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● Mining & Staking

Bitcoin-Mining-Margen 2026: Warum viele Miner kaum noch verdienen

Der Hashpreis fiel 2026 auf ein Rekordtief, doch über das Überleben der Miner entscheidet die Marge: Cash-Kosten, Chip-Effizienz, Strompreise und der Wettlauf ins KI-Geschäft im Faktencheck.

Der Hashpreis, also der erwartete Tagesumsatz je Petahash Rechenleistung, notierte Mitte Juli 2026 bei rund 30,88 US-Dollar pro PH/Tag (umgerechnet etwa 26,85 Euro) und damit nahe einem Nachhalbierungs-Rekordtief, wie Daten von Hashrate Index zeigen. Der 7-Tage-Schnitt lag bei 30,39 Dollar, der 30-Tage-Schnitt bei 30,64 Dollar. Das allein wäre schon eine Schlagzeile wert, und war es auch (mehr dazu im Artikel Hashprice erklärt: Bitcoin-Mining am Rekordtief 2026). Doch für die gut 30 börsennotierten Bitcoin-Miner in Nordamerika zählt am Ende eine andere Zahl: die Marge, also das, was von diesem Umsatz nach Strom, Abschreibung und Zinsen tatsächlich übrig bleibt.

Nach Berechnungen des Vermögensverwalters CoinShares arbeiten aktuell etwa 15 bis 20 Prozent der globalen Mining-Flotte unrentabel. Das Bitcoin-Netzwerk selbst reagiert längst auf den Druck: 2026 kam es bereits zu drei aufeinanderfolgenden negativen Difficulty-Anpassungen, der ersten derartigen Serie seit 2022, weil ältere und ineffizientere Maschinen in großem Stil vom Netz gingen. Gleichzeitig bauen die großen Namen der Branche, von MARA Holdings über Riot Platforms bis Core Scientific, ihre Geschäftsmodelle in Richtung künstlicher Intelligenz und High Performance Computing (HPC) um, nicht aus Neugier, sondern weil die Marge im klassischen Mining-Geschäft für viele kaum noch reicht.

Dieser Artikel blickt hinter den Hashpreis auf die eigentliche Kostenstruktur des Minings: den Unterschied zwischen Cash-Kosten und All-in-Kosten, ein konkretes Rechenbeispiel aus einer SEC-Bilanz, die Rolle der Chip-Effizienz, die geografische Verteilung von Strompreisen und die Frage, ob der Sprung ins KI-Geschäft die Marge tatsächlich rettet, oder nur die Risiken verschiebt.

Ein Sommer am Rande der Rentabilität

Bitcoin-Mining war nie ein Geschäft mit stabilen Margen, dafür sorgt schon der vierjährige Halbierungszyklus. Aber der Sommer 2026 markiert eine besonders enge Phase. Der Hashpreis ist seit seinem Zwischenhoch im Oktober 2025 um rund zwei Drittel gefallen, während die Netzwerk-Hashrate trotz sinkender Erlöse lange Zeit weiter wuchs, weil neue, effizientere Maschinen alte ersetzten und gleichzeitig zusätzliche Kapazität ans Netz ging. Das Ergebnis ist ein klassisches Verdrängungsszenario: Wer mit alter Hardware oder teurem Strom arbeitet, verliert zuerst, unabhängig vom Bitcoin-Preis selbst.

Genau hier liegt der Denkfehler vieler Schlagzeilen, die allein auf den Bitcoin-Kurs schauen. Ein Kurs von rund 64.600 US-Dollar (etwa 56.100 Euro, Stand Mitte Juli 2026 laut CoinGecko) klingt für Privatanleger nach Erfolg. Für einen Miner mit veralteten Maschinen und einem ungünstigen Stromvertrag kann derselbe Kurs trotzdem unter der eigenen Produktionskostenschwelle liegen. Die Marge ist damit eine unternehmensspezifische Größe, keine Marktkennzahl, und genau deshalb lohnt sich der genauere Blick auf Kostenstrukturen statt auf Kursverläufe.

Cash-Kosten versus All-in-Kosten: die zwei Gesichter der Marge

Wer die Wirtschaftlichkeit eines Miners beurteilen will, muss zwei völlig unterschiedliche Kostenbegriffe auseinanderhalten. Die Cash-Kosten (manchmal auch Betriebskosten genannt) umfassen nur das, was tatsächlich als Geld das Unternehmen verlässt: Strom, Wartung, Pool-Gebühren, Personal vor Ort. Sie beantworten die Frage, ob ein Miner heute die Lichter anlassen sollte.

Die All-in-Kosten (oder GAAP-Kosten) addieren zusätzlich nicht-zahlungswirksame Posten: die Abschreibung der ASIC-Hardware und der Infrastruktur (Rechenzentren, Trafos, Kühlung) sowie allgemeine Verwaltungskosten und teils Zinsaufwand. ASICs verlieren wegen der ständigen Effizienzsprünge neuer Chip-Generationen schnell an Wert und werden deshalb oft über nur zwei bis fünf Jahre abgeschrieben, was die All-in-Kosten deutlich in die Höhe treibt.

Der Unterschied ist mehr als Buchhaltungsdetail. Ein Miner kann auf Cash-Basis profitabel sein, jeden Tag mehr Geld einnehmen als er für Strom ausgibt, und trotzdem einen großen Nettoverlust nach US-GAAP ausweisen, weil die Abschreibung auf Milliarden Dollar teure Flotten so schwer wiegt. Genau dieses Muster zieht sich 2026 durch fast alle Quartalsberichte der Branche, wie das folgende Rechenbeispiel zeigt.

Hashpreis und Netzwerkkennzahlen im Juli 2026

Bevor es an die Kostenseite geht, lohnt ein kurzer Blick auf die aktuelle Angebotsseite des Netzwerks. Die Bitcoin-Differenz (Difficulty) fiel am 11. Juli 2026 um 5,00 Prozent auf 127,17 Billionen (im internationalen Sprachgebrauch 127,17 T), die zweitgrößte Anpassung nach unten im laufenden Jahr, wie auch Hashrate Index in seinem Wochenüberblick bestätigt. Die Netzwerk-Hashrate schwankte je nach Mittelungszeitraum zwischen rund 873 und 938 Exahash pro Sekunde (EH/s), gegenüber einem Allzeithoch von etwa 1.154 EH/s im Oktober 2025, ein Rückgang von gut einem Fünftel. Für die nächste Anpassung um den 25. Juli 2026 wird aktuell wieder ein leichtes Plus von etwa 2,74 Prozent geschätzt.

Der Terminmarkt für Hashpreis-Kontrakte, etwa die bis zu zwölf Monate laufenden Forwards des Anbieters Luxor, preist für die kommenden sechs Monate im Schnitt rund 30,00 Dollar pro PH/Tag ein, kaum höher als der aktuelle Spotwert. Institutionelle Marktteilnehmer erwarten also keine schnelle Erholung. Bei rund 144 Blöcken pro Tag, einem Blocksubsidy von 3,125 BTC und Transaktionsgebühren, die zuletzt nur knapp 0,7 Prozent der Blockbelohnung ausmachten, bleibt der Umsatz je Miner damit eng an den Bitcoin-Kurs und die eigene Hashrate gekoppelt, mit minimalem Polster aus dem Gebührenmarkt.

Was kostet ein Bitcoin wirklich?

Die belastbarste branchenweite Zahl liefert der CoinShares Bitcoin Mining Report, veröffentlicht am 25. März 2026 mit Daten für das vierte Quartal 2025: Die gewichteten durchschnittlichen Cash-Kosten der börsennotierten Miner lagen demnach bei rund 79.995 US-Dollar je Bitcoin, umgerechnet etwa 69.560 Euro (zu einem Kurs von rund 1,15 Dollar je Euro, wie er Mitte 2026 in etwa galt). Bei den All-in-Kosten ist die Spanne zwischen einzelnen Unternehmen riesig: Sie reichte von rund 118.188 Dollar je Bitcoin bei Bitdeer bis zu 471.841 Dollar bei TeraWulf, wobei Letzteres wegen des weit fortgeschrittenen Umbaus zu einem KI-Rechenzentrumsbetreiber kaum noch mit klassischen Minern vergleichbar ist.

Eine unabhängige Einschätzung liefert JPMorgan-Analyst Nikolaos Panigirtzoglou, der die durchschnittlichen All-in-Produktionskosten in einer Kundennotiz auf rund 78.000 Dollar taxierte (etwa 67.800 Euro) und feststellte, dass Bitcoin über rund fünf Monate bis Mitte 2026 im Schnitt etwa 19 Prozent unter diesem Wert notierte, wie unter anderem TFTC berichtete. Panigirtzoglous Kernaussage, sinngemäß übersetzt: Wenn Bitcoin unter seinen Produktionskosten handelt, schalten die teureren Miner ab, die Hashrate sinkt, und die Difficulty passt sich nach unten an. Das ist genau der Mechanismus, der sich in den drei negativen Anpassungen dieses Jahres bereits gezeigt hat.

Wichtig ist die Vorsicht bei Einzelwerten: Verschiedene Berichte und Nachrichtenquellen nennen für einzelne Unternehmen teils deutlich abweichende Kosten pro Bitcoin, je nachdem wie Abschreibungspolitik, aktienbasierte Vergütung und Sondereffekte verrechnet werden. Der Branchendurchschnitt von knapp 80.000 Dollar Cash-Kosten ist die robustere, besser bestätigte Zahl.

Rechenbeispiel Riot Platforms: zwei Wahrheiten in einer Bilanz

Wie groß der Unterschied zwischen Cash- und All-in-Betrachtung ausfallen kann, zeigt der Quartalsbericht (10-Q) von Riot Platforms für das erste Quartal 2026, eingereicht bei der US-Börsenaufsicht SEC. Riot bezifferte die Kosten zur Produktion eines Bitcoin ohne Abschreibung auf 44.629 Dollar, während der Produktionswert je Bitcoin bei 75.964 Dollar lag, also klar profitabel auf Cash-Basis. Inklusive Abschreibung sprangen die Kosten je Bitcoin jedoch auf 96.283 Dollar, umgerechnet 126,7 Prozent des Produktionswerts, ein operativer Verlust nach GAAP im selben Quartal.

Kennzahl (Q1 2026)USD je BitcoinEUR je Bitcoin (umgerechnet)
Cash-Kosten (ohne Abschreibung)44.629 $rund 38.800 €
Produktionswert je Bitcoin75.964 $rund 66.050 €
Cash-Margerund 41,3 % positivrund 41,3 % positiv
All-in-Kosten (inklusive Abschreibung)96.283 $rund 83.700 €
All-in-Kosten als Anteil am Produktionswert126,7 %126,7 %

Die Quelle für dieses Beispiel ist die SEC-EDGAR-Einreichung von Riot Platforms selbst, kein Analystenmodell. Das macht sie zu einem sauberen Referenzfall für die gesamte Branche: Operativ, im Tagesgeschäft, verdienten viele Miner im ersten Quartal 2026 noch Geld. Bilanziell, unter Einbeziehung der milliardenschweren Flotten, rutschten viele gleichzeitig in die roten Zahlen. Beide Aussagen sind wahr, sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.

Die Effizienzformel: warum der Chip über die Marge entscheidet

Auf Ebene der einzelnen Maschine lässt sich die Marge relativ einfach modellieren. Die Effizienz eines ASIC-Miners wird in Joule pro Terahash (J/TH) angegeben, je niedriger der Wert, desto weniger Strom verbraucht die Maschine für dieselbe Rechenleistung. Daraus lässt sich der Break-even-Strompreis ableiten, also der Strompreis, ab dem eine Maschine bei einem gegebenen Hashpreis gerade noch kostendeckend läuft: Break-even (in Dollar je kWh) entspricht dem Hashpreis in Dollar je PH/Tag, geteilt durch 1.000, geteilt durch die Effizienz in J/TH multipliziert mit 0,024.

Angewendet auf den aktuellen Hashpreis von 30,88 Dollar pro PH/Tag ergibt sich für die wichtigsten am Markt verfügbaren Chip-Generationen (Spezifikationen laut Herstellerangaben, unter anderem Bitmain) folgendes Bild:

ASIC-ModellEffizienz (J/TH)HashrateLeistungsaufnahmeBreak-even-Strompreis (EUR-Cent/kWh)
Antminer S21 XP13,5270 TH/s3.645 Wrund 8,3 Cent
Antminer S21 Pro15,0234 TH/s3.510 Wrund 7,5 Cent
WhatsMiner M60S++rund 15,5herstellerabhängigherstellerabhängigrund 7,2 Cent
WhatsMiner M60S18,5184 TH/s3.404 Wrund 6,1 Cent
Antminer S19 XP (Vorgängergeneration)21,5140 TH/s3.010 Wrund 5,2 Cent

Die Tabelle macht sichtbar, warum ältere Flotten zuerst vom Netz gehen: Eine Vorgängergeneration wie der Antminer S19 XP verträgt beim aktuellen Hashpreis nur noch Strompreise von rund 5 Cent je Kilowattstunde, während selbst die neueste Generation kaum über 8 Cent hinauskommt. Jede Effizienzgeneration verschiebt die Gewinnschwelle nur um wenige Cent, aber bei Anlagen im Multi-Megawatt-Maßstab macht das über ein Jahr gerechnet den Unterschied zwischen Gewinn und Stilllegung.

Strompreis schlägt Hashrate: die geografische Marge

Die Effizienztabelle lässt sich direkt mit realen Strompreisen verschiedener Standorte verknüpfen. Hashrate Index veröffentlicht dazu regelmäßig energiebasierte Erlösschätzungen je Effizienzklasse, die zeigen, wie viel Umsatz eine Maschine pro Megawattstunde eingesetzter Energie erwirtschaftet, unabhängig vom tatsächlich gezahlten Strompreis:

Effizienzklasse (J/TH)Erlös (USD/MWh)Erlös (EUR/MWh, umgerechnet)Profitabel bei günstigem US-Standort (unter rund 52 €/MWh)?Profitabel bei deutschem Industriestrom (rund 144 bis 167 €/MWh)?
unter 14109 $rund 95 €Ja, deutlicher PufferNein
14 bis 1979 $rund 69 €Ja, kleinerer PufferNein
19 bis 2559 $rund 51 €Knapp, nahe GewinnschwelleNein
25 bis 3841 $rund 36 €NeinNein

Der Vergleichswert für deutschen Industriestrom stammt vom Branchenverband BDEW: Große Industriebetriebe (70 bis 150 Millionen kWh Jahresverbrauch) zahlten 2025 rund 14,4 Cent je Kilowattstunde, kleinere und mittlere Industriebetriebe 2026 rund 16,7 Cent, jeweils umgerechnet 144 beziehungsweise 167 Euro je Megawattstunde. Selbst die effizienteste am Markt verfügbare Chip-Generation erzielt beim aktuellen Hashpreis nur rund 95 Euro Erlös je Megawattstunde, deutlich weniger als der deutsche Industriestrompreis. Wettbewerbsfähige Standorte in Teilen der USA, am Golf oder in Teilen Zentralasiens arbeiten dagegen mit Stromkosten von umgerechnet teils unter 6 US-Cent (rund 52 Euro je Megawattstunde), was den strukturellen Standortvorteil dieser Regionen erklärt.

Der Rettungsanker KI: Miner werden zu Rechenzentrumsbetreibern

Angesichts dieser Zahlen überrascht es nicht, dass sich die großen börsennotierten Miner zunehmend als Infrastrukturanbieter für künstliche Intelligenz neu erfinden. Laut CoinShares haben Miner branchenweit inzwischen KI- und HPC-Verträge mit einem angekündigten Gesamtvolumen von mehr als 70 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 61 Milliarden Euro) unterschrieben. Zu den größten Deals zählen Core Scientific mit einer auf rund 10,2 Milliarden Dollar über zwölf Jahre veranschlagten Colocation-Vereinbarung mit CoreWeave, Hut 8 mit einem rund 7 Milliarden Dollar schweren, 15 Jahre laufenden Leasingvertrag mit Fluidstack über 245 Megawatt, und TeraWulf mit insgesamt rund 12,8 Milliarden Dollar an vertraglich gesicherten HPC-Erlösen.

Der Grund für den Wechsel liegt in der Margenstruktur selbst. Needham-Analyst John Todaro brachte es gegenüber CoinGeek auf den Punkt: Der Umsatz je Megawatt und die EBITDA-Margen seien für HPC- und KI-Colocation weit höher als für klassisches Mining, wie CoinGeek berichtete. Ein konkretes Beispiel liefert Riot Platforms: Der im Rahmen des KI-Pivots verdoppelte Vertrag mit AMD über 25 Megawatt soll über eine Laufzeit von zehn Jahren rund 311 Millionen Dollar Umsatz bei einer EBITDA-Marge von rund 80 Prozent bringen, wie aus einem CoinDesk-Bericht zum Aktivisten-Investor Starboard Value hervorgeht. Solche Margen erreicht praktisch kein Mining-Standort mehr. Wie stark auch klassische KI-Infrastruktur- und Compute-Anbieter selbst unter Wettbewerbsdruck stehen, zeigt der Artikel Dezentrale Inferenz: Wer am GPU-Geschäft 2026 verdient, während der Artikel Verifiable Compute: Wie Krypto KI-Rechenleistung beweisbar macht zeigt, dass reine Rechenzentrumsvermietung wie bei den meisten Miner-Pivots technisch etwas anderes ist als krypto-natives, überprüfbares Rechnen.

CoinShares-Researchchef James Butterfill schätzt, dass börsennotierte Miner bis Ende 2026 bis zu 70 Prozent ihrer Erlöse aus KI-Geschäften ziehen könnten, gegenüber rund 30 Prozent Anfang des Jahres, wie The Block berichtete. Der Umbau ist damit kein Randphänomen mehr, sondern für viele Unternehmen bereits die Haupteinnahmequelle in spe.

MARA gegen Riot: zwei Strategien unter Druck

Die beiden größten US-börsennotierten Miner zeigen im ersten Quartal 2026 exemplarisch, wie unterschiedlich sich der Margendruck auswirkt. MARA Holdings, unter CEO Fred Thiel, meldete einen Umsatzrückgang von 18 Prozent auf 174,6 Millionen Dollar und einen Nettoverlust von 1,26 Milliarden Dollar, größtenteils getrieben durch Bewertungsverluste auf den eigenen Bitcoin-Bestand, wie unter anderem Blockspace Media berichtete. MARA produzierte 2.247 Bitcoin (rund 25 pro Tag) bei einer energetisierten Hashrate von 72,2 EH/s, verkaufte im Quartal Bitcoin im Wert von insgesamt rund 1,5 Milliarden Dollar und reduzierte damit seine Bitcoin-Reserve im Jahresvergleich um rund 12.228 auf gut 35.000 BTC zum Quartalsende.

Riot Platforms, unter CEO Jason Les, wies einen Gesamtumsatz von 167 Millionen Dollar aus (plus 2 Prozent), davon erstmals 33,2 Millionen Dollar aus dem neuen Rechenzentrumssegment. Der Nettoverlust lag bei 500 Millionen Dollar, das bereinigte EBITDA bei minus 311 Millionen Dollar. Riot produzierte 1.473 Bitcoin (minus 4 Prozent) und hält rund 15.680 BTC als Reserve.

Kennzahl (Q1 2026)MARA HoldingsRiot Platforms
Umsatz174,6 Mio. $ (rund 151,8 Mio. €)167 Mio. $ (rund 145,2 Mio. €)
Davon Rechenzentrum/HPCkein separater Ausweis33,2 Mio. $ (rund 28,9 Mio. €), neue Sparte
Nettoverlust1,26 Mrd. $ (rund 1,1 Mrd. €)500 Mio. $ (rund 435 Mio. €)
Geförderte Bitcoin2.247 BTC1.473 BTC
Hashrate72,2 EH/s (energetisiert)42,5 EH/s (deployed) / 36,4 EH/s (operativ)
Stromkapazitätrund 1,9 auf Kurs Richtung 2,2 GWrund 1,7 GW (Corsicana, Rockdale)

Besonders aufschlussreich ist der Fall Riot: Der aktivistische Investor Starboard Value forderte das Unternehmen im Februar 2026 in einem öffentlichen Brief auf, den Umbau zu beschleunigen, und bezifferte das Potenzial der vorhandenen Standorte auf über 1,6 Milliarden Dollar jährliches EBITDA bei Vollvermietung zu KI-Marktkonditionen, was bei einem Multiplikator von 10 bis 13 einen Rechenzentrums-Eigenkapitalwert von 16 bis 21 Milliarden Dollar ergäbe, deutlich mehr als die damalige Gesamtmarktkapitalisierung des Unternehmens. Die Aktie legte am Tag der Veröffentlichung um rund 7 Prozent zu.

Schulden und Wandelanleihen: die Finanzierung des Pivots

Der Umbau in Richtung KI-Infrastruktur ist kapitalintensiv, und ein wachsender Teil davon wird über Fremdkapital finanziert, was das Risikoprofil der gesamten Branche verändert. IREN nahm rund 3,7 Milliarden Dollar über Wandelanleihen auf, TeraWulf trägt inzwischen eine Gesamtverschuldung von rund 5,7 Milliarden Dollar, und Cipher Mining platzierte besicherte Anleihen im Volumen von rund 1,7 Milliarden Dollar bei einem Kupon von 7,125 Prozent.

Diese Summen sind an sich nicht ungewöhnlich für kapitalintensive Rechenzentrumsbauten, klassische KI-Infrastrukturanbieter finanzieren sich ähnlich. Der Unterschied liegt in der Bilanzstruktur der Miner: Viele bewerten ihre Bitcoin-Bestände zum Fair Value, sodass Kursschwankungen direkt durch die Gewinn- und Verlustrechnung laufen. Ein Quartalsergebnis ist damit teilweise auch eine Wette auf den Bitcoin-Kurs, selbst wenn das operative Geschäft zunehmend aus langfristigen, bitcoin-unabhängigen HPC-Mietverträgen besteht. Für Fremdkapitalgeber und Investoren macht das die Bewertung komplexer als bei einem reinen Rechenzentrumsbetreiber.

Pools und Gebühren: die Marge der kleinen Miner

Für Miner unterhalb der Börsennotierungs-Schwelle, private Betreiber und kleinere Farmen, kommt eine weitere Kostenebene hinzu: die Pool-Gebühr. Die meisten Miner schließen sich Mining-Pools an, um die Varianz der Blockbelohnung zu glätten, und zahlen dafür je nach Auszahlungsmodell (PPS, FPPS, PPS+ oder PPLNS) Gebühren von üblicherweise 0 bis 4 Prozent des Bruttoertrags. Bei bereits knappen Cash-Margen im niedrigen einstelligen Prozentbereich kann die Wahl des Pools und des Gebührenmodells über Gewinn oder Verlust entscheiden.

Hinzu kommt ein strukturelles Detail, das gerade kleinere Miner betrifft: Bei den dominanten Pools wie Foundry USA oder AntPool bestimmt größtenteils der Poolbetreiber, welche Transaktionen in einen Block aufgenommen werden, nicht der einzelne Miner. Initiativen wie Stratum V2 mit seiner Job-Declaration-Funktion sollen das ändern, indem Miner eigene Blockvorlagen bauen. Für die reine Margenrechnung ist die Gebührenebene jedoch meist der relevantere Faktor als die Frage der Dezentralisierung.

2028 im Blick: das Margenproblem der nächsten Halbierung

Der strukturelle Druck auf die Marge wird sich mit der nächsten Bitcoin-Halbierung im Frühjahr 2028 weiter verschärfen, wenn sich der Blocksubsidy von aktuell 3,125 auf 1,5625 BTC halbiert. Sofern der Bitcoin-Kurs nicht entsprechend mitzieht, sinkt der Umsatz je Hasheinheit über Nacht um die Hälfte, während die Kostenbasis (Strom, Personal, Zinsen auf bestehende Schulden) weitgehend gleich bleibt.

MARA-CEO Fred Thiel beschreibt die Dynamik gegenüber CoinGeek unmissverständlich: Mining sei ein Nullsummenspiel, je mehr Kapazität hinzukomme, desto schwerer werde es für alle anderen, die Margen schrumpften, und der Boden sei der Energiepreis. Zur Zukunft der Branche sagt Thiel: Bis 2028 sei man entweder Stromerzeuger, gehöre einem, oder sei mit einem verpartnert, die Zeit der Miner, die einfach nur ans Netz angeschlossen seien, sei gezählt. Zur oft diskutierten Hoffnung, wachsende Transaktionsgebühren könnten den sinkenden Blocksubsidy langfristig kompensieren, ist Thiels Einschätzung nüchtern: Dieser Übergang sei bislang nicht eingetreten, und die Rechnung werde nach 2028 ohne ein jährliches Bitcoin-Kurswachstum von deutlich über 50 Prozent sehr schwierig. Wie sich Bitcoins Protokoll-Ökonomie und Gebührenmarkt seit dem Taproot-Upgrade insgesamt entwickelt haben, beleuchtet der Artikel Taproot fünf Jahre später: Bilanz eines stillen Upgrades.

Deutschland und die EU: Regulierung ja, industrielles Mining kaum

Für den deutschen und europäischen Markt bleibt Bitcoin-Mining im industriellen Maßstab weitgehend eine Randerscheinung, und die Zahlen aus den vorherigen Abschnitten erklären auch warum: Bei Industriestrompreisen von 14,4 bis 16,7 Cent je Kilowattstunde (BDEW) liegt Deutschland strukturell über dem Break-even selbst der effizientesten verfügbaren ASIC-Generation. Anders als in Texas, am Persischen Golf oder in Teilen Skandinaviens mit reichlich Wasserkraft oder subventionierten Industriestrompreisen fehlt hierzulande die Kombination aus günstigem Dauerstrom und regulatorischer Planungssicherheit für Großverbraucher, die Mining-Investitionen attraktiv machen würde. Ein separates staatliches Förderinstrument für energieintensive Industrie mit einem angepeilten Zielpreis von rund 5 Cent je Kilowattstunde ist ab 2026 zwar in Planung, richtet sich aber an klassische Industriezweige und dürfte für spekulatives Krypto-Mining kaum in Frage kommen.

Regulatorisch ist die Lage klarer als wirtschaftlich: Die BaFin beaufsichtigt in Deutschland Kryptowertedienstleister, also Handels- und Verwahrplattformen, im Rahmen der EU-weiten MiCA-Verordnung, deren Übergangsfristen 2026 endgültig ausgelaufen sind. Das reine Schürfen von Bitcoin selbst gilt jedoch nicht als lizenzpflichtige Finanzdienstleistung und fällt damit nicht unter die MiCA-Aufsicht der BaFin. Steuerlich sind Mining-Erträge in Deutschland als sonstige Einkünfte nach Paragraf 22 Nummer 3 Einkommensteuergesetz zum Marktwert bei Zufluss zu versteuern, bei gewerblichem Umfang droht die Einordnung als Gewerbebetrieb nach Paragraf 15 EStG. Wie sich die deutsche Kryptobesteuerung insgesamt weiterentwickelt, etwa der diskutierte Wegfall der einjährigen Haltefrist zugunsten einer pauschalen Abgeltungsteuer, ordnet der Artikel Krypto-Steuer 2026: Kabinett kippt die Haltefrist für Bitcoin ein.

Ausblick: kann sich die Marge erholen?

Ob sich die Margen kurzfristig erholen, hängt im Kern von zwei Variablen ab, die beide außerhalb der Kontrolle einzelner Miner liegen: dem Bitcoin-Kurs und der Netzwerk-Hashrate. CoinShares-Researchchef James Butterfill hält es laut The Block für keine unrealistische Annahme, dass der Bitcoin-Kurs wieder auf 100.000 Dollar steigen könnte, was den Hashpreis rechnerisch auf etwa 37 Dollar pro PH/Tag anheben würde, spürbar über dem aktuellen Niveau. Bestätigt sich das nicht, dürfte der bereits laufende Verdrängungswettbewerb weitergehen: Ältere, ineffizientere Flotten schalten ab, die Hashrate sinkt, die Difficulty passt sich nach unten an, und die verbliebenen, effizienteren Betreiber gewinnen relativ an Marktanteil, ein sich selbst regulierender Mechanismus, den das Bitcoin-Protokoll seit seiner Entstehung eingebaut hat.

Für börsennotierte Miner kommt als dritte Variable der KI-Pivot hinzu, der zumindest auf dem Papier eine bitcoin-unabhängige Einnahmequelle mit höheren Margen verspricht. Ob sich dieses Versprechen einlöst, hängt davon ab, ob die milliardenschweren HPC-Mietverträge tatsächlich wie geplant abgerechnet werden und ob die zu ihrer Finanzierung aufgenommenen Schulden auch in einem schwierigeren Kreditumfeld bedienbar bleiben. Die Marge der Zukunft entsteht damit für viele Miner nicht mehr allein im Rechenzentrum, sondern zunehmend an den Kapitalmärkten.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Cash-Kosten und All-in-Kosten beim Bitcoin-Mining?

Die Cash-Kosten umfassen nur die laufenden Ausgaben eines Miners, vor allem Strom, Wartung und Pool-Gebühren. Die All-in-Kosten addieren zusätzlich die Abschreibung der ASIC-Hardware und der Infrastruktur sowie Verwaltungskosten. Ein Miner kann deshalb auf Cash-Basis profitabel sein und gleichzeitig einen Verlust nach GAAP-Bilanzierung ausweisen, wie das Beispiel von Riot Platforms im ersten Quartal 2026 zeigt.

Wie hoch sind die aktuellen Produktionskosten für einen Bitcoin?

Nach Daten von CoinShares lagen die gewichteten durchschnittlichen Cash-Kosten der börsennotierten Miner im vierten Quartal 2025 bei rund 79.995 US-Dollar je Bitcoin, umgerechnet etwa 69.500 Euro. JPMorgan-Analyst Nikolaos Panigirtzoglou schätzte die All-in-Kosten auf rund 78.000 US-Dollar. Zwischen einzelnen Unternehmen schwanken die Werte jedoch stark.

Warum steigen Bitcoin-Miner ins KI- und HPC-Geschäft ein?

Rechenzentren für künstliche Intelligenz und High Performance Computing erzielen nach Einschätzung von Analysten wie John Todaro deutlich höhere Erlöse je Megawatt und höhere EBITDA-Margen als klassisches Bitcoin-Mining. Laut CoinShares haben börsennotierte Miner inzwischen Verträge im Gesamtvolumen von mehr als 70 Milliarden US-Dollar mit KI-Unternehmen angekündigt.

Ist Bitcoin-Mining in Deutschland noch wirtschaftlich?

Kaum. Deutsche Industriestrompreise liegen laut BDEW bei rund 14 bis 17 Cent je Kilowattstunde und damit über dem, was selbst die effizienteste ASIC-Generation beim aktuellen Hashpreis erwirtschaftet. Wettbewerbsfähige Mining-Standorte in den USA oder am Golf arbeiten dagegen mit Strompreisen von umgerechnet teils unter 6 US-Cent je Kilowattstunde.

Was passiert, wenn der Bitcoin-Preis unter die Produktionskosten der Miner fällt?

Nach Marktlogik schalten dann zuerst die teuersten, ältesten Maschinen ab. Die Netzwerk-Hashrate sinkt, und die Difficulty passt sich bei der nächsten Anpassung nach unten an, wodurch das Mining für die verbleibenden Teilnehmer wieder etwas rentabler wird. 2026 gab es bereits drei aufeinanderfolgende negative Difficulty-Anpassungen, die erste solche Serie seit 2022.

Verfasst von der HOGE Wire Redaktion, Schwerpunkt Mining und Staking.

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