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● Mining & Staking

Ein Jahr nach der Zettahash: Bitcoins Hashrate stockt

Vor gut einem Jahr hielt Bitcoins Rechenleistung erstmals eine ganze Zettahash. Heute liegt sie darunter, zum ersten Mal ohne Verbot oder Crash, ausgerechnet am Tag der Fed-Zinserhöhung.

Vor gut einem Jahr, Anfang September 2025, hielt der Sieben-Tage-Durchschnitt von Bitcoins Rechenleistung zum ersten Mal eine volle Zettahash pro Sekunde, also 10 hoch 21 Hash-Versuche in jeder Sekunde. Kurze Momente oberhalb dieser Marke hatte es früher im Jahr schon gegeben, doch erst im September blieb der geglättete Wert oben, wie CoinDesk damals festhielt. Sechs Wochen darauf, am 19. Oktober 2025, erreichte das Netzwerk mit 1.162 EH/s seinen bis heute gültigen Rekord. Ein Jahr später fällt die Zwischenbilanz nüchtern aus: Die Hashrate liegt wieder darunter, bei rund 934 EH/s, und sie bewegt sich seit Monaten kaum vom Fleck.

Bemerkenswert ist nicht der Rückgang an sich, sondern seine Ursache. Zum ersten Mal in Bitcoins Geschichte stagniert die Rechenleistung, ohne dass ein Staat das Mining verboten oder ein Kurssturz die Branche reihenweise in die Insolvenz getrieben hätte. Es ist der erste freiwillige Stillstand. Die Megawatt, die das Wachstum bisher trugen, fließen zunehmend in ein konkurrierendes Geschäft: KI- und Hochleistungsrechenzentren, die für dieselbe Fläche und denselben Strom mehr zahlen als das Bitcoin-Mining.

Dass diese Bilanz ausgerechnet auf den 16. September 2026 fällt, ist ein Zufall mit Signalwirkung. Am selben Tag hat die US-Notenbank zum ersten Mal seit 2023 die Zinsen angehoben, um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, wie CNBC berichtet. Für eine Branche, die ihren KI-Umbau fast vollständig über Anleihen und Wandelschuldverschreibungen finanziert, sind die Kapitalkosten der eigentliche Hebel. Der Stillstand der Hashrate und der Zinsschritt der Fed erzählen dieselbe Geschichte aus zwei Richtungen: Bitcoins Sicherheitsmaschine wächst nur noch dann, wenn sich das Kapital dafür rechnet.

Dieser Text zieht die Jahresbilanz. Er erklärt, was Hashrate ist, wie die Kurve von einzelnen Laptops zur Zettahash kam, warum sie zum ersten Mal freiwillig stockt, und was der Thermostat der Difficulty, der Hashprice, die Chip-Effizienz, die Geografie des Minings und die Fed-Entscheidung damit zu tun haben.

Der Stand der Dinge in Zahlen

Bevor es in die Einordnung geht, ein Blick auf die harten Kennzahlen dieses Stichtags. Sie zeigen ein Netzwerk zwischen Rekord und Stillstand, mit einem Kurs deutlich unter dem Allzeithoch vom Oktober 2025.

KennzahlWert (16. September 2026)
Bitcoin-Kurs66.246 EUR / 75.151 USD (CoinGecko)
Marktkapitalisierungrund 1,52 Billionen USD
Netzwerk-Hashrate (7-Tage)rund 934 EH/s (stagniert)
Difficulty127,45 Billionen (seit 6. Sep, +1,31%)
Nächstes Retarget (um den 19. Sep)geschätzt über +4% (CoinWarz)
Difficulty-Rekordrund 156 Billionen (November 2025)
Hashrate-Rekord1.162 EH/s (19. Oktober 2025)
Hashprice39,63 USD/PH/Tag (rund 35 EUR), +22% im Monat
US-Leitzins3,75 bis 4,00% (seit 16. September)

Was Hashrate ist und warum sie überhaupt wächst

Hashrate ist die Summe aller Rechenversuche, die das Bitcoin-Netzwerk pro Sekunde unternimmt, um den nächsten Block zu finden. Beim Proof of Work raten Miner mit spezialisierten Chips (ASICs) so lange an einer Zahl (der Nonce), bis der SHA-256-Hash des Blockkopfs unter einem vom Protokoll vorgegebenen Zielwert liegt. Es gibt keine Abkürzung, es ist reines Ausprobieren in gewaltigem Tempo. Wer mehr Versuche pro Sekunde schafft, findet im Schnitt häufiger einen gültigen Block und verdient häufiger die Belohnung von derzeit 3,125 BTC.

Weil niemand jeden einzelnen Rechner zählen kann, ist die Hashrate keine gemessene, sondern eine geschätzte Größe. Man leitet sie aus zwei beobachtbaren Werten ab: der aktuellen Difficulty und der durchschnittlichen Zeit zwischen den Blöcken. Die Formel Hashrate ungefähr gleich Difficulty mal 2 hoch 32 geteilt durch 600 Sekunden liefert für eine Difficulty von 127,45 Billionen einen Wert um 912 EH/s, was gut zu den gemeldeten Zahlen passt. Genau deshalb streuen verschiedene Tracker: Sie mitteln über unterschiedliche Zeitfenster, und der geglättete Wert ist immer ein Näherungswert.

Die Einheiten wachsen in Tausenderschritten, und Bitcoin hat in siebzehn Jahren fast die gesamte Leiter erklommen. Die folgende Tabelle zeigt, wo eine Zettahash in dieser Größenordnung steht.

EinheitHashes pro SekundeEinordnung
Hash (H/s)1Startpunkt 2009 (CPU)
Kilohash (kH/s)1.000tausend
Megahash (MH/s)1.000.000Million
Gigahash (GH/s)1 Milliardeerste ASICs 2013
Terahash (TH/s)1 Billionein einzelner moderner Miner
Petahash (PH/s)1 BilliardeAbrechnungseinheit des Hashprice
Exahash (EH/s)1 Trillionheutige Netzwerkskala
Zettahash (ZH/s)1 Trilliardeseit 2025 in Reichweite

Von Kilohash zur Zettahash: siebzehn Jahre Wachstumskurve

Als Satoshi Nakamoto im Januar 2009 den ersten Block schürfte, lief Bitcoin auf einer normalen Prozessor-CPU und leistete einige Millionen Hashes pro Sekunde. Grafikkarten (ab 2010), dann FPGAs (2011) und schließlich der erste kommerzielle ASIC (Canaan Avalon, Januar 2013, rund 66 GH/s) hoben die Rechenleistung in immer neue Größenordnungen. Jeder Technologiesprung machte die vorherige Hardware über Nacht unrentabel.

Über die Jahre gerechnet ist das eine der steilsten Wachstumskurven der Technikgeschichte. Von den ersten CPUs 2009 bis zur Zettahash 2025 hat sich die Rechenleistung um mehr als das Billionenfache vervielfacht. Der Antrieb war nie ein einzelner: Höhere Kurse zogen Kapital an, Kapital kaufte Hardware, effizientere Chips senkten die Kosten je Terahash, und billiger Strom in immer neuen Weltregionen tat den Rest. 2026 ist das erste Jahr, in dem einer dieser Treiber, das Kapital, aktiv in eine andere Richtung zieht.

Der Sprung von einer Exahash (Anfang 2016) auf hundert Exahash dauerte fast genau vier Jahre; die Marke von 100 EH/s fiel am 4. Januar 2020. 500 EH/s im Sieben-Tage-Schnitt folgten im November 2023. Dann beschleunigte sich alles: Anfang September 2025 hielt die geglättete Hashrate erstmals eine ganze Zettahash, und am 19. Oktober 2025 stand der Rekord bei 1.162 EH/s. Am 17. Januar 2026 rutschte der Wert wieder unter die Zettahash-Marke, auf 988 EH/s im Sieben-Tage-Schnitt, rund 15 Prozent unter dem Oktober-Hoch, wie yellow.com dokumentierte.

DatumMeilenstein
Januar 2013erster kommerzieller ASIC (Canaan Avalon), rund 66 GH/s
Anfang 20161 EH/s erreicht
4. Januar 2020100 EH/s
22. November 2023500 EH/s (7-Tage-Schnitt)
Anfang September 2025erstmals 1 ZH/s im 7-Tage-Schnitt gehalten
19. Oktober 2025Rekord 1.162 EH/s
17. Januar 2026fällt unter 1 ZH/s (988 EH/s)
September 2026rund 934 EH/s, stagniert

Der erste freiwillige Stillstand der Geschichte

Bitcoins Hashrate ist schon dreimal deutlich gefallen, aber nie aus dem Grund, der sie 2026 bremst. Es lohnt sich, die drei Muster zu unterscheiden, weil sie ganz unterschiedliche Signale senden.

Der erste Typ ist die Kapitulation durch den Preis. 2018 fiel Bitcoin von rund 19.700 auf 3.200 Dollar, und mit den Kursen brachen die Margen weg; eine einzelne Difficulty-Anpassung im Dezember 2018 sackte um gut 15 Prozent ab, als unrentable Miner abschalteten. 2022 wiederholte sich das Muster (69.000 auf 15.500 Dollar), begleitet von den Insolvenzen von Compute North und Core Scientific. In beiden Fällen war der Auslöser derselbe: Der Kurs fiel unter die Produktionskosten, die schwächsten Betreiber gingen offline.

Der zweite Typ ist der Zwang. Im Mai und Juni 2021 verbot China das Mining; über die Hälfte der weltweiten Hashrate ging binnen Wochen offline, die größte Difficulty-Anpassung der Geschichte betrug am 3. Juli 2021 minus 28 Prozent. Die Rechenleistung verschwand nicht, weil sie sich nicht mehr rechnete, sondern weil ein Staat sie verbot. Innerhalb eines Jahres wanderte sie in die USA, nach Kasachstan und Russland ab.

2026 ist ein dritter, neuer Typ. Der erste Quartalsrückgang der Hashrate seit sechs Jahren fiel ins erste Quartal 2026, und CoinDesk nannte den Grund beim Namen: nicht ein Verbot, nicht ein Crash, sondern die Umleitung von Kapital, Strom und Standorten in KI- und HPC-Infrastruktur. Zum ersten Mal wandert Rechenleistung ab, weil ein anderes Geschäft mehr pro Megawatt zahlt. Die Miner sind nicht pleite, sie rechnen anders.

Warum die Kurve genau jetzt abflacht

Der Mechanismus dahinter ist einfache Betriebswirtschaft. Ein Megawatt, das an ein KI-Rechenzentrum vermietet wird, wirft nach Branchenschätzungen ein Vielfaches dessen ab, was dasselbe Megawatt im Bitcoin-Mining einbringt. Also verlagern die börsennotierten Miner, die den Großteil der industriellen Hashrate stellen, ihre Neuinvestitionen: Statt frische ASICs zu kaufen, verkabeln sie ihre Standorte für Grafikprozessoren.

James Butterfill, Forschungschef bei CoinShares, spricht von „einer der schwierigsten Phasen“ für die Miner und rechnet damit, dass einzelne börsennotierte Betreiber bis Jahresende bis zu 70 Prozent ihrer Erlöse aus KI beziehen, gegenüber rund 30 Prozent heute, wie news.bitcoin.com berichtet. Branchenweit summieren sich die angekündigten KI- und HPC-Verträge auf über 70 Milliarden Dollar.

Die Größenordnung dieses Umbaus ist beträchtlich: Diese Summe entspricht einem Vielfachen der jährlichen Mining-Einnahmen des gesamten Sektors. Für die Hashrate hat das eine paradoxe Folge. Dieselben Firmen, die die Rechenleistung jahrelang nach oben trieben, bremsen sie nun, weil ihr knappstes Gut, gesicherte Megawatt an guten Standorten, anderswo mehr wert ist. Ein oft zitiertes Rechenbeispiel aus der Branche bringt es auf den Punkt: Zehn Megawatt für KI-Grafikkarten können ungefähr so viel Umsatz bringen wie hundert Megawatt im Bitcoin-Mining.

Das Ergebnis ist ein Hashrate-Vakuum: Der Strom ist da, aber er treibt keine neuen Miner mehr an. Jamie Redman von Bitcoin.com News fasst den Befund so zusammen: „Die flache Hashrate deutet darauf hin, dass die Miner sich sehr vorsichtig weiterentwickeln und möglicherweise an Hardwaregrenzen stoßen.“ Der Wettbewerb um dieselben Megawatt ist real, und er kommt nicht nur von den großen Hyperscalern. Auch dezentrale Rechennetze und autonome KI-Systeme, wie sie verifizierbare Beweis-Netze und autonome KI-Agenten in Prognosemärkten nutzen, beanspruchen genau die Kapazitäten, die früher fast automatisch ins Mining geflossen wären.

Wer die Hashrate 2026 verstehen will, muss deshalb nicht mehr nur das Netzwerk als Ganzes betrachten, sondern die Bilanzen einzelner Firmen. Die Tabelle zeigt, wie unterschiedlich die größten Betreiber inzwischen aufgestellt sind, vom reinen Akkumulator bis zum halben Rechenzentrums-Konzern.

BetreiberHashrate (ca.)Strategie 2026
MARA Holdingsrund 70 EH/sStromziel 4,8 GW, noch kein großer KI-Ankermieter
Riot Platformsrund 44 EH/s191 MW über 20 Jahre an ein führendes KI-Labor vermietet (9,1 Mrd. USD)
CleanSparkrund 50 EH/szuletzt Pure-Play, jetzt im KI-Pivot
American Bitcoinrund 28 EH/sHut 8 plus Trump-Familie, reiner BTC-Akkumulator
HIVE Digitalrund 35 EH/s (Ziel)Wasserkraft in Paraguay (Yguazu)

Riot hat seinen 191-Megawatt-Vertrag offiziell nur an „eines der weltweit führenden KI-Labore“ vergeben; Medien wie CNBC und DataCenterDynamics berichten, dass es sich um Anthropic handelt. Diese Vorsicht bei der Zuschreibung ist typisch für die aktuelle Umbauphase, in der Verträge größer sind als die Firmen, die sie unterschreiben.

Die Difficulty, der Thermostat des Netzwerks

Damit die Hashrate nicht ins Chaos führt, hat Satoshi einen selbstregulierenden Thermostat eingebaut: die Mining-Difficulty. Alle 2.016 Blöcke, im Idealfall etwa alle zwei Wochen, passt das Protokoll den Zielwert so an, dass ein Block im Schnitt wieder zehn Minuten braucht. Kommen Miner hinzu und fallen die Blockzeiten unter zehn Minuten, steigt die Difficulty; schalten Miner ab, sinkt sie. Die Anpassung ist auf das Vierfache nach oben und ein Viertel nach unten begrenzt, ein Deckel, der in der Praxis nie erreicht wurde.

2026 war ein volatiles Thermostat-Jahr. Über das Jahr gab es acht Erhöhungen (zusammen plus 33,34 Prozent) und zehn Senkungen (zusammen minus 45,27 Prozent), unter dem Strich ein Rückgang von rund 12 Prozent gegenüber dem Jahresstart bei 146,47 Billionen. Vom Rekord bei knapp 156 Billionen im November 2025 liegt die Difficulty damit etwa 18 Prozent entfernt. Die folgende Tabelle zeigt die Anpassungen der zweiten Jahreshälfte.

DatumAnpassungDifficulty
14. Juni-10,09%124,93 Bio.
27. Juni+7,15%133,87 Bio.
11. Juli-5,00%127,17 Bio.
25. Juli-0,74%126,23 Bio.
8. August+0,99%127,48 Bio.
23. August-1,31%125,81 Bio.
6. September+1,31%127,45 Bio.
um den 19. Septembergeschätzt über +4%rund 133 Bio.

Entscheidend ist die jüngste Wende. Am 6. September stieg die Difficulty wieder um 1,31 Prozent auf 127,45 Billionen, die achte Erhöhung des Jahres. Für das nächste Retarget um den 19. September schätzt CoinWarz einen Sprung von über vier Prozent, den größten Aufwärtsschritt seit Monaten. Das ist der Thermostat, der sich umdreht: Der Kursanstieg vom August hat abgeschaltete Rigs zurück ans Netz geholt.

Nikolaos Panigirtzoglou von JPMorgan beschreibt die Rückkopplung so: „Wenn Bitcoin unter seinen Produktionskosten handelt, schalten teurere Miner ab, die Hashrate sinkt, und die Difficulty passt sich nach unten an.“ 2026 läuft dieser Satz zeitweise rückwärts: Der Preis steigt, die Rigs kommen zurück, die Difficulty zieht an. Ob daraus wieder echtes Wachstum wird, hängt weniger an der Technik als am Kurs, wie TFTC die JPMorgan-Analyse zusammenfasst.

Der Hashprice und die Margenfrage

Der Hashprice übersetzt Hashrate in Geld. Er misst, wie viel ein Petahash pro Sekunde an einem Tag einbringt, aus Blockbelohnung plus Gebühren. Mitte September lag er bei 39,63 Dollar pro PH/s und Tag (rund 35 Euro), ein Plus von gut 22 Prozent gegenüber dem Vormonatswert von 32,42 Dollar, wie Bitcoin.com News meldet. Diese Erholung erklärt, warum die Difficulty wieder steigt, obwohl die Hashrate flach bleibt: Höhere Erlöse machen selbst ältere Maschinen wieder rentabel.

Trotzdem ist die Marge dünn. CoinShares beziffert die durchschnittlichen Barkosten der börsennotierten Miner auf rund 79.995 Dollar je Bitcoin im vierten Quartal 2025 (etwa 70.500 Euro), und 15 bis 20 Prozent der weltweiten Flotte arbeiten an oder unter der Rentabilitätsschwelle. Bei einem BTC-Kurs von rund 66.200 Euro liegt der Marktpreis unter diesen Durchschnittskosten; nur die effizientesten Standorte verdienen zuverlässig.

Diese Hebelwirkung schneidet in beide Richtungen. Weil die Kosten eines Miners weitgehend fix sind (Hardware, Strom, Personal), während der Erlös mit dem Kurs schwankt, wirkt jede Kursbewegung verstärkt auf die Marge. Der Anstieg von rund 64.000 auf über 79.000 Dollar im August hob den Hashprice um gut ein Fünftel, die Gewinne der knapp rentablen Betreiber aber um ein Vielfaches. Genau diese Betreiber schalten ihre älteren Maschinen bei einem Kursanstieg zuerst wieder ein, was die Difficulty nach oben treibt und einen Teil des Gewinns sofort wieder abschöpft. Der Terminmarkt preist diese Rückkehr zur Mitte bereits ein: Die Sechs-Monats-Kontrakte auf den Hashprice notieren unter dem Kassapreis.

Genau deshalb ist die Rückkehr zum Wachstum inzwischen eine Wette auf den Preis. CoinShares hält 1,8 Zettahash bis Jahresende 2026 und 2 Zettahash bis Ende März 2027 für möglich, aber nur, wenn Bitcoin sich in Richtung 100.000 Dollar erholt. Unter 80.000 Dollar fällt der Hashprice, Miner schalten ab, die Hashrate sinkt weiter. Die Frage „Wächst die Rechenleistung wieder?“ ist damit zur Frage „Steigt der Kurs?“ geworden. Das ist neu: Früher wuchs die Hashrate fast unabhängig vom Preis, weil immer neues Kapital in Hardware floss.

Effizienz: der Motor, der auch im Stillstand läuft

Es gibt einen Motor, der auch im Stillstand weiterläuft: die Chip-Effizienz. Selbst wenn kein einziges neues Megawatt hinzukäme, würde die Hashrate steigen, sobald alte Maschinen durch effizientere ersetzt werden, denn neuere Chips liefern pro Watt deutlich mehr Rechenleistung. Das ist der strukturelle, vom Preis entkoppelte Teil des Wachstums.

Die Zahlen sind eindrücklich. Ein Antminer S9 von 2016 brauchte 98 Joule pro Terahash. Der S21 XP von 2024/25 kommt laut Bitmain auf 13,5 J/TH, und der 2026 ausgelieferte S23 Hydro unterschreitet mit rund 9,5 J/TH erstmals die Zehn-Joule-Marke. Das ist in einem Jahrzehnt etwa das Zehnfache an Effizienz. Der Wettlauf zwischen Bitmain und MicroBT treibt diese Kurve immer weiter.

Modell (Jahr)LeistungEffizienz
Antminer S9 (2016)13,5 TH/s98 J/TH
Antminer S19 XP (2022)140 TH/s21,5 J/TH
Antminer S21 XP (2024/25)270 TH/s13,5 J/TH
Antminer S23 Hydro (2026)rund 560 TH/s9,5 J/TH
MicroBT WhatsMiner M70 (2025)rund 215 TH/srund 14,5 J/TH

Wie viel Effizienz zählt, zeigt die Rentabilitätsschwelle. Beim aktuellen Hashprice liegt der Break-even-Strompreis für einen alten Antminer S19 XP bei nur rund 7 Cent je Kilowattstunde, für einen hocheffizienten S23 Hydro dagegen bei etwa 15 Cent. In Deutschland, wo der Industriestrom jenseits von 20 Cent je Kilowattstunde liegt, rechnet sich Mining ohnehin nur an Sonderstandorten; der Effizienzvorsprung entscheidet, welche Maschine überhaupt laufen darf. Effizienz verschiebt also nicht nur die Wachstumskurve, sie sortiert in jedem Zyklus die Flotte neu.

Dass die Hashrate trotz dieses Effizienzmotors flach bleibt, ist deshalb das eigentliche Signal: Es zeigt, dass die Betreiber derzeit kaum neue Chips kaufen. Das Kapital, das früher in die nächste ASIC-Generation floss, geht in GPU-Racks. Der Effizienzmotor läuft, aber es wird zu wenig frische Hardware nachgelegt, um ihn in Netzwerkwachstum zu übersetzen.

Wo die Rechenleistung physisch sitzt

Die abgeflachte Kurve verdeckt eine Umverteilung. Aggregiert stagniert die Hashrate, aber unter der Oberfläche wandert sie. Die jüngste belastbare Länderaufstellung, das Q2-Heatmap-Update von Hashrate Index, sieht die USA mit 37,4 Prozent klar vorn, gefolgt von Russland und China.

LandAnteilca. EH/s
USA37,4%rund 375
Russland16,9%rund 170
China12,0%rund 120
Paraguay4,3%rund 43
VAE3,0%rund 30
Oman3,0%rund 30
Kanada2,6%rund 26
Äthiopien2,5%rund 25
Kasachstan1,8%rund 18
Indonesien1,8%rund 18

Die Verteilung ist zugleich stabil an der Spitze und fragil am Rand. Iran verlor durch regionale Konflikte rund 7 EH/s in einem Quartal; Kasachstan, das nach dem China-Verbot 2021 kurzzeitig fast ein Fünftel der Weltrechenleistung hielt, ist nach Netzstress und Regulierung auf unter 2 Prozent gefallen. Solche Schocks vernichten Hashrate nicht, sie verschieben sie: Was in einer Region ausfällt, wird andernorts, meist in den USA oder am Golf, wieder aufgebaut. Die Ironie bleibt, dass China zwar kaum noch mint, aber über Bitmain, MicroBT und Canaan weiterhin die große Mehrheit aller ASICs baut.

Der KI-Umbau verstärkt diese Verschiebung noch. Standorte werden 2026 nicht mehr allein nach dem billigsten Strom ausgewählt, sondern danach, ob sie auch ein KI-Rechenzentrum tragen können: stabile Netzanbindung, Glasfaser, Wasserkühlung, Nähe zu Ballungsräumen. Das begünstigt die USA, Kanada und die Golfstaaten gegenüber Grenzstandorten wie Äthiopien oder Kasachstan, deren billiger Strom für empfindliche KI-Hardware oft zu unzuverlässig ist. Die Landkarte der Hashrate und die Landkarte der KI-Rechenzentren rücken damit zusammen.

Hashrate und Sicherheit: der Preis eines 51-Prozent-Angriffs

Warum ist Hashrate überhaupt so wichtig? Weil sie der Preis von Bitcoins Sicherheit ist. Wer die Kette umschreiben oder Coins doppelt ausgeben will, braucht die Mehrheit der Rechenleistung, einen 51-Prozent-Angriff. Je höher die Hashrate, desto teurer dieser Angriff. Ein Stillstand bei rund 934 EH/s ist deshalb kein Sicherheitsproblem: Das absolute Niveau bleibt gewaltig.

Das laufende Sicherheitsbudget, also der Wert der jährlich ausgeschütteten Blockbelohnungen, liegt bei rund 164.000 BTC pro Jahr, zu aktuellen Kursen gut 12 Milliarden Dollar (etwa 11 Milliarden Euro). Campbell Harvey von der Duke University hat die Angriffskosten modelliert: Ein einwöchiger Mehrheitsangriff koste in seiner ursprünglichen Rechnung rund 6 Milliarden Dollar (Hardware, Rechenzentren, Strom), etwa 0,26 Prozent des Netzwerkwerts, wie crypto.news berichtet. In einer aktualisierten Fassung beziffert er die Kosten auf „etwa 50 Basispunkte des Bitcoin-Werts“, rund 8 Milliarden Dollar, wenn man den Angriff mit einer großen Short-Position an Derivatemärkten kombiniert; „der Unterschied heute sind die Derivatemärkte“, so Harvey gegenüber news.bitcoin.com.

Matt Prusak, Präsident der American Bitcoin Corp, hält dagegen: „Die wirtschaftliche Machbarkeit erledigt die 51-Prozent-These.“ Ein Angreifer müsste über Jahre Hardware anhäufen, und Börsen würden verdächtige Aktivität einfrieren, bevor sich der Angriff auszahlt. Bitcoin selbst wurde nie erfolgreich mehrheitlich angegriffen, anders als kleinere Proof-of-Work-Ketten wie Ethereum Classic oder Bitcoin Gold. Wer tiefer einsteigen will, wie realistisch ein solcher Angriff über die Marktmacht der Mining-Pools wäre, findet dort die Details.

Auch das oft beschworene Schreckgespenst der Todesspirale bleibt Theorie. Die Idee, fallende Kurse zwängen Miner zum Abschalten, was Bitcoin unsicher mache und den Kurs weiter drücke, ignoriert den Thermostat: Schalten Miner ab, sinkt die Difficulty, und die verbliebenen Miner verdienen pro Maschine mehr, was das System stabilisiert. Genau das war 2018, 2022 und erneut Anfang 2026 zu beobachten. Der freiwillige Stillstand von 2026 ist deshalb kein Sicherheits-, sondern ein Wachstumsthema: Die Frage ist nicht, ob Bitcoin geschützt bleibt, sondern ob und wie schnell die Rechenleistung ihren nächsten Rekord ansteuert.

Der Fed-Tag und die Kapitalkosten des Wettrüstens

Und hier schließt sich der Kreis zum 16. September. Der KI-Umbau, der die Hashrate bremst, wird auf Pump finanziert: über Wandelanleihen, besicherte Kredite und Zwischenfinanzierungen. Riots 20-Jahres-Vertrag etwa stützt sich auf eine Zwischenfinanzierung von 573 Millionen Dollar von Morgan Stanley. Wenn die Kapitalkosten steigen, wird jedes dieser Projekte teurer.

Genau das ist an diesem Tag passiert. Die Fed hob den Leitzins zum ersten Mal seit 2023 an, um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent, einstimmig, und die Projektionen deuten auf weitere Schritte in diesem Jahr. Notenbankchef Kevin Warsh begründete den Schritt mit einer Inflation, die weiterhin zu hoch sei. Für die Miner ist das ein doppelter Gegenwind: Ihre langfristigen Mietverträge über KI-Kapazität verhalten sich wie lange Anleihen, deren Barwert bei steigenden Zinsen sinkt, und die Refinanzierung des Umbaus verteuert sich. Schon am 18. August fielen die großen Mining-Aktien, obwohl Bitcoin stieg, allein weil die Renditen zehnjähriger US-Anleihen anzogen.

Der Ausblick verschärft das Bild. Die aktualisierten Projektionen der Notenbank deuten an, dass eine Mehrheit der Mitglieder noch in diesem Jahr einen weiteren Zinsschritt für möglich hält. Für die Miner heißt das: Die Phase außergewöhnlich billigen Kapitals, die den KI-Umbau überhaupt erst finanzierbar machte, könnte sich umkehren. Wer seinen Rechenzentrums-Ausbau noch nicht durchfinanziert hat, muss ihn nun teurer refinanzieren, und das ausgerechnet in einer Phase dünner Mining-Erlöse.

Die Fed-Woche ist damit für Miner kein Nebenschauplatz. Sie fällt zusammen mit dem regulatorischen Stillstand nach dem Scheitern des CLARITY Act im Senat, den wir mit Blick auf die Krypto-ETF-Zulassungen an anderer Stelle eingeordnet haben. Kapitalkosten sind 2026 der neue Hashprice: Sie entscheiden mit, ob der freiwillige Stillstand der Hashrate in ein neues Kapitel des Wachstums übergeht oder sich verfestigt.

Nach 2028: Halving, Gebühren und das Sicherheitsbudget

Über all dem schwebt eine zweite Uhr: das Halving. Seit April 2024 beträgt die Blockbelohnung 3,125 BTC; um 2028 halbiert sie sich auf 1,5625 BTC. Das Sicherheitsbudget aus der Emission halbiert sich mit, es sei denn, der Kurs verdoppelt sich oder die Transaktionsgebühren tragen mehr. Derzeit machen Gebühren nur rund 0,43 Prozent der Blockbelohnung aus, ein sehr dünnes Polster für die Zeit, in der die Emission versiegt.

Fred Thiel, CEO von MARA, sieht die Branche vor einem Wendepunkt. Mining sei „ein Nullsummenspiel“: Je mehr Kapazität hinzukomme, desto schwerer werde es für alle anderen, und „der Boden ist deine Energiekosten“. Der von manchen erhoffte Übergang zu einer gebührengetragenen Sicherheit sei noch nicht eingetreten, und die Rechnung werde nach 2028 sehr schwierig ohne ein jährliches Kurswachstum von über 50 Prozent. Ob der freiwillige Stillstand von 2026 also nur eine Pause oder ein Vorbote struktureller Grenzen ist, entscheidet sich auch an dieser langfristigen Frage.

Was das für Anleger und die BaFin bedeutet

Für deutsche Anlegerinnen und Anleger ist eine Einordnung wichtig: Das Mining selbst ist keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung. Die BaFin und der EU-Rahmen MiCA regulieren Krypto-Dienstleister (Verwahrung, Handel, Vermittlung) und Emittenten, nicht das Proof-of-Work-Protokoll oder das Schürfen an sich, wie die BaFin in ihrem Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen klarstellt. In den USA hat die SEC im März 2025 festgehalten, dass Proof-of-Work-Mining, ob solo oder im Pool, kein Wertpapiergeschäft im Sinne des Howey-Tests ist, nachzulesen in der Stellungnahme der Corporation-Finance-Abteilung.

Das heißt aber nicht, dass die Hashrate für Anleger belanglos wäre. Das Engagement läuft über die Aktien der börsennotierten Miner und über Spot-Bitcoin-ETFs. Beide reagieren inzwischen so stark auf Zinsen und KI-Verträge wie auf den Bitcoin-Kurs selbst. Wer eine Mining-Aktie hält, hält 2026 zunehmend eine Wette auf Rechenzentrums-Bau und Kapitalkosten, nicht mehr nur auf das Schürfen von Coins. Das macht die scheinbar technische Frage nach der Hashrate zu einer sehr konkreten Portfolio-Frage.

Ausblick: drei Szenarien und die Signale, die zählen

Wie es weitergeht, hängt an einer einzigen Variable, dem Bitcoin-Kurs. Drei grobe Pfade zeichnen sich ab.

  • Erholung: Steigt Bitcoin in Richtung 100.000 Dollar, springt der Hashprice laut CoinShares auf rund 37 Dollar, stillgelegte Kapazität kehrt zurück, und die Kurve nimmt Kurs auf 1,8 Zettahash bis Jahresende.
  • Seitwärts: Bleibt der Kurs zwischen 70.000 und 90.000 Dollar, dürfte die Hashrate um die aktuellen 900 bis 950 EH/s pendeln, während Effizienzgewinne sie nur langsam nach oben schieben.
  • Kapitulation: Fällt Bitcoin nachhaltig unter 70.000 Dollar, drohen weitere Abschaltungen, und es wiederholt sich das klassische Muster einer preisgetriebenen Kapitulation, diesmal überlagert vom KI-Sog.

Auffällig ist, dass in allen drei Szenarien der Kurs die Hauptvariable ist, nicht die Technik. Der freiwillige Stillstand hat die Hashrate enger an den Bitcoin-Preis gekoppelt als je zuvor, und genau das ist die eigentliche Nachricht dieses Jahrestags.

Vier Größen zeigen in den kommenden Wochen, ob der Stillstand endet.

  • Die Difficulty-Retargets: Zwei oder drei kräftige Aufwärtsschritte hintereinander würden echtes, nicht nur zyklisches Wachstum bestätigen.
  • Der Hashprice: Bleibt er über 35 Dollar pro PH/s und Tag, kommen mehr abgeschaltete Rigs zurück ans Netz.
  • Der Bitcoin-Kurs relativ zur 100.000-Dollar-Schwelle aus dem CoinShares-Szenario, an der die Prognose von 1,8 Zettahash hängt.
  • Die KI-Mietverträge und die Zinsen: Jede weitere Fed-Erhöhung verteuert den Umbau, der die Megawatt bindet.

Ein Jahr nach der Zettahash steht Bitcoins Rechenleistung an einem ungewohnten Ort: nicht am Rekord und nicht am Boden, sondern in einer Warteschleife, die zum ersten Mal nicht von Verboten oder Crashs, sondern von einer nüchternen Kapitalrechnung diktiert wird. Der nächste Schub kommt erst, wenn sich diese Rechnung wieder für neue Maschinen entscheidet, und ob das geschieht, hängt 2026 so sehr am Zinssatz wie am Kurs.

Häufig gestellte Fragen

Warum sinkt die Bitcoin-Hashrate 2026?

Weil börsennotierte Miner Strom, Kapital und Standorte zunehmend in KI- und Hochleistungsrechenzentren umleiten, die pro Megawatt mehr einbringen als das Bitcoin-Mining. Es ist der erste bedeutende Rückgang der Hashrate, der weder auf ein staatliches Verbot noch auf einen Kurssturz zurückgeht, sondern auf eine betriebswirtschaftliche Entscheidung.

Was bedeutet eine Zettahash pro Sekunde?

Eine Zettahash pro Sekunde sind 10 hoch 21, also eine Trilliarde Hash-Versuche in jeder Sekunde. Bitcoins geglättete Hashrate hielt diese Marke erstmals Anfang September 2025 und erreichte am 19. Oktober 2025 mit 1.162 EH/s ihren Rekord, bevor sie Anfang 2026 wieder darunter fiel.

Ist Bitcoin bei stagnierender Hashrate weniger sicher?

Nur graduell. Das Sicherheitsbudget von rund 12 Milliarden Dollar pro Jahr und die immens hohe absolute Hashrate machen einen 51-Prozent-Angriff nach Schätzungen weiterhin milliardenschwer und praktisch kaum durchführbar. Bitcoin wurde nie erfolgreich mehrheitlich angegriffen, anders als kleinere Proof-of-Work-Ketten.

Wie hängen Hashrate und Difficulty zusammen?

Die Difficulty ist ein Thermostat, der alle 2.016 Blöcke (etwa alle zwei Wochen) so justiert, dass ein Block im Schnitt zehn Minuten braucht. Steigt die Hashrate, steigt die Difficulty; fällt sie, sinkt die Difficulty. Weil niemand jeden Miner zählt, wird die Hashrate aus Difficulty und Blockzeit geschätzt, nicht direkt gemessen.

Was hat die Fed-Zinserhöhung mit Bitcoin-Mining zu tun?

Der KI-Umbau der Miner ist weitgehend fremdfinanziert. Die Fed hob den Leitzins am 16. September 2026 zum ersten Mal seit 2023 auf 3,75 bis 4,00 Prozent an; höhere Kapitalkosten verteuern den Bau von Rechenzentren und drücken den Barwert langfristiger KI-Mietverträge. Damit entscheiden Zinsen 2026 mit darüber, ob die Hashrate wieder wächst.

Von Marcus Okafor, Redaktion Bitcoin und Mining bei HOGE Wire.

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