Spiele ohne Studio: Immutables Games-Portfolio nach dem Pivot
Immutable baut kaum noch eigene Spiele. Wir prüfen, was aus Gods Unchained und Guild of Guardians wird und was das für IMX und Anleger in Österreich heißt.
Immutable hat heuer eine Entscheidung getroffen, die für ein Spielestudio zunächst widersprüchlich klingt: Das Unternehmen aus Sydney will selbst kaum noch Spiele entwickeln. Im Juni kündigte es an, 29 Stellen in seinen Entwicklungsteams zu streichen und den Betrieb seiner hauseigenen Titel an einen externen Dienstleister zu übergeben. Zurück bleibt ein Portfolio, das nun ohne jenes Studio auskommen muss, das es überhaupt erst geschaffen hat.
Für Anlegerinnen und Anleger, die IMX halten, und für die zehntausenden Spieler, die in Karten, Helden und virtuelle Grundstücke echtes Geld gesteckt haben, ist das keine Randnotiz. Die bisherige Berichterstattung über Immutable drehte sich vor allem um die große Strategie: den Schwenk vom Web3-Studio zur KI-Wachstumsplattform, die Fusion der beiden Ketten, die unsichtbare Wallet Passport. Dieser Beitrag stellt eine andere Frage, die dabei oft unter den Tisch fiel: Was wird eigentlich aus den Spielen?
Die kurze Antwort: Eines darf bleiben, eines wird nur noch verwaltet, und der eigentliche Einsatz liegt inzwischen bei Spielen, die Immutable gar nicht selbst macht. HOGE Wire hat sich das Portfolio Titel für Titel angesehen, die Zahlen mit den Originalquellen abgeglichen und eingeordnet, was der Rückzug aus der eigenen Entwicklung für Spieler, Token-Halter und die österreichische Regulierung bedeutet.
Ein Studio, das kaum noch Spiele baut
Immutable wurde 2018 in Sydney gegründet, zunächst als Fuel Games, und machte sich mit dem Sammelkartenspiel Gods Unchained einen Namen, bevor daraus ein Infrastruktur-Anbieter wurde. Genau diese Doppelrolle, Spielemacher und Plattformbetreiber zugleich, hat das Unternehmen im Juni 2026 aufgegeben. Laut einem Bericht von Forbes Australia strich Immutable 29 Stellen in seinen Entwicklungsteams und übergab den Betrieb seines internen Studios Elderym, das Gods Unchained und Guild of Guardians gebaut hat, an einen nicht genannten Drittanbieter.
Justin Hulog, Chief Studio Officer bei Immutable, formulierte den Abschied ungewöhnlich offen. „In making this difficult but necessary decision, we will be saying farewell to most of our amazing Elderym colleagues by the end of July“, sagte er gegenüber Forbes. Mitgründer und Chef James Ferguson beschrieb den Schritt als „a radical reshaping and refocusing of the company on this opportunity“. Die Gelegenheit, von der er spricht, ist nicht ein einzelnes Spiel, sondern das Werkzeuggeschäft: Wachstums- und Marketing-Software für den gesamten Spielemarkt, Web2 wie Web3.
Es ist die alte Logik vom Goldrausch: Wer die Schaufeln verkauft, verdient verlässlicher als der, der selbst gräbt. Finanziell ist der Druck real. Immutable wies für 2024 einen Verlust von rund 48 Millionen US-Dollar aus und rechnet für heuer nicht mit einem ausgeglichenen Ergebnis; zugleich betont das Management einen Kapitalpuffer, der laut Ferguson für etwa zehn Jahre Betrieb reicht. Forbes bezeichnet Immutable weiterhin als „3,5-Milliarden-Dollar-Unicorn“. Für das Portfolio bedeutet die Neuausrichtung eine klare Zweiteilung, wie die folgende Übersicht zeigt.
| Spiel | Genre | Start | Status nach dem Pivot 2026 |
|---|---|---|---|
| Gods Unchained | Sammelkartenspiel (TCG) | 2019 | Umsatztragendes Kernprodukt, wird weitergeführt |
| Guild of Guardians | Squad-RPG, mobil | Mai 2024 | Wartungsmodus (Evergreen), kein Entwicklungs-Schwerpunkt mehr |
Vom Kartenspiel zur Kette: die kurze Geschichte
Um den heutigen Rückzug zu verstehen, hilft ein Blick zurück. Gegründet wurde Immutable 2018 von den Brüdern Robbie und James Ferguson gemeinsam mit Alex Connolly, zunächst unter dem Namen Fuel Games. Ein früher Versuch namens Etherbots ebnete den Weg zu Gods Unchained, dem Spiel, das Immutable 2019 bekannt machte. Aus dem Studio wurde rasch ein Infrastruktur-Unternehmen. Die Series-C-Runde im März 2022 brachte laut Wikipedia 200 Millionen US-Dollar, unter anderem von Temasek, Tencent und Animoca Brands; Forbes bewertet die Firma heute mit rund 3,5 Milliarden US-Dollar.
Technisch verlief die Reise in Etappen. Die erste Skalierungslösung, Immutable X, baute auf Technologie von StarkWare; die spätere Immutable zkEVM nutzt Technik von Polygon. Anfang 2026 führte das Unternehmen seine beiden Ketten in einem einheitlichen zkEVM zusammen, seither ist IMX der native Gas-Token dieses Netzwerks. Die Linie ist eindeutig: vom Spielemacher zum Betreiber der Schienen und schließlich zum Verkäufer von Wachstums-Werkzeugen. Der Ausstieg aus der eigenen Entwicklung ist damit weniger ein Bruch als der logische Endpunkt einer jahrelangen Drift weg vom Handwerk des Spielebauens.
Gods Unchained: das Kernprodukt, das bleiben darf
Gods Unchained ist das älteste und wichtigste Spiel im Portfolio. Das Sammelkartenspiel erschien 2019, lange bevor der Begriff Web3-Gaming Mode wurde, und funktioniert im Kern wie ein digitales Trading-Card-Game im Stil von Hearthstone oder Magic: The Gathering, nur dass Spieler ihre Karten als handelbare NFTs besitzen. Genau dieser Titel darf bleiben. In der internen Mitteilung, über die BlockchainGamer.Biz berichtet, heißt es, Gods Unchained laufe weiter als „a core revenue-generating studio product“.
Der Grund ist einfach: Gods Unchained verdient Geld. Der Kartenhandel läuft über einen hauseigenen Marktplatz, an dem Immutable bei jedem Verkauf mitverdient, und das Spiel hat über Jahre eine treue Community aufgebaut. Spieler kaufen Kartenpakete, öffnen sie, bauen Decks und handeln einzelne Karten auf dem Sekundärmarkt weiter; jede Transaktion erzeugt eine Gebühr. Diese wiederkehrende Handelsaktivität einer eingespielten Kernspielerschaft ist verlässlicher als der ungewisse Erfolg eines neuen Titels, und genau deshalb schont Immutable dieses eine Spiel.
Inzwischen gibt es eine mobile Version für iOS und Android; laut games.gg stieg die Zahl der monatlich aktiven Nutzer nach dem Mobile-Start um rund 60 Prozent. Eine der jüngeren Erweiterungen, ein 148 Karten umfassendes Set mit dem Titel Dread Awakening, verbindet die Welt von Gods Unchained ausgerechnet mit jener von Guild of Guardians, dem Spiel, das nun in den Wartungsmodus wandert. Daniel Paez, Executive Producer von Gods Unchained, sieht darin einen Vorgeschmack auf mehr: „IP crossovers are just the tip of potential we can unleash with web3 gaming, true game interoperability is right around the corner“, sagte er gegenüber games.gg.
Nicht unerwähnt bleiben sollte ein Detail, das die Grenzen des Modells zeigt: Gods Unchained erhielt laut Wikipedia im Dezember 2023 von der US-Einstufungsbehörde ESRB die Kennzeichnung „Adults Only 18+“, weil das Spiel den Handel mit Kryptowährungen ermögliche. Eine solche Einstufung schließt ein Spiel faktisch aus großen App-Stores und von vielen Plattformen aus, ein Handicap, das rein spielerische Titel nicht kennen. Das Kernprodukt ist also profitabel, aber auch in seiner Reichweite gedeckelt.
Guild of Guardians: vom Vorzeigetitel in den Wartungsmodus
Guild of Guardians erzählt die andere Hälfte der Geschichte. Der mobile Squad-RPG erschien im Mai 2024, laut Wikipedia in Zusammenarbeit mit der Esport-Organisation NRG und dem Studio Mineloader, und galt lange als Aushängeschild dafür, wie ein Web3-Spiel massentauglich werden könnte. Es war eines der ersten Spiele, das vollständig auf Immutable Passport setzte, also auf die Wallet, die im Hintergrund läuft und die der Spieler kaum bemerkt. Vor dem Start sammelte der Titel laut games.gg über eine Million Vorregistrierungen.
Genau dieses Spiel wird jetzt zurückgestuft. Nach den Angaben, über die BlockchainGamer.Biz berichtet, wandert Guild of Guardians in einen „Evergreen/Maintenance Mode“: Es bleibt spielbar, wird aber nicht mehr als Entwicklungs-Schwerpunkt behandelt. In der Praxis heißt das: Server laufen weiter, kritische Fehler werden vermutlich noch behoben, aber größere neue Inhalte, Balancing-Patches oder Marketing-Kampagnen darf man kaum noch erwarten. Ein Spiel im Wartungsmodus ist nicht tot, aber es wächst auch nicht mehr.
Für ein Live-Service-Spiel, dessen ganzes Versprechen auf einer aktiven, wachsenden Welt beruht, ist das eine heikle Botschaft. Vorregistrierungen und Downloads sagen wenig über die Zahl der Menschen aus, die tatsächlich täglich spielen, und ein Titel ohne frische Inhalte verliert erfahrungsgemäß rasch an aktiven Nutzern. Guild of Guardians steht damit exemplarisch für ein Problem der ganzen Branche: Viele Web3-Spiele wurden groß vermarktet, bevor sie fertig waren, und die Ökonomie rund um die Token wog oft schwerer als der Spielspaß selbst.
Was der Wartungsmodus für Besitzer bedeutet
Das eigentliche Verkaufsargument von Web3-Gaming war stets der echte Besitz: Spieler sollen ihre Gegenstände wirklich besitzen, als NFT in der eigenen Wallet, unabhängig vom Studio. Der Wartungsmodus stellt dieses Versprechen auf die Probe. Wer Karten, Helden oder Ausrüstung als NFT hält, dem gehören diese Token weiterhin auf der Blockchain, keine Frage. Nur hängt ihr praktischer Wert daran, dass das Spiel läuft, dass es eine Community gibt, die tauscht und spielt, und dass ein Marktplatz die Objekte überhaupt handelbar hält.
Zieht sich das Studio zurück, verschiebt sich dieses Risiko auf die Spielerschaft. Ein NFT-Schwert behält seinen Eintrag auf der Kette, aber wenn niemand mehr das Spiel spielt, in dem das Schwert etwas nützt, tendiert sein Marktpreis gegen null. Die Geschichte des Play-to-Earn-Modells liefert dafür genug Anschauungsmaterial: Wie schnell eine ganze Spielökonomie kippen kann, hat der Aufstieg und Fall der Axie-Scholaren gezeigt, als aus Vollzeit-Spielern über Nacht Menschen ohne Einkommen wurden.
Immerhin hat der Non-Custodial-Ansatz einen Vorteil: Weil die Assets in Wallets liegen, die der Nutzer selbst kontrolliert, und nicht auf einem zentralen Firmen-Server, kann Immutable sie nicht einfach löschen. Die Token überdauern das Spiel technisch. Das ist mehr als bei einem klassischen Free-to-play-Titel, wo abgeschaltete Server die gekauften Gegenstände restlos vernichten. Doch der Unterschied ist theoretisch, solange die Metadaten, die Grafik und die Spiellogik weiter von einer Infrastruktur bereitgestellt werden müssen. Die offene Frage ist, ob der ausgelagerte Betreiber Interesse und Mittel hat, die Welten so lebendig zu halten, dass dieser Besitz auch etwas wert bleibt. Für Käufer heißt das: Ein NFT in einem Wartungsmodus-Spiel ist eher Sammlerstück und Erinnerung als Investment.
Die Wette auf fremde Spiele
Wenn Immutable kaum noch selbst Spiele baut, dann muss der Erfolg von anderen kommen. Genau darin liegt die eigentliche Wette. Die Plattform lebt künftig davon, dass Drittanbieter ihre Titel auf Immutable zkEVM veröffentlichen und dass darunter Hits sind. Laut Forbes kommen rund 40 neue Spiele pro Monat hinzu, das wären etwa 500 im Jahr. Nicht jedes davon ist ein Volltreffer, aber die Rechnung des Managements lautet: Je größer der Katalog, desto wahrscheinlicher ein Erfolg, an dem die Plattform mitverdient.
Aus Sicht der Investoren ist das kein Bruch, sondern Programm. Chris Barter, Mitgründer der Beteiligungsgesellschaft King River Capital, brachte es gegenüber Forbes auf den Punkt: „For us, the investment case has always been about infrastructure, not a single game or product cycle“. Wer so denkt, für den ist ein einzelnes Spiel austauschbar; entscheidend sei die Schiene, auf der alle fahren. Zur selben Öffnung gehört, dass Immutable seine Wachstums-Tools inzwischen auch klassischen Web2-Studios anbietet; das prominenteste Beispiel ist der Free-to-play-Titel Might & Magic: Fates von Ubisoft, der auf Immutable Audience setzt.
Die Kehrseite dieser Wette ist die harte Statistik des Spielemarkts: Die allermeisten Titel floppen, und in einem Katalog von 500 neuen Spielen pro Jahr ist der Anteil an echten Hits winzig. Immutable verlagert das Entwicklungsrisiko damit auf die Studios, verlagert aber auch den Erfolg zu ihnen. Fremde Spiele bringen ihre eigenen Token und ihre eigenen Ökonomien mit: RavenQuest hat seinen QUEST-Token, Immortal Rising 2 seinen IMT-Token. Der Erfolg dieser Titel fließt also nicht automatisch in IMX, den Token, den österreichische Anleger halten. Wer auf Immutable setzt, wettet damit weniger auf ein bestimmtes Spiel als auf die Plattform selbst, und das ist eine ganz andere Wette als früher.
RavenQuest: das meistgestreamte Web3-Spiel
Das aktuell sichtbarste Aushängeschild unter den Drittanbietern ist RavenQuest, ein MMORPG des Studios Tavernlight Games für Mobilgeräte und PC. Seit dem globalen Start im April 2025 hat es einen Rekord aufgestellt, mit dem Immutable seither wirbt. Robbie Ferguson, Mitgründer und President des Unternehmens, verkündete: „RavenQuest now holds the record as the most streamed web3 game in history, with over one million unique viewers“, wie eine Mitteilung auf PR Newswire festhält.
Die Zahlen aus derselben Quelle sind für ein Blockchain-Spiel bemerkenswert: Innerhalb der ersten Stunde nach dem Start erreichte RavenQuest 8.200 gleichzeitige Zuseher auf Twitch und war damit kurzzeitig das viertmeistgestreamte MMORPG weltweit, vor einem Schwergewicht wie Final Fantasy XIV. RavenQuest brachte auch einen eigenen Token an den Start; Decrypt berichtete über den Launch des QUEST-Tokens auf Immutable. Und der Titel diente als Zugpferd für das neue Belohnungsprogramm der Plattform: GAM3S.GG zufolge startete Immutable seine sogenannten Perpetual Rewards mit RavenQuest an der Spitze.
Ein Streaming-Rekord ist allerdings nicht dasselbe wie eine dauerhaft große Spielerbasis. Twitch-Reichweite lässt sich zum Launch mit Kampagnen und bezahlten Streamern anschieben; die eigentliche Frage ist, wie viele Menschen ein halbes Jahr später noch täglich einloggen. RavenQuest hat mit der Community rund um das Tavernlight-Franchise eine Basis, aus der es schöpfen kann, und der plattformübergreifende Ansatz von Handy und PC senkt die Einstiegshürde. Doch die Kluft zwischen einmaliger Aufmerksamkeit und anhaltendem Engagement ist in diesem Genre notorisch groß, und ein MMORPG steht und fällt mit einer lebendigen Welt, die dauerhaft gepflegt werden muss.
Immortal Rising 2 und die Idle-RPG-Welle
Der zweite Titel, den Immutable gern nach vorne stellt, kommt aus einer ganz anderen Ecke: Immortal Rising 2 ist ein Idle-RPG, gebaut vom Studio Bad Beans und herausgegeben von Planetarium Labs, das laut einer Ankündigung von Immutable eine Series-A-Runde über mehr als 32 Millionen US-Dollar unter Führung von Animoca Brands eingesammelt hat. Idle-RPGs sind Spiele, in denen die Helden auch dann weiterkämpfen, wenn man das Handy weglegt, ein Genre, das gerade in Asien enorm populär ist. Der Vorgänger Immortal Rising erreichte laut derselben Quelle über zwei Millionen Downloads und war in Südkorea acht Monate in Folge das erfolgreichste Idle-RPG.
Gerade dieses Genre passt gut zu einer Token-Ökonomie: Die Spielsitzungen sind lang, die Fortschrittskurve ist flach, und Belohnungen lassen sich fein dosieren, was das Sammeln und Handeln von Gegenständen begünstigt. Immortal Rising 2 verzahnt Spiel und Token deshalb enger als die meisten. Über eine In-Game-Währung namens Starlight lassen sich laut EGamers.io IMT-Token verdienen, die man handeln oder staken kann. Um Spieler zu binden, schrieb das Spiel im November 2025 eine Bestenliste mit einem Preispool von einer Million IMT aus, verteilt auf die 500 besten Spieler, mit 100.000 IMT für den ersten Platz; Voraussetzung war, dass die Teilnehmer ihre Immutable-Passport-Wallet verknüpfen.
Das ist der Mechanismus, auf den Immutable baut: Das Spiel liefert die Unterhaltung, Passport liefert die Identität, und der Token liefert den Anreiz. Zugleich zeigt sich hier dieselbe Trennlinie wie bei RavenQuest: Der Wert wird im Spiel-Token IMT geschaffen, nicht im Plattform-Token IMX. Die folgende Tabelle fasst die sichtbarsten Drittanbieter-Titel zusammen.
| Spiel | Studio / Publisher | Genre | Bemerkenswert |
|---|---|---|---|
| RavenQuest | Tavernlight Games | MMORPG (mobil und PC) | Über 1 Mio. Twitch-Zuseher, meistgestreamtes Web3-Spiel; QUEST-Token |
| Immortal Rising 2 | Bad Beans / Planetarium Labs | Idle-RPG (mobil) | Vorgänger über 2 Mio. Downloads; IMT-Token; Passport-Bestenliste |
| Might & Magic: Fates | Ubisoft | Free-to-play-TCG | Web2-Publisher, nutzt Immutable Audience als Wachstums-Tool |
Immutable Play: die Klammer um das Portfolio
Was die verstreuten Spiele zusammenhält, ist Immutable Play, eine Art Belohnungs- und Entdeckungs-Hub für das gesamte Ökosystem. Spieler erledigen Aufgaben in unterschiedlichen Titeln, sammeln Punkte und rücken in gestaffelten Stufen auf, um an wiederkehrenden Preispools teilzunehmen. Die Bestenliste von Immortal Rising 2 ist genau so ein Baustein: Sie zieht Spieler in ein einzelnes Spiel, bindet sie aber über Passport an das größere Netzwerk. Über diese Klammer verspricht sich Immutable, Spieler zwischen den Titeln zu bewegen, statt sie nach einem Spiel wieder zu verlieren.
Der Schlüssel dazu ist wieder Passport, die Wallet, die zugleich als Identität dient. Weil jede Person genau ein Passport-Konto haben soll, lässt sich damit das größte Problem solcher Belohnungsprogramme eindämmen: Sybil-Angriffe, bei denen ein Einzelner tausende Konten anlegt, um Preise abzugreifen. Nach eigenen Angaben zählt Immutable inzwischen mehrere Millionen Passport-Konten. Ob diese Konten aber aktive Spieler oder nur einmalige Anmeldungen für einen Airdrop sind, bleibt die entscheidende und selten offen beantwortete Frage.
Für das Portfolio nach dem Pivot ist Immutable Play strategisch wichtiger, als es aussieht. Wenn das Unternehmen selbst keine neuen Spiele mehr baut, braucht es einen Grund, warum Spieler überhaupt im Ökosystem bleiben und nicht einfach zum nächsten Free-to-play-Titel auf Steam abwandern. Der Hub soll dieser Grund sein, eine Schicht über den Spielen, die dem Ganzen einen Zusammenhalt gibt, den die einzelnen Titel allein nicht mehr liefern.
Der Wert, der nicht bei den Spielen bleibt: IMX
Für österreichische Anleger führt jede Diskussion über Immutable am Ende zum Token IMX. Nach der Fusion der beiden Ketten ist IMX der native Gas-Token des vereinheitlichten zkEVM: Wer auf der Kette Transaktionen ausführt, zahlt in IMX, auch wenn Passport-Nutzer diese Gebühren im Spielalltag oft gar nicht spüren, weil sie gesponsert werden. Der Marktpreis erzählt allerdings eine nüchterne Geschichte. Die wichtigsten Kennzahlen am 15. September 2026 laut CoinGecko:
- Kurs: rund 0,11 Euro
- Marktkapitalisierung: etwa 94,5 Millionen Euro (Rang um Platz 252)
- Voll verwässerte Bewertung: etwa 215 Millionen Euro
- Umlaufmenge: rund 879 Millionen von maximal 2 Milliarden IMX
- Allzeithoch: 8,49 Euro im November 2021, heute fast 99 Prozent darunter
Zwei Dinge stechen hervor. Erstens hat bisher kein Produkt-Update den Abstand zum Allzeithoch spürbar verkleinert. Zweitens klafft eine Lücke zwischen der Umlaufmenge und der Maximalmenge: Die voll verwässerte Bewertung liegt mehr als doppelt so hoch wie die aktuelle Marktkapitalisierung, weil noch über eine Milliarde Token in den Markt kommen können. Dieser Angebotsüberhang bremst jeden Kursaufschwung, weil neue Token das Angebot laufend verwässern.
IMX ist zugleich ein Utility- und Governance-Token: Er dient für Netzwerkgebühren, lässt sich staken und gibt Stimmrechte in Fragen des Ökosystems. Für die Bewertung entscheidend ist aber ein anderer Punkt: Der Zusammenhang zwischen dem Erfolg einzelner Spiele und dem IMX-Kurs ist dünn. IMX folgt bislang eher dem breiten Kryptomarkt und der Zinspolitik als den Nutzerzahlen von RavenQuest oder Gods Unchained, ähnlich wie es Europas Bitcoin-Treasuries im Umfeld der ersten Fed-Erhöhung seit 2023 erlebt haben. IMX ist damit ein spekulativer Infrastruktur-Token, kein Anteil an einem Spielehit; wo er auf der Risikokurve zwischen Bitcoin und Meme-Coin einzuordnen ist, sollte jede Anlegerin für sich beantworten.
Konkurrenz um die Studios
Immutable ist nicht allein im Rennen um die besten Spiele-Studios. Der Markt für Gaming-Blockchains hat sich in den vergangenen Jahren gefüllt, und jeder Anbieter verfolgt ein etwas anderes Modell. Ronin, betrieben von Sky Mavis, kommt aus dem Erfolg von Axie Infinity und hat sich von einer Ein-Spiel-Kette zu einer offenen Gaming-Chain gewandelt. Beam, aus dem Umfeld von Merit Circle, setzt auf ein Avalanche-Netzwerk und die Rolle als Publisher. Sui verfolgt mit einer eigenen Move-basierten L1 und sogar eigener Hardware einen besonders integrierten Ansatz.
Die Frage, wer am Ende den Wert abschöpft, das Spiel, das Studio oder die Kette, ist dabei alles andere als geklärt; wir haben sie am Beispiel des Sui-Ökosystems ausführlich behandelt, in Wem gehört der Gewinn? Sui-Gaming und die Wertabschöpfung. Immutables Antwort ist inzwischen eindeutig: Es will die Kette und die Wachstums-Tools sein, nicht der Spielemacher. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Wettbewerber ein.
| Plattform | Technischer Ansatz | Bekannte Spiele | Modell |
|---|---|---|---|
| Immutable | zkEVM (Polygon-Technik), Passport, Audience | Gods Unchained, RavenQuest, Immortal Rising 2 | Infrastruktur plus Wachstums-Tools, Rückzug aus eigener Entwicklung |
| Ronin (Sky Mavis) | Eigene EVM-Chain | Axie Infinity, Pixels | Von einem Spiel zur offenen Gaming-Chain |
| Beam (Merit Circle) | Avalanche-Netzwerk | Diverse Partnertitel | Gaming-Netzwerk und Publisher |
| Sui (Mysten Labs) | Move-basierte L1, eigene Hardware | EVE Frontier, SuiPlay-Umfeld | Integriertes L1-Ökosystem |
| Arbitrum | Ethereum-L2 (Optimistic Rollup) | Diverse Gaming-Deployments | Allzweck-L2 mit Gaming-Programmen |
Regulierung: FMA, MiCA und die Frage nach dem Finanzinstrument
Für Anleger in Österreich stellt sich neben der Marktfrage eine rechtliche. Zuständige Aufsicht ist die Finanzmarktaufsicht (FMA), die unter der EU-Verordnung MiCA die Anbieter von Krypto-Dienstleistungen und die Emittenten beaufsichtigt, nicht das Protokoll selbst. Die verkürzte MiCA-Übergangsfrist ist in Österreich seit 1. Juli 2026 abgelaufen; wer hierzulande Krypto-Dienstleistungen anbietet, braucht eine Zulassung. Die FMA erklärt auf ihrer Website, welche Krypto-Assets reguliert sind und welche nicht.
Heikel wird es bei den vielen Token, die in diesem Ökosystem herumschwirren. Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat Ende 2024 in ihrem Abschlussbericht zu den Leitlinien für qualifizierende Krypto-Assets einen Grundsatz betont: Substanz vor Form. Ein Utility- oder Gaming-Token kann als Finanzinstrument nach MiFID II gelten, wenn er in der Sache Gewinnbeteiligung oder echte Stimmrechte verbrieft, unabhängig davon, wie ihn der Emittent nennt. Gerade die Governance- und Staking-Funktionen von IMX machen diese Einordnung zu einer echten Grauzone. NFTs bleiben zwar meist außerhalb von MiCA, doch große, weitgehend austauschbare Serien können sehr wohl darunterfallen, und Krypto-Derivate laufen ohnehin unter MiFID II.
Steuerlich ist die Lage klarer: Gewinne aus Krypto-Assets unterliegen in Österreich dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent nach Paragraph 27a EStG, und inländische Plattformen behalten die Kapitalertragsteuer seit 1. Jänner 2024 automatisch ein. Wer über eine österreichische Plattform wie den heimischen Marktführer Bitpanda handelt, bekommt die Steuer also gleich abgezogen; wer IMX, QUEST oder IMT über ausländische Börsen oder direkt aus dem Spiel bezieht, muss sich selbst um die korrekte Erfassung kümmern. Gerade bei In-Game-Token, die man nebenbei durch Spielen verdient, wird das schnell unübersichtlich, und die kommende automatische Meldepflicht unter dem EU-Rahmen DAC8 dürfte den Datenaustausch zwischen Plattformen und Finanz weiter verdichten.
Am Rande: Die US-Börsenaufsicht SEC hatte 2024 eine Untersuchung gegen Immutable eingeleitet, diese aber im Frühjahr 2025 ohne Maßnahmen eingestellt, was regulatorischen Druck von einer Seite genommen hat. Für europäische Nutzer bleibt aber die MiCA-Frage die relevantere, und sie ist bei einem Ökosystem mit dutzenden Spiel-Token alles andere als trivial.
Zahlen, die man hinterfragen sollte
Ein Portfolio-Check wäre unvollständig ohne einen skeptischen Blick auf die Kennzahlen, mit denen die Branche wirbt. „Meistgestreamtes Web3-Spiel“, „60 Prozent mehr aktive Nutzer“, „über zwei Millionen Downloads“: Solche Superlative klingen eindrucksvoll, messen aber oft nicht das, worauf es ankommt. Streaming-Reichweite, App-Store-Platzierungen und kumulierte Downloads lassen sich zum Start mit Marketing anschieben und sagen wenig über die täglich aktiven Spieler ein halbes Jahr später.
Dasselbe gilt für Wallet-Zahlen. Mehrere Millionen Passport-Konten bedeuten nicht mehrere Millionen Spieler; viele Anmeldungen entstehen einmalig für einen Airdrop oder eine Bestenliste und schlafen danach ein. Wer die Gesundheit eines Web3-Spiels beurteilen will, sollte nach täglich aktiven Nutzern, nach Umsätzen und nach der Handelsaktivität auf dem Sekundärmarkt fragen, nicht nach kumulierten Anmeldungen. Wie leicht sich Aktivität im Kryptobereich aufblähen lässt, hat unsere Analyse zum Phantomvolumen und Wash-Trading gezeigt; die gleiche Vorsicht ist bei Engagement-Metriken von Spielen angebracht.
Das ist keine Anklage gegen Immutable im Besonderen, sondern eine Grundregel für den ganzen Sektor. Die Firma veröffentlicht mehr Zahlen als viele Wettbewerber, doch sie wählt aus, welche. Die aussagekräftigsten Kennzahlen, etwa die Zahl der Spiele, die tatsächlich live sind und eine relevante Spielerbasis halten, tauchen in den Pressemitteilungen selten auf. Wer investiert oder spielt, tut gut daran, hinter jede runde Zahl ein Fragezeichen zu setzen.
Was Spieler und Anleger jetzt beobachten sollten
Der Rückzug aus der eigenen Entwicklung ist vollzogen, die eigentliche Bewährungsprobe steht aber erst an. Drei Dinge lohnen die Aufmerksamkeit in den kommenden Monaten. Erstens: Hält der ausgelagerte Betreiber Gods Unchained wirklich als lebendiges, umsatztragendes Produkt am Leben, oder rutscht auch die alte Cash-Cow schleichend in Richtung Wartung? Zweitens: Kommt aus der Masse der rund 40 neuen Spiele pro Monat ein echter, dauerhafter Hit mit einer aktiven Spielerbasis, oder bleibt es bei Streaming-Rekorden zum Start?
Drittens, und für IMX-Halter am wichtigsten: Findet Immutable einen Weg, den Erfolg des Werkzeuggeschäfts mit dem Token zu verbinden? Solange die Einnahmen aus Audience und den Plattform-Gebühren nicht spürbar in IMX zurückfließen, etwa über Rückkäufe oder eine Beteiligung an den Gebühren, bleibt der Token von der operativen Entwicklung weitgehend entkoppelt. Ein Modell, wie es andere Netzwerke mit ihren Deflationsmechanismen vormachen, fehlt bei IMX bislang.
Unterm Strich hat Immutable eine ehrliche, aber unbequeme Entscheidung getroffen: lieber die verlässliche Schaufel verkaufen als selbst im ungewissen Goldfeld graben. Für die Spiele heißt das gemischte Aussichten. Gods Unchained darf weiterlaufen, Guild of Guardians wird verwaltet, und die Zukunft des Portfolios liegt in den Händen fremder Studios wie Tavernlight und Planetarium Labs. Für Anleger bleibt die nüchterne Erkenntnis, dass ein guter Spielehit auf der Plattform nicht automatisch einen guten IMX-Kurs bedeutet. Wer beides verwechselt, verwechselt das Grundstück mit dem Haus.
Frequently Asked Questions
Was passiert mit Gods Unchained nach Immutables Rückzug aus der eigenen Entwicklung?
Gods Unchained bleibt laut Immutable das umsatztragende Kernprodukt und läuft weiter, auch wenn der Betrieb wie bei den anderen hauseigenen Titeln an einen externen Dienstleister übergeht. Das Sammelkartenspiel hat inzwischen eine mobile Version für iOS und Android, und der Kartenhandel läuft weiter über den Immutable-Marktplatz.
Was bedeutet der Wartungsmodus für Guild of Guardians?
Guild of Guardians wird in einen sogenannten Evergreen- oder Wartungsmodus überführt. Das Spiel bleibt spielbar, erhält aber keine größeren neuen Inhalte mehr und ist kein Entwicklungs-Schwerpunkt. Für Besitzer von In-Game-NFTs heißt das: Der Wert ihrer Gegenstände hängt künftig stärker von einer aktiven Community und laufenden Servern ab als von neuen Updates.
Hat der Erfolg der Spiele direkten Einfluss auf den IMX-Kurs?
Nur mittelbar. IMX ist der Gas- und Plattform-Token von Immutable, während viele Spiele eigene Token wie QUEST oder IMT nutzen. Der IMX-Kurs folgt bisher stärker dem breiten Kryptomarkt als den Nutzerzahlen einzelner Spiele; ein direkter Rückfluss aus Spiel-Umsätzen in den Token ist dünn.
Wie werden IMX und Gaming-Token in Österreich besteuert und reguliert?
Gewinne aus Krypto-Assets fallen in Österreich unter den Sondersteuersatz von 27,5 Prozent, und inländische Plattformen behalten die KESt seit 1. Jänner 2024 automatisch ein. Aufsichtsbehörde ist die FMA; unter MiCA kann ein Utility- oder Gaming-Token je nach Ausgestaltung als Finanzinstrument nach MiFID II gelten, wenn er etwa Gewinnbeteiligung oder echte Stimmrechte verbrieft.
Welche Drittanbieter-Spiele tragen das Immutable-Ökosystem 2026?
Zu den sichtbarsten Titeln zählen das MMORPG RavenQuest von Tavernlight Games, das laut Immutable mit über einer Million Twitch-Zuschauern zum meistgestreamten Web3-Spiel wurde, und der Idle-RPG Immortal Rising 2 von Bad Beans und Planetarium Labs, dessen Vorgänger über zwei Millionen Downloads erreichte. Beide setzen auf Immutable zkEVM und eigene Spiel-Token.
Priya Reddy schreibt für HOGE Wire über Web3-Gaming, Spiele-Ökonomien und die Regulierung digitaler Assets.