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● Gaming & GameFi

Axie Infinity 2026: Classic-Aus und der Umbau des Ronin-Flaggschiffs

Sky Mavis übergibt Axie Classic an die Community und baut die Token-Ökonomie um. Was Origins, Homeland und die MMO Atia's Legacy für RON und AXS bedeuten.

Es gibt Spiele, die eine ganze Branche prägen, und dann gibt es das eine Spiel, das einen ganzen Hype auslöst und die Rechnung dafür jahrelang bezahlt. Axie Infinity ist beides. Das NFT-Spiel von Sky Mavis machte 2021 aus Play-to-Earn ein Massenphänomen, brachte Zehntausenden Menschen auf den Philippinen und in Venezuela ein Nebeneinkommen und wurde danach zum Lehrbuchfall dafür, wie schnell eine token-getriebene Spielökonomie kippen kann. Heuer, im Sommer 2026, schließt sich ein Kreis: Sky Mavis fährt die ursprüngliche Version, Axie Classic, herunter und übergibt sie der Community, während sich das Studio auf einen neuen Dreiklang aus Spielen und eine grundlegend umgebaute Token-Ökonomie konzentriert.

Für die Ronin-Chain, auf der Axie lebt, ist das mehr als eine Randnotiz. Ronin ist im Mai heuer zu einem Ethereum-Layer-2 geworden und hat seine Inflation drastisch gekappt; Axie Infinity bleibt trotz aller Erosion der wichtigste Grund, warum es diese Chain überhaupt gibt. Dieser Text schaut sich an, was mit dem Flaggschiff wirklich passiert: warum Classic verschwindet, was Origins, Homeland und die kommende MMO Atia’s Legacy leisten sollen, wie Sky Mavis die Token SLP und AXS neu verdrahtet, und was Anlegerinnen und Anleger in Österreich von einem Token halten sollen, der rund 99,5 Prozent unter seinem Rekord notiert.

Axie Classic verabschiedet sich: Das Original geht an die Community

Im Mittelpunkt der aktuellen Nachrichtenlage steht ein Abschied. Sky Mavis stellt die aktive Entwicklung und den offiziellen Wettkampfbetrieb von Axie Infinity Classic ein, jener ersten Version aus dem Jahr 2018, die den gesamten Play-to-Earn-Boom trug. Die letzte offizielle Wettkampfsaison (Season 16) läuft laut Branchenberichten noch bis Anfang September 2026, die Classic-Quests verschwinden am 10. September vom Bounty Board. Danach zieht sich das Studio zurück und will die Verantwortung für die Zukunft des Spiels an die Axie-Community übergeben, wie BlockchainGamer.biz berichtet.

Bemerkenswert ist, was Sky Mavis dabei nicht liefert: einen fertigen Plan. Governance-Struktur, Entwicklerteam, Finanzierung, ein möglicher Open-Source-Schritt, all das ist noch offen. Das Studio kündigt an, den Übergang anzustoßen, überlässt die Richtung aber den Spielern. Damit wird Classic zu einem realen Testfall für eine Idee, die die Web3-Gaming-Szene seit Jahren als Versprechen vor sich herträgt: dass ein Spiel und seine Ökonomie auch dann weiterleben können, wenn der ursprüngliche Entwickler den Stecker zieht, weil Assets und Marktplatz on-chain liegen und niemandem allein gehören.

Der nüchterne Hintergrund ist Reichweite. Classic ist längst ein Nischentitel; die täglichen Spielerzahlen bewegen sich im niedrigen fünfstelligen Bereich, ein Bruchteil dessen, was das Spiel in seiner Blütezeit hatte. Für Sky Mavis ist die Konsolidierung eine Ressourcenfrage: Jede Stunde, die in die Wartung eines schrumpfenden Klassikers fließt, fehlt bei Origins und der neuen MMO. Es ist eine Produktbereinigung, kein Ausstieg aus der Marke. Genau deshalb ist der Schritt trotz aller Wehmut eine gute Nachricht für alle, die das Ökosystem als Ganzes betrachten.

Von Millionen Spielern zum Nischentitel: die Fallhöhe

Um zu verstehen, warum dieser Schritt Gewicht hat, muss man die Fallhöhe kennen. Auf dem Höhepunkt Ende 2021 zählte Axie Infinity mehr als zwei Millionen tägliche Nutzer. Das Spielprinzip war simpel: Man kaufte drei Axie-NFTs, kämpfte damit und verdiente den Token Smooth Love Potion (SLP), den man auf Börsen in echtes Geld tauschen konnte. In Ländern wie den Philippinen entstand daraus ein regelrechter Arbeitsmarkt; über sogenannte Scholarships liehen Gilden wie Yield Guild Games ihre teuren Axies an Spieler aus und teilten die Erträge. Für manche Haushalte war das während der Pandemie das erste verlässliche Einkommen überhaupt.

Wie fragil dieses Fundament war, zeigte sich am Scholarship-System selbst. Ein Manager finanzierte das teure Axie-Dreierteam, ein Scholar spielte damit und erwirtschaftete SLP, und beide teilten sich den Ertrag nach einem vereinbarten Schlüssel, bei dem der Scholar oft den größeren Anteil behielt. Solange SLP- und Axie-Preise stiegen, war das für alle Seiten lukrativ. Doch das Einkommen der Scholars hing direkt am Token-Kurs, nicht an einem Spiel, das Menschen aus Freude spielten. Als der Kurs fiel, brach nicht nur eine Spekulation zusammen, sondern für viele ein reales Monatseinkommen. Genau diese Kopplung von Lebensunterhalt an einen inflationären Token ist der Fehler, den Sky Mavis heute auszubügeln versucht.

Das Modell funktionierte, solange frisches Geld nachfloss. Neue Spieler mussten Axies kaufen, um einzusteigen, und dieser Kaufdruck stützte die Preise der NFTs und des SLP. Als der Zustrom versiegte, kippte die Mechanik: SLP wurde schneller ausgeschüttet als verbrannt, der Preis fiel ins Bodenlose, und die Rendite, von der viele lebten, verdampfte. Es war weniger ein Betrug als ein Konstruktionsfehler, eine Ökonomie, die neues Kapital brauchte, um bestehendes zu bezahlen. SLP notiert heute rund 99,9 Prozent unter seinem Rekord von Mitte 2021, wie die Daten von CoinGecko zeigen.

Dazu kam der Schock, der Ronin für immer prägte: Im März 2022 erbeuteten Angreifer, die westliche Behörden der nordkoreanischen Lazarus-Gruppe zuordnen, über die Ronin-Bridge rund 625 Millionen US-Dollar, einer der größten Krypto-Diebstähle der Geschichte. Sky Mavis entschädigte die Nutzer, baute die Bridge neu und härtete die Validatoren-Struktur, doch das Vertrauen war beschädigt. Der Weg vom Massenphänomen zum aufgeräumten Nischenprodukt führte also über einen wirtschaftlichen Konstruktionsfehler und einen historischen Hack. Wer die heutige Strategie beurteilen will, muss beide Narben mitdenken.

Axie Infinity: Origins, das neue Herzstück

Das Spiel, auf das Sky Mavis seine Kräfte bündelt, heißt Axie Infinity: Origins. Es ist der direkte Nachfolger von Classic und im Kern ein rundenbasiertes Karten- und Auto-Battler-Spiel: Man stellt ein Team aus drei Axies zusammen, jede Kreatur bringt Karten mit Fähigkeiten mit, und in kurzen taktischen Duellen geht es um Energie-Management, Schadenskombinationen und die richtige Aufstellung. Anders als Classic ist Origins kostenlos spielbar; man kann mit geliehenen Starter-Axies einsteigen, ohne vorher NFTs kaufen zu müssen. Das senkt die Einstiegshürde, die das alte Modell so fragil machte, und trennt endlich das Ausprobieren vom Investieren.

Der Wettkampf findet vor allem im Ranked-Modus statt, wo Spieler über eine Saison hinweg Ligen erklimmen und sich in der Rangliste hocharbeiten. Sky Mavis hat die Fortschritts- und Belohnungslogik hier mehrfach umgebaut, und genau daran zeigt sich die neue Philosophie: Belohnungen sollen an echtes Können und echte Bindung geknüpft sein, nicht an stures Farmen. Origins ist damit weniger ein Geldautomat als ein kompetitives Spiel, dem eine Krypto-Schicht untergelegt ist. Ob dieser Ansatz Spieler bindet, entscheidet sich an der Frage, ob das Kartenspiel für sich genommen tief genug ist, um auch ohne Auszahlung Spaß zu machen.

Für Einsteiger ist wichtig zu wissen, dass die eigentlichen Axie-NFTs weiterhin sammel- und handelbar sind und über den Ronin-Marktplatz laufen, während der Wert-Token AXS für Governance und langfristige Wertbindung steht. Diese Trennung, Spielspaß und Sammlung auf der einen Seite, Spekulation auf der anderen, ist der Kern des heutigen Designs. Sie soll verhindern, dass das Spiel wieder zur reinen Ertragsmaschine wird, deren Zahlen beim ersten Gegenwind zusammenbrechen.

Homeland und Atia’s Legacy: die zweite und dritte Säule

Neben dem kompetitiven Origins verfolgt Sky Mavis zwei weitere Spuren. Die erste ist Axie Infinity: Homeland, ein Aufbau- und Verwaltungsspiel, in dem Spieler ihr Land in der Axie-Welt Lunacia bewirtschaften, Ressourcen sammeln und Gebäude errichten. Homeland ist der ruhigere, sammlerische Gegenpol zum schnellen Kampf in Origins und dient dem Studio zugleich als Experimentierfeld für ein nachhaltigeres Belohnungsmodell, zu dem gleich mehr. Es ist der Ort, an dem der wertvolle Land-Bestand aus der Boom-Zeit endlich einen spielerischen Zweck bekommt.

Die zweite und ehrgeizigste Spur ist Axie Infinity: Atia’s Legacy, eine MMO für Mobilgeräte und PC. Angekündigt im März 2025, verlegt sie das Axie-Universum in ein Echtzeit-Rollenspiel mit trupp-basierten Kämpfen, Gildenkriegen, PvE-Missionen und einer spielergetriebenen Wirtschaft. Ein erster geschlossener Playtest lief im Herbst 2025 mit rund tausend ausgewählten Spielern; ein zweiter, größerer Test startete am 8. April 2026 und brachte unter anderem die Steuerung einzelner Axies, fünf neue Waffen und einen risikoreichen Extraction-Dungeon namens „Risk-it-all“, wie BitPinas beschreibt.

Die Vorregistrierung ist offen, der volle Start ist für 2026 anvisiert. Sky Mavis positioniert Atia’s Legacy in seinem eigenen Ankündigungsblog ausdrücklich als das ambitionierteste Projekt in der Geschichte des Studios: der Versuch, aus einer Krypto-Marke ein Spiel zu machen, das man auch ohne Renditeversprechen spielen will. Genau hier liegt die eigentliche Wette. Ein gutes MMO kostet Jahre und viel Geld, und der Friedhof der angekündigten Web3-MMOs ist gut gefüllt. Gelingt Atia’s Legacy als Spiel, hätte Ronin erstmals seit Jahren wieder einen echten Wachstumstreiber; misslingt es, bleibt das Studio auf seinen bestehenden Titeln sitzen.

Der Umbau der Token-Ökonomie: SLP, AXS und das Ende der Emissionen

Der eigentliche Paradigmenwechsel steckt aber nicht in einem einzelnen Spiel, sondern in der Token-Ökonomie. Sky Mavis hat 2026 damit begonnen, das Fundament neu zu gießen, das die Play-to-Earn-Ära zerbrechen ließ. Der wichtigste Schritt: Seit dem 7. Jänner 2026 gibt es im Ranked-Modus von Origins kein SLP mehr zu verdienen. Das Studio begründete das offen mit dem Kampf gegen automatisiertes Bot-Farming; als die Spieler-Liquidität sank, während die SLP-Ausschüttung konstant blieb, nutzten „bad actors“ das System in den höheren Rängen aus. SLP-Extraktion in diesem Ausmaß sei schädlich für die langfristige Gesundheit des Ökosystems, so das Unternehmen laut BitPinas.

SLP verschwindet damit nicht, es wechselt die Rolle. Verdienen kann man es nicht mehr, verbrauchen sehr wohl: zum Herstellen von Gegenständen und zum Morphen von Axies. Damit wird SLP von einer Quelle ständigen Verkaufsdrucks zu einer reinen Verbrauchsressource, die dem Umlauf entzogen wird. Der Effekt ist bereits sichtbar; 2025 wurden netto rund 250 Millionen SLP verbrannt. Sky-Mavis-Mitgründer Jeff „Jihoz“ Zirlin erwartet für heuer „a much healthier Smooth Love Potion“, also ein deutlich gesünderes SLP, wie er gegenüber BitPinas erklärte.

Parallel dazu dreht Sky Mavis an AXS, dem Governance- und Wert-Token. Die Richtung geht weg von direkten AXS-Belohnungen hin zu einem Modell, in dem AXS vor allem noch gehalten, eingesetzt und gestaked wird. In Homeland ersetzte das Studio heuer die unmittelbaren AXS-Ausschüttungen durch ein reputationsgebundenes Belohnungsmodell, das den direkten Abfluss des Wert-Tokens bremst. Aus der alten Formel „spielen, um Token zu verkaufen“ wird so schrittweise „spielen, um im System zu bleiben“. Das ist wirtschaftlich die schwierigere, aber ehrlichere Konstruktion: Sie senkt kurzfristig die Anreize, verlängert dafür aber die Lebensdauer der Ökonomie.

Hinter diesen Einzelmaßnahmen steht eine klarere Rollenverteilung der drei Token. SLP ist das schnelle, hochfrequente Spielgeld, das im Alltag verbraucht wird und bewusst keine Wertaufbewahrung sein soll. AXS ist der knappe Wert- und Governance-Token, an dem Mitsprache und langfristige Wertbindung hängen und der deshalb möglichst im System gehalten statt ausgeschüttet werden soll. Und RON ist der Treibstoff der Chain, dessen Ausgabe über Proof of Distribution an tatsächliche Aktivität gekoppelt ist. Die Play-to-Earn-Ära hatte diese Rollen vermischt und jeden Token zugleich als Belohnung, Zahlungsmittel und Spekulationsobjekt benutzt; die Entflechtung ist der eigentliche Kern des Umbaus.

AXS, SLP und RON im Zahlenvergleich

Wie tief die Korrektur reicht, zeigt der nüchterne Blick auf die Kurse. Die drei Token, die das Ronin-Universum tragen, erzählen dieselbe Geschichte aus drei Blickwinkeln. Die folgenden Werte stammen von CoinGecko (Stand: 13. August 2026); als Austrian-Edition rechnen wir in Euro, der US-Dollar-Kurs steht daneben.

TokenKurs (EUR)Kurs (USD)MarktkapitalisierungAllzeithochAbstand zum ATH
AXS (Axie Infinity)0,7460 €0,8616 $rund 150 Mio. $164,90 $ (Nov. 2021)ca. -99,5 %
RON (Ronin)0,04263 €0,04912 $rund 37,9 Mio. $4,45 $ (März 2024)ca. -98,9 %
SLP (Smooth Love Potion)0,000447 €0,000515 $rund 18,7 Mio. $0,3997 $ (Juli 2021)ca. -99,9 %

Der Abstand zum Allzeithoch ist bei allen drei brutal, doch die Marktkapitalisierung erzählt Nuancen: AXS trägt mit rund 150 Millionen US-Dollar weiter das meiste Gewicht (das ist der Token, an dem Governance und langfristiger Wert hängen), RON als Gas- und Chain-Token liegt bei knapp 38 Millionen, SLP als reines Spielgeld bei rund 19 Millionen. RON allein hat vom Rekord bei 4,45 US-Dollar rund 98,9 Prozent verloren, wie CoinGecko ausweist, AXS sogar rund 99,5 Prozent von 164,90 US-Dollar (CoinGecko). Wichtig für die Einordnung: SLPs riesige Umlaufmenge von über 36 Milliarden Stück ist Absicht, es ist ein Verbrauchsgut, kein Wertspeicher; die Marktkapitalisierung sagt hier wenig über den Nutzen im Spiel aus.

Ronin als Fundament: L2-Migration und Proof of Distribution

Kein Axie-Umbau ohne den Umbau der Chain darunter. Am 12. Mai 2026 vollzog Ronin eine Hard Fork und wurde von einer eigenständigen Sidechain zu einem Ethereum-Layer-2 auf Basis des OP Stack, wie Sky Mavis im Ronin-Blog ausführlich darlegte. Der Schritt hatte zwei ökonomisch entscheidende Folgen: Die jährliche RON-Inflation sank von über 20 Prozent auf unter ein Prozent, und die Marktplatzgebühr, die an die Chain-Treasury fließt, stieg von 0,5 auf 1,25 Prozent. Aus einer Chain, die ihren eigenen Token verwässerte, wurde eine, die Knappheit erzeugt.

Das zweite neue Element heißt Proof of Distribution (PoD). Statt Emissionen breit über Staking auszuschütten, verteilt Ronin RON nun in monatlichen Saisons nach messbarer On-Chain-Aktivität: NFT-Volumen, DEX-Volumen, Gasverbrauch, Vertragsaktivität sowie aktive und neue Nutzer mit echtem Guthaben fließen gewichtet in die Belohnung ein. Wer echte Wirtschaft auf die Chain bringt, verdient; wer nur Zahlen aufbläht, weniger. Welche Spiele davon konkret profitieren und wie die ersten Saisons ausfielen, haben wir in unserer Analyse zu Proof of Distribution und den RON-verdienenden Spielen im Detail aufgeschlüsselt.

Zirlin fasste die Logik hinter dem Umbau am Tag der Migration knapp zusammen: „I expect all key metrics across the chain to start to improve. You get what you incentivise“, man bekomme also das, wofür man Anreize setze, sagte er laut BlockchainGamer.biz. Genau dieselbe Denkschule steht hinter dem SLP-Stopp und dem AXS-Umbau: Anreize weg vom Extrahieren, hin zum Beitragen. Chain, Token und Spiele ziehen 2026 erstmals seit Langem in dieselbe Richtung.

Was die Nutzerzahlen wirklich sagen

Zahlen sind in diesem Sektor Glaubenssache, deshalb lohnt Vorsicht. Ronin gehörte 2025 zu den aktivsten Gaming-Chains überhaupt; laut dem DappRadar-Bericht zum dritten Quartal 2025 sprangen die täglich aktiven Wallets auf Ronin um 55 Prozent auf rund 419.000, getragen vor allem von Pixels und neu hinzugekommenen Titeln. DappRadar führte Ronin in dieser Phase als führende Blockchain fürs Gaming.

Seit der OP-Stack-Migration im Mai 2026 ist die Datenlage aber unübersichtlicher geworden: Einige Tracker stellten die Erfassung der alten Sidechain-Metriken ein, ohne die neue L2-Struktur nahtlos weiterzuführen. Man sollte deshalb jede taggenaue Nutzerzahl aus dieser Übergangszeit mit Zurückhaltung lesen. Klar ist die Richtung: Axie Classic mit seinen niedrigen fünfstelligen Tageszahlen ist nicht mehr der Treiber, die Aktivität verteilt sich auf Origins, Pixels, Fishing Frenzy und ein Dutzend kleinerer Titel.

Der Bot-Befund ist dabei kein Randthema, sondern der Grund für den härtesten Schnitt des Jahres. Automatisierte Konten konnten im alten Modell rund um die Uhr SLP farmen und sofort verkaufen, ohne je etwas auszugeben. Für die Kennzahlen sah das nach blühender Aktivität aus, wirtschaftlich war es ein reiner Abfluss. Je mehr echte Spieler abwanderten, desto stärker fiel dieser Bot-Anteil ins Gewicht, bis die Ausschüttung in den oberen Rängen faktisch die Bots subventionierte. Den Hahn zuzudrehen kostet kurzfristig Nutzerzahlen, entfernt aber genau die Nachfrage nach dem Token, die keinen Wert schuf.

Wichtiger als die Rohzahl ist ohnehin ihre Qualität, und hier setzt die neue Strategie an. Eine tägliche Nutzerzahl, die zu einem erheblichen Teil aus Bots besteht, ist wertlos, wenn diese Bots nur Token abziehen. Genau deshalb hat Sky Mavis lieber das SLP-Farming gestoppt und riskiert kurzfristig sinkende Zahlen, als die Illusion einer großen, aber leeren Community zu pflegen. Ob diese Wette aufgeht, wird sich weniger an der Spitze der täglich aktiven Nutzer zeigen als daran, wie viele Spieler nach dem Umbau tatsächlich Geld im Spiel lassen. Das ist eine unbequeme Kennzahl, weil sie langsam wächst und sich nicht in eine Schlagzeile pressen lässt.

Der Wettbewerb: Immutable, Beam und die Gaming-Chain-Kriege

Axie und Ronin agieren nicht im luftleeren Raum. Der Kampf um Web3-Gaming ist 2026 ein Verdrängungswettbewerb zwischen einer Handvoll spezialisierter Chains, die alle dieselbe knappe Ressource umwerben: Spieler, die bleiben. Ronins Vorteil ist Erfahrung und ein echtes, wenn auch geschrumpftes Publikum. Sein Nachteil ist die Altlast, untrennbar mit dem Play-to-Earn-Crash und dem Bridge-Hack verbunden zu sein.

Die Konkurrenz sortiert sich unterschiedlich. Immutable, die Ethereum-Skalierungsplattform fürs Gaming rund um den Token IMX, hat sich zuletzt stark in Richtung Publishing und, wie wir in unserer Analyse zu Immutables KI-Pivot beschrieben haben, in Richtung KI-Wachstumsplattform bewegt. Beam wiederum, die aus dem Merit-Circle-Ökosystem hervorgegangene Gaming-Chain im Avalanche-Umfeld, setzt auf eine eigene Titel-Pipeline; die Details dazu stehen in unserem Beam-Realitätscheck. Dazu kommen Move-basierte Layer-1s wie Sui und Aptos, die mit hoher Transaktionskapazität um Studios buhlen, und Arbitrums Gaming-Initiativen. Die folgende Übersicht ordnet die Positionen qualitativ ein; sie ist kein Renditevergleich.

ChainArchitekturTokenGaming-Profil 2026
RoninEthereum-L2 (OP Stack)RONGaming-first, Axie und Pixels, Proof of Distribution
ImmutableEthereum-Skalierung (zkEVM)IMXbreite Publishing- und KI-Wachstumsplattform
BeamChain im Avalanche-ÖkosystemBEAMex-Merit-Circle, eigene Titel-Pipeline
Sui / AptosMove-Layer-1SUI / APTHochdurchsatz-L1, Akquise von Studios
ArbitrumEthereum-L2 (Rollup)ARBGaming über Orbit-Chains und Initiativen

Der entscheidende Unterschied zu 2021 ist, dass niemand mehr mit dem schnellen Reichwerden wirbt. Die Chains konkurrieren heute über Werkzeuge, Vertriebsreichweite und die Glaubwürdigkeit ihrer Ökonomie, nicht über Renditeversprechen. In diesem Rahmen ist Ronins Bündelung auf wenige, gepflegte Titel eher Stärke als Schwäche: Ein Anbieter mit zwei funktionierenden Spielen und einer klaren Ökonomie ist besser dran als einer mit fünfzig leeren Ankündigungen.

AXS als Investment: zwischen Narrativ und Realität

Für viele Leserinnen und Leser ist die praktische Frage nicht, ob Origins Spaß macht, sondern ob AXS ein Investment ist. Hier ist Nüchternheit angebracht. AXS ist ein hochvolatiler, spekulativer Small-Cap-Token, der rund 99,5 Prozent unter seinem Rekord notiert und dessen Kurs eng an einer einzigen These hängt: dass Sky Mavis den Übergang von Play-to-Earn zu nachhaltigem Gaming schafft und dass wieder Nutzer und Umsätze in relevantem Ausmaß auf die Chain kommen. Schlägt die These fehl, gibt es wenig fundamentalen Boden.

Dazu kommt der Makro-Rahmen. Gaming-Token wie AXS oder RON sind am äußersten Risiko-Ende des Krypto-Spektrums; sie reagieren überproportional auf die allgemeine Risikoneigung. In Phasen, in denen sich Bitcoin von den Aktienmärkten löst, laufen solche Nischen-Token oft ihren eigenen, dünn gehandelten Weg, ein Muster, das wir in unserer Analyse zur Entkopplung von Bitcoin und Börsen genauer beleuchtet haben. Wer die kurzfristige Positionierung großer Adressen verstehen will, findet in unserem Blick auf die Derivate-Positionierung rund um den September zusätzlichen Kontext, auch wenn solche Instrumente für einen Token dieser Größe kaum liquide sind.

Konkret heißt das: AXS ist eher eine Wette auf ein Team und ein Produkt als auf einen etablierten Cashflow. Die geringe Handelstiefe (das 24-Stunden-Volumen von AXS liegt zuletzt im niedrigen zweistelligen Millionenbereich, jenes von RON nur im mittleren sechsstelligen Bereich) bedeutet, dass schon mittelgroße Orders den Kurs bewegen. Für ein Depot ist das eine Größe, die man, wenn überhaupt, nur mit klar begrenztem Einsatz beimischt, und mit dem Bewusstsein, dass Illiquidität in beide Richtungen wirkt.

Praktisch relevant ist auch, wo man diese Token überhaupt handelt. RON wird vor allem auf großen internationalen Börsen wie Binance und OKX gehandelt und war auf den in Europa beliebten Plattformen Coinbase und Kraken zuletzt nicht durchgängig verfügbar; das deutlich größere AXS ist breiter gelistet. Für Privatanleger heißt das: Man sollte die Verfügbarkeit auf der eigenen, EU-regulierten Handelsplattform vorab prüfen, statt sie vorauszusetzen, zumal die geringe Handelstiefe ohnehin schon ein Thema ist.

Was Experten sagen

Wo steht die Branche in dieser Frage? Auffällig ist, dass die glaubwürdigsten Stimmen des Sektors 2026 dieselbe Sprache sprechen wie die Produktentscheidungen von Sky Mavis. Gabby Dizon, Mitgründer von Yield Guild Games und damit einer der Menschen, die den Scholarship-Boom überhaupt erst skalierten, argumentiert heute gegen die Kennzahlen, die er einst mit befeuerte. Nachhaltigkeit entstehe, wenn man sich auf die Ausgebenden konzentriere statt auf TVL oder Airdrop-Jäger; „$4,000 spent in a game is preferable to $400,000 in TVL“, 4.000 in einem Spiel ausgegebene Dollar seien also 400.000 Dollar an geparktem Kapital vorzuziehen, sagte er in einer Runde von Branchenköpfen bei BlockchainGamer.biz.

Diese Verschiebung, weg von Vanity-Metriken wie roher Nutzerzahl und geparktem Kapital, hin zu tatsächlichen Ausgaben, ist der rote Faden hinter allem, was Sky Mavis heuer tut: dem SLP-Stopp, dem AXS-Umbau, dem Proof-of-Distribution-Modell. Zirlins Satz „You get what you incentivise“ und Dizons Rechnung sind zwei Formulierungen derselben Einsicht. Die offene Frage ist nicht mehr, ob die Branche das Problem verstanden hat, sondern ob ein Publikum, das ursprünglich wegen des Geldes kam, auch dann bleibt, wenn das Geld nicht mehr im Vordergrund steht. Das ist eine kulturelle Frage, keine technische, und sie lässt sich nur durch gute Spiele beantworten.

Regulierung in Österreich: FMA, MiCA und die Steuerfrage

Für österreichische Nutzer stellt sich zusätzlich die regulatorische und steuerliche Frage. Auf EU-Ebene gilt seit 2024 die Verordnung MiCA; die nationale Aufsicht liegt bei der Finanzmarktaufsicht (FMA). Wichtig zum Verständnis: MiCA reguliert die Dienstleister (Handelsplattformen, Verwahrer) und die Emittenten von Krypto-Assets, nicht das Spiel oder das Protokoll selbst. Österreich nutzt die verkürzte MiCA-Übergangsfrist, die am 1. Juli 2026 endet; wer als Anbieter österreichische Kunden bedient, muss seither eine FMA-Zulassung haben oder den Betrieb einstellen.

Heikel ist die Einordnung von Spiel-Token. Nach den ESMA-Leitlinien vom 19. März 2025 gilt eine Substanz-über-Form-Betrachtung: Ein Utility- oder Gaming-Token kann trotzdem ein Finanzinstrument nach MiFID II sein, wenn er etwa Gewinnbeteiligung oder echte Stimmrechte verleiht; die ESMA-Regeln zum Marktmissbrauch unter MiCA gelten in Teilen ab 28. Juli 2026 (ESMA). NFTs wie Axies oder Land in Homeland fallen in der Regel nicht unter MiCA, große fungible Serien können es aber sehr wohl. Für AXS als Governance-Token mit Stimmrechten ist diese Grenze alles andere als akademisch.

Steuerlich behandelt Österreich Krypto-Gewinne seit der Ökosozialen Steuerreform mit dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent (Paragraph 27a EStG). Für Play-to-Earn heißt das nach Auffassung des Finanzministeriums (BMF) grob: Token, die man ohne Gegenleistung durchs Spielen erhält, lösen beim Zufluss keine Steuer aus, ihre Anschaffungskosten gelten als null, versteuert wird der Wertzuwachs erst bei der Veräußerung; der Tausch von Krypto gegen Krypto ist seit der Reform steuerneutral. Inländische Plattformen behalten die Kapitalertragsteuer seit 1. Jänner 2024 automatisch ein. Wer über eine ausländische Wallet spielt und verkauft, muss die Gewinne selbst in der Steuererklärung angeben, ein Punkt, der bei Ronin-Wallets schnell übersehen wird.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Fassen wir zusammen, was für und was gegen das umgebaute Axie-Ronin-Modell spricht. Auf der Habenseite steht ein Team, das seinen zentralen Konstruktionsfehler erkannt und die Emissionsmaschine tatsächlich abgestellt hat; eine Chain, die ihre Inflation von über 20 auf unter ein Prozent gedrückt hat; ein diversifiziertes Portfolio aus einem kompetitiven Kartenspiel, einem Aufbauspiel und einer ambitionierten MMO; und eine echte, wenn auch kleinere Community, die mehrere Krisen überstanden hat. Das ist mehr Substanz, als die meisten Projekte aus der Play-to-Earn-Welle vorweisen können.

Dagegen stehen ebenso handfeste Risiken.

  • Reichweite: Die täglichen Spielerzahlen sind ein Bruchteil des Höhepunkts, und der Nachweis, dass die neue Ökonomie Nutzer bindet, steht noch aus.
  • Token-Überhang: AXS, RON und SLP notieren 99 Prozent und mehr unter ihren Rekorden; künftige Freischaltungen und Verkaufsdruck bleiben ein Thema.
  • Ausführungsrisiko: Atia’s Legacy muss erst beweisen, dass sie als Spiel auch ohne Renditeversprechen trägt; MMOs sind teuer und schwer zu treffen.
  • Regulatorik: Die Einordnung von Spiel-Token unter MiCA und MiFID II ist im Fluss, und die FMA-Aufsicht verschärft sich mit dem Fristende am 1. Juli 2026.
  • Ruf: Der Play-to-Earn-Crash und der 625-Millionen-Hack bleiben als Erzählung haften, unabhängig davon, wie sauber die Technik heute ist.

Kurz gesagt: Die Richtung stimmt, die Beweislast liegt aber weiter bei Sky Mavis.

Ausblick: Kann das Flaggschiff wieder Fahrt aufnehmen?

Der Abschied von Axie Classic ist der symbolische Schlusspunkt der ersten Play-to-Earn-Ära. Was danach kommt, entscheidet sich an einer einzigen, unspektakulären Frage: Bleiben Menschen, weil das Spiel gut ist? Sky Mavis hat dafür die schwierigen, unpopulären Schritte gemacht, das Farmen gestoppt, die Inflation gekappt, das Portfolio konsolidiert. Das ist die Art von Aufräumarbeit, die kurzfristig Zahlen kostet und erst über Jahre belohnt wird, wenn überhaupt.

Die nächsten Prüfsteine sind konkret und terminiert. Im September übergibt das Studio Classic an die Community, ein erster realer Test für die These vom Spiel, das seinen Entwickler überlebt. Atia’s Legacy muss aus Playtests ein fertiges, attraktives MMO machen. Und Proof of Distribution muss zeigen, dass es echte Wirtschaft belohnt und nicht nur clevere Aktivität. Für Anlegerinnen und Anleger in Österreich bleibt AXS damit das, was es seit dem Absturz war: eine kleine, riskante Wette auf die Umsetzung, kein Basisinvestment. Wer sie eingeht, tut es mit klar begrenztem Einsatz und dem Wissen, dass die interessanteste Kennzahl heuer nicht der Kurs ist, sondern die Zahl der Spieler, die auch dann noch da sind, wenn niemand mehr vom schnellen Geld redet.

Häufig gestellte Fragen

Wird Axie Infinity 2026 komplett abgeschaltet?

Nein. Sky Mavis stellt nur die aktive Entwicklung der ursprünglichen Version Axie Classic ein und übergibt sie an die Community; die letzte offizielle Saison läuft bis Anfang September 2026. Das Flaggschiff Axie Infinity: Origins sowie Homeland und die kommende MMO Atia’s Legacy werden weiterentwickelt.

Kann man mit Axie Infinity 2026 noch Geld verdienen?

Deutlich schwerer als früher. Seit 7. Jänner 2026 gibt es im Ranked-Modus von Origins kein SLP mehr zu verdienen; SLP dient nur noch dem Verbrauch, etwa fürs Crafting und Morphen. Sky Mavis hat die Belohnungen bewusst weg vom reinen Farmen verschoben, um die Ökonomie zu stabilisieren. Wer einsteigt, sollte es primär wegen des Spiels tun, nicht wegen einer Rendite.

Was ist mit der Ronin-Chain nach dem Ethereum-Umzug passiert?

Ronin wurde am 12. Mai 2026 zu einem Ethereum-Layer-2 auf OP-Stack-Basis. Die jährliche RON-Inflation fiel von über 20 auf unter ein Prozent, und ein neues Modell namens Proof of Distribution verteilt RON nach messbarer On-Chain-Aktivität statt über breite Staking-Emission.

Wie werden Krypto-Gewinne aus Spielen in Österreich besteuert?

Krypto-Gewinne unterliegen dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent. Durchs Spielen ohne Gegenleistung erhaltene Token lösen beim Zufluss keine Steuer aus (Anschaffungskosten null), versteuert wird der Wertzuwachs bei der Veräußerung. Der Krypto-zu-Krypto-Tausch ist steuerneutral. Bei ausländischen Wallets muss man die Gewinne selbst deklarieren; die FMA beaufsichtigt die Anbieter unter MiCA.

Was ist Atia’s Legacy und wann erscheint es?

Atia’s Legacy ist eine für Mobilgeräte und PC geplante MMO im Axie-Universum mit Echtzeit-Kämpfen, Gildenkriegen und einer spielergetriebenen Wirtschaft. Nach einem ersten Playtest im Herbst 2025 und einem zweiten ab April 2026 ist der volle Start für 2026 anvisiert; die Vorregistrierung läuft bereits.

Von Priya Reddy, Senior-Redakteurin bei HOGE Wire mit Fokus auf Web3-Gaming und die Ronin-Ökonomie.

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