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● Markets

Basis-Trade im Backtest: Bitcoin-Carry seit 2019 auf dem Prüfstand

Alle zitieren die 40-Prozent-Spitzen, kaum jemand die volle Bilanz. Ein Backtest des Bitcoin-Basis-Trades von 2019 bis heute: Drawdowns, Ausfälle und das Urteil nach dem Fed-Zinsschritt.

Jeder in der Krypto-Welt kennt den Pitch: Kaufe Spot, verkaufe den Future, kassiere eine marktneutrale, angeblich risikolose Prämie von, auf dem Höhepunkt, 40 oder sogar 48 Prozent im Jahr. Diese Schlagzeilenzahl wird endlos zitiert. Was fast niemand veröffentlicht, ist die volle Bilanz: die Drawdowns, die Rollkosten, die zwei Gelegenheiten, bei denen das vermeintlich risikofreie Bein platzte, und die lange Strecke seit 2025, in der der Carry weniger einbrachte als eine kurzlaufende US-Staatsanleihe. Dieser Beitrag rechnet den Bitcoin-Basis-Trade als echten Backtest durch, von den fetten Offshore-Prämien des Jahres 2019 bis in den Herbst 2026 nach dem Zinsschritt der Fed.

Das Urteil vorweg: Der Basis-Trade ist eine Strategie mit positivem Carry und gelegentlichen, brutalen Ausfällen am Rand der Verteilung. Und nachdem die Fed ihren Boden am 16. September auf knapp 4 Prozent angehoben hat, ist genau die dünne Scheibe, die er über dem risikofreien Zins noch zahlt, das, was ein ehrlicher Backtest rechtfertigen muss.

Der Trade, den alle zitieren und selten nachrechnen

Die Basis ist die simpelste Zahl im Krypto-Derivatemarkt und zugleich die am häufigsten missverstandene. Sie ist die Differenz zwischen dem Preis eines Futures und dem Spotpreis. Ist der Future teurer (Contango), signalisiert das gehebelte Long-Nachfrage und Optimismus; ist er billiger (Backwardation), herrscht Stress oder Zwangsverkauf. Der Cash-and-Carry-Trade erntet diese Differenz, indem er beide Beine gleichzeitig hält, und behauptet, gegen die Preisrichtung von Bitcoin immun zu sein.

Das Problem ist die Buchhaltung. Wer eine Strategie beurteilen will, darf nicht die Spitzenrendite eines guten Quartals hernehmen, sondern muss die gesamte Renditereihe abbilden, samt der Wochen, in denen sie kollabierte. Ein Backtest zwingt genau dazu. Er verwandelt die Marketing-Zahl (bis zu 48 Prozent) in eine ehrliche Verteilung: Wie oft war der Trade positiv, wie tief waren die Verluste, und wie viel blieb nach Kosten und, für österreichische Anleger, nach Steuer wirklich übrig. Diese Frage stellt kaum eine Krypto-Publikation, und die Antwort ist unbequemer, als die Prämien-Schlagzeilen vermuten lassen.

Was der Basis-Trade eigentlich ist

Kurz zur Mechanik, denn ohne sie ist kein Backtest lesbar. Die Basis ist der Futurepreis minus der Spotpreis. Annualisiert wird sie über die Formel Basis geteilt durch Spot, multipliziert mit 365 geteilt durch die Restlaufzeit in Tagen. Ein Ein-Monats-Aufschlag von 0,65 Prozent wird so zu rund 7,9 Prozent pro Jahr, eine Zahl, die dramatischer aussieht, als sie ist, weil man sie selten ein ganzes Jahr lang tatsächlich einfängt.

Der Cash-and-Carry-Trade kombiniert eine Long-Position am Spotmarkt (heute meist über einen Spot-ETF) mit einem Short im Future gleichen Nominalwerts. Am Verfallstag laufen Future und Spot zusammen, der Trader behält die Basis, gleichgültig ob Bitcoin gestiegen oder gefallen ist. Perpetual Futures verfallen nie; ihre Basis ist die Funding Rate, die alle acht Stunden zwischen Longs und Shorts fließt (Deribit deckelt sie für Bitcoin bei plus/minus 0,5 Prozent pro Periode). Wer wissen will, wie derselbe Zinsschritt der Fed die Funding Rate der Perps neu bepreist hat, findet das in unserer Analyse zu Perp-Funding nach dem Fed-Hike. Für den Backtest zählt: Perp-Funding ist der Tagesgeldsatz der Krypto-Welt, die datierten Futures sind ihre Terminzinsen.

Wie man einen Basis-Trade ehrlich backtestet

Die annualisierte Brutto-Basis lügt auf zwei Arten, und ein sauberer Backtest korrigiert beide. Erstens verzerrt die Annualisierung: Ein kurzlebiger Aufschlag am Frontmonat wird zu einer scheinbar hohen Jahresrate hochgerechnet, die nie realisiert wird, weil die Prämie zusammenschmilzt, bevor das Jahr um ist. Deshalb ist die geglättete Drei-Monats-Basis aussagekräftiger als die Frontmonats-Schlagzeile.

Zweitens, und das ist entscheidend: Der risikofreie Zins steckt im fairen Wert des Futures. Nach der Kostentragungsformel gilt Future gleich Spot mal (1 plus r mal Laufzeit). Ein Teil jeder Contango-Prämie ist also schlicht der Preis des Geldes und keine Krypto-spezifische Rendite. Der echte Überschuss, den der Backtest messen muss, ist nur der Teil oberhalb von r. Eine Basis von 5 Prozent bei einem T-Bill von 4 Prozent ist real ein Überschuss von einem Prozentpunkt, nicht von fünf. Wer das ignoriert, backtestet einen Geldmarktfonds mit Extra-Risiko und nennt ihn eine Krypto-Strategie.

Ein ehrlicher Backtest bucht daher drei Dinge: den Überschuss über r, alle Reibungskosten (Roll, Gebühren, Slippage, Kapitalbindung) und, unverzichtbar, die Ausfallereignisse. Eine Strategie, die drei Jahre lang 8 Prozent verdient und in einer Woche 40 Prozent verliert, ist keine 8-Prozent-Strategie.

2019 bis Anfang 2020: die fette Offshore-Prämie

Der Ausgangspunkt des Backtests ist das goldene Zeitalter des Carry. Die vielzitierte Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS Working Paper Nr. 1087, Crypto Carry, von Maik Schmeling, Andreas Schrimpf und Karamfil Todorov) zeigt: Der Krypto-Carry lag im Schnitt über 10 Prozent pro Jahr und übersprang in Spitzen 40 Prozent. Bei Ein-Monats-Bitcoin-Futures auf OKEx erreichte oder überschritt er in drei Phasen die Marke von 40 Prozent pro Jahr: Anfang 2019, Anfang 2020 und im März 2021.

Bemerkenswert ist die Ursache. Laut BIS erklären Zinsdifferenzen den Carry kaum. Getrieben wurde er von trendfolgender, gehebelter Nachfrage von Privatanlegern, die auf begrenztes Arbitrage-Kapital traf, dazu eine Art Unbequemlichkeitsrendite dafür, das Kapital auf riskanten Offshore-Börsen zu binden. Übersetzt: Die Prämie war fett, weil zu wenige Akteure die Bilanz und den Risikoappetit hatten, sie wegzuhandeln. Das ist die schöne Seite des Backtests, hohe Renditen, aber auf Plattformen wie BitMEX und OKEx, deren Risiken die annualisierte Zahl vollständig verschweigt. Was das bedeutet, zeigte sich wenige Wochen später.

März 2020: der erste Stresstest

Am 12. März 2020, dem Corona-Crash, verlor Bitcoin an einem Tag fast die Hälfte seines Werts. Die Basis komprimierte sich nicht nur, sie kippte gewaltsam in die Backwardation. Laut einer Auswertung von BTSE handelten BitMEX-Futures mit einem Abschlag von über 400 US-Dollar zum Spot, das entspricht rund minus 19 Prozent Backwardation gegenüber 2 Prozent Contango am Vortag; OKEx rutschte auf minus 15,1 Prozent. Annualisiert druckten die Ein-Monats-Kontrakte Tiefstände von minus 88,9 Prozent auf Kraken und minus 154,1 Prozent auf OKEx; die Drei-Monats-Basis fiel auf minus 62,8 Prozent (FTX), minus 49,2 Prozent (BitMEX) und minus 44,2 Prozent (Deribit).

Für einen Cash-and-Carry-Trader, der Spot long und den Future short war, sieht das abgesichert aus, und auf dem Papier war es das auch. Der Haken liegt in der Mechanik einer Kaskade: Zwangsliquidationen, überlastete Börsen und das Risiko, dass der Short-Future automatisch glattgestellt wird oder der Spot-Bestand nicht bewegt werden kann, während ein Margin-Call hereinkommt. Das ist das erste Ausfallereignis des Backtests. Die Struktur hielt, aber nur für jene, die Margin nachschießen und beide Beine am Leben halten konnten. Die extreme Backwardation markierte historisch übrigens einen Boden, weil sie Kapitulation anzeigt, ein Muster, das sich 2022 wiederholen sollte.

2021: 48 Prozent, dann das Deleveraging

Als Bitcoin im April 2021 die Marke von 60.000 US-Dollar durchbrach, explodierte die Prämie. Laut einem zeitgleichen Bericht von CoinDesk trugen die Juni-Futures auf Binance, Huobi, OKEx, BitMEX und Deribit eine annualisierte Prämie von 44 bis 48 Prozent; selbst die vergleichsweise zahme Delta Exchange lag bei 30 Prozent. Die Prämie war mit dem Spotpreis von rund 32 auf über 40 Prozent geklettert. Das war ungefähr das Dreifache dessen, was US-Staatsanleihen zahlten, und lag weit über den Krypto-Depotzinsen von Plattformen wie Genesis oder BlockFi.

Patrick Heusser, damals Head of Trading bei der Crypto Finance AG, brachte die Stimmung auf den Punkt, als er den Trade beschrieb: „That’s what we initiated today.“ Dann folgt die hässliche Fußnote des Backtests: Das Deleveraging im Mai 2021 (China-Mining-Verbot, Hebel-Auswaschung) ließ die Prämie binnen Wochen kollabieren. Die Lehre ist strukturell und unbequem: Der fetteste Carry taucht genau dann auf, wenn die gehebelte Long-Nachfrage am überfülltesten ist, also unmittelbar bevor sie sich auflöst. Die BIS formuliert es so, dass hohe Carry-Werte Abstürzen vorausgehen, nicht folgen. Wer die 48 Prozent als Durchschnittsrendite in den Backtest einträgt, betreibt Selbsttäuschung.

2022: als risikolos seine Grenzen zeigte

2022 war das Jahr, in dem das Wort risikolos einer Prüfung unterzogen wurde. Die Kaskade rollte in Wellen: Terra/LUNA im Mai, Three Arrows Capital im Juni und Juli, Voyager und Celsius im Sommer, dann FTX im November. Jede Welle traf den Basis-Trade nicht über den Preis (der Trade ist ja preisneutral), sondern über das Bein, das alle unterschätzen: die Börse selbst. Die akademische Aufarbeitung (FTX’s downfall and Binance’s consolidation) beschreibt es als die Fragilität einer zentralisierten Krypto-Finanzwelt: Es sind Counterparty- und operationelle Risiken, die Basis-Trades töten, nicht Modellfehler.

Als FTX zusammenbrach, riss die Pleite einen erheblichen Teil der Basis-Trader mit, deren Collateral oder Short-Bein auf der Börse lag. Die Terminkurve kippte tief in die Backwardation, die genau den Zyklustiefpunkt bei rund 15.000 US-Dollar markierte. Das ist das zweite und lehrreichere Ausfallereignis, denn der Verlust kam nicht aus der Basis, sondern aus der Insolvenz der Gegenpartei. Genau hier zerbricht das Wort risikolos: Ein preisneutraler Trade kann dich trotzdem ruinieren, wenn die Plattform, auf der er lebt, verschwindet.

AusfallereignisZeitraumWas mit der Basis geschahWas den Trade wirklich traf
Corona-CrashMärz 2020Backwardation, annualisiert bis minus 154 Prozent (OKEx, 1M)Zwangsliquidationen, Margin-Calls, Börsen-Überlastung
Mai-DeleveragingMai 202148-Prozent-Prämie in Wochen kollabiertCrowding-Unwind bei überfüllten Longs
3AC / Celsius / FTXJuni bis November 2022Terminkurve tief negativCounterparty- und Insolvenzrisiko der Börse
Seltene BackwardationFebruar 2025Basis unter nullNachfrage-Vakuum, kein Long-Hebel

2023 bis 2024: der ETF industrialisiert den Trade

2023 erholte sich der Markt, und mit ihm die Basis. Ende 2023 lag die annualisierte CME-Basis im hohen zweistelligen Bereich, laut Coinbase Institutional bei rund 25 bis 45 Prozent. Dann kam der strukturelle Bruch, der den Backtest in zwei Epochen teilt: Am 11. Jänner 2024 starteten die US-Spot-Bitcoin-ETFs. Plötzlich war das Cash-Bein kein Haufen Coins auf einer Offshore-Börse mehr, sondern ein reguliertes, liquides, beleihbares Instrument (IBIT und Konkurrenten).

Das industrialisierte den Trade. Hedgefonds kauften den ETF und shorteten CME-Futures im großen Stil, und die Basis komprimierte sich binnen Wochen nach dem Start auf im Schnitt etwa 10 Prozent. Sie sprang weiterhin mit dem Momentum: Laut der Analyse Revisiting the Bitcoin Basis von CF Benchmarks erreichte sie im Februar 2024 rund 25 Prozent und übersprang nach der US-Wahl im November 2024 die 20-Prozent-Marke, während das Open Interest der CME von rund 30.000 auf 45.000 Kontrakte stieg. Der Trade wurde so groß, dass Hedgefonds in der CME-Statistik der CFTC über Monate eine rekordverdächtige Netto-Short-Position hielten, das exakte Spiegelbild ihrer Long-Position im ETF. Diese Epoche ersetzte das Venue-Risiko der Jahre 2020 und 2022 weitgehend durch regulierte Schienen, in denen ein Verwahrer, nicht eine Offshore-Börse, das Cash-Bein hält. Wie sehr diese Verwahr-Infrastruktur inzwischen den Markt trägt, zeigt unser Beitrag über den größten Wal, der ein Verwahrer ist. Die Renditen wurden kleiner, aber besser einfangbar.

Die Renditebilanz: sieben Jahre auf einen Blick

Legt man die Episoden nebeneinander, entsteht die eigentliche Bilanz des Backtests. Die folgende Tabelle stellt die Brutto-Basis dem risikofreien Zins (als grobe Näherung der Drei-Monats-T-Bill-Rendite laut FRED) gegenüber und zeigt, was als echter Überschuss übrig blieb. Man erkennt sofort das Muster: Der Überschuss war in den gehebelten Boomphasen hoch, in den Crashs negativ und ist seit 2025 dünn bis negativ.

PeriodeBrutto-Basis (annualisiert)Risikofreier Zins (ca. 3M)Überschuss über rAnmerkung
2019 (offshore)Spitzen ab 40 Prozentrund 2 Prozenthochdünne Arbitrage-Kapazität (BIS)
März 2020tief negativnahe 0 ProzentnegativCorona-Crash, Backwardation
2021 (Bull)bis 48 Prozent, dann Absturznahe 0 Prozentsehr hoch, kurzlebigMai-Deleveraging
2022 (Bär)rund 0 bis tief negativ0,25 bis 4,4 Prozentnegativ3AC / Celsius / FTX
Ende 202325 bis 45 Prozentrund 5,3 Prozentmäßig positivVor-ETF-Erholung
Februar 2024rund 25 Prozent Spitze, dann rund 10 Prozentrund 5,4 ProzentpositivETF-Start industrialisiert den Trade
November 2024über 20 Prozentrund 4,6 Prozentpositivnach US-Wahl
Februar 2025unter 0 Prozentrund 4,3 Prozentnegativseltene Backwardation
August 20267,89 Prozent Front (Artefakt), 3M rund 3 Prozentrund 3,8 Prozentnegativ (3M)Positionsflip, direktional
September 2026 (nach Hike)niedrig einstelligrund 4 Prozentnegativrisikofreier Boden steigt erneut

Die Zahlen sind Näherungen, doch die Form ist robust: Zwei fette Boomjahre, zwei zerstörerische Ausfälle und ein langer, ausgedünnter Ausklang. Wer den Basis-Trade als gleichmäßigen Renditestrom verkauft, blendet die Hälfte der Verteilung aus.

Was übrig bleibt: die Kostenrechnung

Die Brutto-Zahl ist nie der Take-home. Zwischen der Schlagzeilen-Basis und dem, was auf dem Konto landet, liegt ein Kostenstapel, der in ruhigen Regimen fast die gesamte Rendite auffrisst. Die folgende Tabelle geht von einer Brutto-Basis von rund 5 Prozent aus, wie sie heuer typisch ist, und arbeitet sich zum Netto nach Steuer für einen österreichischen Privatanleger vor.

PositionEffekt auf die RenditeKommentar
Brutto-Basis (annualisiert)Ausgangspunkt, z. B. rund 5 Prozentdie zitierte Schlagzeilenzahl
abzüglich risikofreier Zinsminus rund 4 Prozentsteckt im fairen Wert, kein Krypto-Ertrag
abzüglich Roll- und Transaktionskostenminus einige Zehntel bis 1 ProzentKontrakt-Roll, Spreads
abzüglich Slippage und Ausführungminus wenige Zehntel Prozentsteigt mit der Positionsgröße
abzüglich Kapitalbindung (Margin, Haircuts)OpportunitätskostenKapital ist über die Laufzeit gebunden
abzüglich Venue- und Counterparty-Risikoschwer bezifferbar2022 lässt grüßen
= Netto vor Steueroft nahe nullsiehe Marshall-Breakeven
abzüglich 27,5 Prozent KESt (AT)rund ein Viertel des GewinnsParagraf 27a EStG, Quellensteuer seit 1.1.2024
= Netto nach Steuerdie ehrliche Zahlfür Retail meist marginal

Die Größenordnung bestätigt ein Praktiker. Michael Marshall, Head of Research bei Amberdata, deutete die ETF-Abflüsse vom Oktober und November 2025 als „a mechanical basis trade unwind, not broad investor fear“ und wies darauf hin, dass die 30-Tage-Basis von 6,63 auf 4,46 Prozent geschrumpft war, mit 93 Prozent der Tage unter der 5-Prozent-Breakeven-Schwelle (CoinDesk, 4. Dezember 2025). Sobald die Brutto-Basis um 5 Prozent liegt, ist der Trade für viele Adressen nicht mehr profitabel. Für den österreichischen Anleger verschärft die Steuer das Bild: Krypto-Gewinne fallen unter den besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent (BMF), und inländische Plattformen behalten die KESt seit 1. Jänner 2024 automatisch ein. Aus rund 5 Prozent brutto werden so, nach Zinsboden, Kosten und Steuer, leicht null.

Der Sharpe-Blick: Rendite pro Einheit Risiko

Ein Backtest, der nur die Durchschnittsrendite ausweist, verschweigt die halbe Wahrheit. Entscheidend ist die Rendite pro Einheit Risiko. In den ruhigen Phasen wirkt der Basis-Trade wie eine Anleihe mit Extra-Kupon: kleine, stetige Gewinne, kaum Schwankung, ein scheinbar traumhaftes Verhältnis von Ertrag zu Volatilität. Genau diese Ruhe ist die Falle. Die Verteilung der Renditen ist nicht glockenförmig, sondern hat einen langen, dünnen linken Schwanz, der genau dann zuschlägt, wenn auch alle anderen Trades schmerzen: im März 2020, im Mai 2021, im November 2022.

Statistiker nennen das negative Schiefe und fette Ränder. Für den Anleger heißt es: Die schöne Sharpe Ratio der guten Jahre ist geborgt, sie wird in einem einzigen Ereignis zurückgezahlt. Wer den Trade mit Hebel fährt, um die dünne Prämie aufzublasen, vergrößert genau den Schwanz, der ihn ruiniert. Deshalb taugt der Basis-Trade als Beimischung mit strengem Risikobudget, nicht als vermeintlich sichere Renditemaschine. Ein ehrlicher Backtest bepreist den linken Schwanz mit ein, er rechnet ihn nicht heraus.

2025 bis 2026: unter den T-Bill

Nach dem Allzeithoch nahe 126.080 US-Dollar im Oktober 2025 war 2026 eine lange Abwertung. Bis Februar 2026 fiel Bitcoin auf rund 74.500 US-Dollar, gut 40 Prozent unter das Hoch, und die Basis verbrachte lange Strecken unterhalb der Staatsanleihen-Rendite. Der Analyst Marc Baumann zählte vor dem August 157 aufeinanderfolgende Tage, an denen der Carry den Benchmark der Regierung verfehlte. Der Februar 2025 druckte sogar eine seltene Backwardation.

Die vielbeachtete Wiederbelebung im August 2026 (eine annualisierte Frontmonats-Basis von 7,89 Prozent am 7. August laut CryptoSlate) war größtenteils ein Annualisierungs-Artefakt eines kurzlebigen Aufschlags; die geglättete Drei-Monats-Basis lag nur bei rund 3 Prozent, bereits unter dem T-Bill von rund 3,8 Prozent. Das eigentliche Signal war ein Positionswechsel: CME-Hedgefonds drehten erstmals seit Jahren netto long, eine direktionale Wette, kein Carry-Trade. Diese Rotation war in den Flüssen sichtbar: Der 13F-Bericht von CoinShares für das erste Quartal 2026 zeigte, dass Hedgefonds ihr ETF-Engagement um 31.400 BTC kürzten (minus 39 Prozent gegenüber dem Vorquartal), während Banken ihres auf 15.200 BTC mehr als verdoppelten (plus 339 Prozent; JPMorgan plus 3.000, Wells Fargo plus 4.000). Dass das Timing solcher Wal-Bewegungen rund um den Fed-Termin selbst zum Signal wurde, haben wir am Beispiel der Whale Alerts am Fed-Tag nachgezeichnet. Die jüngsten Kapitel des Backtests lesen sich wie eine Strategie im Rückzug.

Der Fed-Zinsschritt hebt die Latte

Am 16. September 2026 hob die Fed unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh das Zielband auf 3,75 bis 4,00 Prozent an, die erste Anhebung seit 2023; die EZB hatte ihren Einlagensatz am 10. September auf 2,50 Prozent gesetzt. Für den Basis-Trade ist das der entscheidende Backtest-Input, denn r ist zugleich der Boden in der Formel Future gleich Spot mal (1 plus r mal Laufzeit) und die Hürde, die der Carry überspringen muss. Steigt der risikofreie Zins, passieren zwei Dinge gleichzeitig: Der faire Contango-Wert im Future steigt (mehr von jeder Prämie ist bloß der Preis des Geldes), und der Hebel-Appetit sinkt, weil Finanzierung teurer wird.

Warsh selbst nährt diese Lesart. In seiner Grundsatzrede in Jackson Hole erklärte er, er wäre „hard pressed to describe broad financial conditions as restrictive“ (Federal Reserve), ein klares Signal, dass der Boden eher steigt als fällt. Übersetzt für den Carry-Trader: Die Latte ist gerade wieder höher gerückt. Wie sich die Basis unmittelbar nach diesem Zinsschritt verhielt, hat unsere Analyse Fed hebt auf 4 Prozent nachgezeichnet; dieser Backtest ordnet dasselbe Ereignis in die lange Reihe seit 2019 ein. Für einen Euro-Anleger aus Österreich kommt eine zweite Falte hinzu: Die Basis wird in Dollar an CME und Offshore-Börsen verdient, die echte Opportunitätskostenlatte ist also entweder der Dollar-Satz von rund 4 Prozent oder der Euro-Satz von rund 2,5 Prozent plus Kosten und Risiko der EUR/USD-Absicherung. So oder so ist eine Brutto-Basis von 5 Prozent kein leichter Sieg.

Wann käme die fette Prämie zurück? Der Backtest gibt eine klare Bedingung vor: Es braucht wieder eine Welle gehebelter Long-Nachfrage, die das verfügbare Arbitrage-Kapital übersteigt. Genau das passierte nach dem ETF-Start und nach der US-Wahl, als frisches, richtungsgebundenes Kaufinteresse die Terminkurve nach oben zog. Ein Zinssenkungszyklus der Fed würde zusätzlich den Boden senken und den Hebel verbilligen, beides Rückenwind. Solange die Fed jedoch strafft und die Nachfrage direktional statt gehebelt bleibt, bleibt die Basis, was sie 2026 ist: ein dünner Aufschlag knapp über oder unter dem risikofreien Zins.

Was der Backtest lehrt (und was nicht)

Fasst man sieben Jahre zusammen, ergeben sich fünf Lehren, die jede Prämien-Schlagzeile relativieren.

  • Es ist positiver Carry, nicht Risikolosigkeit. Die beiden Ausfälle (Liquidität 2020, Counterparty 2022) sind der wahre Preis der Prämie.
  • Hoher Carry ist eine Warnung, kein Geschenk. Die BIS zeigt, dass hohe Carry-Werte Abstürzen vorausgehen; die fetteste Basis erscheint, wenn gehebelte Longs am überfülltesten sind.
  • Die Basis ist gleichlaufend, nicht vorlaufend. Laut CF Benchmarks korreliert sie mit rund 0,50 bis 0,54 mit dem Momentum und sagt es nicht voraus; extreme Gier (Fear-and-Greed über 0,75) fällt mit einer Basis von 15 bis 30 Prozent zusammen. Ein Backtest der Basis als Timing-Signal scheitert daher weitgehend.
  • Regulierung hat das Risiko verschoben, nicht beseitigt. Futures und Perps sind Finanzinstrumente unter MiFID II, beaufsichtigt von der FMA, außerhalb von MiCA (das nur Spot-Assets und CASPs erfasst); die europäische Aufsicht behandelt Perpetuals regulatorisch wie CFDs mit strengen Hebelgrenzen für Privatkunden.
  • Wer ihn einfängt, und was für Österreicher bleibt. Institutionen mit Bilanz und günstiger Finanzierung ernten die dünne Basis; Retail bleibt nach Kosten und 27,5 Prozent KESt meist mit wenig zurück.

Dass 2026 auch die Infrastruktur onshore gewandert ist, mildert immerhin das Venue-Risiko. Die CFTC ließ mit Kalshis BTCPERP das erste US-regulierte Bitcoin-Perpetual zu, und die CME ging in den 24/7-Handel über. CFTC-Chef Mike Selig nannte den Schritt „a major step forward“ auf dem Weg, Amerika zur „crypto capital of the world“ zu machen (CoinDesk). Bessere Schienen, aber weniger Wasser: Die Regulierung senkt das Ausfallrisiko der Jahre 2020 und 2022, sie bringt die fette Prämie nicht zurück. Wer diesen institutionellen Kapitalfluss und seine Duration verstehen will, findet den Kontext in unserem Beitrag über Österreichs Pensionen und Bitcoin. Die Quintessenz des Backtests: Behandle die Basis als Barometer der Hebelnachfrage, nicht als Einkommensstrom, und miss jede Behauptung von Risikolosigkeit an 2020 und 2022.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Bitcoin-Basis-Trade einfach erklärt?

Man kauft Bitcoin am Spotmarkt (heute meist über einen Spot-ETF) und verkauft gleichzeitig einen Future mit gleichem Nominalwert. Die Differenz zwischen Future- und Spotpreis (die Basis) fließt einem zu, wenn beide Preise am Verfallstag zusammenlaufen, unabhängig davon, ob Bitcoin steigt oder fällt. Der Trade ist damit marktneutral, aber nicht risikolos.

Wie hoch war die Rendite des Basis-Trades historisch?

In den Boomphasen war sie sehr hoch: an Offshore-Börsen bis zu 44 bis 48 Prozent annualisiert im April 2021 und rund 25 Prozent nach dem ETF-Start im Februar 2024. In ruhigen oder fallenden Märkten sank sie auf niedrige einstellige Werte, und 2025 sowie 2026 fiel sie zeitweise sogar unter die Rendite kurzlaufender US-Staatsanleihen.

Ist der Basis-Trade wirklich risikolos?

Nein. Das Preisrisiko ist zwar weitgehend neutralisiert, aber der Trade trägt Counterparty- und Venue-Risiko (2022 riss die FTX-Pleite viele Basis-Trader mit), Liquiditäts- und Margin-Risiko in Crashs (März 2020) sowie das Risiko, dass die Basis unter den risikofreien Zins fällt. Genau deshalb braucht eine ehrliche Bilanz einen Backtest inklusive dieser Ausfälle.

Warum ist die Futures-Basis 2026 so niedrig?

Weil die Nachfrage nach gehebelten Long-Positionen abgeklungen ist und der risikofreie Zins gestiegen ist. Nach dem Fed-Zinsschritt vom 16. September 2026 auf 3,75 bis 4,00 Prozent liegt die Latte höher: Ein großer Teil jeder Contango-Prämie ist nur noch der Preis des Geldes, und der echte Krypto-Überschuss darüber ist dünn.

Wie werden Gewinne aus dem Basis-Trade in Österreich besteuert?

Gewinne aus Kryptowährungen unterliegen in Österreich dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent (Paragraf 27a EStG), inländische Plattformen behalten die KESt seit 1. Jänner 2024 automatisch ein. Krypto-Derivate wie Futures gelten als Finanzinstrumente unter MiFID II und werden von der FMA beaufsichtigt, nicht unter MiCA. Nach Kosten und Steuer bleibt von einer Brutto-Basis von rund fünf Prozent für Privatanleger oft wenig übrig.

Von Liam Brennan, Senior-Redakteur für Märkte bei HOGE Wire.

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