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● Mining & Staking

Mining-Pools 2026: Wem gehört Bitcoins Blockproduktion?

Zwei Pools kontrollieren fast die halbe Hashrate von Bitcoin. Warum das ein Zensurproblem ist, wie Stratum V2 und DATUM gegensteuern und was deutsche Miner wissen müssen.

Alle zehn Minuten findet das Bitcoin-Netzwerk einen neuen Block. Die eigentlich spannende Frage ist dabei nicht, wer die Rechenleistung stellt, sondern wer entscheidet, welche Transaktionen in diesen Block wandern. Im Jahr 2026 lautet die unbequeme Antwort: eine Handvoll Mining-Pools. Zwei davon, Foundry USA und AntPool, kommen je nach Messfenster zusammen auf annähernd die Hälfte der gesamten Rechenleistung, und die vier größten Pools bündeln nach Zahlen von Hashrate Index mehr als 70 Prozent des Netzwerks.

Für Bitcoins Sicherheitsversprechen ist das ein strukturelles Problem. Das Netzwerk sollte gerade nicht vom Wohlverhalten einzelner Akteure abhängen. Genau in diese Abhängigkeit ist das Mining aber geraten. 2026 hat die Debatte an Schärfe gewonnen, weil sich mehrere Entwicklungen überlagern: die breite Zusage zu Stratum V2 durch Pools mit drei Vierteln der Hashrate, der Aufstieg des nicht-verwahrenden DATUM-Protokolls und ein aufsehenerregender Bruch beim Pool OCEAN, der den Bitcoin-Veteranen Luke Dashjr Ende August seinen Vorstandsposten kostete.

Dieser Beitrag erklärt, wie Mining-Pools tatsächlich arbeiten, warum ihre Konzentration gefährlicher ist als viele annehmen, welche technischen Gegenentwürfe existieren und was das Ganze für Miner und Anleger im deutschsprachigen Raum bedeutet.

Was ein Mining-Pool wirklich tut

Ein einzelner ASIC-Miner, selbst ein moderner mit mehreren Hundert Terahash pro Sekunde, steht einem Netzwerk gegenüber, das zeitweise mehr als ein Zettahash pro Sekunde leistet, also über 1.000 Exahash. Die Wahrscheinlichkeit, im Alleingang einen Block zu finden, ist entsprechend winzig; für viele Heimgeräte läge der statistische Abstand zwischen zwei Treffern bei Jahrzehnten. Ein Mining-Pool löst dieses Problem, indem er die Rechenleistung vieler Teilnehmer bündelt und die Erträge anteilig verteilt.

Technisch funktioniert das über sogenannte Shares. Der Pool-Koordinator baut einen Kandidatenblock, also eine Vorlage (Template) mit ausgewählten Transaktionen, und schickt den Teilnehmern Arbeitsaufträge. Die Miner liefern Shares zurück, das sind Teilnachweise geleisteter Arbeit unterhalb der eigentlichen Netzwerkschwierigkeit. Findet einer der Miner tatsächlich einen gültigen Block, kassiert der Pool die Belohnung und verteilt sie nach eingereichten Shares, abzüglich einer Gebühr.

Damit ein Pool fair abrechnen kann, definiert er für die Shares eine eigene, niedrigere Schwierigkeit. Ein Share ist für das Netzwerk wertlos, beweist dem Pool aber, dass ein Miner ehrlich gearbeitet hat. Aus der Menge dieser Nachweise ergibt sich der Anteil an der Belohnung. Je stabiler und näher der Pool-Server steht, desto weniger Arbeit verpufft als veraltete Shares.

Der entscheidende Punkt steckt im Detail: Historisch bestimmt der Pool-Koordinator, welche Transaktionen in die Blockvorlage kommen. Der einzelne Miner steuert also Rechenleistung bei, hat aber keinerlei Mitsprache darüber, welche Zahlungen bestätigt werden. Diese Trennung von Rechenleistung und Entscheidungsmacht ist der Kern des gesamten Zentralisierungsproblems.

Warum einzelne Miner ohne Pool kaum überleben

Der ökonomische Zwang zum Pool ergibt sich aus der Varianz. Ein Block trägt derzeit eine Subvention von 3,125 BTC, nach dem Halving von 2024. Bei einem Bitcoin-Kurs von rund 68.000 Euro (Stand Ende August 2026, CoinGecko) entspricht allein die Subvention also etwa 212.500 Euro je Block, hinzu kommen die Transaktionsgebühren. Über den Tag verteilt schüttet das Netzwerk bei rund 144 Blöcken damit ungefähr 450 BTC aus.

Für einen Betreiber mit ein paar Geräten ist dieser Jackpot statistisch unerreichbar. Ohne Pool gliche der Betrieb einem Lottospiel mit sehr seltener Ziehung: monate- oder jahrelang kein Ertrag, dann vielleicht ein voller Block. Kein Rechenzentrum und kaum ein Privathaushalt kann so kalkulieren. Der Pool wandelt diese Achterbahn in einen planbaren, gleichmäßigen Zahlungsstrom um, was Stromrechnungen und Hardware-Finanzierung erst bedienbar macht.

Wie viel dabei am Ende übrig bleibt, hängt am sogenannten Hashprice, also dem Ertrag pro eingesetzter Recheneinheit. Wie sich dieser Erlös zusammensetzt und warum er sich grundlegend von einer Staking-Rendite unterscheidet, haben wir in unserer Analyse zu Hashprice gegen Staking-Rendite aufgeschlüsselt. Für die Pool-Frage genügt hier: Je enger die Margen, desto stärker achten Miner auf Gebühren und Auszahlungsmodell, und desto größer ist der Sog zu den etablierten Großpools.

Die Konzentration in Zahlen

Die folgende Momentaufnahme zeigt die zehn größten Bitcoin-Pools nach Rechenleistung zum Jahreswechsel 2025/2026. Die Anteile schwanken je nach Betrachtungsfenster spürbar, das Grundmuster bleibt aber stabil: An der Spitze stehen zwei Schwergewichte, dahinter folgt ein enges Feld.

PoolRechenleistungAnteilHintergrund
Foundry USA299 EH/s30,1 %USA, Digital Currency Group
AntPool211 EH/s18,3 %Bitmain (Antminer-Hersteller)
ViaBTC145 EH/s13,0 %Hongkong
F2Pool113 EH/s10,0 %gegründet in China
SpiderPool98 EH/s8,8 %Aufsteiger seit 2025
MARA Pool64 EH/s5,7 %MARA Holdings (USA, börsennotiert)
SecPool55 EH/s4,9 %FPPS-Pool
Luxor38 EH/s3,4 %USA
Binance Pool26 EH/s2,3 %Börsen-Pool
SBI Crypto15 EH/s1,3 %Japan, Schließung Juli 2026

Quelle: Hashrate Index, Stand 31. Dezember 2025. Noch im Sommer verschob sich das Bild leicht: Zum 23. Juni 2026 wies CryptoSlate Foundry bei rund 31 Prozent, AntPool bei 18, ViaBTC bei 13 und F2Pool bei 10 Prozent aus. Vier Anbieter kontrollierten damit über 70 Prozent der Netzwerkleistung.

Diese Machtballung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von zwei Jahrzehnten Skalenlogik. Schon im Sommer 2014 sorgte der Pool GHash.io für einen Schreckmoment, als er kurzzeitig mehr als die Hälfte der Netzwerkleistung auf sich vereinte und danach freiwillig zusagte, künftig unter 40 Prozent zu bleiben. Der Aufstieg spezialisierter ASIC-Hardware zementierte später die Rolle weniger Hersteller: AntPool wurde 2014 von Bitmain gegründet, dem Produzenten der verbreiteten Antminer-Reihe. Nach Chinas Mining-Verbot von 2021 verschob sich das Gewicht in die USA, wo Foundry als Tochter der Digital Currency Group zur Nummer eins aufstieg.

Zum Vergleich lohnt der Blick auf das Proof-of-Stake-Lager: Auch dort ballt sich Macht bei wenigen großen Betreibern, wie unsere Analyse der Validator-Ökonomie 2026 zeigt. Konzentration ist kein reines Mining-Phänomen, sondern eine wiederkehrende Eigenheit von Netzwerken, in denen Skaleneffekte und planbare Erträge belohnt werden.

Auszahlungsmodelle: FPPS, PPS+ und PPLNS

Wie ein Pool auszahlt, entscheidet über Ertrag und Risiko genauso stark wie die nominale Gebühr. Drei Modelle dominieren den Markt, dazu kommen dezentrale und Solo-Varianten.

ModellVarianz trägtGebühren im ErtragTypische GebührProfil
FPPSPoolja, geschätzt2 bis 4 %planbare Einnahmen
PPS+Pool und Minerja, real (Gebührenteil)2 bis 4 %Mischform
PPLNSMinerja, real0 bis 2 %hohe Uptime, kostenbewusst
DATUM (OCEAN)Minerja, eigener Blockrund 1 %Dezentralisierung
SoloMiner (voll)ja, voller Block0 bis 2 %Lotterie

Beim Full Pay-Per-Share (FPPS) übernimmt der Pool die gesamte Varianz und zahlt dem Miner sowohl die anteilige Blocksubvention als auch eine geschätzte Gebührenkomponente aus, unabhängig davon, ob der Pool im Abrechnungszeitraum Glück hatte. Das macht die Einnahmen planbar, kostet aber mehr. F2Pool etwa berechnet für Bitcoin rund 2,5 Prozent, während viele Wettbewerber laut CryptoSlate eher 4 Prozent verlangen. FPPS ist das bevorzugte Modell großer, professioneller Betreiber.

Pay-Per-Last-N-Shares (PPLNS) dreht die Logik um: Der Miner trägt die Varianz mit, wird dafür aber mit deutlich niedrigeren Gebühren belohnt, oft 0 bis 2 Prozent. Über lange Zeiträume und bei hoher Betriebszeit summiert sich dieser Vorteil. PPS+ ist ein Hybrid, der die Subvention nach dem planbaren PPS-Prinzip vergütet und die Transaktionsgebühren nach tatsächlich gefundenen Blöcken verteilt. Eine ausführliche Gegenüberstellung der Mechanik bietet Simple Mining.

Die Unterscheidung ist seit dem letzten Halving wichtiger geworden. Weil die Subvention auf 3,125 BTC gesunken ist, machen Transaktionsgebühren inzwischen je nach Marktlage etwa 5 bis 10 Prozent des Blockwerts aus. Wer ein Modell mit geschätzten Gebühren wählt, wettet faktisch darauf, dass die Schätzung zu seinen Gunsten ausfällt; wer PPLNS wählt, verzichtet auf diese Wette und spart im Gegenzug an der Gebühr.

Das wahre Risiko heißt Zensur, nicht Diebstahl

In der öffentlichen Wahrnehmung dreht sich die Zentralisierungsdebatte um den 51-Prozent-Angriff, also die Vorstellung, ein Akteur könnte mit der Mehrheit der Rechenleistung Bitcoin doppelt ausgeben. Dieses Szenario ist real, aber es überschätzt den unmittelbaren Schaden und unterschätzt den subtileren. Ein Pool, der die Mehrheit hält, muss keine Coins stehlen, um Bitcoin zu beschädigen. Er muss nur bestimmen, welche Transaktionen nicht in Blöcke kommen.

Weil der Pool-Koordinator die Blockvorlagen baut, könnte ein unter Druck geratener oder kompromittierter Betreiber Adressen auf eine Sperrliste setzen, etwa auf behördliche Anordnung. Bereits in der Vergangenheit gab es Diskussionen über Blöcke, die bestimmte sanktionierte Adressen mieden. Genau das meint Zensurresistenz: Sie soll strukturell unmöglich sein, nicht vom guten Willen eines Betreibers abhängen. Je stärker sich die Vorlagenerstellung bei wenigen bündelt, desto realistischer wird selektive Zensur.

Hinzu kommt ein Effekt auf die faktische Endgültigkeit von Zahlungen. Entwickler haben vorgerechnet, dass die für ein bestimmtes Sicherheitsniveau nötige Zahl an Bestätigungen steigt, wenn ein einzelner Pool einen sehr großen Anteil hält; im Extremfall wären für hohe Sicherheit weit mehr Blöcke und damit deutlich längere Wartezeiten erforderlich. Der langjährige Bitcoin-Entwickler Matt Corallo beschreibt die Lage unverblümt als kritisch zentralisiert und warnt, dass die Bequemlichkeit planbarer Auszahlungen mit dem Verlust der Kerneigenschaften des Systems erkauft werde (TFTC).

Welche Transaktionstypen überhaupt um Blockplatz konkurrieren, hat sich zuletzt verschoben, unter anderem durch Ordinals und neue Skript-Möglichkeiten. Was das Taproot-Upgrade dafür geleistet hat und was nicht, ordnet unser Rückblick Fünf Jahre Taproot ein. Klar ist: Je mehr wirtschaftlicher Wert an der Reihenfolge und Aufnahme einzelner Transaktionen hängt, desto verlockender wird die Kontrolle über die Vorlage.

Proxy-Pools: wenn Vielfalt nur auf dem Papier existiert

Die nominale Verteilung auf viele Pools ist zudem trügerisch. Der pseudonyme Entwickler 0xB10C hat gezeigt, dass sich die Blockvorlagen mehrerer angeblich unabhängiger Pools bis ins Detail gleichen. Seine Methode vergleicht die Merkle-Zweige, die Pools in ihren Stratum-Aufträgen verschicken, und berechnet daraus einen Ähnlichkeitswert. Das Ergebnis ist eindeutig: AntPool, BTC.com und Poolin verschickten Vorlagen mit 98 bis 99 Prozent Übereinstimmung, ein weiteres Cluster bildeten SecPool und SigmaPool.

Das deutet auf sogenanntes Proxy-Pooling hin, bei dem ein Pool faktisch die Vorlagen eines anderen weiterreicht und nur die Marke wechselt. Ein wirklich unabhängiger Pool wie Foundry zeigt dagegen kaum Überschneidungen und dient als Vergleichsmaßstab. Nach der Auswertung von 0xB10C stellten allein neun so vernetzte Pools rund 37,6 Prozent der Netzwerkleistung; über alle Cluster hinweg produzieren nur etwa sechs Betreiber mehr als 95 Prozent aller Blöcke. Die reale Konzentration liegt damit deutlich höher, als es die Rangliste sichtbarer Markennamen vermuten lässt.

Praktisch heißt das für Beobachter: Kennzahlen wie die bloße Zahl aktiver Pools führen in die Irre, wenn mehrere Marken dieselbe Vorlage bespielen. Wer Zentralisierung ernsthaft messen will, muss Vorlagen und Auszahlungsadressen vergleichen, nicht Logos auf Ranglisten. Genau diese Detektivarbeit macht die Forschung von 0xB10C so wertvoll und zugleich so unbequem für die Branche.

Stratum V2: die Blockkonstruktion kehrt zum Miner zurück

Der wichtigste Gegenentwurf ist ein Protokoll-Upgrade. Das klassische Stratum V1 lässt den Pool die Vorlagen bauen; der Miner rechnet nur. Stratum V2 kehrt das Verhältnis um. Über die Job-Declaration-Funktion können Miner mit eigenem Full Node selbst festlegen, welche Transaktionen in ihre Blöcke kommen, und dem Pool diese Vorlage vorschlagen. Der Pool koordiniert weiterhin Auszahlung und Varianzausgleich, verliert aber das Monopol auf die Transaktionsauswahl. Nebenbei verschlüsselt V2 die Kommunikation und erschwert damit das Abgreifen fremder Rechenleistung.

Im Mai 2026 kam Bewegung in die Sache. Sieben der größten Pools, die zusammen etwa 75 Prozent der Hashrate stellen, sagten die Einführung von Stratum V2 zu, darunter Foundry, AntPool, F2Pool, SpiderPool, MARA Pool, Block Inc und DMND. CoinDesk bezeichnete den Schritt als größte Dezentralisierungsbewegung im Mining seit Jahren. Die Arbeitsgruppe hinter der Referenzimplementierung erwartet, dass V2 bis Ende 2026 zur Standardauslieferung neuer ASIC-Firmware wird und dann 40 bis 60 Prozent der Netzwerkleistung erreichen könnte.

Ein prominenter Fürsprecher ist Adam Back, Erfinder von Hashcash und Chef von Blockstream. Er bezeichnet die Pool-Konzentration als materielles Risiko für die Zensurresistenz und wirbt ausdrücklich für Stratum V2 und DATUM als Werkzeuge, um die Kontrolle über die Blockzusammensetzung wieder zu streuen (Blockchain.news). Pionierarbeit hatte zuvor der Anbieter Braiins geleistet, dessen Pool die V2-Funktionen inklusive Job-Aushandlung vollständig unterstützt.

Ein Vorbehalt bleibt: Die Zusage zum Standard ist nicht dasselbe wie seine dezentralisierende Wirkung. Diese entsteht erst, wenn Miner die Job-Declaration tatsächlich nutzen und eigene Nodes betreiben. Ein Pool kann Stratum V2 auch nur für die Verschlüsselung einsetzen und die Vorlagen weiterhin selbst bestimmen. Die entscheidende Kennzahl der kommenden Monate ist deshalb nicht, wie viele Pools V2 unterstützen, sondern wie viel Rechenleistung tatsächlich selbstgebaute Vorlagen einreicht.

DATUM und der nicht-verwahrende Ansatz von OCEAN

Der zweite Weg führt über den Pool OCEAN. Statt auf die Job-Aushandlung von V2 zu setzen, legt OCEAN sein Protokoll DATUM (Decentralized Alternative Templates for Universal Mining) über das bestehende V1. Miner mit eigenem Full Node bauen ihre Blockvorlage selbst; die Firmware braucht dafür keine V2-Unterstützung. OCEAN belohnt das mit einer reduzierten Gebühr von rund 1 Prozent gegenüber 2 Prozent im Standardbetrieb.

OCEAN ist zugleich der einzige vollständig nicht-verwahrende Pool von Rang. Er zahlt die Belohnungen direkt an die teilnehmenden Miner aus, statt sie zunächst auf einem vom Pool kontrollierten Konto zu sammeln. Das ist mehr als eine technische Fußnote: Ein Pool, der Kundengelder erst einsammelt und dann verteilt, betreibt faktisch Verwahrung, mit allen aufsichtsrechtlichen Folgefragen. Mit rund 2 Prozent der Hashrate bleibt OCEAN klein, sein Modell prägt die Debatte aber weit über die eigene Größe hinaus.

Der Haken bei beiden Wegen ist derselbe: Wer die Transaktionsauswahl selbst übernehmen will, muss einen eigenen Full Node betreiben und aktuell halten. Für einen Betrieb mit Tausenden Geräten ist das trivial, für den Gelegenheits-Miner eine Hürde. Solange der bequeme Standardweg darin besteht, die Vorlage vom Pool zu beziehen, wird ein erheblicher Teil der Rechenleistung weiter zentral bestückt, selbst wenn die Technik längst Alternativen bietet.

Der Bruch bei OCEAN: Dashjr, CONVOY und eine offene Frage

Ausgerechnet dieser Vorzeigepool erlebte Ende August 2026 einen Eklat. Am 29. August trennte sich OCEAN von Mitgründer Luke Dashjr, einem der dienstältesten Entwickler von Bitcoin Core. Dashjr legte laut crypto.news die Ämter als Chairman, Chief Technology Officer und Direktor nieder, die Muttergesellschaft kaufte seine Anteile zurück. Als Grund nannten beide Seiten unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft des Bitcoin-Minings nach jüngsten Protokollentwicklungen, ohne den technischen Streitpunkt zu benennen.

OCEAN war einst mit einer Startfinanzierung von 6,2 Millionen US-Dollar unter Führung von Jack Dorsey angetreten und von Dashjr technisch aufgebaut worden. Nun kündigte der Entwickler ein neues Projekt namens CONVOY an, das seine Mission der Mining-Dezentralisierung fortführen soll. Zu Website, technischer Dokumentation oder Zeitplan war bei Bekanntgabe nichts bekannt, auch nicht, ob CONVOY selbst ein Pool, eine Software oder etwas anderes wird.

Für die Branche ist der Vorgang aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens zeigt er, dass selbst innerhalb des Dezentralisierungslagers heftig um den richtigen Weg gerungen wird. Zweitens könnte Rechenleistung dem Entwickler folgen: Versammelt Dashjr genügend ideologisch motivierte Miner hinter CONVOY, verschiebt das die Landschaft erneut. Die zugrunde liegende technische Meinungsverschiedenheit bleibt vorerst ungelöst, was zeigt, wie eng technische und politische Fragen im Mining verwoben sind.

Ein Markt der zwei Geschwindigkeiten

Während die Grundsatzdebatte läuft, sortiert sich der Markt praktisch neu. 2026 bildet sich ein Zwei-Klassen-System heraus. Die Großpools richten sich zunehmend an institutionelle Kunden aus, an börsennotierte Miner und große Rechenzentren. Foundry etwa verlangt laut CryptoSlate strikte KYC-Prüfungen und verhandelt Gebühren privat nach Volumen. Für einen unabhängigen Betreiber mit ein paar Hundert Maschinen ist der größte Pool damit praktisch verschlossen.

Diese Verzahnung von Mining und Compliance hat eine Kehrseite, die deutsche Leser aus anderen Zusammenhängen kennen. Wenn Zugang von KYC und regulatorischer Wohlgefälligkeit abhängt, geraten Teilnehmer ins Abseits, die aus guten Gründen anonym bleiben wollen. Die Parallelen zum Krypto-Debanking, bei dem AML-Auflagen zum faktischen Kontoentzug werden, liegen auf der Hand.

Gleichzeitig dünnt sich die Mitte aus. Im Juli 2026 schloss SBI Crypto, die Mining-Tochter der japanischen SBI-Gruppe, ihren öffentlichen Pool endgültig und setzte damit rund 20,9 Exahash, etwa 2,2 Prozent der Netzwerkleistung, in Bewegung (Eastern Herald). Solche Rechenleistung wandert selten zu kleinen Anbietern, sondern meist zu den ohnehin Großen. Konsolidierung erzeugt so ihre eigene Beschleunigung, und der Sog zur Spitze verstärkt sich mit jedem Marktaustritt.

Was das für Miner in Deutschland bedeutet

Für den deutschsprachigen Raum ist großindustrielles Mining wegen hoher Strompreise kaum wettbewerbsfähig. Relevanter sind Heim- und Hobbybetrieb sowie die Teilnahme an Pools mit kleineren Geräten. Steuerlich gilt es dabei genau hinzusehen. Die Finanzverwaltung ordnet Mining tendenziell als gewerbliche Tätigkeit ein, schließt private Konstellationen aber nicht aus; entscheidend ist das Gesamtbild aus Gewinnerzielungsabsicht, Organisation und Regelmäßigkeit.

Bei privatem Mining gelten die zugeflossenen Coins nach Auffassung der Finanzverwaltung als sonstige Einkünfte im Sinne von Paragraf 22 Nummer 3 EStG. Besteuert wird der Marktwert in Euro im Zuflusszeitpunkt zum persönlichen Einkommensteuersatz zwischen 0 und 45 Prozent; es gilt eine Freigrenze von 256 Euro pro Jahr. Gewerbliches Mining unterliegt dagegen der Gewerbe- und grundsätzlich der Umsatzsteuer, ohne Haltefrist. Das aktuelle BMF-Schreiben von 2025 nutzt einheitlich den Begriff Kryptowerte und verschärft ab dem Veranlagungszeitraum 2025 die Dokumentationspflichten, wie der Steuerguide von CoinTracking zusammenfasst.

Aufsichtsrechtlich ist das Schürfen selbst in Deutschland keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung. Heikel wird es erst dort, wo ein Pool fremde Belohnungen einsammelt und verwahrt. Ein solches Einsammeln kann die Frage nach dem Kryptoverwahrgeschäft nach dem KWG und nach der europäischen MiCA-Verordnung aufwerfen, die verwahrende Dienstleister als CASP erfasst und damit in den Blick der BaFin rückt. Genau hier liegt der praktische Reiz nicht-verwahrender Modelle wie DATUM: Sie umgehen diese Perimeterfrage konstruktiv. Wer die Erträge einordnen will, sollte sie zudem gegen andere Wege der Bitcoin-Rendite abwägen, wie sie unsere Analyse zu BTCFi 2026 beschreibt.

Solo-Mining und der Reiz des digitalen Lottoscheins

Als Gegenbewegung zur Konzentration hat sich eine kleine, hartnäckige Solo-Mining-Szene etabliert. Offene Bastelgeräte wie der Bitaxe, ein quelloffener Ein-Chip-Miner mit wenigen Terahash, verbrauchen kaum mehr Strom als eine Glühbirne. Die Chance, damit einen ganzen Block zu finden, ist verschwindend gering, doch genau das ist der Reiz: Gelingt es, gehört die volle Belohnung dem Betreiber, ohne Pool und ohne Gebühr.

Über spezialisierte Solo-Pools, die lediglich die Koordination übernehmen und den Fund komplett an den Finder auszahlen, versuchen Tausende Hobbyisten ihr Glück. Immer wieder gelingt tatsächlich ein Volltreffer mit winziger Ausrüstung, der dann durch die Fachpresse geht. Ökonomisch ist das eine Lotterie, kulturell aber ein wichtiges Signal: Solange auch die Kleinsten mitspielen können, bleibt das Ideal des verteilten Minings sichtbar.

Für die Netzwerksicherheit im Aggregat ändert Solo-Mining wenig, weil sein Anteil an der Gesamtleistung marginal bleibt. Als Korrektiv der Erzählung ist es dennoch bedeutsam, weil es zeigt, dass Zentralisierung eine ökonomische Entscheidung ist und keine technische Notwendigkeit. Der Bitaxe hat zudem einer neuen Generation den Einstieg ins Verständnis von Proof of Work eröffnet, jenseits der reinen Rendite.

Wie man einen Pool bewertet

Wer heute einen Pool wählt, sollte mehr abwägen als nur die Gebühr. Die folgenden Kriterien haben sich als sinnvoll erwiesen:

  • Auszahlungsmodell: FPPS für planbare Einnahmen, PPLNS für niedrigere Gebühren bei hoher Betriebszeit.
  • Verwahrung: Sammelt der Pool Belohnungen ein oder zahlt er direkt aus? Nicht-verwahrende Modelle senken das Gegenparteirisiko.
  • Kontrolle über die Blockvorlage: Unterstützt der Pool Stratum V2 mit Job-Declaration oder DATUM, sodass Miner selbst Transaktionen wählen können?
  • Auszahlungsschwelle und Frequenz: Passen sie zur Größe des Betriebs?
  • Serverstandorte und Latenz: Nähe reduziert verworfene Shares.
  • Transparenz und Zensurpolitik: Legt der Pool offen, ob und wie er Transaktionen filtert?

Die reine Gebührenoptimierung greift zu kurz. Ein Pool, der einen halben Prozentpunkt günstiger ist, aber die Blockvorlagen zentral kontrolliert und Belohnungen verwahrt, kann den Nutzer teurer zu stehen kommen, als die Ersparnis vermuten lässt, sei es durch Gegenparteirisiko oder durch den Beitrag zu einer gefährlichen Konzentration.

Hilfreich ist außerdem ein Blick auf Reputation und Betriebsdauer eines Pools. Neue Anbieter locken oft mit sehr niedrigen Gebühren, tragen aber ein höheres Ausfall- und Vertrauensrisiko. Ein etablierter, transparent kommunizierender Pool mit nachvollziehbarer Auszahlungshistorie ist gerade für kleinere Miner, die jeden Ausfall spüren, meist die solidere Wahl.

Ausblick: Dezentralisierung wird zum Verkaufsargument

Die kommenden zwölf Monate dürften entscheidend werden. Setzt sich Stratum V2 mit aktivierter Job-Declaration durch und gewinnt DATUM an Rechenleistung, könnte die faktische Kontrolle über die Blockzusammensetzung erstmals seit Jahren wieder breiter streuen. Das wäre ein seltener Fall, in dem sich ein strukturelles Problem technisch entschärfen lässt, ohne auf das Wohlverhalten der Großen zu setzen.

Zugleich zieht die institutionelle Nachfrage in die Gegenrichtung, hin zu regulierten, KYC-pflichtigen Großpools. Welcher Sog stärker ist, wird sich zeigen. Immerhin beginnt Dezentralisierung, vom moralischen Appell zum Verkaufsargument zu werden: Ein Pool, der glaubhaft nachweist, dass seine Miner selbst über Transaktionen entscheiden und dass er keine Gelder verwahrt, hat 2026 ein echtes Unterscheidungsmerkmal. Für ein Netzwerk, dessen wichtigste Eigenschaft die Unabhängigkeit von Einzelnen ist, wäre das eine gute Nachricht.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Mining-Pool einfach erklärt?

Ein Mining-Pool bündelt die Rechenleistung vieler Miner, um regelmäßiger Blöcke zu finden, und verteilt die Belohnung anteilig. Der einzelne Miner erhält so einen planbaren Ertrag, statt jahrelang auf einen unwahrscheinlichen Volltreffer im Alleingang zu warten.

Welcher Mining-Pool ist 2026 der größte?

Gemessen an der Rechenleistung führt Foundry USA, gefolgt von AntPool. Zusammen kamen beide je nach Messfenster auf etwa die Hälfte der Netzwerkleistung, die vier größten Pools auf über 70 Prozent.

Ist Bitcoin durch die Pool-Konzentration angreifbar?

Das größte Risiko ist nicht Diebstahl, sondern Zensur. Weil wenige Pools bestimmen, welche Transaktionen in Blöcke kommen, könnte ein kompromittierter oder unter Druck gesetzter Betreiber Zahlungen selektiv ausschließen. Deshalb gilt Konzentration als Bedrohung der Zensurresistenz.

Was ändern Stratum V2 und DATUM?

Beide geben die Auswahl der Transaktionen an die einzelnen Miner zurück. Mit Stratum V2 oder dem DATUM-Protokoll von OCEAN bauen Miner mit eigenem Full Node ihre Blockvorlage selbst, während der Pool nur noch Auszahlung und Varianzausgleich übernimmt.

Wie wird Bitcoin-Mining in Deutschland besteuert?

Privates Mining führt in der Regel zu sonstigen Einkünften nach Paragraf 22 Nummer 3 EStG, besteuert mit dem persönlichen Satz von bis zu 45 Prozent und einer Freigrenze von 256 Euro pro Jahr. Gewerbliches Mining unterliegt der Gewerbe- und Umsatzsteuer. Maßgeblich ist der Euro-Marktwert im Zuflusszeitpunkt.

Marcus Okafor ist Redakteur bei HOGE Wire und schreibt über Mining, Netzwerksicherheit und die Infrastruktur hinter Bitcoin.

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