Bitmain gegen MicroBT: das ASIC-Duopol im Bitcoin-Mining 2026
Bitmain und MicroBT teilen den Weltmarkt für Bitcoin-Miner fast unter sich auf. Warum Effizienz unter 9 J/TH, Zölle und der KI-Pivot 2026 über die Margen entscheiden.
Als Bitmain Ende August 2026 zur World Digital Mining Summit ins Rosewood-Hotel nach Hongkong lud, stand die Botschaft schon im Motto: „Ride the Cycle. Hydro Prevails.“ Auf der Bühne zeigte der Hersteller mit dem Antminer S23 XP Hyd das erste Spitzenmodell, das die Marke von neun Joule pro Terahash unterbietet, laut Herstellerangaben mit 8,9 J/TH bei 600 TH/s (millionminer.com). Was nach einer technischen Randnotiz klingt, ist in Wahrheit ein Treffer im wichtigsten Zweikampf der Bitcoin-Industrie.
Denn fast die gesamte Rechenleistung, die das Bitcoin-Netz absichert, läuft auf Hardware von nur zwei Unternehmen: Bitmain aus Peking mit seiner Antminer-Reihe und MicroBT aus Shenzhen mit den Whatsminern. Ein Duopol, wie es kaum eine andere Branche kennt. Während der Bitcoin-Kurs Mitte September 2026 bei rund 67.000 Euro notiert, nach einem Plus von etwa 23 Prozent binnen eines Monats (CoinGecko), verdienen die Miner selbst so wenig wie selten. Der Hashprice, also der tägliche Erlös je Rechenleistung, liegt nahe 37 US-Dollar je Petahash und Tag, umgerechnet gut 32 Euro, bei einer Mining-Schwierigkeit nahe 127 Billionen (Startmining). In diesem Klima entscheidet nicht mehr die schiere Leistung, sondern jedes eingesparte Joule über Gewinn oder Verlust.
Dieser Text ordnet ein, wie aus einem Ingenieursstreit zwei Weltmarktführer und ein dritter Rivale wurden, wo Antminer und Whatsminer technisch und preislich stehen, warum Wasserkühlung 2026 den Takt vorgibt und was Zölle, Exportkontrollen und der Drang ins KI-Geschäft für das Duopol bedeuten. Und die vielleicht wichtigste Frage für Leser hierzulande: Lohnt sich das alles bei deutschen Strompreisen überhaupt noch?
Zwei Firmen, ein Netzwerk: das Duopol in Zahlen
Die Konzentration im Markt für Mining-Hardware ist extrem. Schätzungen zufolge stammen rund vier Fünftel der weltweit eingesetzten Bitcoin-Rechenleistung von Bitmains Antminern; MicroBT folgt als stärkster Herausforderer mit einem Anteil im niedrigen zweistelligen Prozentbereich, und zusammen mit dem Nasdaq-Konzern Canaan kontrollieren die drei größten Hersteller weit über neun Zehntel des Marktes (Forbes). In kaum einem anderen Hochtechnologiesektor teilen sich so wenige Anbieter so viel Nachfrage.
Solche Prozentzahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Ob man Anteile nach ausgelieferten Geräten, nach installierter Rechenleistung oder nach Umsatz misst, verschiebt das Bild erheblich, und weil niemand die tatsächliche globale Hashrate exakt kennt, bleibt jede Marktanteilsangabe eine Schätzung. Wir haben an anderer Stelle beschrieben, warum niemand die echte Hashrate-Zahl kennt und wie aus einer groben Schätzung schnell eine scheinbar exakte Kennzahl wird. Unstrittig bleibt der Kern: Zwei Unternehmen bestimmen, mit welcher Hardware das Bitcoin-Netz läuft.
Das ist mehr als eine Kuriosität. Wer die effizientesten Geräte baut, diktiert die Wirtschaftlichkeit einer ganzen Industrie, sitzt am längeren Hebel bei Lieferzeiten und Preisen und wird zu einem systemischen Faktor für ein Netz, das mit Dezentralisierung wirbt. Ein Produktionsstopp, ein Zolltarif oder eine Exportsperre bei einem dieser Hersteller schlägt sofort auf Tausende Betreiber durch. Die folgende Übersicht zeigt, wer die Akteure sind.
| Hersteller | Gegründet | Gründer | Sitz | Hardware / Pool | Geschätzter Anteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Bitmain | 2013 | Jihan Wu, Micree Zhan | Peking | Antminer / Antpool | rund 80 Prozent |
| MicroBT | 2016 | Yang Zuoxing | Shenzhen | Whatsminer | niedrig zweistellig |
| Bitdeer | 2018 (Spin-off) | Jihan Wu | Singapur | SEALMINER / eigene Farmen | wachsend, einstellig |
| Canaan | 2013 | Nangeng Zhang | Peking / Nasdaq | Avalon | wenige Prozent |
Vom Antminer zum Whatsminer: die Geschichte eines Bruchs
Die Rivalität der beiden Marktführer ist keine reine Geschäftskonkurrenz, sondern hat einen persönlichen Ursprung. Bitmain wurde 2013 in Peking von Jihan Wu und Micree (Ketuan) Zhan gegründet und stieg mit der Antminer-Reihe und dem zugehörigen Mining-Pool Antpool rasch zum dominierenden Hersteller auf. Zu den entscheidenden Köpfen im Chipdesign gehörte damals Yang Zuoxing, der als leitender Ingenieur die Entwicklung der einst legendären Modelle AntMiner S7 und S9 verantwortete.
Nach einem Streit über Firmenanteile verließ Yang Bitmain Mitte 2016 und gründete noch im selben Jahr in Shenzhen MicroBT, das mit der Whatsminer-Reihe binnen weniger Jahre zum ernsthaftesten Konkurrenten wurde. Bitmain sah darin Diebstahl geistigen Eigentums. Ein erster Patentstreit von 2017 wurde 2018 vom Pekinger IP-Gericht abgewiesen, das dabei sogar das zugrunde liegende Bitmain-Patent für ungültig erklärte. Es folgte eine weitere Eskalation.
Am 7. April 2021 verklagte Bitmain MicroBT und Gründer Yang erneut vor dem Pekinger IP-Gericht, diesmal wegen des Verrats von Geschäftsgeheimnissen rund um S7 und S9, mit einer Schadensersatzforderung von bis zu 99 Millionen Yuan, umgerechnet damals etwa 15 Millionen US-Dollar (The Block). Es lohnt, dieses Datum festzuhalten, denn im Netz kursieren falsche Angaben zu angeblich viel späteren Verfahren. Der eigentliche juristische Kern des Bruderzwists liegt in den Jahren 2017 bis 2021, nicht in der Gegenwart.
Die Machtprobe bei Bitmain und die Geburt eines dritten Rivalen
Während MicroBT von außen Druck machte, zerrieb sich Bitmain zwischenzeitlich selbst. Zwischen 2019 und 2021 tobte ein Machtkampf zwischen den beiden Gründern Wu und Zhan, der zeitweise sogar in einer handfesten Auseinandersetzung um Firmensiegel und Kontrolle gipfelte. Beigelegt wurde er erst Ende Januar 2021: Jihan Wu trat zurück, und Micree Zhan kaufte fast die Hälfte der Anteile von Wu und einer Gruppe von Gründungsaktionären für einen Wert von rund 600 Millionen US-Dollar zurück, wovon er 400 Millionen als Darlehen von Bitmain erhielt (CoinDesk).
Seither ist die Sache klar sortiert: Zhan kontrolliert Bitmain samt Antminer und Antpool, während Wu die abgespaltene Bitdeer übernahm, einen Betreiber eigener Mining-Farmen unter anderem in den USA und in Norwegen. Genau diese Aufteilung hat den Markt Jahre später verändert, denn Bitdeer begnügte sich nicht mit dem Betrieb von Rechenzentren. Das Unternehmen entwickelte eigene SEAL-Chips und die SEALMINER-Rigs und trat damit als dritter Hardware-Hersteller auf (CoinDesk).
Die Pointe ist bemerkenswert: Aus dem Zerwürfnis an Bitmains Spitze entstand nicht nur die Trennung von Antminer und Bitdeer, sondern auch ein neuer Wettbewerber, der ausgerechnet von einem entfremdeten Mitgründer geführt wird. Das Duopol bekam so aus dem eigenen Stammbaum heraus einen dritten Spieler.
Der Effizienzkrieg: warum jedes Joule zählt
Die zentrale Kennzahl im Wettbewerb der ASIC-Hersteller heißt Effizienz, gemessen in Joule pro Terahash (J/TH). Sie beschreibt, wie viel Strom ein Gerät für eine Einheit Rechenleistung verbraucht, und ist damit direkt mit den größten laufenden Kosten eines Miners verknüpft. Der Fortschritt ist gewaltig: Der erste kommerzielle Bitcoin-ASIC von 2013 verbrauchte grob 1.200 J/TH, moderne Spitzengeräte liegen bei unter zehn. Mit dem S23 XP Hyd und seinen 8,9 J/TH ist erstmals ein Flaggschiff unter der symbolischen Schwelle von neun.
Warum das gerade jetzt so wichtig ist, hat mit dem Zeitpunkt zu tun. Früher fielen große Effizienzsprünge oft in Bärenmärkte und verschafften Minern vor dem nächsten Halving einen Vorsprung. Diesmal kam der Sprung mitten in eine Phase, in der der Kurs zwar hoch steht, die Margen aber gedrückt sind. Das Analyseteam von TheMinerMag ordnete den S23-Start bei CoinDesk so ein: Der Launch signalisiere „eine neue Ära, in der Effizienzgewinne dem Überleben in gedrückten Margen dienen, nicht mehr dem reinen Wachstum“ (CoinDesk).
Die folgende Tabelle stellt die Aushängeschilder der drei Hersteller gegenüber. Es handelt sich um Nennwerte laut Hersteller, die je nach Firmware, Charge und Betriebsmodus abweichen können.
| Modell | Hersteller | Hashrate | Effizienz | Kühlung | Richtpreis |
|---|---|---|---|---|---|
| Antminer S23 XP Hyd | Bitmain | 600 TH/s | 8,9 J/TH | Hydro | ~25,5 $/TH (rund 13.200 €) |
| Antminer S23 Hydro | Bitmain | 580 TH/s | 9,5 J/TH | Hydro | rund 11.000 bis 13.000 € |
| Whatsminer M70S | MicroBT | 250 TH/s | 13,5 J/TH | Luft | 18,80 $/TH (rund 4.060 €) |
| Whatsminer M79S | MicroBT | 930 TH/s | 13,5 J/TH | Hydro | ~25 bis 30 $/TH |
| SEALMINER A3 Pro Hydro | Bitdeer | 660 TH/s | 12,5 J/TH | Hydro | Bitdeer-Direktvertrieb |
Antminer S23: Bitmains Vorstoß unter 9 J/TH
Die S23-Reihe stellte Bitmain im Mai 2025 auf der World Digital Mining Summit in Las Vegas vor, die Auslieferung begann im ersten Quartal 2026. Die Hydro-Variante bringt 580 TH/s bei rund 9,5 J/TH, unmittelbar nach der Vorstellung war noch von 9,7 J/TH die Rede. Für Rechenzentren mit ausreichend Stromanschluss gibt es die 3U-Version mit 1.160 TH/s in einem einzigen Gehäuse, dazu eine luftgekühlte Ausführung mit etwa 318 TH/s bei rund 11 J/TH. Gegenüber der Vorgängergeneration S21 bedeutet das über 40 Prozent mehr Effizienz (Hashrate Index).
In Hongkong legte Bitmain 2026 nach. Der S23 XP Hyd schiebt die Effizienz mit 8,9 J/TH bei 600 TH/s erstmals unter neun, die Auslieferung ist für November 2026 angekündigt. Daneben zeigte der Hersteller den S23e U2H, der 865 TH/s bei rund 10 J/TH in ein gängiges 2U-Serverchassis presst, die höchste Einzelgeräte-Hashrate im Antminer-Programm (millionminer.com). Bitmains Strategie ist damit klar: technische Führung an der Spitze, koste es, was es wolle.
Der Preis ist allerdings zu einem Politikum geworden. Colin Harper, Chefredakteur von Blockspace Media, schrieb bei Forbes, gedrückte Margen nach dem Halving von 2024 und höhere Importkosten durch die Zölle der Trump-Regierung hätten „a seller’s market into a buyer’s market“ verwandelt, also einen Verkäufer- in einen Käufermarkt (Forbes). Bitmain reagierte mit Ratenzahlungen, um die Nachfrage in einem schwachen Markt anzukurbeln. Der einstige Diktierer von Preisen muss heute um Kunden werben.
Whatsminer M70: MicroBTs Wette auf Zuverlässigkeit
MicroBT verfolgt einen anderen Ansatz. Die M70-Reihe stellte das Unternehmen am 8. Dezember 2025 auf der Bitcoin MENA in Abu Dhabi vor (Hashrate Index). Das Einstiegsmodell M70 leistet zwischen 214 und 236 TH/s bei 14,5 J/TH, der stärker verbreitete M70S liegt bei rund 250 TH/s und 13,5 J/TH, während der luftgekühlte M70S+ mit etwa 244 TH/s auf 12,5 J/TH kommt. Das hydrogekühlte Spitzenmodell M79S schafft rund 930 TH/s. Gegenüber der Vorgängergeneration, dem M60S mit 184 TH/s bei 18,5 J/TH, ist das ein deutlicher Schritt.
Bei der reinen Effizienz an der Spitze bleibt MicroBT rund zwei bis drei Joule hinter Bitmain zurück. Dafür punktet der Hersteller mit anderen Argumenten: Robustheit, Wartbarkeit und ein niedrigerer Anschaffungspreis. Kaan Farahani, Research Associate bei Luxor, beschrieb den M70S in seiner Testauswertung für den Hashrate Index als „ein Modell, das für den industriellen Einsatz optimiert ist, wo Betriebszeit, Wartbarkeit, Ausfallraten und stabiles Strommanagement am wichtigsten sind“ (Hashrate Index).
Der Preis untermauert die Positionierung. Laut derselben Analyse kostet der M70S rund 4.700 US-Dollar je Gerät oder 18,80 US-Dollar je Terahash, umgerechnet gut 4.000 Euro (Hashrate Index). Wer eine große Farm mit vielen tausend Geräten betreibt, für den zählen Ausfallquote und Servicefreundlichkeit oft mehr als die letzten Zehntel bei J/TH. Genau diese Betreiber sind MicroBTs stärkste Kundschaft, vor allem in Nordamerika.
Bitdeer und Canaan: die Herausforderer am Rand des Duopols
Am Rand des Zweikampfs drängen zwei weitere Anbieter nach vorn. Bitdeer, geführt von Bitmain-Mitgründer Jihan Wu, hat seine SEALMINER-Reihe stark ausgebaut. Die A3-Pro-Modelle erreichen bis zu 290 TH/s bei 12,5 J/TH, die hydrogekühlte A3 Pro Hydro sogar 660 TH/s bei ebenfalls 12,5 J/TH. Damit rückt Bitdeer effizienztechnisch nahe an MicroBT heran und untermauert den Anspruch mit eigener Rechenkapazität: Die selbst betriebene SEALMINER-Flotte überschritt 65 Exahash pro Sekunde, zudem hat das Unternehmen mit dem SEAL-DL1 einen Chip für das Dogecoin-Mining vorgestellt (Blockspace).
Canaan, der älteste der vier Hersteller und an der Nasdaq notiert, hält mit seiner Avalon-Reihe nur noch wenige Prozent Marktanteil, arbeitet aber ebenfalls an moderneren Geräten und an Testproduktion in den USA. Zusammen verschieben Bitdeer und Canaan die Machtverhältnisse zwar nur langsam, aber der Trend zeigt in eine Richtung: Das reine Duopol weicht auf, weil der Effizienzabstand kleiner wird und die Käufer im heutigen Markt Alternativen suchen.
Für Betreiber ist das eine gute Nachricht. Mehr Wettbewerb bedeutet mehr Verhandlungsmacht, günstigere Preise und ein geringeres Klumpenrisiko, wenn ein einzelner Hersteller ins Stocken gerät. Für Bitmain und MicroBT heißt es dagegen, dass die fetten Margen der Vergangenheit unter Druck bleiben.
Hydro gegen Luft: warum Wasserkühlung 2026 den Ton angibt
Das Motto der WDMS 2026, „Hydro Prevails“, ist Programm. Die effizientesten und leistungsstärksten Geräte der neuen Generation sind durchweg wassergekühlt. Der Grund liegt in der Physik: Je mehr Rechenleistung ein Chip auf engem Raum liefert, desto mehr Wärme entsteht, und Luft kann diese Wärme irgendwann nicht mehr schnell genug abführen. Ein geschlossener Wasserkreislauf transportiert sie deutlich effektiver, erlaubt höhere Taktraten und eine dichtere Bauweise, wie sie der S23 XP Hyd oder der M79S zeigen.
Wasserkühlung hat allerdings ihren Preis. Sie verlangt eine passende Infrastruktur mit Kühlkreisläufen, Wärmetauschern und oft baulichen Anpassungen, was sich erst ab einer gewissen Größe rechnet. Ein positiver Nebeneffekt rückt dabei zunehmend in den Fokus: Die abgeführte Wärme lässt sich weiterverwenden, etwa zum Heizen von Gebäuden oder für industrielle Prozesse. Bitmain warb für den neuen Hydro-Antminer ausdrücklich mit Wärmerückgewinnung.
Luftgekühlte Geräte wie der Whatsminer M70S sind damit nicht überflüssig. Sie bleiben die praktikablere Wahl für kleinere Standorte, für Nachrüstungen in bestehenden Hallen und überall dort, wo die Investition in eine Wasserinfrastruktur nicht lohnt. Der Markt teilt sich also zunehmend: Hydro für die industrielle Spitze, Luft für die Breite.
Was ein Miner kostet: Anschaffung, Strom und der Break-even
Die Rechnung eines Miners hat zwei große Posten: die Anschaffung und den Strom. Bei der Anschaffung reicht die Spanne von gut 4.000 Euro für einen luftgekühlten Whatsminer M70S bis zu etwa 13.000 Euro für ein hydrogekühltes Bitmain-Flaggschiff. Weit wichtiger für die laufende Wirtschaftlichkeit ist aber der Strompreis, und hier kommt die Effizienz ins Spiel. Vereinfacht gilt: Der maximal tragbare Strompreis ergibt sich aus dem Hashprice geteilt durch das Produkt aus 24 und der Effizienz in J/TH.
Bei einem Hashprice um 37 US-Dollar je Petahash und Tag ergeben sich die folgenden groben Schwellen. Sie sind illustrativ und berücksichtigen weder Abschreibung noch Pool-Gebühren, Kühlung oder sonstigen Overhead; sie verschieben sich zudem mit jeder Bewegung von Bitcoin-Kurs und Schwierigkeit, weshalb der Zusammenhang zwischen Zinsentscheid, Kurs und Marge einen eigenen Blick verdient, den wir im Beitrag Hashprice trifft die Fed genauer beleuchtet haben.
| Effizienz | Break-even ($/kWh) | Break-even (€/kWh) | Beispielgerät |
|---|---|---|---|
| 8,9 J/TH | ~0,17 | ~0,15 | Antminer S23 XP Hyd |
| 9,5 J/TH | ~0,16 | ~0,14 | Antminer S23 Hydro |
| 12,5 J/TH | ~0,12 | ~0,11 | SEALMINER A3 Pro |
| 13,5 J/TH | ~0,11 | ~0,10 | Whatsminer M70S |
| 18,5 J/TH | ~0,08 | ~0,07 | Whatsminer M60S (Vorgänger) |
Die Tabelle erklärt, warum der Sprung unter zehn J/TH so wertvoll ist. Ein Gerät mit 8,9 J/TH bleibt bis zu einem Strompreis von rund 15 Cent je Kilowattstunde im Plus, ein altes 18,5-J/TH-Gerät kippt schon bei etwa sieben Cent in die Verlustzone. In einem Umfeld, in dem viele Betreiber bei einem Hashprice unter 35 Dollar über das Abschalten nachdenken, ist Effizienz kein Luxus, sondern Überlebensvoraussetzung.
Zölle, TSMC und das Entity-List-Risiko
So sehr sich Bitmain und MicroBT bekämpfen, in einem Punkt sitzen sie im selben Boot: Beide lassen ihre Chips beim taiwanischen Auftragsfertiger TSMC produzieren. Diese Abhängigkeit von einem einzigen Fertigungspartner ist die vielleicht größte gemeinsame Schwachstelle der Branche. Zugleich hat die US-Handelspolitik die Lieferketten durcheinandergewirbelt. Nach dem Regierungswechsel begannen die Hersteller, der Zolllast auszuweichen: Bitmain nahm im Dezember 2024 eine erste Fertigungslinie in den USA in Betrieb, Canaan startete Testproduktion, und die Geräte selbst werden teils über Südostasien, etwa Malaysia, in die USA verschifft (Blockspace).
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung zu beachten: Endmontage ist nicht gleich Chipfertigung. Auch wenn eine Maschine in den USA zusammengebaut wird, stammen die Chips weiterhin aus Asien, und viele Metallteile bleiben zollpflichtig. Ein Werbeversprechen von zollfreien, in den USA gefertigten Rigs beschreibt daher meist nur den letzten Schritt der Kette, nicht deren Herz.
Wie dünn das Eis ist, zeigte der Fall Sophgo. Der Bitmain nahestehende Chipentwickler wurde im Januar 2025 auf die Entity List des US-Handelsministeriums gesetzt, nachdem ein bei TSMC gefertigter Chip, der einem Sophgo-Design entsprach, in einem Huawei-KI-Prozessor vom Typ Ascend 910B aufgetaucht war; Sophgo bestritt jede Verbindung zu Huawei (DataCenterDynamics). Antminer sind davon nicht direkt betroffen, doch der Vorgang zeigt, wie exponiert Bitmains Ambitionen jenseits des reinen Mining gegenüber Exportkontrollen sind.
Der KI-Pivot: wenn aus Minern Rechenzentren werden
Der Fall Sophgo verweist auf einen größeren Trend. Die Nähe zwischen Bitcoin-Mining und dem Betrieb von KI-Rechenzentren ist enger, als es zunächst scheint: Beide brauchen viel Fläche, viel Strom, ausgefeilte Kühlung und den Zugang zu modernster Chipfertigung. Bitmain hat früh signalisiert, auch Hardware und Lösungen für KI-Anwendungen anbieten zu wollen, und viele börsennotierte Miner in den USA verpachten ihre Standorte inzwischen ganz oder teilweise an Betreiber von KI-Infrastruktur.
Für die Hersteller ist das zweischneidig. Einerseits eröffnet der KI-Boom neue Absatzmärkte und rechtfertigt Investitionen in fortgeschrittene Chips. Andererseits konkurrieren sie damit um dieselbe knappe Fertigungskapazität bei TSMC und geraten stärker ins Visier der Exportkontrollen. Wie sich verifizierbare Rechenleistung und KI-Clouds technisch verzahnen, haben wir im Beitrag Verifiable Compute 2026 ausführlicher betrachtet.
Auf der Betreiberseite verschwimmen die Grenzen ebenfalls. Große, an der Börse gelistete Miner werden zunehmend als Energie- und Rechenzentrumsunternehmen bewertet, nicht mehr nur als Bitcoin-Produzenten, ein Wandel, der sich auch in der Anlegerlandschaft rund um die Krypto-ETFs spiegelt. Für Bitmain, MicroBT und Bitdeer bedeutet das: Der Kunde von morgen kauft womöglich nicht mehr nur Hashrate, sondern Infrastruktur für zwei Geschäftsmodelle zugleich.
Was das ASIC-Duopol für europäische und deutsche Miner bedeutet
Für Leser in Deutschland ist die nüchterne Wahrheit: Beim Bitcoin-Mining zählt der Standort, und Deutschland ist beim Strompreis kein guter Standort. Die Break-even-Tabelle oben macht das anschaulich. Bei Haushalts- und vielen Gewerbetarifen, die deutlich über zehn Cent je Kilowattstunde liegen, bleibt selbst ein hocheffizientes Neugerät bestenfalls knapp profitabel, ältere Hardware rutscht klar ins Minus. Wirtschaftlich lohnend ist Mining vor allem dort, wo Strom billig ist oder wo sich Überschussenergie, etwa aus abgeregelter Wind- und Solarproduktion, sonst gar nicht verwerten ließe.
Hinzu kommt der makroökonomische Rahmen. Mit einer für die kommende Woche erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank und einem festen Dollar bleibt das Umfeld für risikoreiche Anlagen und damit für den Bitcoin-Kurs angespannt, was direkt auf den Hashprice und die Margen der Miner durchschlägt. Wer in Europa investiert, kalkuliert also mit zwei Unbekannten zugleich: dem Kurs und dem heimischen Strompreis.
Regulatorisch ist die Lage klarer, als viele denken. Das Schürfen von Bitcoin ist in Deutschland selbst keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung. Die BaFin und der EU-Rahmen MiCAR beaufsichtigen Dienstleister wie Handelsplätze und Verwahrer, nicht das Mining-Protokoll oder die Hardware; das zeigt das BaFin-Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen (bafin.de). Wo die Grenze zwischen unregulierten und regulierten Krypto-Aktivitäten verläuft, haben wir am Beispiel von Gaming-Token in MiCA und NFTs 2026 nachgezeichnet. Für private Miner bleiben in der Praxis vor allem steuerliche und gewerberechtliche Fragen relevant.
Ausblick: ein Duopol unter Druck
Das ASIC-Duopol steht 2026 stabiler und zugleich verwundbarer da als je zuvor. Stabil, weil Bitmain und MicroBT die entscheidende Technologie kontrollieren und die Effizienz mit jedem Zyklus weiter verbessern. Verwundbar, weil gleich mehrere Kräfte gleichzeitig zerren: Bitdeer schließt technisch auf, Zölle und Exportkontrollen erhöhen die Kosten und die politischen Risiken, der KI-Wettlauf bindet knappe Fertigungskapazität, und die gedrückten Margen der Kunden haben aus dem einstigen Verkäufer- einen Käufermarkt gemacht.
Physik setzt der Effizienzjagd zudem allmählich Grenzen. Der Weg von 1.200 auf unter neun J/TH war spektakulär, doch jedes weitere Zehntel wird teurer erkämpft. Die nächste Front verschiebt sich daher von der reinen Chipleistung hin zu Kühlung, Wärmerückgewinnung, Fertigungsstandort und der Frage, ob dieselbe Infrastruktur auch KI-Lasten tragen kann. Wer diese Kombination am besten beherrscht, gewinnt die kommende Runde.
Für Betreiber und Beobachter lohnt es sich, drei Signale im Auge zu behalten: die Auslieferung des S23 XP Hyd ab November, das Tempo, mit dem Bitdeer und Canaan Marktanteile gewinnen, und die weitere Entwicklung von Zöllen und Exportregeln. Sie werden mehr über die Wirtschaftlichkeit des Bitcoin-Mining aussagen als jede einzelne Kursbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Wer dominiert den Markt für Bitcoin-Miner, Bitmain oder MicroBT?
Bitmain ist klar führend: Schätzungen zufolge stammen rund vier Fünftel der weltweit eingesetzten Bitcoin-Rechenleistung von Antminer-Geräten. MicroBT gilt mit einem Anteil im niedrigen zweistelligen Prozentbereich als stärkster Herausforderer, gefolgt von Canaan und dem Aufsteiger Bitdeer. Zusammen kontrollieren die drei größten Hersteller weit über 90 Prozent des Marktes.
Was ist effizienter, der Antminer S23 oder der Whatsminer M70?
Beim Stromverbrauch je Terahash liegt Bitmain vorn. Der Antminer S23 Hydro erreicht etwa 9,5 J/TH, der bei der WDMS 2026 gezeigte S23 XP Hyd sogar 8,9 J/TH, während der luftgekühlte Whatsminer M70S bei rund 13,5 J/TH liegt. MicroBT setzt dafür stärker auf Zuverlässigkeit, Wartbarkeit und einen niedrigeren Anschaffungspreis je Terahash.
Wie viel kostet ein moderner Bitcoin-Miner 2026?
Die Spanne ist groß. Ein luftgekühlter Whatsminer M70S kostet rund 4.700 US-Dollar, also gut 4.000 Euro; ein hydrogekühltes Spitzengerät wie der Antminer S23 Hydro liegt je nach Charge zwischen etwa 11.000 und 13.000 Euro. Gerechnet wird meist im Preis je Terahash, der aktuell grob zwischen 13 und 30 US-Dollar liegt.
Ist Bitcoin-Mining in Deutschland 2026 noch profitabel?
Für Privatpersonen kaum. Bei einem Hashprice um 37 US-Dollar je Petahash und Tag bleibt selbst ein hocheffizienter Miner mit 9,5 J/TH nur bis zu einem Strompreis von etwa 14 Cent je Kilowattstunde im Plus, und deutsche Tarife liegen oft darüber. Profitabel ist Mining vor allem dort, wo Strom deutlich billiger ist oder Überschussenergie genutzt wird.
Warum sind fast alle Bitcoin-Miner-Hersteller chinesisch?
Bitmain, MicroBT, Canaan und Bitdeer stammen alle aus China, weil dort früh das Know-how für ASIC-Chipdesign, die Nähe zu Auftragsfertigern und günstige Produktion zusammenkamen. Die Chips selbst fertigt der taiwanische Konzern TSMC. Zölle und Exportkontrollen zwingen die Hersteller inzwischen, die Endmontage in die USA oder nach Südostasien zu verlagern.
Von Lena Brandt, Redakteurin für Mining und Energie bei HOGE Wire.