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● Gaming & GameFi

Sky Mavis 2026: Wer kontrolliert Ronin nach Larsens Abgang?

Sky Mavis verliert mit Aleksander Larsen einen Mitgründer und bringt zugleich ein Governance-Dashboard für die Ronin-Treasury. Ein Blick auf Führung, Kontrolle und Regulierung 2026.

Ein Sommer der Weichenstellungen bei Sky Mavis

Sky Mavis, das vietnamesische Studio hinter Axie Infinity und der Ronin-Blockchain, durchlebt derzeit eine der umfassendsten Umbauphasen seiner Geschichte. Innerhalb weniger Monate hat das Unternehmen einen Mitgründer verloren, seine Blockchain technisch auf eine Ethereum-Layer-2 umgestellt und nun ein Governance-Dashboard angekündigt, das die Kontrolle über Teile der Ronin-Treasury schrittweise an die Community abgeben soll. Wer die Berichterstattung der vergangenen Wochen verfolgt hat, kennt bereits die Eckdaten zur Frage, ob Ronin nach der Ethereum-Migration wieder an Relevanz gewinnt. Dieser Beitrag setzt an anderer Stelle an: Es geht darum, wer Ronin eigentlich steuert, wenn ein Gründer geht, eine Aufsichtsbehörde ihre volle Zuständigkeit übernimmt und ein Token plötzlich echte Stimmrechte verleihen soll, Fragen, die für heimische Halterinnen und Halter von RON und AXS mindestens so wichtig sind wie der nächste Kursausschlag. Für viele österreichische Leserinnen und Leser ist Sky Mavis vor allem noch als das Unternehmen hinter dem Play-to-Earn-Hype von 2021 in Erinnerung, seither hat sich beim Betreiber von Axie Infinity aber praktisch alles verändert, vom Geschäftsmodell bis zur Unternehmensspitze.

Drei Ereignisse fallen in diesen Sommer zusammen. Erstens hat Mitgründer und bisheriger Chief Operating Officer Aleksander Larsen im Februar seinen Rückzug aus dem operativen Geschäft angekündigt, Mitgründer Jeff Zirlin übernimmt seither dessen Aufgaben. Zweitens hat Sky Mavis am 12. Juli 2026 im offiziellen Ronin-Blog ein Governance-Dashboard vorgestellt, das ab dem dritten Quartal 2026 RON-Halterinnen und -Haltern erstmals direkte Mitsprache über Teile der Treasury geben soll. Drittens ist am 1. Juli 2026 die Übergangsfrist der EU-Verordnung MiCA für Österreich ausgelaufen, wodurch die FMA seither die volle Aufsicht über den heimischen Kryptomarkt übernommen hat, ein Zeitpunkt, der für ein Token mit wachsenden Stimmrechten wie RON keineswegs beiläufig ist.

Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten Stationen der vergangenen anderthalb Jahre ein, bevor es im Detail um Führung, Governance und Regulierung geht.

DatumEreignis
September 2024Start des Förderprogramms Ronin Forge für Drittanbieter-Spiele
12. Februar 2025Ronin wird permissionless (Open Ronin), keine Freigabe von Sky Mavis mehr nötig
Ende April 2025Bruch zwischen Sky Mavis und dem Studio hinter Ragnarok: Monster World
11. Februar 2026Aleksander Larsen kündigt seinen Rückzug aus dem operativen Geschäft an
12. Mai 2026Ethereum-Layer-2-Migration und Start von Proof of Distribution
1. Juli 2026MiCA-Übergangsfrist in Österreich endet, FMA übernimmt volle Aufsicht
12. Juli 2026Ankündigung des Governance-Dashboards für die Ronin-Treasury
Drittes Quartal 2026 (geplant)Start des Dashboards, Treasury wächst auf über 100 Mio. RON

Der Abschied von Aleksander Larsen

Aleksander Larsen gehörte zu den prägendsten Figuren der Web3-Gaming-Branche, seit er Sky Mavis 2018 gemeinsam mit Trung Nguyen und weiteren Mitgründern in Ho-Chi-Minh-Stadt aufbaute. Als Chief Operating Officer und in der Community unter seinem Spitznamen Psycheout bekannt, verantwortete er über Jahre das operative Geschäft rund um Axie Infinity und die Ronin-Blockchain. Im Februar 2026 kündigte Larsen seinen Rückzug aus dieser Rolle an, nach eigenen Worten nach fast acht Jahren beim Unternehmen. Sein Abgang markiert damit das Ende einer Ära, in der Larsen gemeinsam mit Nguyen und Zirlin das Unternehmen durch den Boom von Axie Infinity 2021, den Bridge-Hack 2022 und den anschließenden mühsamen Wiederaufbau steuerte.

Larsen nannte zwei Gründe für seinen Schritt. Zum einen sei es mit einer drei Monate alten Tochter nicht mehr vertretbar, wie bisher 100 bis 200 Tage im Jahr nach Vietnam zu reisen. Zum anderen verwies er auf die Lehren aus dem Ronin-Bridge-Hack von 2022 und beschrieb die Erfahrung so: „it was a stark reminder that some adversaries are more sophisticated, persistent, and well-funded than others. Not all competition is friendly.“ Sinngemäß übersetzt: Manche Gegner seien raffinierter, hartnäckiger und besser finanziert als andere, und nicht jeder Wettbewerb verlaufe fair.

Als künftiges Betätigungsfeld nannte Larsen die europäische Verteidigungsindustrie, einen Sektor, der angesichts der sicherheitspolitischen Lage in Europa zuletzt kräftig gewachsen ist. Operative Aufgaben, die zuvor bei Larsen lagen, hat seither Mitgründer Jeff Zirlin übernommen, der zuvor als Growth Lead firmierte. Eine externe Nachbesetzung der COO-Position gab es bislang nicht.

Jeff Zirlin übernimmt: Kontinuität und Kurs

Jeff Zirlin, in der Szene meist Jihoz genannt, ist seit der Gründung 2018 an Bord und war zuvor als Growth Lead für das Wachstum von Axie Infinity zuständig. Mit Larsens Abgang übernahm er dessen operative Verantwortlichkeiten, ohne dass Sky Mavis extern eine neue COO-Position besetzt hätte. In einem im Mai 2026 veröffentlichten Gespräch beschrieb Zirlin die vergangenen Jahre als schmerzhaften, aber notwendigen Prozess: „Axie and Ronin have shed the tourists and short term thinkers and retained the long term visionaries through a painful process of creative destruction.“ Übersetzt: Axie und Ronin hätten sich von Trittbrettfahrern und kurzfristig denkenden Akteuren getrennt und dabei jene behalten, die langfristig an das Projekt glauben, ein schmerzhafter, aber schöpferischer Zerstörungsprozess.

Was Zirlin operativ übernimmt, ist ein Unternehmen im Umbau, aber keineswegs ohne Substanz. Für das Geschäftsjahr 2024 verzeichnete Sky Mavis laut einer Analyse von Vietcetera einen auf 13,4 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 11,7 Millionen Euro) verdreifachten Nettogewinn bei einem um 51 Prozent auf 35,2 Millionen US-Dollar (etwa 30,7 Millionen Euro) gestiegenen Umsatz. Gleichzeitig sanken die liquiden Mittel auf rund 26 Millionen US-Dollar, nachdem sie 2022 noch bei 132,6 Millionen US-Dollar gelegen hatten, und die Belegschaft wurde Ende 2024 um 21 Prozent verkleinert. Die technische Großbaustelle, die Migration von Ronin zu einer Ethereum-Layer-2 samt neuem Proof-of-Distribution-Modell im Mai 2026, wurde an anderer Stelle bereits ausführlich eingeordnet, sie bildet die technische Grundlage, auf der Zirlins Strategie nun aufsetzt.

Zur Frage, was RON und AXS künftig stützen soll, äußerte sich Zirlin ebenfalls: „Right now, if you look at which tokens are performing well, it’s tokens that are able to have buybacks, and buybacks are typically a function of are you able to generate revenue?“ Sinngemäß: Token, die aktuell gut performen, seien jene mit Rückkaufprogrammen, und Rückkäufe funktionierten nur, wenn tatsächlich Einnahmen dahinterstehen. Das ist eine bemerkenswerte Verschiebung gegenüber der reinen Wachstumslogik der frühen Play-to-Earn-Jahre.

Permissionless seit 2025: Chance und Reibung

Der Umbau der Unternehmensführung ist nicht die erste Machtverschiebung bei Sky Mavis. Bereits am 12. Februar 2025 stellte Ronin unter dem Namen Open Ronin auf permissionless Betrieb um: Seither können Entwicklerinnen und Entwickler Smart Contracts auf der Chain bereitstellen, ohne vorher eine Freigabe von Sky Mavis einzuholen, ähnlich wie es auf Ethereum selbst oder auf Layer-2-Netzwerken wie Arbitrum längst üblich ist. Zuvor war Ronin eine kuratierte, weitgehend auf Axie Infinity zugeschnittene Chain.

Der Schritt öffnete die Tür für Anwendungen jenseits von Gaming, von DeFi-Protokollen bis zu allgemeiner Infrastruktur, und war zugleich ein erstes, kleineres Zugeständnis an Dezentralisierung, lange bevor überhaupt von einem Governance-Dashboard für die Treasury die Rede war. Wie unruhig der Übergang von einer kuratierten zu einer offenen Plattform in der Praxis verlaufen kann, zeigte sich wenige Monate später an einem konkreten Fall.

Fallstudie Ragnarok Monster World: Wenn Vertrauen bricht

Wie schnell Vertrauen zwischen Sky Mavis und Drittanbietern kippen kann, zeigte der Bruch mit dem Studio hinter Ragnarok: Monster World im Frühjahr 2025. Nach Angaben von BitPinas warf Larsen dem unter dem Namen 0x& auftretenden Entwicklerteam vor, entgegen bestehender Absprachen heimlich einen Deal mit einer anderen Blockchain eingefädelt zu haben: „The team behind the game ignored our advice and has since lost favor with the community. To make matters worse, they secretly signed a deal with a separate blockchain, breaching our agreement.“ Das Studio wies die Vorwürfe zurück und erklärte, Entscheidungen ohne Rücksicht auf die Community schadeten am Ende genau dem, was Ronin besonders mache.

Bemerkenswert ist, was danach geschah: Sky Mavis entfernte die Assets von Ragnarok: Monster World nicht vom Marktplatz, die NFTs blieben im offenen Ökosystem handelbar. Stattdessen strich das Unternehmen lediglich das Verifizierungshäkchen und beendete Promotion sowie Unterstützung für das Spiel. Genau darin liegt die Pointe für die Governance-Debatte: Auch ein offiziell permissionless System behält faktisch eine zentrale Instanz, die einzelnen Projekten Sichtbarkeit und Legitimität zuerkennen oder entziehen kann. Ronin war technisch offen, aber sozial und reputativ blieb die Kontrolle bei Sky Mavis selbst, genau jene Lücke, die das neue Governance-Dashboard nun schließen soll.

Das neue Governance-Dashboard: Sky Mavis übergibt die Zügel

Den bisher konkretesten Schritt in Richtung echter Mitbestimmung kündigte Sky Mavis am 12. Juli 2026 in einem Ronin-Ökosystem-Update an: ein eigenes Governance-Dashboard, über das RON-Halterinnen und -Halter erstmals direkt über einen Teil der Treasury-Mittel und über Ökosystem-Initiativen abstimmen können sollen. Der Start ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen, konkrete Details zu Stimmrechtsgewichtung und Teilnahmevoraussetzungen will Sky Mavis erst näher am Launch veröffentlichen.

Laut dem Update soll die erste Version zunächst Abstimmungen über bereits von der Community diskutierte und verfeinerte Vorschläge in folgenden Bereichen ermöglichen:

  • Förderinitiativen für das Ökosystem
  • Verteilung von Treasury-Mitteln
  • Anreizprogramme
  • Protokoll- und Ökosystem-Upgrades
  • Community-getriebene Vorschläge

Sky Mavis betont ausdrücklich, dass sich der Umfang der Governance schrittweise erweitern soll, beginnend bei Ökosystem-Initiativen, mit dem erklärten Ziel, daraus perspektivisch einen breiteren Entscheidungsrahmen zu entwickeln. Die Community soll, wörtlich, allmählich eine Stimme darüber bekommen, wie Treasury-Mittel verteilt werden.

Damit vollzieht Ronin einen Übergang von einem bislang validatorbasierten Modell hin zu einer RON-token-gewichteten Stimmabgabe, ähnlich dem Prinzip, das bei etablierten DAO-Strukturen wie jener von Arbitrum längst Standard ist. Der zeitliche Ablauf ist dabei bemerkenswert: Erst öffnete Sky Mavis 2025 die Chain für Entwickler, dann wechselte 2026 die operative Führung, und erst danach folgt die Öffnung der Treasury. Diese Reihenfolge lässt sich auch als vorsichtige Risikoabwägung lesen: Ein Unternehmen, das gerade seinen COO verloren hat, gibt nicht gleichzeitig auch noch die Kontrolle über seine Kriegskasse vollständig aus der Hand, sondern tastet sich heran.

Die Ronin-Treasury und der Honor Score

Wie groß ist die Kriegskasse, über die künftig mitentschieden werden soll? Laut dem Ronin-Blog fließen 90 Millionen RON aus ehemaligen Staking-Zuteilungen in die Treasury, wodurch deren Bestand auf über 100 Millionen RON steigt. Bei einem aktuellen Kurs von rund 0,047 Euro entspricht das einem Gegenwert von knapp 4,7 Millionen Euro, und gemessen an den laut CoinGecko rund 772 Millionen aktuell zirkulierenden RON-Token liegt damit knapp jeder achte im Umlauf befindliche RON künftig unter direkter oder indirekter Kontrolle der Community-Governance statt bei validatorbasierten Entscheidungsstrukturen. Sky Mavis bezeichnet die Treasury programmatisch als aktiven Teilnehmer an Ronins Wachstumsstrategie, nicht bloß als passiven Reservetopf.

Ergänzt wird das Ganze um ein neues Punktesystem namens Honor Score, das laut Ankündigung On-Chain-Signale bündeln soll, um den Beitrag einzelner Nutzerinnen und Nutzer zum Ökosystem zu messen. Perspektivisch sollen Halterinnen und Halter solcher Punkte diese mit einem Abschlag gegen Treasury-Vermögenswerte eintauschen können, Details dazu will Sky Mavis erst zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen. Parallel dazu läuft das Proof-of-Distribution-Modell, das im Mai 2026 eingeführt wurde und Belohnungen an tatsächliche Beitragsmetriken statt an passives Halten koppelt, inzwischen in seiner zweiten Season, nachdem die erste bereits abgeschlossen wurde.

Diese Kombination aus Treasury-Öffnung, Honor Score und Proof of Distribution fügt sich in einen größeren Trend, den HOGE Wire kürzlich in einer Analyse zur Reifung von GameFi-Tokenomics beschrieben hat: Play-to-Earn-Projekte bewegen sich insgesamt weg von reiner Inflation und hin zu Modellen, die Nutzungsverhalten, Einnahmen und jetzt auch Mitspracherechte enger miteinander verknüpfen.

Wenn ein Utility-Token Governance-Rechte bekommt: Der regulatorische Blick

Der Umbau der Ronin-Governance fällt regulatorisch in einen sensiblen Moment. Mit dem Ende der MiCA-Übergangsfrist am 1. Juli 2026 übernimmt die FMA in Österreich die umfassende Aufsicht über den Kryptomarkt, nachdem das MiCA-Vollzugsgesetz bereits im Juli 2024 in Kraft getreten war. Österreich zählt damit, gemeinsam mit Deutschland, Italien und weiteren Staaten, zu jenen Ländern mit der kürzeren Übergangsfrist. Fünf Tage nach Erscheinen dieses Beitrags, am 28. Juli 2026, tritt zudem der letzte Teil der ESMA-Leitlinien zur Marktmissbrauchsaufsicht unter MiCA (Titel VI, Artikel 86 bis 92, betreffend Insiderhandel, unrechtmäßige Offenlegung und Marktmanipulation) in Kraft, ein weiterer Baustein, der die Aufsicht über Kryptomärkte in Österreich in den kommenden Wochen verschärft.

Für ein Token wie RON ist außerdem eine Leitlinie der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA relevant. Nach einem im Dezember 2024 vorgelegten Abschlussbericht veröffentlichte die ESMA im März 2025 ihre Leitlinien zur Qualifikation von Krypto-Assets als Finanzinstrumente, anwendbar seit 18. Mai 2025. Kernprinzip ist ein Substance-over-form-Ansatz: Ob ein Token als Finanzinstrument im Sinne der MiFID-II-Richtlinie gilt, hängt nicht vom Etikett Utility-Token ab, sondern davon, ob er tatsächlich Gewinnbeteiligung oder echte Stimmrechte verleiht. Ausdrücklich adressiert die Leitlinie auch hybride Token, die eigentlich als Gaming- oder Utility-Token gestartet sind, aber im Zeitverlauf zusätzliche Rechte erhalten.

Genau das ist der Punkt, an dem Ronins Governance-Dashboard regulatorisch interessant wird. Ein Token, der zuvor primär Netzwerkgebühren beglich und Staking-Belohnungen auszahlte, soll künftig auch über die Verteilung realer Treasury-Vermögenswerte mitentscheiden. Ob RON dadurch näher an die Kriterien eines Finanzinstruments heranrückt, ist derzeit nicht abschließend geklärt und wurde soweit ersichtlich weder von der FMA noch von der ESMA im Einzelfall bewertet, es ist aber genau jene Grauzone, für die die Leitlinien vom März 2025 geschaffen wurden. An der steuerlichen Behandlung von RON und AXS ändert sich vorerst jedenfalls nichts: Erträge unterliegen weiterhin dem 27,5-prozentigen Sondersteuersatz gemäß Paragraf 27a EStG, inländische Handelsplätze führen die Kapitalertragsteuer seit 1. Jänner 2024 automatisch ab.

Bridges, Systemrisiko und die Lehren aus dem Ronin-Hack

Dass Bridges zwischen Blockchains ein struktureller Schwachpunkt sind, ist keine neue Erkenntnis, wird aber zunehmend auch außerhalb der Kryptobranche verhandelt. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich schreibt in ihrem Jahreswirtschaftsbericht 2026 zur Interoperabilität zwischen Blockchains allgemein: „Failures in bridges can block or misroute cross-chain transfers, potentially causing delays or even permanent loss of assets.“ Ausfälle von Bridges könnten also grenzüberschreitende Transfers blockieren oder fehlleiten und im schlimmsten Fall zu dauerhaftem Vermögensverlust führen. Namentlich nennt der Bericht an dieser Stelle keine einzelnen Projekte, sondern beschreibt das Problem grundsätzlich als Folge fragmentierter, schlecht koordinierter Cross-Chain-Infrastruktur.

Der Ronin-Bridge-Hack vom März 2022 bleibt dennoch eines der einprägsamsten Beispiele für genau dieses Risiko, unabhängig davon, ob er in diesem konkreten Bericht namentlich erwähnt wird. Die mit Nordkorea in Verbindung gebrachte Lazarus Group erbeutete damals rund 625 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 546 Millionen Euro), indem sie die Kontrolle über einen Großteil der Validator-Schlüssel der damaligen Bridge erlangte. Die Migration zu einer Ethereum-Layer-2 im Mai 2026 ist, technisch betrachtet, auch eine Antwort auf genau dieses Szenario: Statt einer eigenständigen Bridge mit überschaubarer Validatorenzahl erbt Ronin nun einen Teil der Sicherheitsarchitektur von Ethereum selbst, auch wenn damit nicht jedes Brückenrisiko verschwindet, wie die BIS-Analyse allgemein unterstreicht.

Katana DEX und Ronin Forge: Wie breit ist das Ökosystem wirklich?

Governance ist nur so bedeutsam wie das Ökosystem, über das sie entscheidet. Katana, die zentrale dezentrale Börse auf Ronin, kam laut DefiLlama zuletzt auf ein Handelsvolumen von rund 145 Millionen US-Dollar in 30 Tagen bei einer Gesamtwertschöpfung von knapp 9,7 Millionen US-Dollar, seit dem Start hat die Börse damit kumuliert mehr als 13 Milliarden US-Dollar an Volumen abgewickelt. Ein Teil der anfallenden Handelsgebühren, konkret 0,05 Prozentpunkte der insgesamt 0,30-prozentigen Swap-Gebühr, fließt dabei direkt in die Axie-Treasury und speist so schon heute jenen Topf, über dessen künftige Verwendung RON-Halterinnen und -Halter demnächst mitentscheiden sollen.

Auf der Spiele-Seite treibt Sky Mavis die Diversifizierung seit 2024 aktiv über das Förderprogramm Ronin Forge voran, das ausgewählten Studios 50.000 US-Dollar sowie bei besonders erfolgreichen Titeln zusätzlich bis zu 500.000 US-Dollar und Unterstützung beim Publishing bietet. Zu den ersten sieben geförderten Spielen zählten unter anderem das Sammelkreaturen-Spiel Kuroro Beasts und das Strategiespiel Last Odyssey. Bekannter dürfte hierzulande vor allem Pixels sein, ein auf Ronin beheimatetes Farming- und Sammelspiel, das zeitweise mehr als eine Million aktive Wallets zählte. Pixels-Gründer Luke Barwikowski brachte die Herausforderung der ganzen Branche Ende 2025 in einem Interview mit BlockchainGamer.biz auf den Punkt: „The only way to save crypto gaming is to not build for crypto gamers.“ Sinngemäß: Wer Krypto-Gaming retten wolle, müsse aufhören, ausschließlich für die kleine, bereits überzeugte Krypto-Zielgruppe zu entwickeln, und stattdessen breitere Spielerschichten ansprechen, ein Gedanke, der sich mit Zirlins Betonung von echten Einnahmen statt reiner Nutzerzahlen deckt.

Insgesamt bleibt das Bild gemischt: Die Chain ist heute technisch und rechtlich offener als je zuvor, wirtschaftlich hängt ein erheblicher Teil der Aktivität aber weiterhin am Schicksal von Axie Infinity und wenigen größeren Drittanwendungen.

Axie Infinity selbst: Terrariums, Atia’s Legacy und die nächste Spielgeneration

Bei allem Fokus auf Governance und Infrastruktur bleibt Axie Infinity das Herzstück, an dem sich Sky Mavis nach wie vor messen lassen muss. Laut dem Ronin-Ökosystem-Update vom Juli 2026 läuft aktuell ein PvP-Playtest für Atia’s Legacy, ein als MMO angelegtes Nachfolgeprojekt innerhalb des Axie-Universums, während parallel das Format Terrariums an den Start geht und weitere zeitlich begrenzte Spielerlebnisse in Vorbereitung sind. Zirlin hatte das Verhältnis zwischen Axie und dem breiteren Ronin-Ökosystem zuvor mit jenem von Mario und Nintendo verglichen: Axie als Aushängeschild, das Vertrauen und Aufmerksamkeit für eine Plattform schafft, auf der auch andere Titel wie Pixels reüssieren können.

Wirtschaftlich ist davon zunächst wenig in den Token-Kursen sichtbar, wie der Blick auf RON und AXS weiter unten zeigt. Für die Governance-Debatte ist die Spiele-Seite dennoch relevant: Je mehr aktive Spielerinnen und Spieler, Wallets und Transaktionen ein Ökosystem erzeugt, desto mehr Substanz steckt hinter jenen On-Chain-Signalen, die künftig etwa in den Honor Score einfließen sollen. Ein Governance-System ist letztlich nur so aussagekräftig wie die Aktivität, die es misst, weshalb Sky Mavis Produktentwicklung und Governance-Ausbau derzeit bewusst parallel vorantreibt statt nacheinander.

RON und AXS im Sommer 2026: Zahlen und Marktstimmung

Von der Governance-Debatte weitgehend unberührt bleibt vorerst die Kursentwicklung. Sowohl RON als auch AXS notieren weiterhin weit unter ihren jeweiligen Höchstständen, auch wenn beide Token zuletzt Anzeichen einer gewissen Stabilisierung zeigten.

KennzahlRONAXS
Preis (EUR)0,047 €0,80 €
Marktkapitalisierungrund 37 Mio. €rund 139 Mio. €
24-Stunden-Volumenrund 1,8 Mio. €rund 10,7 Mio. €
Allzeithoch4,45 $ (25.03.2024)164,90 $ (06.11.2021)
Abstand zum Allzeithochminus 98,8 %minus 99,4 %
Zirkulierendes Angebotrund 772 Mio. RONrund 174 Mio. AXS

Quelle: CoinGecko (RON und AXS), Stand 23. Juli 2026.

Die Zahlen verdeutlichen, wie sehr sich beide Kurse seit den Boomjahren des Play-to-Earn-Hypes von 2021 entfernt haben. Gleichzeitig bewegt sich das Handelsvolumen auf einem Niveau, das im breiteren Marktkontext, wie ihn HOGE Wire zuletzt in seiner Einordnung des Krypto-Handelsvolumens 2026 beschrieben hat, eher zu den kleineren Segmenten zählt: RON und AXS sind Nischenwerte innerhalb eines ohnehin volatilen Gaming-Sektors, keine marktbewegenden Großtitel. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das nach wie vor überdurchschnittliche Kursschwankungen bei vergleichsweise dünner Liquidität. Ob das für das dritte Quartal angekündigte Governance-Dashboard oder der Fortschritt der zweiten Proof-of-Distribution-Season daran kurzfristig etwas ändern, bleibt offen, in der Vergangenheit haben governance-technische Ankündigungen bei Ronin die Kursentwicklung jedenfalls nicht nachhaltig gedreht.

Wie andere Gaming-Chains Governance organisieren: Ein Vergleich

Ronin ist bei weitem nicht die einzige Gaming-orientierte Chain, die sich mit der Frage beschäftigt, wie viel Kontrolle sie tatsächlich an ihre Token-Halterinnen und -Halter abgibt. Ein Vergleich mit zwei etablierten Ansätzen ordnet ein, wie früh Sky Mavis in diesem Prozess tatsächlich steht.

ProjektGovernance-ModellAktueller Stand
Ronin (Sky Mavis)Übergang von validatorbasiert zu RON-token-gewichteter AbstimmungDashboard ab Q3 2026 geplant, erste Schritte
ArbitrumARB-token-gewichtete On-Chain-Abstimmung via Snapshot und Tally, DAO-TreasurySeit 2023 etabliert, umfasst auch Gaming-Förderung über Orbit-Chains
ImmutableIMX als Utility-, Staking- und Governance-TokenEtabliert, Unternehmen fokussiert 2026 zunehmend auf KI-Marketingplattform

Arbitrum, dessen Ökosystem HOGE Wire zuletzt mit Blick auf Orbit-Chains und deren Rolle bei der Förderung von Gaming-Projekten beleuchtet hat, betreibt seine DAO bereits seit 2023 in ausgereifter Form: ARB-Halterinnen und -Halter stimmen on-chain über Treasury-Ausschüttungen, Protokoll-Upgrades und die Besetzung des Security Council ab, unterstützt durch ein zweistufiges Verfahren aus Snapshot-Stimmungsbild und verbindlicher Tally-Abstimmung. Gaming-Projekte, die als eigene Orbit-Chains an Arbitrum andocken, profitieren indirekt von dieser Struktur, etwa über gezielte Förderprogramme.

Immutable wiederum zeigt, dass ein Governance-Token allein keine Erfolgsgarantie ist: IMX verbindet zwar seit Jahren Nutzungsgebühren, Staking und Ökosystem-Abstimmungen in einem Token, doch das Unternehmen hat sein Geschäftsmodell 2026 spürbar in Richtung eines KI-gestützten Marketing- und Wachstumsprodukts für den gesamten Spielemarkt verschoben, nicht nur für Web3-Titel. Im Vergleich dazu steht Ronins Governance-Dashboard noch ganz am Anfang: Während Arbitrum seit Jahren ausdifferenzierte Abstimmungsprozesse betreibt und Immutable Governance-Rechte längst in sein Token-Design integriert hat, sammelt Sky Mavis mit dem für das dritte Quartal angekündigten Dashboard gerade erst erste Erfahrungen mit echter Token-Demokratie.

Ausblick: Trägt dezentrale Governance den Wiederaufbau?

Ob die neue Governance-Architektur tatsächlich trägt, hängt von mehreren offenen Fragen ab, die sich erst in den kommenden Monaten beantworten lassen. Zunächst muss das für das dritte Quartal angekündigte Dashboard überhaupt fristgerecht und funktionsfähig starten, Sky Mavis hat sich bei den konkreten Stimmrechtsregeln bewusst noch nicht festgelegt. Danach wird sich zeigen, ob RON-Halterinnen und -Halter das neue Mitspracherecht tatsächlich nutzen oder ob, wie bei vielen DAO-Strukturen in der Kryptobranche zu beobachten, die Beteiligung auf eine kleine Gruppe aktiver Wallets konzentriert bleibt.

Auch die Frage der Führung bleibt relevant. Jeff Zirlin steuert das operative Geschäft nun ohne den Mitgründer, der das Unternehmen von Beginn an mitgeprägt hat, und muss gleichzeitig eine Governance-Öffnung verantworten, die traditionelle Entscheidungsbefugnisse des Unternehmens selbst einschränkt. Historisch war es Larsen, der öffentlich die härtere Linie vertrat, etwa im Umgang mit Ragnarok: Monster World. Ob Zirlin bei künftigen Konflikten zwischen Community-Governance und Unternehmensinteressen ähnlich entschlossen auftritt oder einen kooperativeren Kurs einschlägt, dürfte sich an ähnlichen Fällen zeigen.

Regulatorisch bleibt zu beobachten, ob die zunehmenden Stimmrechte, die RON verleiht, tatsächlich eine Neubewertung durch Aufsichtsbehörden nach sich ziehen, ein Szenario, das die ESMA-Leitlinien vom März 2025 zumindest denkbar machen, ohne dass es dafür bereits einen konkreten Anlassfall gäbe. Und nicht zuletzt bleibt die schlichte Marktrealität: Weder ein Governance-Dashboard noch ein neuer Firmenchef ändern kurzfristig etwas daran, dass RON und AXS knapp unter beziehungsweise deutlich unter einem Prozent ihrer einstigen Höchststände notieren. Ob echte Mitbestimmung über die Treasury langfristig neues Vertrauen schafft oder eher ein Nischenthema für eine kleine Gruppe engagierter Halterinnen und Halter bleibt, wird sich frühestens zeigen, wenn das Dashboard einige Monate im Einsatz war.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Sky Mavis und was hat das Unternehmen mit Ronin zu tun?

Sky Mavis ist ein 2018 in Vietnam gegründetes Blockchain-Gaming-Unternehmen, bekannt vor allem durch das Spiel Axie Infinity. Das Unternehmen betreibt außerdem die Ronin-Blockchain, die ursprünglich als eigene Sidechain für Axie Infinity entstand und im Mai 2026 zu einer Ethereum-Layer-2 umgebaut wurde. Neben Axie Infinity laufen mittlerweile zahlreiche weitere Spiele und Anwendungen wie die dezentrale Börse Katana auf Ronin.

Warum hat Sky-Mavis-Mitgründer Aleksander Larsen das Unternehmen verlassen?

Larsen kündigte im Februar 2026 seinen Rückzug aus dem operativen Geschäft als Chief Operating Officer an. Als Gründe nannte er die Belastung durch bis zu 200 Reisetage im Jahr nach Vietnam mit einer neugeborenen Tochter zu Hause sowie den Wunsch, sich künftig der europäischen Verteidigungsindustrie zu widmen. Mitgründer Jeff Zirlin übernahm seine operativen Aufgaben.

Was ändert sich durch das neue Ronin-Governance-Dashboard?

Das für das dritte Quartal 2026 angekündigte Dashboard soll RON-Halterinnen und -Haltern erstmals eine direkte Stimme bei der Verteilung von Treasury-Mitteln sowie bei Ökosystem-Initiativen und Protokoll-Upgrades geben. Die Treasury wurde dafür um 90 Millionen RON aus ehemaligen Staking-Zuteilungen auf über 100 Millionen RON aufgestockt. Sky Mavis plant, den Umfang der Mitbestimmung schrittweise zu erweitern.

Wie hoch ist der RON-Kurs aktuell und wie weit ist er vom Allzeithoch entfernt?

RON notierte zuletzt bei rund 0,047 Euro und damit etwa 98,8 Prozent unter seinem im März 2024 erreichten Allzeithoch von 4,45 US-Dollar. Die Marktkapitalisierung lag bei rund 37 Millionen Euro. Auch AXS, der Governance-Token von Axie Infinity, notiert weiterhin deutlich unter seinem Höchststand aus dem Jahr 2021.

Wer kontrolliert die Ronin-Blockchain heute wirklich?

Formal ist Ronin seit Februar 2025 permissionless, Entwicklerinnen und Entwickler benötigen also keine Freigabe von Sky Mavis mehr, um Anwendungen zu starten. Faktisch liegen zentrale Hebel wie die Sichtbarkeit im offiziellen Marktplatz oder, bislang, die Kontrolle über die Treasury weiterhin bei Sky Mavis. Das geplante Governance-Dashboard soll genau diesen letzten Bereich schrittweise in Richtung einer RON-token-gewichteten Mitbestimmung öffnen.

Priya Reddy berichtet für HOGE Wire über Web3-Gaming, Blockchain-Infrastruktur und die Ökonomie von Play-to-Earn-Projekten.

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