Vom Laptop zur Zettahash: 17 Jahre Hashrate-Wachstum
Von Satoshis Laptop bis zur Zettahash-Maschine: die Geschichte des Bitcoin-Hashrate-Wachstums, Ära für Ära. Und warum die Kurve im September 2026 wieder nach oben dreht.
Der Moment, in dem die Kurve wieder nach oben drehte
Am 6. September 2026 passierte etwas, das die Miner monatelang nicht mehr erlebt hatten: Die Bitcoin-Difficulty stieg wieder deutlich. Um 1,31 Prozent kletterte sie auf 127,45 Billionen, die achte Anhebung des Jahres, während der Hashprice, die tägliche Erlösgröße je Petahash Rechenleistung, binnen eines Monats um gut 22 Prozent auf 39,63 US-Dollar (rund 35 Euro) sprang, wie news.bitcoin.com dokumentiert. Nach einem Jahr, in dem die Rechenleistung des Netzwerks erstmals seit langem geschrumpft war, zeigt die Kurve wieder nach oben.
Für sich genommen ist das eine Randnotiz im Mining-Alltag. Im größeren Bild ist es das jüngste Kapitel einer der außergewöhnlichsten Wachstumsgeschichten der jüngeren Technikgeschichte. Bitcoin selbst kostet Anfang September rund 68.000 Euro, laut CoinGecko etwa ein Drittel unter dem Allzeithoch von rund 126.000 US-Dollar aus dem Oktober 2025. Und doch ist die Rechenleistung, die dieses Netz absichert, von wenigen Millionen Hashes pro Sekunde im Jahr 2009 auf zeitweise über eine Trilliarde, ein volles Zettahash, im Herbst 2025 gewachsen.
Dieser Text erzählt diese Kurve nicht als Momentaufnahme und nicht als Prognose, sondern als Geschichte: Ära für Ära, von Satoshis Laptop bis zur wassergekühlten Zettahash-Maschine von heute. Was die vier Motoren hinter dem Wachstum im Detail antreibt, hat HOGE Wire an anderer Stelle aufgeschlüsselt; hier geht es um die Chronologie. Denn wer versteht, was die Kurve in jeder Phase nach oben trieb, und was sie ein einziges Mal freiwillig knicken ließ, versteht auch, warum sie im September 2026 wieder steigt.
Was Hashrate-Wachstum eigentlich misst
Hashrate ist die Summe aller Rechenversuche, mit denen Miner pro Sekunde nach einem gültigen Block suchen. Sie ist das Maß für die Arbeit hinter Bitcoins Proof of Work und damit für die physische Absicherung des Netzes. Wichtig ist ein oft übersehener Punkt: Niemand misst die Hashrate direkt. Sie wird geschätzt, aus der Difficulty und der tatsächlichen Zeit zwischen den Blöcken. Die Faustformel lautet, Hashrate entspricht ungefähr Difficulty mal 2 hoch 32, geteilt durch die Zielblockzeit von 600 Sekunden. Deshalb schwanken Tagesangaben stark (mal 800, mal über 1.000 Exahash), während der Sieben-Tage-Durchschnitt ein ruhigeres Bild liefert.
Wachstum der Hashrate hat immer zwei Quellen: mehr Maschinen und bessere Maschinen. Beides schlägt sich in der Difficulty nieder, die sich alle 2016 Blöcke (rund zwei Wochen) so nachjustiert, dass ein Block im Schnitt zehn Minuten braucht. Die Difficulty ist damit das Logbuch des Wachstums, direkt in die Blockchain geschrieben. Und die Einheiten, in denen dieses Logbuch geführt wird, haben sich in siebzehn Jahren um rund fünfzehn Größenordnungen verschoben.
| Einheit | Hashes pro Sekunde | Größenordnung im Netz |
|---|---|---|
| Hash (H/s) | 1 | Satoshis CPU, 2009 |
| Kilohash (KH/s) | 1.000 | frühe CPUs |
| Megahash (MH/s) | 1 Million | GPUs, ab 2010 |
| Gigahash (GH/s) | 1 Milliarde | erste ASICs, 2013 |
| Terahash (TH/s) | 1 Billion | ein einzelner ASIC heute |
| Petahash (PH/s) | 1 Billiarde | eine kleine Mining-Farm |
| Exahash (EH/s) | 1 Trillion | Netzwerk ab 2016 |
| Zettahash (ZH/s) | 1 Trilliarde | Netzwerk ab 2025 |
In deutscher Zählweise ist ein Exahash also eine Trillion Hashes (10 hoch 18), ein Zettahash eine Trilliarde (10 hoch 21). Die Difficulty von 127,45 Billionen meint entsprechend 127,45 mal 10 hoch 12. Wer diese Leiter im Kopf behält, erkennt sofort, wie steil die folgende Geschichte verläuft.
Ära 1: Die CPU-Jahre (2009 bis 2010)
Am 3. Januar 2009 schürfte Satoshi Nakamoto den Genesis-Block auf einem ganz normalen Prozessor. Die Difficulty stand bei 1, die Hashrate lag im Bereich weniger Megahash pro Sekunde, und im Bitcoin-Whitepaper ist das Ideal dieser Phase festgehalten: ein Prozessor, eine Stimme. Jeder mit einem Laptop konnte mitrechnen und mit realistischer Chance einen Block finden.
Diese egalitäre Anfangsphase prägte den Charakter des Projekts, konnte aber nicht bestehen bleiben. Sobald die Coins einen Marktpreis bekamen, entstand der Anreiz, mehr Rechenleistung anzuschließen. Damit begann die Rückkopplung, die das Netz bis heute antreibt: Mehr Interesse zieht mehr Hardware an, mehr Hardware treibt die Difficulty, und höhere Difficulty drängt die schwächsten Maschinen aus dem Rennen. Die CPU-Jahre waren kurz, aber sie legten das Muster fest.
Ära 2: Der GPU-Sprung (Oktober 2010)
Im Oktober 2010 tauchte der erste öffentliche Code auf, mit dem sich Grafikkarten fürs Mining nutzen ließen. Der Effekt war dramatisch: Eine GPU erledigte die parallelen SHA-256-Berechnungen rund hundertmal so schnell wie ein Prozessor, eine einzelne AMD Radeon HD 5870 brachte es auf etwa 400 Megahash pro Sekunde, wie CoinDesk in seiner Geschichte der Mining-Hardware nachzeichnet. Über Nacht war der Laptop als Schürfgerät wertlos geworden.
Der GPU-Sprung war der erste echte Effizienzsprung und der Startschuss für ein Wettrüsten, das nie mehr aufhörte. Erstmals lohnte es sich, mehrere Karten in einem Gehäuse zu stapeln, Kühlung zu planen und Stromkosten zu kalkulieren. Was heute in Hallen mit Zehntausenden Maschinen passiert, begann hier im Wohnzimmer, mit surrenden Lüftern und der Erkenntnis, dass Hashrate-Wachstum vor allem eine Frage der besseren Maschine ist.
Ära 3: FPGAs, das kurze Zwischenspiel (2011 bis 2012)
2011 kam eine Zwischenstufe: frei programmierbare Logikbausteine, kurz FPGAs. Sie rechneten die Hash-Operationen ungefähr doppelt so schnell wie die schnellste GPU und, wichtiger noch, deutlich sparsamer. Erstmals rückte die Kennzahl in den Vordergrund, die das Mining bis heute bestimmt: Joule pro Terahash, also der Stromverbrauch je Rechenleistung.
Das FPGA-Kapitel blieb kurz. Kaum zwei Jahre hielten sich die Bausteine am Markt, bevor eine radikal überlegene Technik sie verdrängte. Doch die Lektion aus dieser Zeit war grundlegend: Wer beim Mining bestehen will, muss nicht nur schneller rechnen, sondern jede Kilowattstunde in mehr Hashes verwandeln als die Konkurrenz. Effizienz wurde zur eigentlichen Währung der Branche.
Ära 4: Die ASIC-Revolution (ab Januar 2013)
Im Januar 2013 wurde die erste anwendungsspezifische Mining-Maschine ausgeliefert, der Avalon 1 mit 66 Gigahash pro Sekunde, gebaut vom chinesischen Hersteller Canaan Creative. Ein ASIC (Application-Specific Integrated Circuit) kann nur eines, dafür aber unschlagbar gut: Bitcoins SHA-256-Rätsel lösen. Gegenüber GPUs und FPGAs war das ein Quantensprung, wie CoinDesks Chronik der Hardware festhält.
Von hier an wurde das Hashrate-Wachstum exponentiell und industriell zugleich. Wer keinen ASIC hatte, war chancenlos, und weil spezialisierte Chips Kapital, Fertigung und Zugang zu billigem Strom verlangen, verschob sich das Mining vom Hobby zum Geschäft. Die Effizienzkurve, die weiter unten in einer eigenen Tabelle steht, beginnt genau hier: Jede ASIC-Generation lieferte mehr Terahash bei weniger Watt, und jeder Sprung zog die nächste Wachstumswelle nach sich.
Ära 5: Industrialisierung und die erste Exahash (2016 bis 2020)
Anfang 2016 überschritt das Netzwerk erstmals ein Exahash pro Sekunde. Der Arbeitspferd-ASIC dieser Zeit war der Antminer S9 mit 13,5 Terahash und rund 98 Joule pro Terahash. Vier Jahre später, am 4. Januar 2020, stand die Marke bei 100 Exahash, ungefähr elf Jahre nach dem Genesis-Block, wie die Meilenstein-Aufstellung von TFTC zeigt.
In diesen Jahren wanderte das Mining endgültig aus dem Keller in die Lagerhalle. Mining-Pools bündelten die Rechenleistung vieler kleiner Betreiber, spezialisierte Rechenzentren entstanden dort, wo Strom am billigsten war (zunächst an chinesischen Wasserkraftwerken), und der Wachstumsmotor bestand ab jetzt aus drei Teilen: Kapital für die Hardware, Zugang zu günstiger Energie und die immer bessere Effizienz der Chips. Hashrate-Wachstum war keine Bastlerangelegenheit mehr, sondern Schwerindustrie.
Ära 6: Der China-Bann und die erste erzwungene Delle (2021)
Im Sommer 2021 erlebte das Netz seinen ersten großen Rückschlag. Chinas Behörden verboten das Mining landesweit, und weil damals ein sehr großer Teil der Hashrate in China stand, ging binnen Wochen mehr als die Hälfte der Rechenleistung offline. Die Difficulty fiel Anfang Juli 2021 um mehr als ein Viertel, der bis heute größte Einzelrückgang der Geschichte.
Doch das Netz heilte sich selbst. Die Maschinen wurden verschifft, vor allem in die USA und nach Kasachstan, und innerhalb weniger Monate hatte die Hashrate ihre alten Höchststände wieder überholt. Bemerkenswert: Trotz des Verbots kehrte China später als drittgrößter Standort zurück, wie CoinDesk unter Berufung auf eine Reuters-Recherche berichtete. Wichtig für unsere Geschichte ist der Charakter dieser Delle: Sie war erzwungen. Das Wachstum wurde von Politik unterbrochen, nicht von der Wirtschaftlichkeit. Genau darin unterscheidet sie sich von dem, was 2026 folgte.
Ära 7: Der Sprung zur Zettahash (2023 bis 2025)
Die schnellste Skalierung der gesamten Geschichte kam zum Schluss. Am 22. November 2023 durchbrach der Sieben-Tage-Schnitt 500 Exahash, wie The Cryptonomist unter Berufung auf Luxors Hashrate Index festhielt. Getrieben vom Halving im April 2024 (das die Blockbelohnung auf 3,125 BTC senkte und die Betreiber zu effizienteren Flotten zwang) und vom Preisanstieg bis zum Allzeithoch verdoppelte sich die Rechenleistung erneut. Am 15. September 2025 überschritt der Schnitt die Marke von einem Zettahash, und Ende Oktober 2025, zeitgleich mit Bitcoins Kursgipfel von rund 126.000 US-Dollar, lag der Höchststand bei etwa 1,12 Zettahash, wie die Meilenstein-Aufstellung von TFTC belegt.
Ein Hinweis zur Vorsicht, weil er immer wieder auftaucht: Manche automatisierten Auswertungen kolportieren einen Höchststand von 1,44 Zettahash. Belastbar belegt ist ein Gipfel von rund 1,1 bis 1,12 Zettahash; die höhere Zahl stammt aus einer fehlerhaften Zusammenfassung und sollte nicht als Rekord zitiert werden. Die folgende Tabelle fasst die Meilensteine der gesamten Kurve zusammen.
| Meilenstein | Zeitpunkt | Was ihn auslöste |
|---|---|---|
| Genesis-Block | 3. Januar 2009 | Start auf einer CPU |
| GPU-Mining-Code | Oktober 2010 | rund hundertfacher Sprung |
| Erster ASIC (Avalon 1) | Januar 2013 | 66 GH/s, spezialisierte Chips |
| 1 Exahash/s | Anfang 2016 | industrielle Mining-Farmen |
| 100 Exahash/s | 4. Januar 2020 | rund elf Jahre nach dem Start |
| 500 Exahash/s | 22. November 2023 | Ausbau nach dem Halving |
| 1 Zettahash/s | 15. September 2025 | Rekordpreis treibt Investitionen |
| Höchststand rund 1,12 ZH/s | Ende Oktober 2025 | BTC-Allzeithoch rund 126.000 USD |
| Erste freiwillige Delle | Mitte 2026 | Kapital und Strom wandern zur KI |
| Kurve dreht wieder hoch | September 2026 | Difficulty +1,31 %, Hashprice +22 % |
2026: die erste freiwillige Delle
Dann geschah 2026 etwas, das es in siebzehn Jahren noch nicht gegeben hatte. Die Hashrate und mit ihr die Difficulty fielen, aber nicht wegen eines Verbots und nicht wegen eines Bärenmarkts, der die Miner unter ihre Stromkosten drückte. Sie fielen, weil Betreiber freiwillig Kapital und Megawatt in ein lukrativeres Geschäft umlenkten: Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Erstmals lag die Difficulty im Jahresvergleich unter dem Vorjahr, laut CoinDesk erst das zweite Mal überhaupt, nach dem China-Jahr 2021.
Die Zahlen dazu sind eindeutig. Das Jahr startete bei 146,47 Billionen Difficulty; bis Anfang September summierten sich acht Anhebungen auf plus 33,34 Prozent und zehn Senkungen auf minus 45,27 Prozent, netto ein Rückgang von 11,93 Prozent, wie news.bitcoin.com vorrechnet. James Butterfill, Head of Research bei CoinShares, sprach von „einer der schwierigsten Phasen“ für die Branche und schätzte, dass die börsennotierten Miner bis Ende 2026 bis zu 70 Prozent ihrer Erlöse aus KI-Geschäften ziehen könnten, gestützt auf über 70 Milliarden US-Dollar an angekündigten Rechenzentrumsverträgen, wie news.bitcoin.com berichtet.
Die Ironie: Dieselben Grafikprozessoren und dieselben stabilen, gut angebundenen Standorte, die KI-Training braucht, konkurrieren direkt mit dem Mining um Strom und Kapital. Wie hart dieser Wettlauf um dezentrale Rechenleistung inzwischen geworden ist, zeigt der Blick auf Projekte wie das dezentrale KI-Training. Für die Hashrate bedeutet das eine neue Art von Gegenwind, der nicht verschwindet, wenn der Bitcoin-Preis steigt. Die folgende Tabelle ordnet die drei Typen von Rückgang ein, die die Geschichte kennt.
| Rückgang | Auslöser | Charakter | Erholung |
|---|---|---|---|
| 2018/19 und 2022 | Bärenmarkt, Preis unter Kosten | wirtschaftliche Kapitulation | Preis erholte sich, Hashrate stieg |
| Juli 2021 | China-Verbot | erzwungen durch Politik | Migration in die USA und nach Kasachstan |
| Mitte 2026 | Verlagerung zu KI und HPC | freiwillig, trotz solider Preise | Difficulty dreht im September wieder hoch |
Der Motor, der nie stehenbleibt: die ASIC-Effizienz
Wenn man die gesamte Geschichte auf eine einzige Kraft eindampft, dann ist es die Effizienz. Sie ist der rote Faden durch alle Ären und der Grund, warum die Hashrate selbst dann wachsen kann, wenn der Stromverbrauch stagniert. Der Antminer S9 von 2016 verbrauchte rund 98 Joule pro Terahash. Der Antminer S23 Hydro, der 2026 ausgeliefert wird, kommt auf etwa 9,5 Joule pro Terahash und ist damit die erste Serienmaschine unter der Marke von zehn, wie CoinDesks Fachdienst TheMinerMag dokumentiert. Das ist rund zehnmal effizienter pro Jahrzehnt.
| Modell (Jahr) | Hashrate | Leistung | Effizienz (J/TH) |
|---|---|---|---|
| Antminer S9 (2016) | 13,5 TH/s | 1.323 W | rund 98 |
| Antminer S19 (2020) | 95 TH/s | 3.250 W | rund 34 |
| Antminer S21 XP (2024) | 270 TH/s | 3.645 W | rund 13,5 |
| Antminer S23 Hydro (2026) | rund 560 TH/s | 5.349 W | rund 9,5 |
Diese Kurve wird von einem Duopol getrieben: Bitmain (Antminer) hält grob vier Fünftel des Marktes, MicroBT (Whatsminer) den größten Teil des Restes, mit der M70-Serie als aktuellem Gegenspieler. Für das Netzwerk ist die praktische Folge entscheidend: Selbst wenn kein zusätzliches Megawatt ans Netz geht, hebt schon ein Flottenwechsel die Hashrate spürbar an, weil neue Chips aus derselben Kilowattstunde mehr Hashes pressen. Genau deshalb kann die Kurve nach einer Delle so schnell wieder klettern, und genau deshalb entkoppelt sich das Hashrate-Wachstum langfristig vom Stromverbrauch.
Die Selbstkorrektur: warum die Kurve zurückkommt
Die eingebaute Selbstkorrektur des Systems ist der Grund, warum eine Delle selten von Dauer ist. Schalten Miner ab, sinkt die Difficulty, und die verbliebenen Betreiber verdienen pro Maschine mehr, was Kapazität zurückholt. Nikolaos Panigirtzoglou, Managing Director bei JPMorgan, hat den Mechanismus gegenüber TFTC so beschrieben: „Wenn Bitcoin unter seinen Produktionskosten gehandelt wird, fahren die teureren Miner herunter, die Hashrate sinkt, und die Difficulty passt sich nach unten an.“ Seine Bank beziffert die Sensitivität der Difficulty gegenüber dem Preis auf einen Beta-Wert von rund 0,62 und die Vollkosten der Produktion auf etwa 78.000 US-Dollar je Bitcoin.
Genau dieser Thermostat war im September 2026 zu beobachten. Die Kursrally des August hob den Hashprice binnen eines Monats um gut 22 Prozent, Maschinen kamen zurück ans Netz, und die Difficulty stieg zum ersten Mal seit Monaten wieder deutlich. CoinShares hält in seinem Mining-Bericht an einer Prognose von 1,8 Zettahash zum Jahresende 2026 und 2 Zettahash bis Ende März 2027 fest, allerdings mit einer klaren Bedingung: Der Bitcoin-Preis muss sich Richtung 100.000 US-Dollar erholen. Damit ist das Hashrate-Wachstum, das jahrelang wie ein Naturgesetz nach oben lief, heute in erster Linie eine Preiswette geworden.
Was das Wachstum kauft, und die 2028-Frage
Hashrate-Wachstum ist kein Selbstzweck. Es kauft Sicherheit. Multipliziert man den Hashprice mit der Rechenleistung und dem Jahr, ergibt sich das Sicherheitsbudget des Netzes, die Summe, die ein Angreifer im Wettbewerb überbieten müsste. Aktuell liegt sie bei gut 13 Milliarden US-Dollar (rund 12 Milliarden Euro) pro Jahr. Campbell Harvey, Finanzprofessor an der Duke University, schätzte die Kosten eines einwöchigen Mehrheitsangriffs zunächst auf rund 6 Milliarden Dollar (Hardware, Rechenzentren und Strom), also etwa 0,26 Prozent des Netzwerkwerts, wie crypto.news berichtete. 2026 verfeinerte er das Modell: Koppelt man den Angriff mit einer großen Short-Position an Offshore-Derivaten, sinkt die Netto-Rechnung auf etwa 8 Milliarden Dollar oder, wie Harvey gegenüber news.bitcoin.com sagte, „etwa 50 Basispunkte des Bitcoin-Werts“. Der entscheidende Faktor sei neu: „Der Unterschied heute sind die Derivatemärkte.“
Nicht alle teilen die Sorge. Matt Prusak, President der American Bitcoin Corp, hält dagegen: „Wirtschaftliche Machbarkeit erledigt die 51-Prozent-These“, sagte er ebenfalls gegenüber crypto.news, denn der Aufbau einer solchen Flotte dauere Jahre und würde lange vorher auffallen. In der Praxis wurde Bitcoin nie erfolgreich per Mehrheitsangriff kompromittiert, während kleinere Proof-of-Work-Ketten wie Ethereum Classic und Bitcoin Gold genau das erlebten. Je höher die Hashrate, desto höher die Mauer.
Doch dieses Budget hat eine tickende Uhr. Beim nächsten Halving 2028 fällt die Blockbelohnung auf 1,5625 BTC, während die Transaktionsgebühren zuletzt nur 0,43 Prozent der Miner-Erlöse ausmachten. Fred Thiel, CEO von MARA, warnte gegenüber CoinGeek: „Der Erlösübergang von der Blockbelohnung zu den Transaktionsgebühren hat nicht stattgefunden. Wenn Bitcoin nicht um 50 Prozent oder mehr pro Jahr wächst, wird die Rechnung nach 2028 sehr hart.“ Woher die Gebühren langfristig kommen könnten, ist offen: teils aus datenintensiven Anwendungen wie Runes und Ordinals, teils aus Zahlungsschichten, die auf Bitcoin aufsetzen und deren Bestand die Marktbereinigung der Bitcoin-L2s gerade erst geklärt hat.
Der deutsche Rahmen: BaFin, MiCA und der Standort
Für deutsche Leserinnen und Leser lohnt der Blick auf zwei Ebenen, die sich leicht vermischen. Auf der physischen Ebene wird in Deutschland kaum gemint, und der Grund ist schlicht der Strompreis: Industriekunden zahlen hier je nach Abnahme rund 19 Cent je Kilowattstunde, während wettbewerbsfähige Mining-Standorte in den USA unter 6 Cent liegen. Das globale Hashrate-Wachstum findet deshalb woanders statt, egal wie steil die Kurve ist.
Auf der regulatorischen Ebene ist wichtig, dass die Aufsicht die Maschinen gar nicht direkt betrifft. Die BaFin beaufsichtigt Krypto-Dienstleister wie Verwahrer und Handelsplätze, nicht das Mining selbst, das keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung ist, wie ihr Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen klarstellt. Auf EU-Ebene erfasst die MiCA-Verordnung ebenfalls die Dienstleister und Emittenten, nicht das Protokoll; welche laufenden Pflichten daraus erwachsen, hat HOGE Wire in der MiCA-Umsetzung 2026 aufgearbeitet. Und in den USA stellte die SEC bereits im März 2025 fest, dass Proof-of-Work-Mining kein Wertpapierangebot ist. Kurz: Die Wachstumsgeschichte der Hashrate ist global und industriell, doch die Regeln, die deutsche Anleger berühren, sitzen eine Ebene neben den Maschinen.
Häufige Fragen
Was ist Hashrate-Wachstum und warum steigt die Bitcoin-Hashrate überhaupt?
Hashrate-Wachstum bezeichnet die Zunahme der gesamten Rechenleistung, mit der Miner das Bitcoin-Netz absichern. Sie steigt, weil mehr Maschinen ans Netz gehen und weil neue ASIC-Generationen aus derselben Strommenge deutlich mehr Rechenleistung ziehen. Solange Mining profitabel ist, lohnt sich der Ausbau, und die Difficulty passt sich alle rund zwei Wochen nach oben an.
Wie hoch ist die Bitcoin-Hashrate im September 2026?
Anfang September 2026 lag die Hashrate im Bereich von rund 900 bis über 1.000 Exahash pro Sekunde, also nahe der Marke von einem Zettahash. Die Difficulty stieg am 6. September um 1,31 Prozent auf 127,45 Billionen, gut 18 Prozent unter dem Allzeithoch von rund 156 Billionen aus dem November 2025. Tagesangaben schwanken stark, weshalb der Sieben-Tage-Durchschnitt aussagekräftiger ist.
Warum ist die Hashrate 2026 zeitweise gefallen?
2026 fiel die Hashrate zum ersten Mal aus einem freiwilligen Grund: Betreiber lenkten Kapital und Strom in Rechenzentren für künstliche Intelligenz um, weil diese höhere und stabilere Erlöse versprechen. Anders als 2021 (China-Verbot) oder in den Bärenmärkten 2018 und 2022 war es also keine erzwungene und keine durch Verluste getriebene Delle. Übers Jahr ergab sich netto ein Rückgang der Difficulty von knapp 12 Prozent, bevor die Kurve im September wieder nach oben drehte.
Was bedeutet eine Zettahash pro Sekunde?
Ein Zettahash pro Sekunde entspricht einer Trilliarde Rechenversuchen pro Sekunde, also 10 hoch 21 Hashes. Das Netz erreichte diese Marke erstmals am 15. September 2025. Zum Vergleich: Satoshis erster Prozessor schaffte 2009 nur wenige Millionen Hashes pro Sekunde, die Rechenleistung ist seither um rund fünfzehn Größenordnungen gewachsen.
Macht mehr Hashrate Bitcoin sicherer?
Ja. Höhere Hashrate bedeutet, dass ein Angreifer mehr Rechenleistung aufbringen müsste, um die Mehrheit im Netz zu kontrollieren. Das jährliche Sicherheitsbudget liegt aktuell bei gut 13 Milliarden US-Dollar, und Schätzungen für einen Mehrheitsangriff reichen von rund 6 bis 8 Milliarden Dollar. Offen bleibt die langfristige Frage, ob die Transaktionsgebühren nach dem Halving 2028 einen ausreichenden Teil dieses Budgets tragen.
Von Marcus Okafor, Redaktion Mining und Staking, HOGE Wire.