Der Pausen-Dollar: DXY auf Jahreshoch vor dem FOMC
Der DXY steht so hoch wie seit April 2025 nicht, obwohl die Fed am 28. Oktober fast sicher pausiert. Was das lange Zinsende und der schwache Euro für Österreichs Bitcoin-Anleger bedeuten.
Der US-Dollar-Index, an den Finanzmärkten schlicht DXY genannt, steht am 9. Oktober bei rund 102,2 Punkten und damit so hoch wie seit April 2025 nicht mehr. Es ist bereits die vierte Gewinnwoche in Folge, wie die Daten von Trading Economics zeigen. Das Ungewöhnliche daran: Der Dollar klettert, obwohl die US-Notenbank Fed in weniger als drei Wochen aller Voraussicht nach die Füße stillhält. Die Terminmärkte preisen für den FOMC-Entscheid am 28. Oktober eine Pause mit rund 84 Prozent Wahrscheinlichkeit ein, wie DeFiRate die Wettquoten zusammenfasst. Ein starker Dollar ohne frische Zinserhöhung im Rücken wirkt wie ein Widerspruch. Er ist aber keiner. Und für alle, die in Österreich in Euro rechnen, steckt in diesem scheinbaren Widerspruch ein gutes Stück der heurigen Bitcoin-Bilanz.
Der Dollar auf Jahreshoch, obwohl die Fed bremst
Zuerst die Zahlen. Der DXY hat in den vergangenen vier Wochen rund 3,2 Prozent zugelegt und liegt auch auf Zwölfmonatssicht etwa 3,3 Prozent im Plus, so die Aufstellung von Trading Economics. Der Stand von gut 102 Punkten markiert den höchsten Schlusskurs seit April 2025. Noch Anfang September notierte der Index unter 99 Punkten, als die Märkte auf eine Lockerung durch die Europäische Zentralbank schielten. Seither hat sich das Bild gedreht.
Auf den ersten Blick sieht das aus wie der klassische Dollar-Schub einer harten Notenbank. Genau das ist es aber nicht. Die Fed hat zwar am 16. September erstmals seit 2023 wieder erhöht, doch für Oktober erwartet der Markt mit großer Mehrheit eine Pause. Wenn der Leitzins stillsteht und der Dollar trotzdem steigt, muss die Kraft woanders herkommen. Sie kommt aus drei Quellen: dem langen Ende der US-Zinskurve, einem schwachen Euro und hohen Energiepreisen.
Diese Unterscheidung ist kein akademisches Detail. Sie entscheidet darüber, ob der starke Dollar für Bitcoin und Risikomärkte bedrohlich ist oder nur lästig. Ein Dollar, der steigt, weil Anleger in Panik in US-Staatsanleihen flüchten, ist etwas völlig anderes als ein Dollar, der steigt, weil Europa gerade eine Regierungskrise durchlebt. Beides treibt denselben Index nach oben, bedeutet für das Portfolio aber das Gegenteil.
Was der DXY überhaupt misst (und was nicht)
Der DXY ist kein breiter Stimmungsmesser für den Dollar, auch wenn er oft so gelesen wird. Er misst den Wert des US-Dollar gegen einen festen Korb aus nur sechs Währungen, mit Gewichten, die seit der Euro-Einführung 1999 unverändert sind. Diese Gewichte sind bei der Terminbörse ICE hinterlegt, die den Index berechnet. Eine Währung dominiert dabei alles: der Euro.
| Währung | Gewicht im DXY |
|---|---|
| Euro (EUR) | rund 57,6 Prozent |
| Japanischer Yen (JPY) | rund 13,6 Prozent |
| Britisches Pfund (GBP) | rund 11,9 Prozent |
| Kanadischer Dollar (CAD) | rund 9,1 Prozent |
| Schwedische Krone (SEK) | rund 4,2 Prozent |
| Schweizer Franken (CHF) | rund 3,6 Prozent |
Mehr als die Hälfte des Index ist also eine einzige Wette: Dollar gegen Euro. Fällt der Euro, steigt der DXY fast automatisch, selbst wenn der Dollar gegenüber dem chinesischen Yuan, dem mexikanischen Peso oder vielen Schwellenländer-Währungen gar nichts tut. Diese Länder kommen im Index schlicht nicht vor. Wer den DXY mit der globalen Stärke des Dollar gleichsetzt, verwechselt einen schmalen Ausschnitt mit dem ganzen Bild.
Für heimische Leserinnen und Leser ist das sogar ein Vorteil, denn der DXY ist zu großen Teilen das Spiegelbild des Euro-Dollar-Kurses, also genau jenes Wechselkurses, der für ein in Euro geführtes Depot zählt. Wenn der DXY steigt, wird der Dollar für uns teurer, und jedes in Dollar notierte Gut, von Bitcoin über US-Aktien bis zu Gold, bekommt eine zusätzliche Währungsschicht aufgesetzt. Diese Schicht kann Gewinne vergrößern oder Verluste dämpfen, je nach Richtung.
Die Pausen-Paradoxie: warum ein Zinsstopp den Dollar nicht schwächt
Warum hilft eine erwartete Pause dem Dollar nicht? Um das zu verstehen, lohnt ein Blick zurück auf den September. Die Fed hob den Leitzins am 16. September einstimmig um einen Viertelpunkt auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an, die erste Erhöhung seit 2023, wie Chase den Beschluss zusammenfasst. Fed-Chef Kevin Warsh beschrieb den Schritt laut CNN als das Entfernen »einer Dosis Akkommodierung« und begründete ihn damit, dass sich seit der Juli-Sitzung dreierlei geändert habe: Die Wirtschaft sei stärker geworden, die Inflation nicht langsamer, und die geopolitischen Spannungen hätten zugenommen.
Entscheidend ist der Rest der Botschaft. In ihren Projektionen zeichneten die Notenbanker noch eine weitere Erhöhung bis Jahresende ein, danach aber Ruhe für 2027. Eine Pause im Oktober ist deshalb keine Kehrtwende, sondern nur eine Verschiebung. Die Märkte sehen es genauso: Für den 28. Oktober liegt die Pause-Wahrscheinlichkeit bei rund 84 Prozent, doch für die Dezembersitzung am 9. Dezember preisen die Händler laut DeFiRate noch immer eine Erhöhung mit etwa 65 Prozent ein. Rund 72 Prozent erwarten mindestens einen weiteren Schritt heuer.
Für den Dollar heißt das: Solange ein Dezember-Hike in der Luft liegt, verliert eine Oktober-Pause ihren Schrecken. Der Leitzins ist ohnehin nur das kurze Ende der Zinskurve. Der Dollar aber reagiert mindestens ebenso stark auf das lange Ende und auf den Zinsvorsprung gegenüber Europa und Japan. Wir haben diese Mechanik bereits in Erst erhöht, jetzt Pause: die Fed, die Daten und Bitcoin und in Fed auf 4 Prozent: Bitcoin steigt, der Dezember entscheidet ausführlich nachgezeichnet.
Das lange Ende regiert: die 10-Jährige auf 24-Jahres-Hoch
Der eigentliche Motor des Dollar sitzt am Anleihemarkt. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe kletterte Anfang Oktober auf 5,35 Prozent, den höchsten Stand seit 2002, berichtete CNBC. Die dreißigjährige Anleihe sprang auf 5,70 Prozent. Solche Renditen am langen Ende ziehen Kapital aus aller Welt an und stützen den Dollar unabhängig davon, was die Fed mit dem Leitzins macht.
Hinter dem Anstieg steckt vor allem die Laufzeitprämie (term premium), also jener Aufschlag, den Anleger dafür verlangen, dass sie ihr Geld lange binden und das Risiko aus Inflation, hoher Staatsverschuldung und schlichter Unsicherheit tragen. Eine Rendite lässt sich grob in zwei Teile zerlegen: in die erwartete durchschnittliche Höhe der kurzfristigen Zinsen und in genau diese Prämie. Steigt die Prämie, steigt die Rendite, ohne dass die Fed überhaupt etwas tun muss.
Die Gründe dafür sind handfest. Das US-Defizit ist riesig: Das Congressional Budget Office rechnet für das Haushaltsjahr 2026 mit einem Fehlbetrag von rund 1,9 Billionen Dollar, etwa 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung, wobei allein die Zinskosten die Marke von einer Billion Dollar überschreiten, wie der Finanzkommentator Garth Friesen bei Forbes vorrechnet. Jeder Dollar Defizit muss über den Verkauf neuer Anleihen finanziert werden, das Angebot steigt also. Dazu zieht der Ausbau der KI-Infrastruktur Kapital aus dem Anleihemarkt ab und hebt zugleich die Wachstums- und Zinserwartungen. Das Ergebnis ist ein Dollar, der von hohen Langfristrenditen getragen wird, nicht vom nächsten Zinsschritt.
Europas Beitrag: der Euro als 57-Prozent-Problem
Weil der Euro mehr als die Hälfte des DXY ausmacht, ist jede europäische Schwäche zugleich eine rechnerische Dollar-Stärke. Und Europa liefert derzeit reichlich davon. Der Euro rutschte Anfang Oktober bis auf 1,1161 Dollar, den tiefsten Stand seit 17 Monaten, und verbuchte die vierte Verlustwoche in Folge, wie Euronews meldete.
Auslöser ist Frankreich. Die Regierung zerbrach Anfang Oktober, Premierminister Sébastien Lecornu warf nach wenigen Wochen hin, die kurzlebigste Regierung der jüngeren französischen Geschichte. Der Streit um den Haushalt und die Schuldenlast trieb die Rendite zehnjähriger französischer Anleihen auf 4,917 Prozent, nahe einem 24-Jahres-Hoch, und weitete den Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen auf rund 146 Basispunkte aus, den größten Wochenanstieg seit 17 Jahren. In Spanien steuert Regierungschef Pedro Sánchez nach einer Abstimmungsniederlage auf Neuwahlen am 29. November zu.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde versuchte, die Lage mit Worten zu beruhigen. Es sei, so Lagarde laut Euronews, »eine ernste Sache, wenn die Schulden bei fast 120 Prozent des BIP liegen und nicht unter Kontrolle gebracht werden«, es sei aber »nicht 2008 oder 2011«. Die Analysten der ING warnten dagegen, der Markt könne »leicht weitere zwei Prozent Risikoprämie auf den Euro aufschlagen«. Unterm Strich heißt das: Ein guter Teil der DXY-Rally ist in Paris und Madrid gemacht, nicht in Washington. Dieselbe transatlantische Bruchlinie zeigt sich auch bei der Regulierung, wie unser Beitrag Wenn die Bank Bitcoin verwahrt: der transatlantische Riss nachzeichnet.
Öl, Geopolitik und die zähe Inflation
Die dritte Kraft ist der Energiepreis. Rohöl hält sich hartnäckig über der Marke von 100 Dollar je Fass, und hohe Energiepreise halten die Inflation oben, wie Forbes als einen der Treiber hinter den steigenden Renditen nennt. Teure Energie wirkt doppelt: Sie treibt die erwartete Inflation und damit die Langfristzinsen, und sie stärkt tendenziell den Dollar, in dem Öl weltweit fakturiert wird.
Genau hier schließt sich der Kreis zu Warshs Begründung vom September. Als er von gestiegenen geopolitischen Spannungen sprach, meinte er auch diese Energiekomponente. Solange der Ölpreis hoch bleibt, hat die Fed ein Argument gegen voreilige Lockerungen, und der Dollar behält eine Stütze, die mit dem Zinsentscheid am 28. Oktober wenig zu tun hat. Für die nächste Wegmarke, die Inflationszahlen, ist Energie der große Unsicherheitsfaktor.
Der 14. Oktober: der CPI als erster Stolperstein
Bevor die Fed überhaupt tagt, kommt die Inflation. Die US-Verbraucherpreise für September werden am 14. Oktober um 8:30 Uhr Ortszeit (14:30 Uhr in Wien) veröffentlicht, wie der offizielle Freigabekalender bei CPIchart ausweist. Die Erwartungen sind heikel. Der Konsens sieht die Jahresrate von 3,4 auf etwa 3,7 Prozent anziehen, während die Kerninflation bei rund 2,4 Prozent verharren dürfte, so die Vorschau von Admiral Markets. Im August waren die Preise bereits um 0,4 Prozent zum Vormonat gestiegen.
Die Logik für den Dollar ist einfach. Fällt der CPI heißer aus als erwartet, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Dezember-Hikes, die Langfristrenditen ziehen weiter an, und der DXY bekommt neuen Schub. Fällt die Zahl kühler aus, kippt das Kalkül: Der Dezember-Hike wackelt, die Renditen geben nach, und der Dollar könnte seinen vierwöchigen Höhenflug beenden. Die folgende Übersicht fasst die drei Termine zusammen, die den Rest des Jahres prägen.
| Termin | Datum | Konsens / Markterwartung | Was auf dem Spiel steht |
|---|---|---|---|
| US-Inflation (September) | 14. Oktober | Gesamtrate rund 3,7 Prozent (von 3,4), Kern rund 2,4 Prozent | Chance auf einen Dezember-Hike |
| FOMC-Zinsentscheid | 28. Oktober | rund 84 Prozent Pause, rund 17 Prozent Erhöhung | Ton der Erklärung, Warsh-Pressekonferenz |
| FOMC-Zinsentscheid | 9. Dezember | rund 65 Prozent Erhöhung | letzter Zinsschritt des Jahres |
Der 28. Oktober: die Fed zwischen Pause und Signal
Dass die Fed am 28. Oktober wahrscheinlich pausiert, ist fast schon eingepreist. Viel wichtiger als der Zinsschritt selbst wird daher der Ton. Eine Pause kann »taubenhaft« ausfallen, wenn Warsh auf den zuletzt schwachen US-Arbeitsmarkt verweist, oder »falkenhaft«, wenn er einen Dezember-Hike klar in Aussicht stellt. Im zweiten Fall spricht man von einem »hawkish hold«, einer Pause mit erhobenem Zeigefinger.
Für den Dollar macht das den Unterschied. Ein hawkish hold hält die Langfristrenditen hoch und stützt den DXY weiter. Ein dovish hold, der die nächste Erhöhung offenlässt, könnte dem Dollar dagegen die Luft nehmen und dem Euro Raum zur Erholung geben. Warshs Stil gilt als Regimewechsel an der Spitze der Fed, und die Märkte reagieren entsprechend empfindlich auf jede Nuance seiner Wortwahl.
Was das für Bitcoin heißt: die Korrelation kommt und geht
Die Lehrbuchregel lautet: Steigt der Dollar, gerät Bitcoin unter Druck. Ein starker Dollar verknappt die globale Liquidität, verteuert dollarbasierte Finanzierungen und zieht Kapital aus Risikoanlagen ab. In der Theorie ist der DXY damit ein Gegenbarometer für Krypto. In der Praxis ist diese Korrelation jedoch alles andere als stabil; sie verschwindet immer wieder für Wochen oder dreht sogar ins Positive.
Der entscheidende Punkt ist das Warum. Steigt der Dollar, weil Anleger weltweit in Sicherheit flüchten, trifft das Bitcoin hart, weil dann alle Risikoanlagen zugleich verkauft werden. Steigt der Dollar hingegen vor allem, weil der Euro wegen Frankreich schwächelt, ist der globale Liquiditätsentzug viel milder. Genau in diesem zweiten Regime befinden wir uns derzeit, und das erklärt, warum Bitcoin trotz Dollar-Hoch nicht eingebrochen ist. Mit rund 76.000 Euro liegt der Kurs etwa 30 Prozent unter seinem Allzeithoch von 107.662 Euro vom 6. Oktober 2025, wie Cryptoticker vorrechnet. Von einem Crash ist das weit entfernt. Dass Gold im selben Zeitraum besser abgeschnitten hat, haben wir in Ein Jahr nach dem Rekord: Gold schlägt Bitcoin aufgearbeitet.
Der Euro-Bonus: warum Österreichs Anleger weniger verloren haben
Jetzt kommt der Teil, der für heimische Depots wirklich zählt. Wer Bitcoin in Euro hält, hat 2026 ein völlig anderes Jahr erlebt, als die Dollar-Schlagzeilen vermuten lassen. In US-Dollar lag Bitcoin Anfang Oktober rund 4,4 Prozent im Minus, in Euro dagegen nur rund 0,5 Prozent, praktisch unverändert, wie Cryptoticker den Unterschied aufschlüsselt. Die gesamte Differenz von rund vier Prozentpunkten ist nichts anderes als die Währung. Der Dollar hat gegenüber dem Euro in diesen neun Monaten um gut 4,4 Prozent aufgewertet, und genau dieser Betrag landet als Polster im Euro-Depot.
Ein konkretes Beispiel macht es greifbar. Wer am 2. Jänner 10.000 Euro in Bitcoin steckte, hielt damals etwa 0,1321 BTC. Am 3. Oktober war diese Position noch rund 9.954 Euro wert, ein Minus von gerade einmal 46 Euro. In reiner Dollar-Rechnung, ohne den günstigen Wechselkurs, hätte der Verlust rund 443 Euro betragen. Die folgende Tabelle stellt beide Perspektiven nebeneinander.
| Kennzahl | In US-Dollar | In Euro |
|---|---|---|
| Bitcoin-Kurs am 3. Oktober | rund 84.828 Dollar | rund 75.348 Euro |
| Allzeithoch (6. Oktober 2025) | 126.080 Dollar | 107.662 Euro |
| Abstand zum Allzeithoch | rund 32,7 Prozent | rund 30,0 Prozent |
| Jahresbilanz 2026 (seit Jänner) | -4,4 Prozent | -0,5 Prozent |
Dieser Euro-Bonus ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Er wirkt nur so lange, wie der Euro schwach bleibt. Sollte sich die Lage in Frankreich stabilisieren oder die EZB entschlossener auftreten, kann der Euro wieder aufwerten, und dann verwandelt sich der Währungsrückenwind in Gegenwind. Dieselbe Währungsschicht liegt übrigens auch über jedem dollarbasierten Krypto-ETP, wie wir in Ein Jahr nach dem Rekord: die Rundreise der ETF-Milliarden gezeigt haben.
Das Dollar-Lächeln: zwei Gesichter der Stärke
Hinter all dem steht ein Konzept, das Devisenhändler das »Dollar-Lächeln« nennen. Die Idee: Der Dollar ist an beiden Enden des Konjunkturspektrums stark und nur in der langweiligen Mitte schwach. Am rechten Ende glänzt er, wenn die US-Wirtschaft den Rest der Welt abhängt und hohe Renditen Kapital anziehen. Am linken Ende glänzt er, wenn die Welt in Panik gerät und alle in den sicheren Hafen US-Staatsanleihen flüchten. Dazwischen, wenn es der Weltwirtschaft gleichmäßig ordentlich geht, neigt er zur Schwäche.
Wo stehen wir heute? Eher am rechten Rand des Lächelns, nicht am linken. Die Aktienmärkte brechen nicht ein, von einer globalen Fluchtbewegung ist nichts zu sehen. Was den Dollar trägt, ist der Zinsvorsprung plus die hausgemachte Schwäche Europas. Das ist eine wichtige Diagnose, denn eine Dollar-Stärke vom rechten Rand ist für Bitcoin deutlich verträglicher als ein Panik-Dollar vom linken Rand, wie wir ihn 2022 gesehen haben. Das erklärt, warum der scheinbare Widerspruch aus starkem Dollar und stabilem Bitcoin derzeit funktioniert.
Szenarien bis Jahresende
Aus den beiden Oktober-Terminen und dem Dezember-Entscheid ergeben sich drei plausible Pfade für den Dollar und damit indirekt für Krypto in Euro.
- Heißer CPI plus hawkish hold: Zeigt die Inflation am 14. Oktober nach oben und stellt Warsh am 28. Oktober einen Dezember-Hike in Aussicht, dürfte der DXY Richtung 104 Punkte laufen. Der Euro geriete weiter unter Druck, Bitcoin bekäme Gegenwind in Dollar, bliebe in Euro aber gut abgefedert.
- Kühler CPI plus dovish hold: Fällt die Inflation moderat aus und lässt die Fed die Tür für Dezember nur vorsichtig offen, könnte der DXY in Richtung 100 Punkte zurücklaufen. Stabilisiert sich zugleich Frankreich, erholt sich der Euro, und eine Entlastungsrally bei Bitcoin wäre möglich, in Euro gerechnet dann allerdings schwächer als in Dollar.
- Dezember-Hike wird geliefert: Erhöht die Fed am 9. Dezember tatsächlich, bestätigt das die Erzählung vom »höher für länger«. Die Langfristrenditen blieben hoch, und der Dollar ginge gestützt ins neue Jahr.
Der große Unsicherheitsfaktor ist Europa. Ein glaubwürdiger französischer Haushalt oder ein entschlossenes Eingreifen der EZB könnte den Euro heben und den DXY drücken, völlig unabhängig davon, was die Fed tut. Wer den Index beobachtet, sollte deshalb immer fragen: Bewegt sich gerade der Dollar oder nur der Euro?
Was Anleger in Österreich jetzt beachten sollten
Drei praktische Schlussfolgerungen lassen sich ziehen. Erstens: Währungsrisiko ernst nehmen. Wer Bitcoin, US-Aktien oder dollarbasierte ETPs hält, trägt automatisch eine Euro-Dollar-Wette mit. Heuer war das ein Glücksfall, künftig kann es umgekehrt laufen. Bei börsengehandelten Produkten lohnt der Blick, ob eine euro-gesicherte (currency-hedged) Variante existiert und ob die Absicherung ihre laufenden Kosten rechtfertigt.
Zweitens: Den DXY nicht als reines Krypto-Signal missverstehen. Ein steigender Index kann US-Stärke oder nur Euro-Schwäche bedeuten, und beides hat völlig unterschiedliche Folgen für Bitcoin. Wer den Index liest, sollte ihn zerlegen, statt ihn blind als Verkaufssignal zu nehmen. Die Erfahrung der vergangenen Monate zeigt, wie schnell sich Stimmung und Korrelationen drehen.
Drittens: Vorsicht bei Hebelprodukten. In einem Umfeld, in dem ein einziger Inflationswert den Dollar um ein Prozent bewegen kann, sind gehebelte Krypto- und Devisenwetten besonders tückisch. Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) und die europäische Wertpapieraufsicht ESMA haben die Hebel für Privatanleger bei Differenzkontrakten (CFDs) aus gutem Grund gedeckelt und warnen regelmäßig vor den Risiken spekulativer Krypto-Produkte. Ein Makro-Umfeld mit zwei scharfen Terminen binnen zwei Wochen ist kein guter Moment, diese Grenzen auszureizen.
Fazit
Der starke Dollar dieses Oktobers ist weitgehend geborgt: geborgt vom langen Ende der Zinskurve, das auf dem höchsten Stand seit 2002 notiert, und geborgt von Europa, dessen Euro unter der französischen Krise leidet. Von einer harten Fed kommt der Schub gerade nicht, denn die pausiert am 28. Oktober mit großer Wahrscheinlichkeit. Genau deshalb ist der DXY-Höhenflug fragiler, als er aussieht, und genau deshalb hat er Bitcoin bisher kaum geschadet.
Für Anlegerinnen und Anleger in Österreich war der Dollar 2026 ein stiller Verbündeter, der Kursverluste in Euro fast vollständig geschluckt hat. Dieser Verbündete ist aber launisch. Am 14. und am 28. Oktober entscheidet sich, ob er bleibt. Wer die beiden Termine im Kalender hat und den Unterschied zwischen Dollar-Stärke und Euro-Schwäche im Kopf behält, liest den DXY richtig, statt sich von ihm in die Irre führen zu lassen.
Frequently Asked Questions
Warum steigt der DXY, obwohl die Fed eine Pause erwartet?
Weil der Dollar-Index nicht nur vom Leitzins lebt. Zwei andere Kräfte dominieren derzeit: das lange Ende der US-Zinskurve mit der zehnjährigen Anleihe auf dem höchsten Stand seit 2002 und die Schwäche des Euro, der mehr als die Hälfte des DXY ausmacht. Beides treibt den Index nach oben, selbst wenn die Fed den Leitzins nicht weiter anhebt.
Was misst der DXY und wie ist er gewichtet?
Der DXY misst den Wert des US-Dollar gegen einen festen Korb aus sechs Währungen. Mit rund 57,6 Prozent dominiert der Euro, gefolgt von japanischem Yen, britischem Pfund, kanadischem Dollar, schwedischer Krone und Schweizer Franken. Weil der Euro so schwer wiegt, ist der DXY zu großen Teilen eine Wette auf das Euro-Dollar-Verhältnis und kein breiter Gradmesser der globalen Dollar-Stärke.
Was bedeutet ein starker Dollar für Bitcoin?
Historisch wirkt ein starker Dollar wie Gegenwind für Bitcoin, weil er die globale Liquidität verknappt. Diese Korrelation ist aber nicht stabil. Entscheidend ist, warum der Dollar steigt: Geht die Stärke auf eine Euro-Schwäche zurück und nicht auf eine globale Flucht in Sicherheit, fällt der Druck auf Krypto meist deutlich milder aus.
Warum haben Euro-Anleger heuer weniger verloren als die Dollar-Schlagzeilen vermuten lassen?
Weil die Dollar-Aufwertung gegenüber dem Euro einen Teil der Kursverluste ausgeglichen hat. In US-Dollar lag Bitcoin Anfang Oktober rund 4,4 Prozent im Minus, in Euro dagegen nur rund 0,5 Prozent. Die Differenz von etwa vier Prozentpunkten ist fast ausschließlich der Währung geschuldet.
Welche Termine im Oktober sind für den Dollar entscheidend?
Zwei Daten stechen heraus: die US-Inflationszahlen für September am 14. Oktober und der Zinsentscheid der Fed am 28. Oktober. Dahinter steht als dritter Termin die FOMC-Sitzung am 9. Dezember, für die die Märkte mehrheitlich noch eine Zinserhöhung erwarten.
Von Katharina Moser, Makro-Ressort, HOGE Wire. Dieser Beitrag ist journalistische Analyse und keine Anlageberatung.