Bitmain vs. MicroBT: die Abschreibungsfalle der ASICs
Der Antminer S23 und der SEALMINER A4 gewinnen nicht nur den Effizienzkrieg, sie werten jede ältere Maschine ab. Warum 2026 bei Bitmain und MicroBT der Restwert zählt, nicht das Datenblatt.
Als Bitmain im Frühjahr 2026 den Antminer S23 in Serie brachte und Bitdeer im April den SEALMINER A4 auslieferte, drehte sich fast jede Schlagzeile um eine einzige Kennziffer: unter zehn Joule pro Terahash. Der folgenreichste Effekt dieser Maschinen zeigte sich jedoch nicht auf ihrem Datenblatt, sondern in der Bilanz der Anlagen, die längst in den Rechenzentren liefen. Jeder Effizienzsprung schreibt den Bestand still ab, und genau das macht den Kauf eines ASIC zu einer der heikelsten Kapitalentscheidungen im gesamten Bitcoin-Sektor.
Der klassische Vergleich zwischen Bitmain und MicroBT fragt, welche Maschine schneller rechnet oder weniger Strom zieht. Im Jahr 2026, mit dünnen Margen und einem Netzwerk jenseits von einem Zettahash pro Sekunde, lautet die wichtigere Frage für jeden, der echtes Geld einsetzt, anders: Wessen Hardware verliert langsamer an Wert? Ein ASIC ist kein langlebiges Wirtschaftsgut wie eine Werkzeugmaschine, sondern ein Abschreibungsobjekt auf einer Tretmühle, deren Tempo nicht die Miner bestimmen, sondern die Chiphersteller in Taiwan.
Zur Einordnung die aktuellen Zahlen: Bitcoin notiert bei rund 74.000 Euro (CoinGecko), der Hashprice hat sich von den Tiefs des ersten Quartals erholt und liegt wieder bei etwa 40 US-Dollar pro PH/s und Tag (news.bitcoin.com), und die Mining-Schwierigkeit steht bei 132,76 Billionen (CoinWarz). Vor diesem Hintergrund betrachtet dieser Beitrag Bitmain, MicroBT und den dritten Herausforderer Bitdeer nicht über Taktraten, sondern über Restwert, Abschreibung, den Zweitmarkt und die Silizium-Lieferkette, die den Takt vorgibt.
Warum ein ASIC das am schnellsten alternde Asset im Krypto-Sektor ist
Ein ASIC (Application-Specific Integrated Circuit) kann genau eine Sache: den SHA-256-Algorithmus berechnen, mit dem Bitcoin gesichert wird. Anders als eine Grafikkarte, die einen zweiten Frühling im Gaming oder in einem KI-Cluster erleben kann, hat ein Bitcoin-Miner nur einen einzigen Abnehmerkreis, nämlich andere Miner, und die rechnen alle mit derselben Formel. Fällt die Maschine aus dem Rennen, gibt es keinen Ausweichmarkt.
Der Wertverfall folgt keiner sauberen Linie wie bei einem Auto, das pro Jahr einen festen Prozentsatz verliert. Er verläuft in Stufen und wird von zwei Auslösern getrieben. Der erste ist jede neue Hardware-Generation: Sobald effizientere Maschinen ans Netz gehen, steigt die Netzwerk-Rechenleistung, die Schwierigkeit zieht nach, und der Ertrag pro Terahash sinkt für alle. Der zweite ist der Bitcoin-Kurs, der über den Hashprice unmittelbar auf die Tageserlöse durchschlägt. Beide zusammen entscheiden, wann eine Maschine ihre Stromkosten nicht mehr einspielt.
Fred Thiel, CEO des börsennotierten Miners MARA, hat diese Logik in einem Satz zusammengefasst. Mining sei „ein Nullsummenspiel; je mehr Kapazität hinzukommt, desto schwerer wird es für alle anderen. Die Margen schrumpfen, und der Boden sind deine Energiekosten“, sagte er gegenüber CoinGeek. Für den Restwert einer Maschine heißt das: Sie ist nur so lange etwas wert, wie sie oberhalb dieses Bodens arbeitet. Rückt der Boden näher, schmilzt der Wert wie ein Eiswürfel in der Sonne.
Drei Namen, drei Geschäftsmodelle: Bitmain, MicroBT und Bitdeer
Um die Wertfrage zu verstehen, hilft ein kurzer Blick auf die drei Akteure, denn ihre Geschäftsmodelle unterscheiden sich stärker als ihre Datenblätter. Bitmain, 2013 in Peking von Jihan Wu und Micree (Ketuan) Zhan gegründet, dominiert den Markt mit der Antminer-Reihe und betreibt mit Antpool zugleich einen der größten Mining-Pools. Bitmain verkauft also Maschinen und schürft selbst.
MicroBT entstand 2016 in Shenzhen, gegründet von Yang Zuoxing, der bei Bitmain die Chip-Entwicklung der frühen Antminer S7 und S9 verantwortet hatte und das Unternehmen nach einem Streit über Beteiligungen verließ. Seine Whatsminer-Reihe ist der glaubwürdigste Herausforderer geblieben, besonders in Nordamerika, wo Betreiber die Verarbeitungsqualität schätzen. Der Konflikt eskalierte juristisch: Bitmain reichte im April 2021 vor dem Pekinger IP-Gericht eine Klage wegen Verletzung von Geschäftsgeheimnissen ein (Streitwert bis zu 99 Millionen Yuan), nicht, wie gelegentlich kolportiert wird, erst 2025.
Der dritte Name schließt den Kreis. Als sich der Machtkampf zwischen Wu und Zhan 2021 auflöste, kaufte Zhan die Anteile der Wu-nahen Gründungsaktionäre zurück und behielt Bitmain samt Antminer und Antpool; Wu erhielt die Mining-Sparte, aus der Bitdeer wurde, heute an der Nasdaq unter dem Kürzel BTDR gelistet. Bitdeer entwickelt mittlerweile mit der SEAL-Chipfamilie eigene ASICs und ist zugleich ein großer Selbst-Miner. Der Bruch bei Bitmain hat damit ausgerechnet den Rivalen hervorgebracht, der 2026 den Effizienzthron angreift.
Marktanteile ordnen das ein. Bitmain hält rund vier Fünftel des ASIC-Marktes, MicroBT liegt im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich, Canaan bei wenigen Prozent; zusammen kommen die drei chinesischstämmigen Hersteller auf über 95 Prozent (D-Central). Für den Käufer bedeutet diese Konzentration zweierlei: wenig Wettbewerbsdruck auf die Preise und die unbequeme Tatsache, dass der Hersteller im Fall von Bitmain und Bitdeer zugleich Konkurrent um denselben Block-Reward ist.
| Unternehmen | Gegründet | Kopf 2026 | Produktlinie | Marktanteil (ca.) | Geschäftsmodell |
|---|---|---|---|---|---|
| Bitmain | 2013, Peking | Micree Zhan | Antminer und Antpool | rund vier Fünftel | Verkauf und Eigen-Mining |
| MicroBT | 2016, Shenzhen | Yang Zuoxing | Whatsminer | etwa 15 Prozent | überwiegend Verkauf |
| Bitdeer | 2021 (aus Bitmain) | Jihan Wu | SEALMINER (SEAL-Chips) | Herausforderer | Verkauf und großes Eigen-Mining |
Sub-10 J/TH: der Sprung, der Bestandsflotten über Nacht entwertet
Der Effizienz-Grenzwert 2026 liegt knapp unter zehn Joule pro Terahash. Bitmains Antminer S23 Hydro erreicht 9,5 J/TH bei 580 TH/s und war die erste Serienmaschine unterhalb der Zehn-Joule-Marke; gegenüber der Vorgängergeneration S21 bringt der S23 rund 69 Prozent mehr Rechenleistung bei etwa 41 Prozent besserer Effizienz, wie Colin Harper bei Forbes zum Marktstart beschrieb.
Bitdeer zog nach. Der SEALMINER A4 Ultra Hydro, seit dem 7. April 2026 im Verkauf, liefert 886 TH/s bei 9,45 J/TH (im Hochleistungsmodus bis zu 1.000 TH/s) und unterbietet damit den S23 knapp, wie das Unternehmen in seiner Mitteilung angab. MicroBT bleibt bei der Spitzeneffizienz etwas zurück: Der luftgekühlte Whatsminer M70S arbeitet bei rund 13,5 J/TH und 250 TH/s, die besten Hydro-Varianten der M7x-Reihe liegen etwas darunter, und das Petahash-nahe Modell M79S liefert rund 930 TH/s bei ebenfalls 13,5 J/TH.
Entscheidend ist der Nebeneffekt. Jede dieser Maschinen, die ans Netz geht, hebt die Netzwerk-Rechenleistung und mit ihr die Schwierigkeit, die Ende September bei 132,76 Billionen lag und deren nächste Anpassung Anfang Oktober erwartet wurde. Steigende Schwierigkeit senkt den Hashprice pro Terahash, und das drückt den Break-even-Strompreis jeder älteren Maschine nach unten. Der Abstand ist gewaltig: Eine Maschine der neuesten Generation verdient unter identischen Netzwerkbedingungen ein Vielfaches dessen, was ein alter, luftgekühlter S19 XP noch erwirtschaftet. Wer eine Vorgängergeneration besitzt, sieht ihren Ertrag mit jedem ausgelieferten S23 oder A4 schrumpfen.
| Modell | Hersteller | Hashrate | Effizienz (J/TH) | Kühlung | Marktstart |
|---|---|---|---|---|---|
| Antminer S23 Hydro | Bitmain | 580 TH/s | 9,5 | Hydro | 2026 (Serie) |
| SEALMINER A4 Ultra Hydro | Bitdeer | 886 TH/s | 9,45 | Hydro | April 2026 |
| SEALMINER A4 Pro Air | Bitdeer | 336 TH/s | 10,9 | Luft | April 2026 |
| Whatsminer M79S | MicroBT | rund 930 TH/s | 13,5 | Hydro | 2026 |
| Whatsminer M70S | MicroBT | rund 250 TH/s | 13,5 | Luft | Dezember 2025 |
| Antminer S21 XP (Vorgängergen.) | Bitmain | 270 TH/s | 13,5 | Luft/Hydro | 2024 |
Die Abschreibungskurve: was ein Miner über sein Leben wirklich kostet
Wer nur auf den Anschaffungspreis schaut, unterschätzt die eigentliche Rechnung. Der Branchenmaßstab ist der Preis pro Terahash, und der sagt viel über die Abschreibung. Laut dem ASIC-Preisindex von The Block sind effiziente Maschinen (unter 19 J/TH) 2026 auf rund 15 US-Dollar pro Terahash gefallen, ein Minus von etwa 23 Prozent gegenüber den 19,49 Dollar vom Januar 2024. Ältere Maschinen jenseits von 30 J/TH notieren nahe dem Schrottwert.
Konkret wird das an einer real durchgerechneten Flotte. Der Hashrate-Index-Test des Whatsminer M70S von Kaan Farahani modelliert 4.000 Einheiten mit rund 1 EH/s Rechenleistung, einer Anfangsinvestition von etwa 18,8 Millionen US-Dollar (also rund 18,80 Dollar pro Terahash) und einer Amortisation in 23 bis 30 Monaten (Hashrate Index). Farahani hebt dabei die Betriebsstabilität und Flottenzuverlässigkeit hervor, zwei Eigenschaften, die weniger auf dem Datenblatt stehen, aber über die tatsächliche Lebensdauer entscheiden.
Börsennotierte Miner schreiben ihre Geräte in der Regel linear über zwei bis vier Jahre ab, doch die wirtschaftliche Nutzungsdauer ist kürzer und unregelmäßiger als die bilanzielle. Eine Maschine kann buchhalterisch noch Wert tragen, während sie am Markt längst unter ihre Stromkosten gerutscht ist. Genau diese Lücke zwischen Bilanzwert und Marktwert ist die Abschreibungsfalle: Sie öffnet sich schlagartig, wenn eine neue Generation erscheint oder der Kurs einbricht, und sie trifft weniger effiziente Geräte zuerst.
| Effizienzklasse | Beispielmodell | Effizienz (J/TH) | Preis (ca., USD/TH) | Zweitmarkt | Rentable Restlaufzeit |
|---|---|---|---|---|---|
| Neueste Generation (Hydro) | Antminer S23 / SEALMINER A4 | 9,45-9,5 | Aufpreis, über Index | Neuware, lange Lieferzeit | am längsten |
| Aktuelle Generation | Whatsminer M70S | 13,5 | rund 19 | breit, liquide | mehrere Jahre |
| Effizient (Indexschnitt) | diverse Modelle | unter 19 | rund 15 | liquide | Jahre, bei günstigem Strom |
| Mittelalt | S19-Klasse | 21-30 | einstellig | Käufermarkt | Monate, nur bei billigem Strom |
| Alt | ältere Modelle | über 30 | Schrottnähe | kaum Nachfrage | meist unrentabel |
Der Zweitmarkt: wie Antminer und Whatsminer ihren Wert halten
Der Restwert einer Maschine hängt entscheidend davon ab, wie leicht sie sich weiterverkaufen oder umziehen lässt. Hier spielt Bitmain seine Größe aus: Die enorme installierte Basis an Antminern bedeutet den tiefsten Zweitmarkt, mehr Käufer, standardisierte Ersatzteile und schnellere Wiederverwertung. Die Kehrseite ist, dass genau dieser Markt am schnellsten überschwemmt wird, wenn eine neue Generation erscheint und Betreiber ihre alten Geräte gleichzeitig abstoßen.
MicroBT verfolgt eine andere Wertstrategie. Whatsminer haben sich in großen nordamerikanischen Flotten einen Ruf für Robustheit und gleichmäßige Leistung erarbeitet, was ihren Wiederverkaufswert in Hosting-Umgebungen stützt, in denen Ausfallzeiten teurer sind als ein paar Joule mehr. Colin Harper von Blockspace Media beschreibt die Marktlage insgesamt als Wechsel: Bitmain habe „historisch die Oberhand bei den Preisverhandlungen gehabt“, doch die nach dem Halving 2024 zusammengedrückten Margen und die Importzölle hätten „einen Verkäufermarkt in einen Käufermarkt verwandelt“ (Forbes).
Ein oft übersehener Faktor ist die Firmware. Wie lange ein Hersteller Updates liefert und wie flexibel sich eine Maschine unter- oder übertakten lässt, entscheidet über ihr zweites Leben an günstigerem Strom. Drittanbieter-Firmware wie LuxOS oder Braiins kann die Nutzungsdauer verlängern, indem sie das Effizienzprofil an schwankende Strompreise anpasst. Wer gebraucht kauft, kauft jedoch immer auch die Abschreibung des Vorbesitzers mit, plus eine kürzere Restlaufzeit; das rechnet sich nur bei sehr billigem Strom und kurzem Anlagehorizont.
Break-even und die Klippe: ab wann eine Maschine nur noch Strom frisst
Die harte Grenze im Mining ist der Break-even-Strompreis, also der Punkt, an dem die Tageserlöse gerade die Stromrechnung decken. Er lässt sich einfach schätzen: Break-even in Dollar pro Kilowattstunde entspricht dem Hashprice geteilt durch das Produkt aus 24 und der Effizienz in Joule pro Terahash. Bei einem Hashprice von rund 40 Dollar ergibt das für eine 9,5-J/TH-Maschine etwa 0,15 Euro, für 13,5 J/TH rund 0,11 Euro und für ein altes 30-J/TH-Gerät nur noch etwa 0,05 Euro pro Kilowattstunde (umgerechnet bei einem Wechselkurs von rund 1,14 Dollar je Euro).
| Effizienz (J/TH) | Break-even-Strompreis (EUR/kWh, ca.) | Einordnung |
|---|---|---|
| 9,5 | 0,15 | Neueste Generation, größter Puffer |
| 12,5 | 0,12 | Bestes Hydro-Modell der M7x-Reihe |
| 13,5 | 0,11 | Aktuelle Luftkühlung (M70S) |
| 18,5 | 0,08 | Auslaufende Generation |
| 21,5 | 0,07 | Alt, nur mit Industriestrom |
| 30 | 0,05 | Nahe Schrottwert |
Für deutsche Verhältnisse ist das ernüchternd. Haushaltsstrom liegt oft bei 30 Cent und mehr je Kilowattstunde, also weit über dem Break-even selbst der effizientesten Maschine. Rentabel wird Mining hierzulande nur mit Industrie- oder Direktlieferverträgen deutlich unter zehn Cent, mit abgeregeltem Überschussstrom aus Wind und Solar oder über die Wärmerückgewinnung, bei der die Abwärme Gewächshäuser, Schwimmbäder oder Nahwärmenetze speist.
Diese Klippe ist der eigentliche Motor der Stufen-Abschreibung. Solange eine Maschine oberhalb ihres Break-even arbeitet, hat sie einen Marktwert; fällt sie darunter, kollabiert er in Richtung Schrott- oder Umzugswert. Thiels Beobachtung, dass am Ende die Energiekosten der Boden sind, ist deshalb keine Binsenweisheit, sondern die Formel, nach der jeder Restwert berechnet wird. Wer über der Kostenkurve bleibt, überlebt jede Marktbereinigung; wer darunter rutscht, verkauft in einen Markt voller anderer Verkäufer.
Der wahre Taktgeber: TSMC, die 3-Nanometer-Knappheit und der KI-Hunger
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis für die Wertfrage ist, dass weder Bitmain noch MicroBT noch Bitdeer ihre eigenen Chips fertigen. Alle drei sind fabless: Sie entwerfen ASICs und lassen sie bei Auftragsfertigern produzieren, allen voran bei TSMC in Taiwan, teils bei Samsung. Das Tempo, mit dem die Effizienz von Generation zu Generation steigt, hängt damit an der Verfügbarkeit modernster Fertigungsknoten, und um genau die konkurrieren die Miner mit einem sehr viel zahlungskräftigeren Kunden.
Der KI-Boom hat die Prioritäten in den Fabriken verschoben. TSMCs 3-Nanometer-Kapazität soll bis Ende 2026 auf rund 180.000 Wafer pro Monat steigen, ein Plus von über 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben von der KI-Nachfrage (TrendForce). Die 3-nm- und die neuen 2-nm-Linien sind bis Jahresende ausgebucht, ein einzelner Großkunde soll rund 60 Prozent der Zuteilung halten, und die Lieferzeiten haben sich auf über 50 Wochen gedehnt. Diese Konkurrenz um Wafer ist derselbe Sog, der den Bedarf an beweisbarer KI-Rechenleistung antreibt und der auch die Rechenzentren der Miner selbst umbaut.
Für den ASIC-Käufer hat das zwei Folgen. Erstens bleiben die Preise für neue Maschinen strukturell hoch, weil die Hersteller teure Fertigungskapazität teuer bezahlen müssen. Zweitens werden die Effizienzsprünge kleiner: Der Weg von 13,5 auf 9,5 J/TH nutzte den Wechsel auf modernere Knoten, doch jeder weitere Schritt unter neun Joule wird schwieriger und kostspieliger, weil die Physik der Transistoren an Grenzen stößt. Paradoxerweise könnte gerade das den Restwert heutiger Sub-10-Maschinen stützen: Wenn die Tretmühle langsamer läuft, altern die aktuellen Spitzenmodelle langsamer.
Wenn der Hersteller selbst schürft: der Interessenkonflikt
Ein Faktor, den Datenblätter nie zeigen, ist die Doppelrolle der Hersteller. Bitmain betreibt mit Antpool einen der größten Mining-Pools und schürft für eigene Rechnung; Bitdeer ist einer der größten Selbst-Miner überhaupt und testet neue SEAL-Chips zuerst in der eigenen Flotte. MicroBT tritt dagegen stärker als reiner Ausrüster auf. Diese Unterschiede sind für den Käufer nicht akademisch.
Wenn der Lieferant zugleich Konkurrent um denselben Block-Reward ist, wird das Timing zur Wertfrage. Die Branche diskutiert seit Jahren, ob Hersteller die effizientesten Maschinen zunächst selbst einsetzen und erst die vorherige Generation breit verkaufen. Für den externen Käufer bedeutet schon ein Vorsprung von wenigen Monaten beim Zugang zur neuesten Generation einen messbaren Unterschied bei Ertrag und Wiederverkaufsfenster, denn er startet die Abschreibungsuhr später oder früher als der Hersteller selbst.
Deshalb achten professionelle Betreiber nicht nur auf Spezifikationen, sondern auf Liefertermine, Chargengrößen und darauf, ob ein Hersteller seine eigene Kapazität ausbaut, während er verkauft. Ein reiner Ausrüster wie MicroBT hat hier einen Vertrauensvorteil, den man gegen Bitmains technologische Spitze und Bitdeers Effizienzrekord abwägen muss. Wer über Restwerte nachdenkt, kauft nicht nur eine Maschine, sondern auch die Anreizstruktur ihres Herstellers mit.
Zölle, Sophgo und das Entity-List-Risiko als Restwert-Faktor
Geopolitik schlägt direkt auf den Restwert durch, weil sie bestimmt, wo eine Maschine legal und günstig weiterbetrieben werden kann. Seit August 2025 belegen die USA in Südostasien (Indonesien, Malaysia, Thailand) montierte Rigs mit einem Gesamtzoll von rund 21,6 Prozent, während Ware chinesischen Ursprungs auf bis zu etwa 57,6 Prozent gestapelter Abgaben kommt (The Block). Ethan Vera, COO des Mining-Dienstleisters Luxor, brachte die Folge auf den Punkt: „Bei 21,6 Prozent Zöllen sind die USA nun eine der am wenigsten wettbewerbsfähigen Regionen, um Maschinen einzuführen.“ Eine Maschine, deren zollgünstige Zielmärkte schrumpfen, verliert an Wiederverkaufswert.
Hinzu kommt ein exportrechtliches Risiko, das speziell Bitmain betrifft. Der Bitmain-nahe Chipentwickler Sophgo landete im Januar 2025 auf der Entity List des US-Handelsministeriums, nachdem ein bei TSMC gefertigter Chip, der einem Sophgo-Design entsprach, in Huaweis KI-Prozessor Ascend 910B aufgetaucht war; Sophgo bestritt jede Geschäftsbeziehung zu Huawei (South China Morning Post). Die Listung verbietet keine Antminer, zeigt aber, wie exponiert Bitmains Ambitionen im KI-Chipgeschäft gegenüber Exportkontrollen sind, ein Risiko, das die Markenstärke und damit den Restwert langfristig belasten kann.
Als Reaktion verlagern die Hersteller Endmontage in die USA und nach Südostasien, doch Montage ist nicht gleich Fertigung: Die eigentlichen Chips kommen weiter aus Taiwan und Südkorea, sodass TSMC ein einzelner Ausfallpunkt für die ganze Branche bleibt. Wie die US-Aufsicht dieses Feld nach dem Scheitern der jüngsten Krypto-Gesetzgebung ordnet, ist ein eigenes Kapitel, das wir in unserer Analyse zur amerikanischen Krypto-Aufsicht nach dem CLARITY-Aus aufgeschlüsselt haben.
Die Bilanz-Perspektive: wenn Hardware wie Bitcoin abgeschrieben wird
Für börsennotierte Miner ist die Abschreibungsfalle längst in den Quartalszahlen sichtbar. Sie tragen ihre Geräteflotten zu Anschaffungskosten und müssen sie abwerten, wenn die Wirtschaftlichkeit kippt, ähnlich wie sie ihre Bitcoin-Bestände zum Marktwert bewerten und bei Kursrückgängen Milliarden abschreiben. Nach jedem großen Effizienzsprung folgt so eine Welle von Hardware-Wertberichtigungen, die das Ergebnis genauso belasten kann wie ein Kurssturz.
Zugleich hat sich der Maßstab verschoben, an dem der Markt Miner misst. Nicht mehr allein der Bitcoin-Kurs, sondern die Kapitalkosten bestimmen die Bewertungen, seit die Zinsen gestiegen sind. Eine Maschine ist eine zu sechs bis neun Prozent finanzierte Wette, die sich amortisieren muss, bevor die Tretmühle sie überholt; steigen die Finanzierungskosten, sinkt der Barwert dieser künftigen Erträge. Wie stark dieser Perspektivwechsel die Branche prägt, zeigt der Vergleich der beiden größten US-Miner in unserer Analyse Marathon vs. Riot: der Zins ist der neue Hashprice.
Aus dieser Perspektive verwandelt sich die Frage „welche Maschine“ in „welche Maschine überlebt ihren eigenen Abschreibungsplan“. Ein Gerät, das seine Anschaffungskosten in 24 Monaten einspielt, verträgt einen späteren Effizienzsprung; eines, das dafür 40 Monate braucht, wird von der nächsten Generation eingeholt, bevor es sich rechnet. Die Kapitalrechnung, nicht das Datenblatt, entscheidet.
Preis, Kurs, Restwert: warum der Bitcoin-Kurs die Abschreibung steuert
Der Bitcoin-Kurs ist der zweite große Hebel des Wertverfalls, und er wirkt in beide Richtungen. Über den Hashprice übersetzt sich jede Kursbewegung fast unmittelbar in Tageserlöse und damit in den Marktwert der Hardware. Im ersten Quartal 2026 fiel der Hashprice auf ein Mehrjahrestief und zog danach wieder auf rund 40 Dollar an; die Rig-Preise folgten dieser Bewegung und die rentablen Laufzeiten verlängerten sich mit der Erholung.
Damit ist der Restwert eines Miners im Kern eine gehebelte Wette auf Bitcoin. Ein Rig ähnelt einer Kaufoption auf den Hashprice: Steigt der Kurs, wächst der Wert überproportional, weil mehr alte Maschinen wieder über ihren Break-even rutschen; fällt er, beschleunigt sich die Abschreibung, und der Zweitmarkt füllt sich mit Verkäufern. Der Einstiegszeitpunkt entscheidet deshalb über die halbe Rendite: Wer Hardware nahe einem Hashprice-Tief kauft, zahlt wenig und hat Aufwärtspotenzial; wer nahe einem Hoch kauft, trägt das volle Abschreibungsrisiko.
Wie sich Kursniveaus, makroökonomische Signale und die Geldpolitik der Fed auf Bitcoin auswirken, lesen wir im Detail in unserer laufenden Betrachtung der Bitcoin Price Action. Für die Hardwarefrage genügt die Faustregel: Wer die Abschreibung eines Miners verstehen will, muss zuerst eine Meinung zum Kurs haben, denn der Kurs schreibt die Maschine ab, nicht die Zeit.
Was das für Miner in Deutschland und der EU bedeutet
Für deutsche und europäische Interessenten verschiebt der hohe Strompreis die gesamte Rechnung. Bei Haushaltstarifen jenseits von 30 Cent je Kilowattstunde liegt praktisch jede Generation unter Wasser, unabhängig von der Marke. Wirtschaftlich wird Mining nur in Nischen: mit industriellen Direktlieferverträgen, abgeregeltem Erneuerbaren-Strom, der sonst verpufft, oder mit konsequenter Wärmenutzung. In diesen Fällen zählt jedes Joule doppelt, weshalb sich die Aufpreise für Sub-10-Maschinen eher rechtfertigen lassen als anderswo.
Regulatorisch ist das Schürfen selbst in Deutschland keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung; die BaFin und der EU-Rahmen MiCA regulieren Krypto-Dienstleister und Emittenten, nicht das Betreiben von Hardware (BaFin-Merkblatt). Wer allerdings Hosting, die Verwahrung der geschürften Coins oder deren Tausch als Dienstleistung anbietet, kann sehr wohl unter die MiCA-Pflichten fallen. Die breitere europäische Debatte um digitales Geld und Aufsicht haben wir in unserem Beitrag zum digitalen Euro und MiCA eingeordnet.
Praktisch heißt das für den Kauf in Deutschland: Neuware der neuesten Generation lohnt nur mit einem gesicherten, sehr günstigen Stromvertrag oder einem Hosting-Platz; gebrauchte Vorgängergenerationen sind bei Netzstrompreisen eine Falle; und wer im Ausland hosten lässt, sollte Zölle, Wiederverkaufsmärkte und Restwerte in die Standortwahl einrechnen, nicht nur den Strompreis.
Kaufentscheidung 2026: ein Rahmen jenseits des Datenblatts
Aus alldem ergibt sich ein Entscheidungsrahmen, der die Effizienz zwar berücksichtigt, aber nicht verabsolutiert. Sechs Fragen entscheiden über den tatsächlichen Wert einer Maschine über ihr Leben:
- Restwert und Zweitmarkt: Wie liquide lässt sich das Modell weiterverkaufen oder umziehen? Antminer bieten den tiefsten Markt, Whatsminer punkten mit Zuverlässigkeit.
- Stromlaufbahn: Liegt der eigene Strompreis mit Puffer unter dem Break-even des Modells, auch nach dem nächsten Effizienzsprung?
- Zoll- und Standortrisiko: Wo ist die Maschine montiert, und in welchen Märkten bleibt sie zollgünstig einsetzbar?
- Firmware-Horizont: Wie lange liefert der Hersteller Updates, und lässt sich das Gerät flexibel takten?
- Einstiegszeitpunkt: Wird nahe einem Hashprice-Tief oder nahe einem Hoch gekauft?
- Herstelleranreiz: Ist der Lieferant zugleich Konkurrent, und wie zuverlässig sind seine Liefertermine?
Daraus lassen sich klare Szenarien ableiten. Wer sehr günstigen, abregelbaren Strom und einen langen Horizont hat, kann mit einer stark rabattierten Maschine der mittleren Generation gut fahren, weil deren niedriger Anschaffungspreis die schlechtere Effizienz ausgleicht. Wer über Hosting oder netznahen Strom mit knapper Marge arbeitet, sollte ausschließlich zur neuesten Sub-10-Generation greifen, weil nur ihr Puffer die nächste Schwierigkeitswelle übersteht. Und wer nur Haushaltsstrom hat, kauft besser gar keine Maschine, sondern gewinnt Bitcoin-Engagement über andere Wege.
Ausblick: vom Duopol zum Dreikampf, die Tretmühle bleibt
Der SEALMINER A4 macht 2026 aus dem Zweikampf einen Dreikampf, und die Ironie ist perfekt: Der Bruch, der Bitmain 2021 spaltete, hat mit Bitdeer ausgerechnet den Rivalen hervorgebracht, der den Effizienzrekord hält. MicroBT bleibt der verlässliche Dritte im Bunde, der weniger über Spitzenwerte als über Robustheit gewinnt. Für Käufer ist mehr Wettbewerb eine gute Nachricht, denn er hält die Preise im Zaum und erweitert die Auswahl.
Zugleich verändert sich die Physik des Rennens. Die großen Effizienzsprünge werden kleiner, weil die nächsten Fertigungsknoten teurer und schwerer verfügbar sind und die KI-Nachfrage die besten Wafer bindet. Das bedeutet strukturell höhere Rig-Preise und längere Lieferzeiten, aber auch, dass die heutigen Sub-10-Maschinen ihren Spitzenplatz länger halten könnten als ihre Vorgänger. Eine langsamere Tretmühle entwertet den Bestand langsamer.
Am Ende gewinnt weder allein das effizienteste Silizium noch die bekannteste Marke, sondern die Kombination aus niedriger Joule-Zahl, tiefem Zweitmarkt und geringem geopolitischen Ballast. Bitmain, MicroBT und Bitdeer bedienen diese drei Stärken unterschiedlich, und genau deshalb bleibt die Antwort auf die Frage, wer seinen Wert langsamer verliert, eine Frage des eigenen Stromvertrags, Standorts und Zeithorizonts, nicht des Datenblatts allein.
Frequently Asked Questions
Was ist besser, Bitmain oder MicroBT?
Das hängt vom Ziel ab. Bitmain führt bei der Spitzeneffizienz und bietet mit der großen installierten Basis den tiefsten Zweitmarkt, was den Wiederverkauf erleichtert. MicroBT gilt in großen Flotten als besonders robust und betriebsstabil, was bei Hosting mit knappen Margen zählt. Seit 2026 hält zudem Bitdeer mit dem SEALMINER A4 den Effizienzrekord, sodass aus dem Duell faktisch ein Dreikampf geworden ist.
Wie schnell verliert ein ASIC-Miner an Wert?
Schnell und in Stufen. Effiziente Maschinen sind 2026 auf rund 15 US-Dollar pro Terahash gefallen, fast ein Viertel unter dem Niveau von Anfang 2024. Jede neue Generation und jeder Kursrückgang bewerten den Bestand neu, und weniger effiziente Geräte trifft es zuerst. Die wirtschaftliche Nutzungsdauer liegt oft bei zwei bis vier Jahren, bei ineffizienten Modellen deutlich kürzer.
Lohnt sich Bitcoin-Mining in Deutschland 2026?
Bei Haushaltsstrompreisen von 30 Cent und mehr je Kilowattstunde in der Regel nicht, denn schon eine hocheffiziente Maschine erreicht ihren Break-even bei rund 15 Cent. Wirtschaftlich wird es nur mit sehr günstigem Industrie- oder Überschussstrom deutlich unter zehn Cent oder über die Nutzung der Abwärme. Für die meisten Privatpersonen ist der direkte Kauf von Bitcoin der einfachere Weg.
Sollte man einen gebrauchten Miner kaufen?
Nur mit sehr günstigem Strom und einem kurzen Zeithorizont. Wer gebraucht kauft, übernimmt die Abschreibung des Vorbesitzers und eine kürzere Restlaufzeit. Alte Maschinen jenseits von 30 Joule pro Terahash liegen nahe dem Schrottwert und lohnen sich nur, wenn der Strom fast nichts kostet.
Warum sind Mining-Rigs 2026 so teuer und knapp?
Weil die Miner um dieselben modernsten Chips konkurrieren wie die KI-Branche. Bei TSMC sind die 3-Nanometer- und 2-Nanometer-Linien bis Jahresende ausgebucht, ein einzelner Großkunde hält einen Großteil der Kapazität, und die Lieferzeiten liegen bei über 50 Wochen. Diese Knappheit hält die Preise für neue Maschinen strukturell hoch.
Marcus Okafor schreibt für HOGE Wire über Bitcoin-Mining, Hardware-Zyklen und die Ökonomie der Proof-of-Work-Netzwerke.