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● Gaming & GameFi

Axie Infinity 2026: Umbau, Wallet-Umzug und die KI-Wette

Axie Infinity war der Pionier von Play-to-Earn und danach dessen abschreckendes Beispiel. Im Oktober 2026 laufen Umbau, Waypoint-Umzug und KI-Vibeathon parallel: eine Bestandsaufnahme.

Wenige Krypto-Spiele sind so steil aufgestiegen und so tief gefallen wie Axie Infinity. Das NFT-Spiel aus dem Hause Sky Mavis war 2021 das Aushängeschild der Play-to-Earn-Bewegung, ein Jahr später der Beweis, dass eine Spielwirtschaft, die ihre Nutzer fürs Spielen bezahlt, kippen kann. Heuer, im Oktober 2026, läuft bei Axie gleich an drei Fronten etwas: Die KI-Bastelrunde Vibeathon geht in die entscheidende zweite Runde, die alte Waypoint-Wallet wird am 16. Oktober abgeschaltet, und der AXS-Token sprang am 4. Oktober kurz auf 1,37 US-Dollar, bevor er wieder nachgab.

Das ist ein guter Moment für eine Bestandsaufnahme. Was ist Axie Infinity überhaupt, wie kam es hierher, wie sieht der Umbau zum sogenannten Own-to-Earn aus, was sind die drei Token heute noch wert, und was bedeutet das alles für Spielerinnen, Spieler und Anlegerinnen in Österreich unter MiCA und dem 27,5-prozentigen Sondersteuersatz? Dieser Beitrag ordnet die Lage ein, ohne Nostalgie und ohne Grabrede.

Warum Axie im Oktober 2026 wieder auf der Agenda steht

Drei Entwicklungen fallen heuer im Oktober zusammen. Erstens die Vibeathon: ein Wettbewerb, bei dem Teilnehmer mithilfe von KI-Werkzeugen spielbare Axie-Spiele bauen; die zweite Runde läuft vom 4. bis 31. Oktober, die Gewinner werden am 5. November bekanntgegeben. Zweitens der Wallet-Umzug: Die keylose Waypoint-Wallet, mit der viele Spieler ohne Seed-Phrase eingestiegen sind, wird am 16. Oktober geschlossen. Drittens die Kursbewegung: AXS legte am 4. Oktober laut TokenPost um 13,34 Prozent auf 1,37 US-Dollar zu, im Gleichschritt mit dem breiteren Gaming-Sektor.

Wichtig für die Einordnung: Von der Manie des Jahres 2021 ist das alles weit entfernt. Die Nutzerzahlen, die Umsätze und die Token-Kurse bewegen sich auf einem Bruchteil der damaligen Niveaus. Was heute passiert, ist kein zweiter Boom, sondern der Versuch, aus den Trümmern ein tragfähiges Modell zu bauen. Genau das macht den Fall interessant: Axie ist weder tot noch zurück, sondern mitten im Umbau.

Zusammengenommen zeichnen die drei Ereignisse ein Unternehmen, das zugleich aufräumt und neu baut: Es verabschiedet alte Infrastruktur (Waypoint), erprobt neue Produktideen (Vibeathon) und lebt dabei mit einem Markt, der auf jede Schlagzeile überzogen reagiert (der Kurssprung). Für Spielerinnen und Spieler in Österreich ist vor allem der 16. Oktober relevant, weil hier echte Vermögenswerte auf dem Spiel stehen; für Anleger ist es die Frage, ob hinter den Kursbewegungen eine Substanz steckt oder nur dünne Liquidität.

Was Axie Infinity ist: Kreaturen, Ketten und Karten

Axie Infinity ist ein Sammel- und Kampfspiel rund um digitale Kreaturen, die Axies heißen. Jede Axie ist ein NFT, also ein eindeutiger, handelbarer Eintrag auf der Blockchain, den die Spielerin oder der Spieler selbst besitzt. Man sammelt Axies, züchtet neue und schickt Teams im Kartenkampfspiel Origins gegeneinander ins Rennen. Entwickelt wird das Ganze vom vietnamesischen Studio Sky Mavis, das aus dem einzelnen Spiel längst ein ganzes Ökosystem gemacht hat.

Darunter liegt Ronin, eine eigens fürs Gaming gebaute Blockchain, die seit Mai 2026 als Layer-2 von Ethereum läuft. Drei Token prägen die Wirtschaft: AXS ist der Governance- und Staking-Token, SLP (Smooth Love Potion) war die klassische Spielbelohnung, und RON zahlt die Transaktionsgebühren der Kette. Dazu kommt seit heuer ein vierter Baustein, bAXS, der im Umbau eine zentrale Rolle spielt. Wer die Geschichte von Axie verstehen will, muss diese Teile auseinanderhalten: Die Axies selbst sind NFTs, die Buchstaben-Token sind Kryptowährungen, und steuerlich wie regulatorisch werden sie unterschiedlich behandelt.

Das Herzstück ist seit Jahren Axie Infinity: Origins, ein rundenbasiertes Kartenkampfspiel. Jede Axie gehört einer von mehreren Klassen an (etwa Beast, Aqua, Plant) und bringt über ihre sechs Körperteile verschiedene Karten und Fähigkeiten mit. Im Kampf stellt man ein Team aus drei Axies zusammen und versucht, die gegnerische Aufstellung mit der richtigen Mischung aus Angriff, Heilung und Energie-Management auszuschalten. Dazu kommt das Züchten (Breeding): Aus zwei Axies lässt sich eine neue erzeugen, deren Eigenschaften sich aus den Eltern ableiten. Genau dieses Züchten war in der Boomphase der Motor der Wirtschaft, weil es SLP und AXS verbrannte und zugleich neue handelbare NFTs schuf.

Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Stationen zusammen, bevor wir sie im Detail auseinandernehmen.

ZeitpunktEreignis
2018Sky Mavis veröffentlicht Axie Infinity auf Ethereum
Okt. 2021Series B über 152 Mio. USD (a16z), Bewertung rund 3 Mrd. USD
Ende 2021Höhepunkt mit bis zu 2,7 Mio. täglich aktiven Nutzern
Feb. 2022SLP-Emissionen drastisch gekürzt, Warnung vor dem Kollaps
März 2022Ronin-Bridge-Hack über rund 625 Mio. USD
Apr. 2022150 Mio. USD (von Binance geführt) zur Entschädigung der Opfer
Jänner 2026SLP-Verdienst im Ranked-Modus gestoppt
Feb. 2026Ankündigung des neuen Token bAXS
Mai 2026Ronin wird zum Ethereum-Layer-2
Juni 2026Start des Sammelspiels Terrariums
Sep. 2026Axie Classic eingestellt, Vibeathon beginnt
Okt. 2026Waypoint endet am 16., Vibeathon-Finale läuft

Der Aufstieg: Play-to-Earn, Stipendien und die Philippinen

Mitten in der Pandemie wurde Axie zum Phänomen. Vor allem auf den Philippinen, in Venezuela und Indonesien entdeckten Menschen, dass sich mit dem Spiel echtes Geld verdienen ließ: Man erspielte SLP und tauschte es gegen lokale Währung. Auf dem Höhepunkt Ende 2021 zählte Axie laut einer Reportage von Rest of World bis zu 2,7 Millionen täglich aktive Nutzer; in manchen Regionen lag der Verdienst zeitweise über dem örtlichen Mindestlohn. Für viele war das in den Lockdown-Monaten kein Spiel, sondern Erwerbsarbeit.

Möglich machte das ein zweiter Baustein: das Stipendienmodell. Weil man zum Spielen drei Axies brauchte, deren Preise rasch unerschwinglich wurden, verliehen Gilden wie Yield Guild Games (YGG) komplette Teams an sogenannte Scholars, die damit spielten und den Ertrag teilten, meist im Verhältnis 70 zu 20 zu 10 zwischen Scholar, Manager und Gilde. Tausende Menschen kamen so an ein Axie-Team, ohne es kaufen zu müssen. Das Kapital floss entsprechend: Im Oktober 2021 sammelte Sky Mavis in einer von Andreessen Horowitz (a16z) angeführten Series B laut The Block 152 Millionen US-Dollar ein, bei einer Bewertung von rund drei Milliarden Dollar. Axie war der Beweis, dass Blockchain-Gaming groß werden konnte.

Wie groß das Phänomen war, zeigt die Guild-Szene. Yield Guild Games wuchs von einigen Hundert Scholars Anfang 2021 auf mehrere Zehntausend ein Jahr später; auf den Philippinen entstanden Hunderte lokaler Manager-Netzwerke, die Teams verwalteten und neue Spieler anlernten. Für Menschen, die im Lockdown ihren Job verloren hatten, war das ein realer Rettungsanker, mit allen Risiken einer Einkommensquelle, die vollständig vom Kurs eines einzelnen Spieler-Tokens abhing. Das ist die menschliche Kehrseite der Zahlen, die in den Jubelmeldungen jener Monate oft unterging.

Der Absturz: die SLP-Todesspirale von 2022

Der Konstruktionsfehler steckte im Token selbst. SLP hatte keine Obergrenze: Neue Spieler schöpften mehr davon, als das Spiel über das Züchten wieder vernichtete. Solange frisches Geld hereinströmte, hielt der Preis; als der Zustrom nachließ, brach er weg. SLP fiel von rund 0,35 bis 0,40 US-Dollar Mitte 2021 auf wenige Cent Anfang 2022. Was als Belohnung gedacht war, wurde zur Inflationsmaschine.

Mechanisch war die Spirale simpel. SLP entstand beim Spielen praktisch unbegrenzt, verbraucht wurde es vor allem beim Züchten. Solange ständig neue Spieler nachkamen und züchteten, hielt die Nachfrage mit dem Angebot mit. Als der Zustrom stockte, kippte das Verhältnis: Es wurde mehr SLP erzeugt als vernichtet, der Preis fiel, der erwartbare Verdienst sank, noch mehr Spieler verkauften sofort, und der Kreislauf verstärkte sich selbst nach unten. Ökonomen nennen so etwas eine Todesspirale, und Axie wurde zum Lehrbuchbeispiel dafür, warum ein unbegrenzt emittierter Reward-Token ohne echte Senken nicht funktioniert.

Im Februar 2022 zog Sky Mavis die Notbremse und kürzte die SLP-Ausschüttung drastisch, unter anderem auf null für Abenteuer- und Tagesquests. Das Entwicklerteam warnte damals ungewöhnlich offen: „The Axie economy requires drastic and decisive action now or we risk total and permanent economic collapse“, zitiert von CoinDesk. Übersetzt: Die Axie-Wirtschaft brauche sofort drastisches Eingreifen, sonst drohe der totale und dauerhafte Kollaps.

Der menschliche Preis war hoch. Mit dem SLP-Kurs fielen die Einkünfte der Scholars unter das lokale Lohnniveau; wer Axie als Job behandelt hatte, stand plötzlich mit leeren Händen da. Die Lehre fasste YGG-Mitgründer Gabby Dizon später so zusammen: „A sustainable model requires a real digital economy where people are willing to pay because they see value in the assets or the gameplay“, in einem Beitrag auf BlockchainGamer. Ein tragfähiges Modell setze also eine echte digitale Wirtschaft voraus, in der Menschen aus Überzeugung zahlen, nicht nur, weil sie auf Weiterverkauf hoffen. Eine Spielwirtschaft, die nur funktioniert, solange neues Geld nachfließt, ist keine Wirtschaft, sondern ein Laufband.

Der 625-Millionen-Hack und der lange Wiederaufbau

Zum wirtschaftlichen Einbruch kam die Sicherheitskatastrophe. Am 23. März 2022 räumten Angreifer die Ronin-Bridge leer, die Brücke zwischen Ronin und Ethereum: rund 625 Millionen US-Dollar in Ether und USDC, wie CoinDesk berichtete. Der Diebstahl fiel erst sechs Tage später auf. Die Angreifer hatten die Kontrolle über fünf der neun Validator-Schlüssel erlangt, die damals nötig waren, um Auszahlungen zu bestätigen, ein Konstruktionsrisiko einer zu stark zentralisierten Brücke.

US-Behörden ordneten den Angriff später der nordkoreanischen Lazarus-Gruppe zu. Um die Opfer zu entschädigen, sammelte Sky Mavis im April 2022 in einer von Binance angeführten Runde 150 Millionen US-Dollar ein, dokumentiert von CoinDesk. Danach begann ein jahrelanger Umbau der Sicherheitsarchitektur: mehr und unabhängigere Validatoren, der Schritt zu einem offenen (permissionless) Validator-Set und schließlich im Mai 2026 die Umwandlung von Ronin in einen Ethereum-Layer-2. Seither erbt Ronin die Sicherheit von Ethereum und braucht die anfällige Bridge als Honigtopf nicht mehr, wie Sky Mavis im Ronin-Blog darlegte. Native USDC kommen nun über Circles Transferprotokoll CCTP auf die Kette, ohne verwahrte Ersatzmünze.

Der Ronin-Diebstahl zählt bis heute zu den größten im Kryptobereich und wurde zum Symbol für ein strukturelles Problem der Branche: Nicht der Smart Contract des Spiels wurde geknackt, sondern die Schlüsselverwaltung der Brücke. Für Axie kam der Schlag zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, mitten im ohnehin laufenden wirtschaftlichen Einbruch. Dass das Studio die Nutzer vollständig entschädigte und die Kette technisch neu aufstellte, statt sie aufzugeben, ist der Grund, warum es Axie 2026 überhaupt noch gibt.

Vom Play-to-Earn zum Own-to-Earn: Terrariums und bAXS

Aus beiden Krisen zog Sky Mavis dieselbe strategische Schlussfolgerung: Hör auf, Menschen fürs Spielen zu bezahlen, denn das lockt Farmer an, die den Reward sofort verkaufen. Mach stattdessen das Besitzen und Sammeln wertvoll. Das Schlagwort dafür heißt Own-to-Earn. Ein sichtbares Zeichen des Kurswechsels: Anfang 2026 schüttete der Ranglisten-Modus Origins kein SLP mehr aus, und im Februar kündigte das Studio im Axie-Blog den neuen Reward-Token bAXS an.

Das erste große Produkt dieser Logik ist Terrariums, ein Sammelspiel, das im Juni 2026 startete. Statt einen Token zu grinden, richtet man seine Axies ein und lässt die Sammlung Ertrag abwerfen. In der Eröffnungswoche setzte Terrariums laut eGamers 95.753 US-Dollar um. Die Idee: Axies sind nicht länger Arbeitsgeräte, mit denen man einen Lohn erspielt, sondern Sammlerstücke, die für ihre Besitzer arbeiten.

Terrariums funktioniert dabei anders als das alte Grinden. Man weist seine Axies einem Terrarium zu, wo sie über eine Ressource namens Atia’s Flame Ertrag erzeugen; seltenere Axies tragen überproportional viel bei. Der Ertrag fließt in bAXS statt in einen frei handelbaren Farm-Token, und wer mehr herausholen will, muss investieren und seine Sammlung gezielt aufwerten, statt bloß stupide Stunden abzuspulen. Das verschiebt den Anreiz vom schnellen Auszahlen hin zum langfristigen Aufbauen, zumindest ist das die Absicht hinter dem Modell.

bAXS ist der Token, der diese Wende tragen soll. Sky Mavis beschreibt ihn als jenen Reward-Token, der AXS bei der Belohnungsausschüttung weitgehend ablösen und bewusst zum Ausgeben im Ökosystem anregen soll, um den Kreislauf aus Farmen und sofortigem Verkauf zu durchbrechen. Daneben läuft mit Atia’s Legacy die ehrgeizigste Wette des Studios: ein vollwertiges MMO im Axie-Universum, das sich seit Ende 2025 in Testphasen befindet und dessen globaler Start für 2026 in Aussicht gestellt ist. Sollte es landen, wäre es das erste Axie-Spiel, das Menschen wegen des Spielens anzieht und nicht wegen des Verdienstes.

Die Vibeathon: Spiele aus dem KI-Baukasten

Die aktuell sichtbarste Baustelle ist die Vibeathon, ein Wettbewerb, bei dem Teilnehmer mit KI-Werkzeugen (sogenanntem Vibe-Coding) spielbare Axie-Spiele bauen. Der Preistopf umfasst 20.000 bAXS, rund 18.000 US-Dollar. Die Grundannahme formuliert Sky Mavis im Axie-Blog selbst: „You do not need to be a programmer to join. With a clear idea and direction, AI tools can help you turn it into something playable“, man müsse also kein Programmierer sein, eine klare Idee reiche, den Rest erledige die KI.

Der Zeitplan ist eng getaktet: Runde eins lief vom 8. bis 21. September, die Finalisten standen am 29. September fest. Runde zwei läuft jetzt, vom 4. bis 31. Oktober, die Gewinner werden am 5. November verkündet. Laut BlockchainGamer gingen aus 402 angemeldeten Teams 90 spielbare Titel hervor; bis zu acht ziehen ins Finale ein, und jeder Finalist der zweiten Runde erhält zusätzlich 250 USDC für KI-Werkzeuge.

So charmant die Idee ist, ein Detail ernüchtert: Nur 11 der 90 Spiele setzten überhaupt eine Ronin-Wallet oder eine echte Axie-NFT voraus. Die meisten Einreichungen berühren die Blockchain also kaum. Das wirft die Frage auf, ob hier echte On-Chain-Nachfrage entsteht oder vor allem ein Marketing-Trichter. Die ehrliche Antwort kommt nicht am 5. November, sondern erst daran, ob eines dieser Spiele 2027 noch Spieler hat.

Hinter dem Experiment steckt eine Wette auf die Ökonomie des Spielemachens selbst. Wenn KI-Werkzeuge die Kosten, einen spielbaren Prototyp zu bauen, gegen null drücken, kann eine Kette hoffen, mit kleinen Preisgeldern eine große Zahl von Experimenten anzustoßen, in der Hoffnung, dass einige davon zünden. Das ist billiger als klassische Studioförderung, verlagert aber das Risiko: Aus hundert schnell gebauten Prototypen wird nicht automatisch ein Spiel, das Menschen über Monate bindet. Die Vibeathon ist damit weniger ein Produktstart als ein Trichter, an dessen Ende Sky Mavis auf den einen Treffer hofft.

Der Wallet-Umzug: Waypoint endet am 16. Oktober

Der dringendste praktische Punkt betrifft die Wallet. Waypoint, die keylose Brieftasche, mit der viele ohne Seed-Phrase eingestiegen sind, wird abgeschaltet und durch Ronin Stash ersetzt (ebenfalls keylos, per E-Mail oder Social-Login). Sky Mavis kündigte die Abschaltung am 2. Oktober an; die Frist läuft am 16. Oktober ab und wurde bereits einmal verschoben, vom ursprünglichen 16. September, wie The Crypto Times berichtet.

Es gibt zwei Wege: der Umzug zu Ronin Stash oder der Transfer in eine selbstverwahrte Seed-Phrase-Wallet. Automatisch passiert nichts. Vermögenswerte, die nach dem 16. Oktober in einem Waypoint-Konto verbleiben, könnten laut Bericht „unerreichbar“ werden, was vor allem inaktive Spieler trifft, die den Hinweis nie gesehen haben. Noch heikler: bAXS und die On-Chain-Abzeichen (Badges) wandern separat über app.axieinfinity.com, und zwar einmalig und unwiderruflich. Sky Mavis stellt klar: „the migration can only be completed once. A player who links the wrong wallet has no second attempt“, der Umzug lasse sich also nur ein einziges Mal durchführen, wer die falsche Wallet verknüpfe, habe keinen zweiten Versuch. Die Mechanik und die Fallstricke haben wir im Detail in unserem Beitrag zu Ronins Waypoint-Aus und dem Wallet-Umzug aufgeschlüsselt.

Für österreichische Nutzer gibt es dabei eine beruhigende Nachricht: Das Verschieben eigener Assets von einer Wallet in eine andere ist keine Veräußerung und löst daher keine Steuer aus; es setzt auch die Behaltefrist nicht zurück. Das Risiko liegt hier nicht beim Finanzamt, sondern in der Unumkehrbarkeit des Vorgangs. Wer migriert, sollte Wallet-Adresse und Seed-Phrase zweimal prüfen.

Die drei Token im Kurs-Check: AXS, SLP und RON

Die folgende Momentaufnahme stammt vom 7. Oktober 2026 (Quelle: CoinGecko). Sie zeigt eindrücklich, wie weit die drei Token von ihren Höchstständen entfernt sind.

TokenPreis (EUR / USD)MarktkapitalisierungAbstand zum AllzeithochUmlauf
AXS1,06 € (1,19 $)208,3 Mio. USD-99,3 % (ATH 164,90 $)174,8 Mio. (max 270 Mio.)
SLP0,000575 € (0,000646 $)23,4 Mio. USD-99,8 % (ATH 0,3997 $)36,2 Mrd.
RON0,0577 € (0,0648 $)50,1 Mio. USD-98,5 % (ATH 4,45 $)772,4 Mio. (max 1 Mrd.)

Zusammen bringen es die drei auf rund 282 Millionen US-Dollar, einen Bruchteil der Bewertung von etwa drei Milliarden Dollar aus dem Jahr 2021. Alle drei liegen zwischen 98 und 99,8 Prozent unter ihrem Rekordkurs. Das ist kein Kursausrutscher, sondern ein struktureller Rückbau.

Der Sprung vom 4. Oktober illustriert ein zweites Problem. AXS legte zwar um 13,34 Prozent auf 1,37 US-Dollar zu, doch die gemeldeten 24-Stunden-Volumina klafften laut TokenPost weit auseinander, von rund 99 Millionen bis 146 Millionen US-Dollar, je nach Datenquelle. Daraus lässt sich nicht einmal sicher ablesen, ob überhaupt mehr gehandelt wurde. In dünnen Märkten bewegt schon wenig Kapital viel, und genau deshalb sollte man Krypto-Handelsvolumina grundsätzlich mit Vorsicht lesen, wie wir im Beitrag Volumen unter Druck: Wie echt sind Krypto-Handelszahlen 2026? gezeigt haben.

Ronin, Katana und die erste echte Abstimmung

Ronin ist das Fundament unter all dem: die eigens fürs Gaming gebaute Kette, seit Mai 2026 ein Ethereum-Layer-2. Der Umzug war nicht nur ein Sicherheitsschritt, sondern auch eine Geldpolitik-Reform. Laut Ronin-Blog sank die jährliche Emission von 45 auf 5 Millionen RON, die Inflation von über 20 auf unter ein Prozent, während die Marktplatzgebühr von 0,5 auf 1,25 Prozent stieg. Sky-Mavis-Mitgründer Jeff „Jihoz“ Zirlin brachte die Logik im Gespräch mit BlockchainGamer auf den Punkt: „You get what you incentivise“, man bekomme also das, wozu man Anreize setze.

Gehandelt wird On-Chain vor allem über Katana, die hauseigene Tauschbörse (DEX). Deren hinterlegtes Kapital (Total Value Locked) liegt laut DefiLlama bei rund zwölf Millionen US-Dollar, über die gesamte Laufzeit summiert sich das Handelsvolumen auf etwa 14 Milliarden. Die Rohrleitungen sind breit gebaut, aber es fließt wenig Wasser hindurch.

Ein Instrument, mit dem Ronin Nachfrage über Axie hinaus streuen will, ist Proof of Distribution: Statt Belohnungen nach reinen Nutzerzahlen zu verteilen, schüttet die Kette RON an jene Spiele aus, die messbar zum Ökosystem beitragen. In der dritten Saison teilten sich laut BlockchainGamer 163 Entwicklerteams die Töpfe, die Top-5 zusammen über 236.000 RON; Axie Infinity führte die Liste mit rund 85.170 RON an, der Rest verteilte sich auf Titel wie Craft World und Ragnarok. Das Bild bleibt dasselbe wie überall bei Ronin: viel Infrastruktur, aber die Nachfrage konzentriert sich an der Spitze.

Genau hier setzt RGP-1 an, Ronins erste verbindliche On-Chain-Abstimmung. Der Vorschlag will Mittel aus der Treasury als RON/WETH- und RON/USDC-Liquidität auf Katana bereitstellen, um die Märkte zu vertiefen und die Slippage zu verringern; nötig ist eine Zweidrittelmehrheit von 66 Prozent. Die Abstimmung läuft im Oktober 2026 (Quelle: Ronin-Blog). Was das für die Macht der RON-Halter bedeutet, haben wir in Ronins erste Abstimmung: RGP-1 und die Macht der RON-Halter ausführlich behandelt.

Besitzt man wirklich, was man spielt?

Das große Versprechen des Web3-Gamings lautet: echtes Eigentum an Spielgegenständen. Eine Axie ist eine NFT, die die Spielerin selbst kontrolliert und auf einem offenen Marktplatz verkaufen kann, nicht nur innerhalb des Gartens eines Publishers. Technisch löst Axie dieses Versprechen ein.

Der Kontrast zum klassischen Gaming ist scharf. Valve verbannt Blockchain- und NFT-Spiele von Steam; ein CS2-Skin kann viel wert sein, bleibt aber in Valves Ökosystem eingesperrt und lässt sich nicht frei auf der Blockchain zu Geld machen, wie wir in Steams eigener Krypto-Markt: CS2-Skins und der Blockchain-Bann beschrieben haben. Axies Modell ist das Gegenteil: Der Gegenstand gehört dir, nachweisbar on-chain.

Nur ist der Besitz eines illiquiden Vermögenswerts genau so viel wert wie das, was jemand dafür zahlt. Viele Axies, die einst für Hunderte Dollar wechselten, gehen heute für Cent-Beträge weg; die Bodenpreise fielen mit dem Hype. Das Eigentum ist real, die Liquidität nicht. Das ist die unbequeme Wahrheit digitaler Eigentumsrechte ohne tiefen Markt.

Gehandelt werden Axies und andere Sammlerstücke über den hauseigenen Marktplatz sowie über Drittplattformen, die auf Ronin zugreifen. Die Technik dafür ist ausgereift: Wer eine Axie verkauft, überträgt sie direkt aus der eigenen Wallet, ohne dass ein Publisher dazwischensteht. Das Problem ist nicht der Verkaufsvorgang, sondern die Gegenseite. In einem schrumpfenden Spielermarkt finden sich für die meisten Axies schlicht keine Käufer mehr zu nennenswerten Preisen, und was theoretisch jederzeit verkäuflich ist, bleibt praktisch oft liegen.

Dazu kommt eine regulatorische Feinheit. Die ESMA wendet seit März 2025 einen Grundsatz der wirtschaftlichen Betrachtung an: NFTs, die in einer großen Serie mit weitgehend identischen Merkmalen ausgegeben werden, können als fungibel gelten und damit potenziell unter MiCA fallen (siehe die ESMA-Leitlinien). Millionen massenhaft gezüchteter Axies sind genau der Grenzfall, für den dieser Test geschrieben wurde. Ob eine bestimmte Axie ein echtes Sammlerstück oder faktisch ein fungibler Token ist, ist nicht nur eine philosophische Frage, sondern kann darüber entscheiden, welches Regelwerk greift.

Was in Österreich gilt: FMA, MiCA und die Steuer

Zuständige Behörde ist die FMA (Finanzmarktaufsicht) als nationale Aufsicht unter MiCA. Die MiCAR-Übergangsfrist endete am 1. Juli 2026, seither gilt die Verordnung in Österreich voll. Die FMA hat rund zehn Krypto-Dienstleister (CASPs) zugelassen, Aushängeschild ist Bitpanda. Wichtig: MiCA reguliert Dienstleister und Emittenten, nicht das Spiel selbst. Zum Axie-Spielen braucht niemand eine MiCA-Lizenz.

Steuerlich entscheidet in Österreich die Einordnung des jeweiligen Vermögenswerts. Die Token (AXS, SLP, RON) gelten als Kryptowährung nach Paragraf 27b EStG und unterliegen dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent; inländische Plattformen behalten ihn seit 1. Jänner 2024 automatisch als KESt ein, und Krypto-zu-Krypto-Tausch ist steuerneutral (besteuert wird erst der Verkauf in Euro oder das Ausgeben). Die Axies selbst sind als NFTs keine Kryptowährung, sondern sonstige Wirtschaftsgüter nach Paragraf 31 EStG (Quellen: BMF und crypto-tax.at).

VermögenswertSteuerliche EinordnungSatz und Besonderheit
AXS, SLP, RON (Token)Kryptowährung, Paragraf 27b EStG27,5 % Sondersteuersatz; KESt seit 2024; Krypto-zu-Krypto steuerneutral
Axies und andere NFTsSonstige Wirtschaftsgüter, Paragraf 31 EStGnach 1 Jahr steuerfrei; davor progressiv; 440 € Freigrenze pro Jahr
Laufende Play-to-Earn-BelohnungenEinkünfte aus Kapitalvermögen27,5 % bei Zufluss; gewerblich bis zu 55 %
Wallet-zu-Wallet-Transfer eigener Assetskeine Veräußerungsteuerfrei; Behaltefrist läuft weiter

Ein Vorbehalt gehört dazu: Wird das Spielen organisiert und mit Gewinnabsicht betrieben, kann das Finanzamt es als Gewerbebetrieb einstufen, besteuert zum progressiven Tarif von bis zu 55 Prozent; das alte Scholar-als-Job-Modell dürfte genau hier landen. Und Derivate auf diese Token (etwa AXS-Perpetuals) sind weder MiCA noch Paragraf 27b, sondern Finanzinstrumente unter MiFID II, beaufsichtigt von der FMA-Marktaufsicht und progressiv besteuert. Kurz: Dieselbe Marke kann je nach Haltung und Nutzung drei verschiedene Steuerregime berühren.

Praktisch heißt das für österreichische Spielerinnen und Spieler: Wer über eine inländische Plattform wie Bitpanda handelt, bekommt die KESt auf Token-Gewinne automatisch abgezogen und muss sie nicht selbst erklären. Wer dagegen direkt on-chain agiert, über eine eigene Ronin-Wallet, einen Marktplatz oder eine DEX wie Katana, trägt die Dokumentationspflicht selbst: Anschaffungszeitpunkte, Kurse zum Zuflusszeitpunkt und die Unterscheidung zwischen Token (Paragraf 27b) und NFT (Paragraf 31) gehören sauber festgehalten. Bei NFT-Verkäufen entscheidet die Jahresfrist über steuerfrei oder steuerpflichtig, weshalb sich ein genau dokumentiertes Kaufdatum auszahlt.

Die Risiken: ein Markt am seidenen Faden

Erstens die Ein-Spiel-Abhängigkeit. Die Nachfrage des gesamten Ronin-Ökosystems hängt noch immer weitgehend an Axie. Die Infrastruktur ist breit, die Nachfrage schmal. Verblasst Axie, verblasst die Kette mit. Vibeathon und Drittanbieterspiele sollen das verbreitern, doch keines davon trägt sich bislang allein.

Zweitens die dünne Liquidität. Der 24-Stunden-Umsatz von RON entspricht laut CoinGecko nur rund drei Prozent der Marktkapitalisierung; kleine Geldflüsse bewegen den Kurs stark, und der AXS-Sprung vom 4. Oktober zeigte, wie wenig dafür nötig ist. Einsteigen ist leicht, eine größere Position ohne Kursverlust wieder loszuwerden nicht.

Drittens das Umsetzungsrisiko des Umbaus. Own-to-Earn, bAXS, Terrariums, Atia’s Legacy, die Vibeathon: viele Wetten, keine davon hat bewiesen, dass sie dauerhafte, sich selbst tragende Nachfrage erzeugt. Die Strategie ist schlüssig, aber schlüssig ist nicht dasselbe wie funktionierend.

Viertens das Makro-Umfeld. Gaming-Token sind hochvolatile Risikowerte; sie steigen und fallen mit der allgemeinen Risikoneigung. Der US-Inflationswert am 14. Oktober und der Kurs der Fed geben den Takt für spekulatives Kapital vor, und das zählt für AXS kurzfristig mehr als jedes Spiel-Update, wie wir in Teuerung zieht wieder an: Bitcoin vor dem CPI am 14. Oktober dargelegt haben.

Unterm Strich ist Axie weder das Play-to-Earn-Aushängeschild von einst noch ein Zombie. Es ist ein laufendes Experiment, ob sich eine abgestürzte Spielwirtschaft auf Eigentum statt auf Emissionen neu aufbauen lässt. Ob die Vibeathon-Gewinner am 5. November tatsächlich Spiele mit echten Spielern abliefern und ob Atia’s Legacy landet, wird mehr aussagen als jede Kursbewegung an einem einzelnen Tag.

Frequently Asked Questions

Was ist mit Axie Infinity im Jahr 2026 passiert?

Axie Infinity steckt 2026 mitten im Umbau. Sky Mavis hat das Modell von Play-to-Earn auf Own-to-Earn umgestellt, den SLP-Verdienst im Ranglisten-Modus eingestellt und den neuen Reward-Token bAXS eingeführt. Die Blockchain Ronin wurde im Mai 2026 zu einem Ethereum-Layer-2, und mit Terrariums, der KI-Vibeathon und dem geplanten MMO Atia’s Legacy versucht das Studio, neue Nachfrage zu schaffen.

Bis wann muss ich meine Ronin-Waypoint-Assets umziehen?

Die Frist endet am 16. Oktober 2026. Waypoint wird abgeschaltet und durch Ronin Stash ersetzt; alternativ kann man in eine selbstverwahrte Seed-Phrase-Wallet transferieren. bAXS und Badges wandern separat über app.axieinfinity.com, und dieser Umzug ist einmalig und unwiderruflich. Nach dem 16. Oktober könnten nicht migrierte Vermögenswerte unerreichbar werden.

Wie viel ist der AXS-Token 2026 wert?

Am 7. Oktober 2026 notierte AXS bei rund 1,06 Euro (etwa 1,19 US-Dollar) mit einer Marktkapitalisierung von rund 208 Millionen US-Dollar, das sind etwa 99,3 Prozent unter dem Allzeithoch von 164,90 Dollar aus dem Jahr 2021. Der Markt ist dünn, weshalb starke Tagesschwankungen wie der Sprung auf 1,37 Dollar am 4. Oktober mit Vorsicht zu lesen sind.

Kann man mit Axie Infinity noch Geld verdienen?

Das klassische Play-to-Earn, bei dem man SLP erspielte und sofort verkaufte, ist weitgehend Geschichte; der SLP-Verdienst im Ranglisten-Modus wurde Anfang 2026 eingestellt. Das neue Own-to-Earn-Modell belohnt eher das Besitzen und Sammeln über bAXS, etwa im Sammelspiel Terrariums. Verlässliche Einkünfte sind das nicht, sondern spekulative, von Kurs und Nachfrage abhängige Erträge.

Wie werden Gewinne aus Axie in Österreich besteuert?

Die Token AXS, SLP und RON gelten als Kryptowährung nach Paragraf 27b EStG und unterliegen dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent, Krypto-zu-Krypto-Tausch bleibt steuerneutral. Die Axies selbst sind als NFTs sonstige Wirtschaftsgüter nach Paragraf 31 EStG und nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Laufende Play-to-Earn-Belohnungen werden bei Zufluss besteuert, das Verschieben eigener Assets zwischen Wallets löst keine Steuer aus.

Priya Reddy berichtet für HOGE Wire über Blockchain-Gaming, Tokenökonomie und die Schnittstelle von Spielen und Krypto.

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