risikowarnungen, Margin-Glattstellung und Negativsaldoschutz. Wer über eine Offshore-Plattform mit 100:1 handelt, steht außerhalb dieses Schutzschirms. Bitpanda ist der über die FMA lizenzierte heimische Vorzeige-CASP; die verkürzte MiCA-Übergangsfrist läuft in Österreich am 1. Juli 2026 aus.
Was die Basis jetzt sagt, und was nicht
Die Basis ist ein Stimmungs- und Überfüllungsbarometer, kein sicheres Einkommen. Die Forschung von CF Benchmarks zeigt, dass die Basis mit dem Momentum eher gleichläuft (Korrelation um 0,50 bis 0,54) als vorausläuft; sie ist ein zeitgleiches, kein vorlaufendes Signal (CF Benchmarks). Und die BIS-Studie erinnert daran, dass ein hoher Carry historisch oft Abstürzen vorausging, nicht Kursgewinnen. Eine extrem hohe Basis ist also ein Kontraindikator für Überfüllung, kein Kaufsignal.
Wohin also bis Dezember? Solange die Fed höher für länger bleibt und die Dezember-Sitzung offen ist, bleibt der faire Boden hoch und die Basis ein dünner, spot-getriebener Markt mit geringer Prämie, es sei denn, die gehebelte Nachfrage kehrt zurück. Das Lehrstück liefert Ethena: Der USDe, im Kern ein tokenisierter, marktneutraler Basis-Trade, drehte sich weg von den Perps (deren Anteil an der Deckung fiel auf rund elf Prozent) hin zu realen Vermögenswerten, als der Carry unter den risikofreien Zins rutschte; die gestakte Variante sUSDe rentiert nur noch um vier Prozent (Ethena). Wenn selbst der größte Basis-Händler der Welt umschichtet, ist das der Nachruf auf den einfachen Krypto-Carry, geschrieben von seinem größten Nutznießer.
Was heißt das praktisch für heimische Anleger? Erstens: Ein beworbenes zweistelliges Basis- oder Funding-Angebot ist 2026 ein Warnsignal, kein Normalfall; die reale, kostenbereinigte Prämie liegt nahe null. Zweitens: Solange kurze US-Staatsanleihen rund vier Prozent risikofrei bringen, ist der Vergleichsmaßstab hoch, und ein steuerpflichtiger Krypto-Carry muss diesen Satz erst nach der 27,5-prozentigen KESt schlagen. Drittens: Die Basis bleibt als Barometer wertvoll, als verlässliche Einkommensquelle aber ist sie vorerst versiegt.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist die Futures-Basis bei Bitcoin?
Die Basis ist der Unterschied zwischen dem Preis eines Bitcoin-Terminkontrakts und dem Kassakurs. Annualisiert (Basis geteilt durch Kassakurs, mal 365 geteilt durch die Restlaufzeit) ergibt sie eine Jahresrendite, die man mit Zinsen vergleichen kann. Ein Future über dem Spot heißt Contango, einer darunter Backwardation.
Warum drückt eine Zinserhöhung die Basis?
Der risikofreie Zins steckt zweifach im Trade: als Finanzierungsboden im fairen Futures-Preis und als Hürde, weil das gebundene Kapital risikofrei in einer Staatsanleihe rentieren könnte. Hebt die Fed den Zins, steigen Boden und Hürde zugleich, und der Überschuss, der als echte Krypto-Prämie übrig bleibt, schrumpft.
Ist der Cash-and-Carry-Trade wirklich risikolos?
Preislich ist er nahezu neutral, weil sich Long-Spot und Short-Future ausgleichen. Risikolos ist er trotzdem nicht: Es bleiben Gebühren, Roll- und Slippage-Kosten, Kapitalbindung und vor allem das Ausfallrisiko der Börse, wie 2022 bei FTX, Three Arrows Capital und Celsius. Liegt die Bruttobasis unter dem T-Bill-Zins, verliert der Trade schon vor Kosten.
Wie werden Krypto-Futures in Österreich besteuert und reguliert?
Futures und Perps sind Finanzinstrumente unter MiFID II und werden von der FMA beaufsichtigt, nicht von MiCA. Für Privatkunden gilt bei CFD-artigen Perps ein Hebel von höchstens 2:1. Gewinne unterliegen dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent; heimische Plattformen behalten die KESt seit 1. Jänner 2024 automatisch ein.
Was bedeutet die Fed-Erhöhung für die Basis bis Dezember 2026?
Die Erhöhung auf 3,75 bis 4,00 Prozent hebt den risikofreien Boden, unter dem die Basis schon lag. Da 16 von 18 Fed-Mitgliedern weitere Schritte erwarten und der Dezember offen ist, dürfte die Basis ein dünner, spot-getriebener Markt mit geringer Prämie bleiben, solange die gehebelte Nachfrage nicht zurückkehrt.
Liam Brennan berichtet für HOGE Wire über Märkte, Makro und die Mechanik hinter den Krypto-Kursen.