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● Macro & TradFi

DXY als Euro-Wette: wie viel Bitcoin-Gewinn nur Währung ist

Für ein Euro-Depot ist der Dollar-Index keine ferne Kennzahl, sondern die halbe Rechnung. Wir zerlegen, wie viel Bitcoin-Gewinn heuer nur der schwache Euro war, und was das steuerlich heißt.

Wer in Österreich Bitcoin hält, rechnet in Euro. Genau darin liegt eine unterschätzte Wahrheit über den US-Dollar-Index, kurz DXY: Für ein Euro-Depot ist er keine ferne Kennzahl aus New York, sondern zu einem großen Teil der eigene Wechselkurs, nur auf den Kopf gestellt. Als der DXY am 23. September kurzzeitig über 101 kletterte, den höchsten Stand seit Ende Juli, war das vor allem eine Aussage über den Euro, nicht über eine abstrakte Dollarstärke.

Und trotzdem stieg Bitcoin in derselben Woche auf über 85.000 US-Dollar, ein Achtmonatshoch (Cointelegraph). Das übliche Lehrbuch, wonach ein starker Dollar den Kryptomarkt bremst, wirkte außer Kraft gesetzt. Diese scheinbare Paradoxie haben wir an anderer Stelle bereits auseinandergenommen (DXY über 100). Heute geht es um etwas Konkreteres und Persönlicheres: um die Frage, wie viel von Ihrem Bitcoin-Gewinn eigentlich Bitcoin ist, und wie viel nur ein schwacher Euro.

Denn jeder Euro-Kurs von Bitcoin ist ein Produkt aus zwei Wetten. Die eine ist die Wette auf Bitcoin selbst, gemessen in Dollar. Die andere ist eine stille Devisenwette, die Sie eingehen, ohne sie je bewusst platziert zu haben: die Wette Euro gegen Dollar. Der DXY misst genau diese zweite Wette, und er tut es fast ausschließlich über den Euro.

Der Kurs, der zwei Preise versteckt

Beginnen wir mit der einfachsten Gleichung im Depot eines österreichischen Anlegers. Der Euro-Preis von Bitcoin ist der Dollar-Preis, geteilt durch den Wechselkurs EUR/USD. In Worten: Bitcoin in Euro gleich Bitcoin in US-Dollar geteilt durch EUR/USD. Ein EUR/USD von 1,14 heißt, dass ein Euro 1,14 US-Dollar kauft.

Ein Beispiel macht das greifbar. Bei einem Kurs von 85.000 US-Dollar und einem EUR/USD von 1,14 kostet ein Bitcoin rund 74.560 Euro. Fällt der Euro auf 1,10, ohne dass sich am Dollar-Preis irgendetwas ändert, kostet derselbe Bitcoin plötzlich rund 77.270 Euro. In Ihrem Depot steht ein Plus von fast 2.700 Euro, obwohl Bitcoin in Dollar keinen Cent zugelegt hat. Der Gewinn kam nicht aus dem Kryptomarkt, sondern aus dem Devisenmarkt.

Umgekehrt gilt dasselbe. Erholt sich der Euro, frisst die Aufwertung einen Teil Ihrer Dollar-Gewinne wieder auf. Der Wechselkurs ist damit kein Hintergrundrauschen, sondern ein zweiter Hebel, der jederzeit in beide Richtungen wirkt. Und der DXY ist das Barometer, das diesen Hebel am sichtbarsten macht, weil er von genau dieser Währung dominiert wird.

Warum der DXY für ein Euro-Depot fast der eigene Kurs ist

Der DXY klingt nach einem breiten Maß für die Stärke des Dollars gegenüber der Welt. Tatsächlich misst er den Dollar nur gegen sechs Währungen, und die Gewichte stammen im Kern aus dem Jahr 1973. Seit der Euro 1999 die europäischen Einzelwährungen ersetzte, wurde der Korb nicht mehr angepasst (ICE FX Indexes Methodology). Der Index startete im März 1973 bei 100,00 und wird als geometrisches Mittel berechnet; die Betreiberin ist die Intercontinental Exchange (ICE).

WährungGewicht im DXY
Euro (EUR)57,6 Prozent
Japanischer Yen (JPY)13,6 Prozent
Britisches Pfund (GBP)11,9 Prozent
Kanadischer Dollar (CAD)9,1 Prozent
Schwedische Krone (SEK)4,2 Prozent
Schweizer Franken (CHF)3,6 Prozent
Feste Gewichte des DXY seit 1999. Quelle: ICE.

Für einen Anleger in Wien hat diese Tabelle eine unbequeme Konsequenz. Mehr als die Hälfte des Index, exakt 57,6 Prozent, ist der Euro. Der DXY ist deshalb in erster Näherung nichts anderes als EUR/USD, gespiegelt: Steigt der DXY, fällt fast immer der Euro, und umgekehrt. Wenn Sie in einer Schlagzeile lesen, der Dollar sei stark, dann lesen Sie in Wahrheit meistens, Ihr Euro sei schwach. Rechnet man Pfund, Franken und Krone dazu, sind fast neun Zehntel des Index europäische Währungen. Der DXY ist ein Europa-Index mit ein wenig Yen und kanadischem Dollar am Rand.

Das ist mehr als eine akademische Fußnote. Es bedeutet, dass die zweite Wette in Ihrem Bitcoin-Kurs, die Devisenwette, praktisch deckungsgleich mit dem DXY ist. Wer den DXY beobachtet, beobachtet die Rendite-Komponente seines eigenen Euro-Depots, die nichts mit Bitcoin zu tun hat. Der feste Korb von 1973 sorgt zwar für Vergleichbarkeit über Jahrzehnte, bildet die heutige Handelswelt aber nur noch grob ab.

Zwei Wochen im September: als der Euro nachgab

Der September 2026 liefert ein Lehrstück. Anfang des Monats notierte der DXY noch unter 99, EUR/USD lag bei rund 1,16 (ING Think). Zwei Wochen später, nach der Zinsentscheidung der US-Notenbank, stand der DXY über 101 und EUR/USD war unter 1,14 gerutscht. Der Euro hatte gegenüber dem Dollar in wenigen Handelstagen rund 1,7 Prozent verloren.

Für den Bitcoin-Kurs in Dollar war das ein Rückenwind von außen. Legen wir zur Illustration die gerundeten Eckwerte zusammen: Stieg Bitcoin in diesen zwei Wochen von rund 79.000 auf über 85.000 US-Dollar, entspricht das einem Dollar-Plus von etwa 7,6 Prozent. In Euro fällt der Zuwachs jedoch größer aus, weil der Euro gleichzeitig nachgab. Aus 79.000 US-Dollar bei 1,16 wurden rund 68.100 Euro; aus 85.000 US-Dollar bei 1,14 wurden rund 74.560 Euro. Das ist ein Plus von etwa 9,5 Prozent, also fast zwei Prozentpunkte mehr als in Dollar.

Diese knapp zwei Prozentpunkte sind der stille Passagier. Sie sind kein Verdienst von Bitcoin, sondern die Kehrseite eines schwächeren Euro. In guten Wochen fühlt sich das wie ein Bonus an. Das Problem beginnt, wenn man diesen Bonus für Können hält, oder wenn er sich eines Tages dreht.

Die Zerlegung: wie viel Rendite ist Bitcoin, wie viel Euro-Schwäche

Man kann diese Rechnung sauber trennen. Die Euro-Rendite eines Bitcoin-Bestands setzt sich multiplikativ aus zwei Teilen zusammen: der Rendite in Dollar und der Veränderung des Wechselkurses. Näherungsweise gilt: (1 plus Euro-Rendite) gleich (1 plus Dollar-Rendite) mal (1 plus Währungseffekt), wobei der Währungseffekt die Aufwertung des Dollars gegenüber dem Euro ist.

Die folgende Tabelle zeigt, was das für verschiedene Kombinationen bedeutet. Sie ist bewusst illustrativ gehalten, mit runden Zahlen, damit das Muster sichtbar wird. Gelesen wird sie so: Zeilen sind die Bitcoin-Bewegung in Dollar, Spalten die Bewegung des Euro gegenüber dem Dollar (ein Minus heißt: der Euro fällt, der DXY steigt). In der Zelle steht die resultierende Rendite in Euro.

Bitcoin in US-DollarEuro -5 %Euro -2 %Euro unverändertEuro +5 %
0 %+5,3 %+2,0 %0,0 %-4,8 %
+10 %+15,8 %+12,2 %+10,0 %+4,8 %
+20 %+26,3 %+22,4 %+20,0 %+14,3 %
-10 %-5,3 %-8,2 %-10,0 %-14,3 %
Resultierende Euro-Rendite eines Bitcoin-Bestands, illustrativ. Spalten: Bewegung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Ein fallender Euro entspricht einem steigenden DXY.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: In Phasen mit schwachem Euro kann ein Euro-Depot zweistellig im Plus sein, obwohl Bitcoin in Dollar kaum vom Fleck kam. Ein flacher Kryptomarkt und ein fallender Euro ergeben in Euro trotzdem einen Gewinn. Zweitens: Der Effekt wirkt in beide Richtungen. Dreht der Euro nach oben, verwandelt sich der stille Rückenwind in Gegenwind, und ein Dollar-Verlust wird in Euro noch schmerzhafter, wie die untere Zeile der Tabelle zeigt.

Warum der Euro fällt: die Zinsdifferenz nach dem Fed-Schritt

Warum also fällt der Euro gerade jetzt? Die kurze Antwort lautet: Zinsdifferenz. Am 16. September hob die Federal Reserve ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an, die erste Anhebung seit Juli 2023. Die Folgen dieses Schritts für die Terminmärkte haben wir bereits ausführlich beschrieben (Futures-Basis nach dem Zinsschritt). Die Europäische Zentralbank war zwar ebenfalls im Straffungsmodus, hatte im Juni 2026 erstmals seit drei Jahren erhöht und den Einlagensatz im September auf 2,50 Prozent gebracht (EZB), doch die Fed straffte schneller und deutlicher.

Damit klafft zwischen dem US-Leitzins und dem Euro-Einlagensatz eine Lücke von rund 1,4 Prozentpunkten. Für global anlegendes Kapital ist das ein Anreiz, Dollar zu halten statt Euro, denn kurzfristige Dollar-Anlagen werfen mehr ab. Über die gedeckte Zinsparität schlägt sich diese Differenz direkt im Termin- und im Kassakurs von EUR/USD nieder. Vereinfacht: Je größer der Zinsvorsprung des Dollars, desto stärker der Sog in Richtung Dollar, desto schwächer der Euro, desto höher der DXY. Genau dieser Zinsvorsprung ist der Treibstoff des klassischen Carry-Trades, bei dem sich Anleger in der niedriger verzinsten Währung verschulden und in der höher verzinsten anlegen.

Die Devisenstrategen der ING, angeführt von Chris Turner (Global Head of Markets) und Francesco Pesole, sehen den Dollar nach dem Zinsschritt kurzfristig gut unterstützt. Sie senkten ihr Jahresendziel für EUR/USD auf 1,16 und verschoben die Erwartung einer klaren Euro-Erholung auf das Frühjahr 2027, wenn sich die US-Inflation wieder der Zwei-Prozent-Marke nähert (ING Think). Für ein Euro-Depot heißt das: Der Währungsrückenwind könnte vorerst anhalten, aber er ist kein Naturgesetz.

Der Steuer-Twist: 27,5 Prozent auch auf die Euro-Schwäche

Hier kommt der Teil, der Österreich von vielen anderen Ländern unterscheidet und der die Währungsfrage von einer akademischen zu einer sehr konkreten macht. Seit dem 1. März 2022 gelten Kryptowährungen steuerlich als Kapitalvermögen. Realisierte Gewinne unterliegen dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent nach Paragraf 27a Absatz 1 EStG, unabhängig vom übrigen Einkommen (BMF).

Entscheidend ist die Bemessungsgrundlage. Besteuert wird der Gewinn in Euro, nicht in Dollar. Wenn Sie Ihren Bitcoin gegen Euro verkaufen, misst das Finanzamt die Differenz zwischen dem Euro-Verkaufswert und den Euro-Anschaffungskosten. Der Währungseffekt steckt in dieser Differenz mit drin. Anders gesagt: Auch der Teil Ihres Gewinns, der nur daher rührt, dass der Euro schwächer geworden ist, wird mit 27,5 Prozent besteuert, selbst wenn Bitcoin in Dollar keinen Cent zugelegt hat.

Das ist keine Spitzfindigkeit. Nehmen wir das frühere Beispiel: Bitcoin bleibt bei 85.000 US-Dollar, der Euro fällt von 1,14 auf 1,10. Der Euro-Wert steigt von rund 74.560 auf rund 77.270 Euro. Auf diesen Buchgewinn von etwa 2.710 Euro fallen bei Realisierung rund 745 Euro Steuer an, obwohl im Kryptomarkt nichts passiert ist. Die Euro-Schwäche ist damit nicht nur eine Renditequelle, sondern eine steuerpflichtige.

Zwei österreichische Sonderwege mildern das Bild. Erstens gilt der Tausch einer Kryptowährung gegen eine andere, etwa Bitcoin gegen Ethereum, nicht als steuerpflichtige Realisierung; die Anschaffungskosten wandern auf die neue Coin (BMF). Die Uhr für den Währungsgewinn beginnt steuerlich also erst zu ticken, wenn Sie tatsächlich in Euro aussteigen. Zweitens ist Altvermögen, also vor dem 1. März 2021 gekaufte Bestände, beim Verkauf grundsätzlich steuerfrei, samt dem darin enthaltenen Währungsgewinn. Seit 1. Jänner 2024 behalten inländische Krypto-Dienstleister die 27,5 Prozent zudem automatisch als Kapitalertragsteuer ein und führen sie ab.

Kann man die Euro-Seite absichern?

Wer erkennt, dass im Bitcoin-Depot eine unfreiwillige Dollar-Long-Position steckt, stellt sich zwangsläufig die nächste Frage: Soll man diese Devisenwette absichern? Technisch ist das möglich. Man kann EUR/USD über Termingeschäfte, Futures oder ein börsengehandeltes Produkt gegenläufig positionieren, sodass ein steigender Euro den Verlust auf der Währungsseite ausgleicht und ein fallender Euro den Zusatzgewinn neutralisiert.

Der Haken ist der Preis. Eine Absicherung von EUR/USD kostet ungefähr die Zinsdifferenz zwischen beiden Währungsräumen, aktuell also rund 1,4 Prozent pro Jahr, weil der Dollar höher verzinst ist. Wer die Dollar-Seite absichert, gibt genau den Carry auf, der den Dollar für andere attraktiv macht. Es ist dieselbe Logik der Finanzierungskosten, die auch über Gewinn und Verlust im Basis- und Terminhandel entscheidet.

Für die meisten Privatanleger lautet die ehrliche Antwort deshalb: Eine dauerhafte Währungsabsicherung lohnt sich selten, weil die Kosten die kurzfristigen Schwankungen oft übersteigen und die Volatilität von Bitcoin die von EUR/USD ohnehin um ein Vielfaches übertrifft. Sinnvoller ist, die Währungswette bewusst zu machen: zu wissen, dass ein Teil der Rendite an EUR/USD hängt, und Positionsgröße sowie Erwartungen entsprechend zu kalibrieren. Institutionelle mit klaren Euro-Verbindlichkeiten, etwa Pensionskassen, rechnen anders; über deren Duration und Währungsfragen haben wir gesondert geschrieben (Die stille Duration).

Welche Dollar-Zahl Ihr Depot wirklich bewegt

Es gibt viele Dollar-Kennzahlen, und sie erzählen unterschiedliche Geschichten. Neben dem DXY führt die US-Notenbank einen handelsgewichteten breiten Dollar-Index (DTWEXBGS), der 26 Volkswirtschaften umfasst, jährlich neu gewichtet wird und Schwellenländer wie China, Mexiko oder Indien einschließt, die im DXY komplett fehlen (Federal Reserve). Für die Analyse der globalen Dollarstärke ist dieser breite Index ehrlicher.

Für Ihr Euro-Depot ist aber weder der DXY noch der breite Index die entscheidende Zahl, sondern schlicht EUR/USD. Das ist der einzige Wechselkurs, der Ihre Bitcoin-Rendite direkt umrechnet. Der DXY ist dafür nur ein sehr guter Näherungswert, weil der Euro ihn dominiert. Wer es genau nimmt, schaut auf EUR/USD; wer eine schnelle Orientierung will, dem genügt der DXY. Den breiten Fed-Index braucht man erst, wenn man über den globalen Dollarzyklus reden will, nicht über das eigene Depot.

USDC oder EURC: der Stablecoin als versteckte Dollar-Wette

Die Währungswette hört nicht bei Bitcoin auf. Sie steckt auch dort, wo viele sie am wenigsten vermuten: im Stablecoin. Wer Gewinne in USDC oder USDT parkt, statt in Euro auszusteigen, hält weiterhin eine Dollar-Position. Der vermeintlich sichere Hafen ist in Wahrheit eine fortgesetzte Wette Dollar gegen Euro. Steigt der DXY, gewinnt dieser Bestand in Euro gerechnet; dreht der Euro, verliert er.

Für Euro-Anleger gibt es unter der europäischen MiCA-Verordnung eine wachsende Alternative in Gestalt von Euro-Stablecoins wie EURC, deren Wert an den Euro und nicht an den Dollar gekoppelt ist. Wer zwischen zwei Trades in Euro-Stablecoins zwischenparkt, schaltet die Währungswette aus. Parallel arbeiten europäische Notenbanken an Zentralbankgeld auf der Blockchain für Banken, ein Thema, das wir mit dem Start von Pontes aufgegriffen haben (Pontes geht live). Die Frage, in welcher Währung Ihr Kapital zwischen den Trades ruht, ist selbst eine Devisenentscheidung.

Ist die Dollar-Long-Wette überlaufen?

Wenn ein schwacher Euro so viel Rückenwind liefert, lohnt der Blick auf die Gegenwahrscheinlichkeit: Wie überfüllt ist die Wette auf einen starken Dollar bereits? Ein nützliches Instrument dafür ist der wöchentliche Commitments-of-Traders-Bericht der US-Aufsichtsbehörde CFTC, der die Netto-Positionen spekulativer Händler ausweist (CFTC).

Zuletzt bauten große Spekulanten ihre Netto-Long-Positionen auf den Dollar-Index sogar ab, nicht auf: Per 15. September lag die Netto-Long-Position bei nur noch rund 10.600 Kontrakten, ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vorwochen (Business Standard). Der Anstieg des DXY über 101 kam also nicht aus einem euphorischen Aufbau spekulativer Wetten, sondern eher aus der Zinsdifferenz und aus Absicherungen. Ein überhitztes Long-Lager, das bei der kleinsten Enttäuschung kippt, sieht anders aus.

Zugleich mehren sich Stimmen, die den Euro auf diesem Niveau für zu billig halten. Die ING-Strategen um Francesco Pesole verweisen darauf, dass EUR/USD mit dem Bruch unter 1,14 gemessen an ihrem kurzfristigen Fair-Value-Modell inzwischen unterbewertet sei, obwohl sich die Zinsdifferenz zuletzt sogar leicht zugunsten des Euro bewegt habe (FXStreet). Übersetzt heißt das: Der Währungsrückenwind für Euro-Anleger könnte sich seinem Ende nähern, lange bevor Bitcoin selbst dreht.

Was nach Oktober und Dezember passieren kann

Der Kalender bis Jahresende entscheidet, ob der stille Passagier weiter mitfährt. Die Fed tagt erneut Ende Oktober und im Dezember; die EZB folgt jeweils kurz darauf. Sollte die Fed nach der September-Anhebung eine Pause signalisieren oder gar über Senkungen nachdenken, während die EZB standhält, würde sich die Zinsdifferenz einengen, der Euro könnte drehen und der DXY zurückfallen. Für ein Euro-Depot hieße das: weniger Währungsrückenwind, unter Umständen Gegenwind. Wie schnell sich der Hebel nach einem Zinsschritt neu bepreist, haben wir am Funding-Markt gezeigt (Perp-Funding nach dem Fed-Hike).

Die Prognosen gehen entsprechend auseinander. Die ING sieht EUR/USD zum Jahresende bei 1,16 und eine klarere Erholung erst 2027 (ING Think). Am anderen Ende des Spektrums stehen Häuser wie Goldman Sachs, die den Dollar strukturell für überbewertet halten und mit Verweis auf die US-Haushaltsdefizite und die Diversifikation der Währungsreserven weg vom Dollar höhere Euro-Ziele in Richtung 1,25 ausgeben (Forex.com). Wer beide Szenarien nebeneinanderlegt, sieht die Bandbreite: Von hier aus kann der Euro-Rückenwind sowohl anhalten als auch kippen.

Was das konkret für ein Euro-Depot heißt

Fassen wir zusammen, was aus alldem für die Praxis folgt. Es geht nicht darum, EUR/USD zu prognostizieren, sondern darum, die eigene Rendite ehrlich zu lesen.

  • Rechnen Sie Ihre Bitcoin-Rendite gedanklich in zwei Teile: den Dollar-Teil (Bitcoin selbst) und den Euro-Teil (EUR/USD). Nur der erste ist eine Aussage über den Kryptomarkt.
  • Behandeln Sie den DXY als schnelles Barometer für den zweiten Teil, aber schauen Sie im Zweifel direkt auf EUR/USD.
  • Denken Sie an die Steuer: In Österreich wird der Euro-Gewinn mit 27,5 Prozent besteuert, inklusive des Anteils, der nur aus einem schwachen Euro stammt.
  • Verstehen Sie geparkte USD-Stablecoins als fortgesetzte Dollar-Wette; Euro-Stablecoins schalten sie aus.
  • Eine dauerhafte Währungsabsicherung kostet ungefähr die Zinsdifferenz und lohnt für die meisten Privatanleger selten; Bewusstsein schlägt Absicherung.

Der DXY über 101 ist damit weder Kaufsignal noch Verkaufssignal. Er ist eine Nachricht über den Euro, die zufällig auch Ihr Bitcoin-Depot betrifft. Wer diese Nachricht richtig liest, verwechselt einen schwachen Euro nicht mit einem starken Krypto-Instinkt und wundert sich auch nicht, wenn der Rückenwind eines Tages die Richtung wechselt.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der DXY und wie wird er berechnet?

Der DXY ist der US-Dollar-Index. Er misst den Dollar gegen einen festen Korb aus sechs Währungen, der zu 57,6 Prozent aus dem Euro besteht. Der Index startete im März 1973 bei 100 und wird von der Intercontinental Exchange (ICE) als geometrisches Mittel berechnet; die Gewichte sind seit 1999 unverändert.

Warum ist der Dollar-Index für Anleger in Österreich wichtig?

Weil der Euro-Preis von Bitcoin dem Dollar-Preis geteilt durch EUR/USD entspricht und der DXY zu 57,6 Prozent den Euro abbildet. Ein steigender DXY bedeutet meist einen schwächeren Euro, was den Bitcoin-Kurs in Euro erhöht, selbst wenn er in Dollar unverändert bleibt.

Muss ich in Österreich Steuer zahlen, wenn mein Bitcoin-Gewinn nur aus einem schwachen Euro stammt?

Ja. Besteuert wird der Gewinn in Euro mit dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent, und der Währungseffekt ist darin enthalten. Die Steuer fällt bei der Realisierung gegen Euro an; ein Tausch zwischen zwei Kryptowährungen löst in Österreich keine Steuer aus.

Steigt Bitcoin, wenn der DXY steigt oder fällt?

Es gibt keine feste Regel; die Korrelation wechselt je nach Marktphase. Für ein Euro-Depot gilt aber mechanisch: Ein steigender DXY bedeutet einen schwächeren Euro und hebt damit den Bitcoin-Kurs in Euro, unabhängig davon, was Bitcoin in Dollar macht.

Soll ich das Euro-Dollar-Risiko in meinem Krypto-Depot absichern?

Für die meisten Privatanleger lohnt sich eine dauerhafte Absicherung selten, weil sie ungefähr die Zinsdifferenz von aktuell rund 1,4 Prozent pro Jahr kostet und die Schwankung von Bitcoin die von EUR/USD weit übertrifft. Wichtiger ist, die Währungswette bewusst einzukalkulieren.

Von Liam Brennan, Redaktion HOGE Wire

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