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● Regulation & Policy

Krypto-ETFs 2026: Das Milliardengeschäft hinter dem Boom

Vor einem Jahr machte die SEC die Krypto-ETF-Zulassung zur Formsache. Seither zählt nicht die Genehmigung, sondern die Gebühr: wie IBIT zur Geldmaschine wurde und wer die Auslese nicht übersteht.

Am 17. September 2025 änderte die US-Börsenaufsicht SEC eine technische Listing-Vorschrift, über die außerhalb der Fondsbranche kaum jemand redete. Ein Jahr später ist aus dieser Fußnote ein Markt von fast 98 Milliarden US-Dollar geworden, den ein einziger Fonds beherrscht. Die entscheidende Frage lautet inzwischen nicht mehr, ob ein Krypto-ETF genehmigt wird. Sie lautet: Wer verdient daran, und wer übersteht die nächste Aussortierungswelle nicht?

Diese Verschiebung ist der eigentliche Kern der Geschichte von 2026. Solange die Zulassung selbst der Engpass war, drehte sich alles um Juristen, Gerichte und die Frage, ob die Behörde ein Produkt durchwinkt. Seit die Genehmigung zur Formsache geworden ist, hat sich der Wettbewerb nach hinten verlagert, in das Maschinenraum-Geschäft aus Gebühren, Vertriebskraft und Skaleneffekten. Bitcoin notiert an diesem 12. September bei rund 66.580 Euro (77.301 US-Dollar). Doch die spannendere Zahl steht nicht im Kurschart, sondern in der Bilanz der Anbieter.

Vom Torwächter zum Fließband: was am 17. September geschah

Bis Mitte 2025 musste jeder einzelne Krypto-ETF ein eigenes, quälend langsames Genehmigungsverfahren durchlaufen. Eine Börse reichte für jedes Produkt ein sogenanntes 19b-4-Formular ein, die SEC hatte bis zu 240 Tage Zeit, und am Ende stand oft eine Ablehnung. Am 17. September 2025 ersetzte die Behörde dieses Nadelöhr durch generische Listing-Standards für rohstoffbasierte Trust-Anteile. Erfüllt ein Krypto-Asset bestimmte objektive Kriterien, etwa einen ausreichend regulierten Terminmarkt oder eine belastbare Marktüberwachung, kann eine Börse den zugehörigen Spot-ETF ohne separates Einzelverfahren listen. Aus bis zu 240 Tagen wurden rund 75.

Kurz zuvor hatte die SEC zudem die Sachausgabe und Sachrücknahme (in-kind creation and redemption) für Krypto-ETPs erlaubt. Das klingt nach Buchhaltung, senkt aber Reibung und Steuerlast im Fondsbetrieb spürbar, weil autorisierte Teilnehmer Anteile direkt gegen Bitcoin tauschen können statt über den Umweg Bargeld. Beide Schritte zusammen verwandelten die Zulassung von einem Kampf in eine Checkliste. Bloomberg Intelligence rechnete daraufhin mit über hundert neuen Krypto-ETFs allein für 2026. Das Tor stand offen, und die Emittenten strömten hindurch.

Ein Jahr später: der Markt in Zahlen

Die nackten Zahlen zeigen, wie schnell aus einer Nische eine Anlageklasse wurde. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs halten laut bitbo zusammen rund 1,27 Millionen Bitcoin, das sind gut sechs Prozent aller jemals existierenden 21 Millionen Coins, mit einem Gesamtwert von etwa 98 Milliarden US-Dollar (rund 84 Milliarden Euro). Das übertrifft den Börsenwert der meisten DAX-Konzerne, aufgebaut in gut anderthalb Jahren. Und der Zustrom hält an: In starken Wochen fließen weiterhin Beträge im Bereich einer Milliarde Dollar in die Fonds, den Löwenanteil davon zieht IBIT auf sich.

Ein Blick auf die Verteilung macht das eigentliche Thema dieses Textes sofort sichtbar:

Fonds (Anbieter)Gehaltene BitcoinVermögen (US-Dollar)Anteil
IBIT (BlackRock)785.77160,7 Mrd.ca. 62 %
FBTC (Fidelity)176.29613,6 Mrd.ca. 14 %
GBTC (Grayscale)128.97710,0 Mrd.ca. 10 %
Grayscale Mini (BTC)62.8764,9 Mrd.ca. 5 %
BITB (Bitwise)38.3553,0 Mrd.ca. 3 %
ARKB (ARK 21Shares)34.7562,7 Mrd.ca. 3 %
Gesamt1.268.34198,0 Mrd.100 %
US-Spot-Bitcoin-ETFs nach Vermögen, Stand 12. September 2026. Quelle: bitbo.

Ein Fonds hält mehr Bitcoin als die nächsten fünf zusammen. Das ist keine Randnotiz, sondern die zentrale ökonomische Tatsache dieses Marktes. Wer verstehen will, wie das Geschäft 2026 funktioniert, muss nicht die Genehmigungspraxis studieren, sondern diese Machtkonzentration.

Warum die Zulassung nicht mehr das Problem ist

Wenn jede Börse jedes qualifizierte Produkt fast automatisch listen kann, verliert die Genehmigung ihren Wert als Wettbewerbsvorteil. Genau das ist 2026 passiert. James Seyffart von Bloomberg Intelligence zählt weit über hundert eingereichte Krypto-Fondsanträge und beschreibt das Vorgehen der Branche so, dass die Emittenten „eine Menge Produkte an die Wand werfen“, um zu sehen, was hängen bleibt. Wenn aber alle durch dasselbe offene Tor marschieren, entscheidet nicht mehr das Tor, sondern was dahinter passiert.

Der Wettbewerb hat sich damit von der Regulierung zur Betriebswirtschaft verschoben. Ein ETF ist am Ende ein industrielles Produkt: Er kostet Geld in Betrieb und Vertrieb und verdient Geld über eine jährliche Verwaltungsgebühr. Ob er überlebt, hängt an einer schlichten Rechnung, ob genug Kapital hereinkommt, um die Fixkosten zu decken und einen Gewinn abzuwerfen. Diese Rechnung, nicht die SEC, ist der neue Torwächter. Die folgenden Abschnitte drehen sich deshalb um das eine Wort, das den Markt 2026 regiert: Gebühren.

Das eigentliche Spiel heißt Gebühren

Weil ein Spot-Bitcoin-ETF bei jedem Anbieter denselben Basiswert hält, gibt es kaum Möglichkeiten zur Differenzierung außer beim Preis. Das Ergebnis ist ein Gebührenkrieg, wie ihn die Fondsbranche selten gesehen hat. Am unteren Ende unterbot ein Neueinsteiger von Morgan Stanley die Konkurrenz Anfang 2026 mit 0,14 Prozent und setzte die Gebühr für das erste eingesammelte Kapital zeitweise ganz aus, um Marktanteile schlicht zu kaufen. Am oberen Ende steht ein Relikt aus der Vor-ETF-Zeit mit 1,50 Prozent.

FondsAnbieterJährliche Gebühr
MSBTMorgan Stanley0,14 %
Grayscale Mini (BTC)Grayscale0,15 %
BITBBitwise0,20 %
ARKBARK 21Shares0,21 %
IBITBlackRock0,25 %
FBTCFidelity0,25 %
GBTCGrayscale1,50 %
Verwaltungsgebühren ausgewählter US-Spot-Bitcoin-ETFs, 2026. Quelle: U.S. News.

Der Abstand zwischen dem günstigsten und dem teuersten Produkt beträgt mehr als das Zehnfache. Und doch, das ist die erste Überraschung, gewinnt nicht der billigste Fonds. IBIT verlangt mit 0,25 Prozent das Doppelte bis Dreifache der Discounter und dominiert den Markt trotzdem. Der Preis ist wichtig, aber er ist nicht alles. Wer Krypto-Fonds wie eine reine Preisware behandelt, versteht das Geschäft nicht.

Die Rechnung eines Emittenten: ab wann sich ein ETF lohnt

Einen ETF aufzulegen ist nicht gratis. Der Anbieter zahlt für die Verwahrung des Bitcoin bei einem qualifizierten Custodian, für Market-Maker, die für Liquidität sorgen, für Wirtschaftsprüfer, Juristen, Listing-Gebühren der Börse und für den Vertrieb an Berater und Plattformen. Viele Häuser legen zudem Startkapital (Seed) ein, um den Fonds überhaupt handelbar zu machen. Diese Kosten fallen weitgehend unabhängig davon an, ob der Fonds 50 Millionen oder 50 Milliarden verwaltet.

Daraus folgt eine harte Schwelle. Bei einer Gebühr von 0,20 Prozent bringt eine Milliarde verwaltetes Vermögen zwei Millionen Dollar Bruttoertrag im Jahr; 100 Millionen Vermögen bringen nur 200.000 Dollar. Nach Abzug von Verwahrung, Vertrieb und Betrieb bleibt bei einem kleinen Fonds schnell nichts oder ein Minus. Branchenschätzungen für die kritische Größe, ab der ein Krypto-ETF trägt, liegen im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Wer diese Schwelle nicht erreicht, verbrennt Geld, egal wie elegant das Produkt ist.

Es ist dieselbe unerbittliche Konsolidierungslogik, die auch das Bitcoin-Mining prägt, wo Gebührenkrieg und Skalendruck ganze Pool-Geschäftsmodelle zusammenschmelzen lassen. In beiden Fällen gilt: Der Zugang ist billig geworden, das Überleben nicht. Nur wer früh Größe erreicht, entkommt der Kostenfalle.

IBIT: wie Bitcoin zu BlackRocks Geldmaschine wurde

Kein Produkt zeigt die Ökonomie dieses Marktes deutlicher als IBIT. BlackRocks Bitcoin-Fonds erreichte 70 Milliarden Dollar Vermögen in nur 341 Tagen, schneller als jeder ETF zuvor in der Geschichte. Ende 2025 warf IBIT nach Schätzungen rund 245 Millionen Dollar an jährlichen Gebühren ab und war damit, laut einem Manager des Hauses, zur umsatzstärksten Einzelquelle im gesamten BlackRock-Konzern geworden, einem Unternehmen mit über zehn Billionen Dollar verwaltetem Vermögen.

Cristiano Castro, bei BlackRock in Brasilien für Geschäftsentwicklung zuständig, nannte diese Dimension eine große Überraschung: „Als wir gestartet sind, waren wir optimistisch, aber mit dieser Größenordnung haben wir nicht gerechnet.“ Besonders pikant: IBIT verdient über Gebühren inzwischen mehr als mancher klassische Aktienindexfonds von BlackRock, obwohl dieser ein Vielfaches an Vermögen verwaltet, aber eben zu einer Gebühr von nur einem Bruchteil. Bitcoin ist teurer eingepreist, und das macht ihn für den Anbieter lukrativer als der breite Aktienmarkt selbst.

Das Gebühren-Paradox: warum GBTC schmilzt und trotzdem druckt

Das zweite kontraintuitive Kapitel gehört Grayscale. Der GBTC-Fonds, 2013 als geschlossener Trust gestartet und im Januar 2024 in einen ETF umgewandelt, behielt seine Altgebühr von 1,50 Prozent, das Sechs- bis Zehnfache der Konkurrenz. Seither verliert er kontinuierlich Anleger an billigere Produkte, sein Bitcoin-Bestand schrumpft Quartal für Quartal. Und trotzdem ist GBTC eine der profitabelsten Positionen im ganzen Markt.

Die Überschlagsrechnung erklärt, warum. GBTC verwaltet noch rund 10 Milliarden Dollar; 1,50 Prozent davon sind grob 150 Millionen Dollar Gebühren im Jahr. IBIT verwaltet mit gut 60 Milliarden das Sechsfache, kassiert bei 0,25 Prozent aber ebenfalls nur etwa 150 Millionen. Der schmelzende Altfonds verdient also ungefähr so viel wie der Marktführer, auf einem Sechstel des Bestands. Grayscale opfert bewusst Marktanteil für Marge und cremt die verbliebenen, trägen Anleger ab, während der Mini-Ableger mit 0,15 Prozent die preissensiblen Kunden auffängt. Schmelzen und drucken zugleich, das ist kein Widerspruch, sondern Strategie.

Der Winner-take-all-Effekt

Warum sammelt ausgerechnet der nicht-billigste Fonds die meisten Gelder ein? Weil ETFs ein Netzwerkgut sind. Wer früh Vermögen und Handelsvolumen aufbaut, bekommt die engsten Geld-Brief-Spannen, die tiefste Liquidität und den aktivsten Optionsmarkt. Große institutionelle Anleger und Vermögensverwalter wählen fast reflexhaft den größten, liquidesten Fonds, weil sie große Blöcke ohne Kursverschiebung handeln müssen. Das zieht weiteres Vermögen an, was die Liquidität weiter vertieft: ein sich selbst verstärkender Kreislauf.

Hinzu kommt der Vertrieb. BlackRock kann IBIT über ein weltweites Netz aus Beratern, Modellportfolios und Plattformen ausrollen, gegen das kleinere Häuser nicht anstinken können. Das Ergebnis ist eine Konzentration, wie man sie aus Suchmaschinen oder sozialen Netzwerken kennt: ein dominanter Anbieter, ein solider Zweiter (Fidelity), der langsam schmelzende Altbestand (Grayscale) und ein langer Schwanz kleiner Fonds, die um Krümel kämpfen. Für Anleger heißt das zweierlei: Der Marktführer ist meist die sicherste Wahl für Liquidität, aber die Gebührenmacht liegt am Ende beim Sieger, nicht beim Kunden.

Die Kehrseite: das große Aussortieren

Wenn Zulassung billig und Überleben teuer ist, folgt zwangsläufig ein Massensterben. Genau das läuft bereits. Der Anbieter Direxion schloss mit Wirkung zum 10. April 2026 auf einen Schlag zehn Fonds, darunter die gehebelten Krypto-Wetten LMBO und REKT, die schlicht zu wenig Kapital angezogen hatten. Insgesamt wurden allein bis Ende Juli 2026 nach Branchenzählungen über siebzig gehebelte und inverse Fonds abgewickelt, mehr als dreimal so viele wie im gesamten Vorjahr.

Eric Balchunas von Bloomberg Intelligence deutet diese Welle nicht als Krise, sondern als notwendige Marktbereinigung; kein Zeichen dafür, dass sich Anleger von der Anlageklasse abwenden, sondern die brutale Rückmeldung des Marktes, welche Produkte eine Existenzberechtigung haben. Seyffart erwartet, dass die Abwicklungen sich bis Ende 2026 und ins Jahr 2027 hinein häufen, mit den kleinen Einzel-Altcoin-Fonds als ersten Opfern. Warum die Zulassung selbst der leichte Teil war und wie diese Auslese im Detail abläuft, hat HOGE Wire in einer eigenen Analyse zu Boom und Auslese beschrieben.

Der lange Schwanz: Altcoins, Staking und die Nachfragefrage

Die generischen Standards öffneten das Tor nicht nur für Bitcoin und Ether, sondern für eine ganze Reihe von Altcoins. Spot-ETFs auf XRP und Solana gehören inzwischen zum Angebot, doch ihre Größenordnung zeigt, wie weit sie hinter dem Platzhirsch liegen. XRP-Fonds sammelten bis Anfang September kumuliert rund 1,68 Milliarden Dollar ein und verwalten etwa 1,5 Milliarden; die Solana-Produkte liegen mit gut 1,3 Milliarden kumuliertem Zufluss in ähnlicher Größe. Zum Vergleich: Das ist zusammen ungefähr so viel, wie IBIT in einer einzigen starken Woche einsammelt.

Hier zeigt sich die vielleicht wichtigste Lektion des Jahres: Zulassung ist nicht gleich Nachfrage. Ein genehmigter Fonds ohne Käufer ist wirtschaftlich totes Kapital. Manche der neueren Produkte, etwa Staking-ETFs, die Netzwerkrenditen an Anleger weiterreichen, oder Fonds auf kleinere Token, kämpfen genau mit diesem Nachfrageloch. Bei Bitcoin dagegen bleibt der strukturelle Sog bemerkenswert: In vielen Wochen sammeln die Fonds mehr Coins ein, als die Miner täglich neu erzeugen, gut 450 Bitcoin nach dem Halving von 2024. Diesen Nachfragesog haben die Altcoin-Produkte bislang nicht.

Die SEC bekommt zweite Gedanken

Die vielleicht größte Ironie: Kaum hatte die SEC die Schleusen geöffnet, begann sie, die Folgen zu hinterfragen. Am 30. Juni 2026 veröffentlichte die Behörde eine umfangreiche Konsultation zu neuartigen ETFs (File S7-2026-24) mit 27 Fragen, deren Kommentarfrist am 31. August 2026 endete. Es geht darum, ob Fonds, die keine klassischen Wertpapiere halten, überhaupt sauber unter das Investmentrecht von 1940 passen, ob die Arbitrage-Mechanik zuverlässig greift und ob die automatische Wirksamkeit von Anträgen verlangsamt werden sollte, um eine Flut von Nachahmerprodukten einzudämmen.

Das ist keine Rolle rückwärts, aber ein deutliches Innehalten. Unter dem Vorsitzenden Paul Atkins hatte sich die SEC betont innovationsfreundlich gegeben; nun ringt dieselbe Behörde damit, dass ein offenes Tor eben auch fragwürdige Produkte durchlässt. Für Emittenten bedeutet die Konsultation zusätzliche Unsicherheit an genau dem Punkt, an dem sie ohnehin um Rentabilität kämpfen. Ein formeller Regelvorschlag wird frühestens gegen Jahresende erwartet.

Was das für deutsche Anleger heißt: der ETN-Umweg

Bei all dem lohnt der nüchterne Hinweis: Die spektakulären US-Spot-ETFs sind für deutsche Privatanleger praktisch nicht direkt kaufbar. Das liegt am europäischen Fondsrecht. Ein UCITS-Fonds, der reguläre Rahmen für europäische Publikumsfonds, muss diversifiziert sein und darf nicht sein gesamtes Vermögen in einen einzigen Vermögenswert legen. Ein reiner Bitcoin-Fonds fällt damit durch das Raster. Europa geht deshalb einen Sonderweg über börsengehandelte Schuldverschreibungen, die ETPs beziehungsweise ETNs, die als besicherte Wertpapiere strukturiert sind und die UCITS-Diversifikationsregel umgehen.

Dieser Markt ist erwachsen. Anbieter wie 21Shares, CoinShares, WisdomTree, VanEck und Bitwise listen physisch besicherte Krypto-ETPs an der Deutschen Börse (Xetra), an Euronext und an der Schweizer SIX. 21Shares kommt auf Xetra nach eigenen Angaben auf einen Marktanteil von rund 26 Prozent; CoinShares zählt mit seinen physischen Produkten zu den größten europäischen Emittenten. Deutsche Anleger haben also längst Zugang zu Bitcoin, Ether und diversen Altcoins im Fondsmantel, nur eben in einer anderen Hülle als die Amerikaner.

MerkmalUS-Spot-ETFEuropäisches Krypto-ETP/ETN
RechtsformFonds (Trust)Besicherte Schuldverschreibung
Für deutsche Privatanleger kaufbarin der Regel neinja, über Xetra
Aufsicht (national)SEC (USA)BaFin unter MiCA
Typische HandelswährungUS-DollarEuro
Steuer (physisch, mit Auslieferungsanspruch)wie Fondsbislang wie Direktinvestment, Paragraf 23 EStG
Zugangswege im Vergleich. Ausgestaltung und Steuerfolgen hängen vom Einzelprodukt ab.

Reguliert werden Emittenten und Krypto-Dienstleister in Deutschland von der BaFin, die im Rahmen der EU-Verordnung MiCA nicht das Protokoll, sondern die Anbieter beaufsichtigt; ihr Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen umreißt den Rahmen. Wie aufwendig eine solche Zulassung ist, zeigt der Blick auf das CASP-Lizenzverfahren bei der BaFin. Steuerlich ist der ETN-Umweg für Deutsche sogar attraktiv: Physisch besicherte Krypto-ETPs mit Auslieferungsanspruch werden bislang wie ein Direktinvestment behandelt, es gilt die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 EStG, nach der Gewinne steuerfrei sind, statt der Abgeltungsteuer. Diese Privilegierung steht allerdings auf der Kippe: Das Bundeskabinett hat am 6. Juli 2026 mit dem Haushaltsentwurf 2027 die Absicht formuliert, die Haltefrist abzuschaffen; ein Referentenentwurf nennt den 31. Dezember 2026 als Stichtag, ab dem neue Käufe unter die Abgeltungsteuer fallen könnten. Beschlossen ist das noch nicht.

Ein Punkt bleibt unabhängig vom Steuerregime: Beim ETP wie beim US-Fonds verwahrt ein Dritter die Coins. Anleger tauschen die Mühen der Selbstverwahrung gegen ein Emittenten- und Verwahrrisiko ein, ein Kompromiss, dessen Kehrseite sich zeigt, wenn Infrastruktur bricht, wie der Fall des Liquid-Hacks über die Grenzen von Vertrauen in Erinnerung ruft. Der Fondsmantel nimmt die Schlüsselverwaltung ab, aber er beseitigt das Gegenparteirisiko nicht, er verlagert es nur.

Ausblick: reift der Markt oder frisst er sich selbst?

Das zweite Jahr des Fließbands wird weniger von neuen Genehmigungen geprägt sein als von Konsolidierung. Die Grundzüge stehen fest: ein dominanter Bitcoin-Fonds, ein solider Zweiter, ein margenstarker Altbestand, ein schrumpfender Schwanz aus Nischenprodukten und eine Aufsicht, die nachträglich Leitplanken einzieht. Für die großen Anbieter ist das ein glänzendes Geschäft; für Dutzende kleiner Emittenten ein Verlustbringer auf Zeit, den sie stillschweigend wieder schließen werden.

Für Anleger ist die Botschaft unspektakulär, aber wichtig: Die Zulassung eines Produkts sagt nichts über seine Qualität, seine Liquidität oder sein Fortbestehen aus. Was zählt, sind Gebühr, Größe, Handelbarkeit und, bei Altcoin-Fonds, ob überhaupt echte Nachfrage dahintersteht. Der Boom von 2025 hat den Zugang zu Krypto verändert; 2026 entscheidet, wer damit dauerhaft Geld verdient. Und das ist am Ende die ehrlichere Geschichte.

Häufig gestellte Fragen

Können deutsche Anleger US-Spot-Bitcoin-ETFs wie IBIT kaufen?

In der Regel nicht direkt. Wegen der europäischen UCITS-Vorschriften und fehlender PRIIPs-Basisinformationsblätter sind die US-Fonds für Privatanleger meist nicht handelbar. Der übliche Weg führt über physisch besicherte Krypto-ETPs oder ETNs von Anbietern wie 21Shares oder CoinShares, die an der Deutschen Börse (Xetra) in Euro notieren.

Warum ist IBIT trotz höherer Gebühr Marktführer?

ETFs sind ein Netzwerkgut. IBIT baute früh das größte Vermögen, die tiefste Liquidität und den aktivsten Optionsmarkt auf, dazu kommt BlackRocks globaler Vertrieb. Große Anleger wählen den liquidesten Fonds, um große Blöcke ohne Kursverschiebung zu handeln, was IBIT weiteres Kapital zuführt, selbst bei 0,25 Prozent Gebühr.

Wie viel verdienen Anbieter mit Krypto-ETFs?

Sehr unterschiedlich. IBIT warf Ende 2025 nach Schätzungen rund 245 Millionen Dollar Jahresgebühren ab und wurde zur umsatzstärksten Quelle bei BlackRock. Der teure Altfonds GBTC verdient auf einem Sechstel des Bestands ungefähr ähnlich viel, während viele kleine Fonds ihre Fixkosten nicht decken und geschlossen werden.

Sind Krypto-ETPs in Deutschland steuerlich vorteilhaft?

Physisch besicherte ETPs mit Auslieferungsanspruch werden bislang wie ein Direktinvestment behandelt, es gilt die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 EStG, nach der Gewinne steuerfrei sein können. Diese Regel könnte ab 2027 fallen: Das Bundeskabinett plant, die Haltefrist abzuschaffen, beschlossen ist das aber noch nicht.

Warum schließt die SEC Krypto-ETFs, obwohl sie die Zulassung erleichtert hat?

Die SEC schließt keine Fonds; das tun die Anbieter selbst, wenn ein Produkt zu wenig Kapital anzieht, um profitabel zu sein. 2026 wurden bereits über siebzig meist gehebelte Fonds abgewickelt. Parallel prüft die SEC mit einer Konsultation, ob für neuartige ETFs strengere Regeln nötig sind.

Von Anneke de Vries, Redakteurin für Regulierung und Kapitalmärkte bei HOGE Wire.

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