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● Mining & Staking

Hashprice zum Quartalsende 2026: die Difficulty schlägt zurück

Der Hashprice ist zum Quartalsende auf rund 40 Dollar zurückgekehrt, getragen von der Bitcoin-Rally. Doch die Mining-Difficulty ist mit plus 4,16 Prozent zurück und frisst den Gewinn wieder auf.

Zum Ende des dritten Quartals 2026 sieht die Lage der Bitcoin-Miner deutlich freundlicher aus als noch im Sommer. Der Hashprice, die zentrale Umsatzkennzahl der Branche, notiert wieder bei rund 40 US-Dollar pro Petahash und Tag, nachdem er im Juni mit knapp 28 Dollar auf ein Mehrjahrestief gefallen war. Der Grund für die Erholung ist schnell erzählt: Bitcoin hat sich nach der Zinsentscheidung der Fed Mitte September auf über 83.000 Dollar (rund 73.000 Euro) berappelt, und ein höherer Bitcoin-Preis hebt den Hashprice fast im Gleichschritt. Doch genau in dem Moment, in dem die Rechnung für viele Betreiber wieder aufgeht, meldet sich ein Mechanismus zurück, der die ganze zweite Jahreshälfte über geschlafen hatte: die Mining-Difficulty. Am 19. September sprang sie um 4,16 Prozent nach oben, der größte Aufwärtsschritt seit Juni. Das Netzwerk holt sich einen Teil des Gewinns zurück, kaum dass er da ist.

Dieser Beitrag nimmt den Hashprice zum Quartalsende auseinander: was die Zahl misst, aus welchen drei Hebeln sie besteht, warum der September-Sprung eine reine Preisbewegung war und warum diesmal nicht die Notenbank, sondern das Protokoll selbst die Obergrenze setzt. Am Ende steht, was das konkret für Miner und Anleger im deutschsprachigen Raum bedeutet, und warum ausgerechnet der deutsche Strompreis aus derselben globalen Zahl ein Verlustgeschäft macht.

Hashprice zum Quartalsende 2026: die Bestandsaufnahme

Bevor wir die Mechanik zerlegen, lohnt ein nüchterner Blick auf die Zahlen, mit denen das Quartal schließt. Bitcoin notiert laut CoinGecko bei rund 83.100 US-Dollar, umgerechnet etwa 73.100 Euro, bei einer Marktkapitalisierung von etwa 1,67 Billionen Dollar. Vom Rekordhoch bei gut 126.000 Dollar aus dem Oktober 2025 ist der Kurs damit noch immer rund 34 Prozent entfernt. Der Hashprice, den Luxors Hashrate Index laufend veröffentlicht, liegt bei rund 40 Dollar pro Petahash und Tag; der letzte klar abgegrenzte Wochenwert lag am 6. September bei 39,63 Dollar, wie news.bitcoin.com berichtete.

Das ist eine Erholung von mehr als 40 Prozent gegenüber dem Juni-Tief bei knapp 28 Dollar, dem tiefsten Stand seit Jahren. Gleichzeitig ist die Difficulty laut CoinWarz auf 132,76 Billionen gestiegen, die Hashrate pendelt im Sieben-Tage-Schnitt zwischen etwa 934 und 950 Exahash pro Sekunde, und die Transaktionsgebühren steuern weiterhin nur einen Bruchteil zum Umsatz bei. Die folgende Tabelle fasst den Stand zusammen, an dem sich alles Weitere misst.

KennzahlStand 28. September 2026
Hashpricerund 40 $/PH/Tag (Wochenwert 39,63 $ am 6. Sept.)
Hashprice in Eurorund 35 €/PH/Tag
Hashprice-Tief 2026knapp 28 $ (Ende Juni)
Bitcoin-Preisrund 83.100 $ / 73.100 €
Marktkapitalisierungrund 1,67 Bio. $
Netzwerk-Hashrate (7 Tage)rund 934 bis 950 EH/s
Difficulty132,76 Bio. (+4,16 % am 19. Sept.)
Difficulty-Rekordrund 155,97 Bio. (Nov. 2025)
Blocksubvention3,125 BTC pro Block
Transaktionsgebühren0,43 % der Blockbelohnung
WechselkursEUR/USD rund 1,138

Was Hashprice überhaupt misst

Der Begriff Hashprice stammt vom Analysehaus Luxor, das ihn 2019 für seinen Hashrate Index geprägt hat. Gemeint ist der erwartete Umsatz, den ein Miner pro Einheit Rechenleistung und Tag erzielt, üblicherweise angegeben in US-Dollar pro Petahash pro Sekunde und Tag. Ein Petahash sind eine Billiarde Hashes pro Sekunde; wer eine solche Maschinenleistung ans Netz hängt, verdient bei einem Hashprice von 40 Dollar eben rund 40 Dollar am Tag, bevor irgendeine Kostenposition abgezogen ist. Die Definition von Luxor ist bewusst schlicht gehalten, damit die Zahl über Betreiber, Länder und Hardware-Generationen hinweg vergleichbar bleibt.

Neben der Dollar-Notierung gibt es eine zweite, in Bitcoin gerechnete Variante, auf die wir später zurückkommen. Beide messen dasselbe, aber sie erzählen unterschiedliche Geschichten: Die Dollar-Zahl schwankt mit dem Kurs, die Bitcoin-Zahl nur mit dem Netzwerk. Wer die Rally des Septembers richtig einordnen will, muss beide nebeneinanderlegen, sonst hält man einen Wechselkurseffekt für eine echte Verbesserung der Produktion.

Wichtig ist die Abgrenzung: Hashprice ist Umsatz, nicht Gewinn. Er sagt nichts über die Stromrechnung, die Abschreibung der Geräte oder die Finanzierungskosten aus. Ob ein Betreiber mit diesem Umsatz Geld verdient, entscheidet erst die Marge, also Hashprice minus Kosten. Genau deshalb ist die Kennzahl so nützlich: Sie trennt die Einnahmenseite, die für alle Miner der Welt gleich ist, sauber von der Kostenseite, die sich von Standort zu Standort dramatisch unterscheidet. Wer die Marge verstehen will, muss beim Hashprice anfangen, aber dort nicht stehen bleiben.

Die Formel und ihre drei Hebel

Der Hashprice folgt einer einfachen Gleichung. Grob gilt: Hashprice ist gleich die rund 144 Blöcke pro Tag, multipliziert mit der Summe aus Blocksubvention und Transaktionsgebühren, multipliziert mit dem Bitcoin-Preis, geteilt durch die gesamte Netzwerk-Hashrate. Die Hashrate wiederum hängt fast eins zu eins an der Difficulty, denn sie ergibt sich näherungsweise aus Difficulty mal zwei hoch 32, geteilt durch die Zielblockzeit von 600 Sekunden. Setzt man beides zusammen, schrumpft die Sache auf einen Kern: Der Hashprice bewegt sich im Wesentlichen wie der Bitcoin-Preis geteilt durch die Difficulty.

Daraus ergeben sich drei Hebel. Der erste ist der Bitcoin-Preis; steigt er, steigt der Hashprice fast im Gleichschritt. Der zweite ist die Belohnung pro Block, also Subvention plus Gebühren; sie ist derzeit praktisch fixiert, weil die Subvention seit dem Halving vom April 2024 bei 3,125 BTC liegt und die Gebühren nur 0,43 Prozent beisteuern. Der dritte Hebel ist die Difficulty beziehungsweise die Hashrate; steigt sie, sinkt der Hashprice, weil sich derselbe Umsatz auf mehr Rechenleistung verteilt.

Ein kurzes Rechenbeispiel macht das greifbar. Rund 144 Blöcke am Tag, jeweils 3,125 BTC, mal ein Kurs von 83.100 Dollar ergibt einen Tagesumsatz des gesamten Netzwerks von etwa 37,4 Millionen Dollar. Verteilt auf eine Rechenleistung von rund 950.000 Petahash pro Sekunde bleiben je Petahash rund 39 Dollar, plus die kleinen Gebühren also knapp 40 Dollar. Verändert sich der Kurs, verschiebt sich der Zähler; kommen Maschinen hinzu, wächst der Nenner. Beides zusammen ergibt die Zahl, die am Quartalsende auf dem Bildschirm steht.

Diese Zerlegung ist der Schlüssel zum gesamten Quartalsende. Von den drei Hebeln steht einer still (die Belohnung), einer ist im September kräftig gestiegen (der Preis) und einer hat mit Verzögerung nachgezogen (die Difficulty). Der Hashprice ist damit im Kern ein Wettlauf zwischen Preis und Difficulty, und dieser Wettlauf hat gerade eine neue Runde begonnen.

Der September-Sprung war eine Preis-Rally

Die auffälligste Bewegung des Quartals war der Sprung des Hashprice um 22,24 Prozent von 32,42 auf 39,63 Dollar innerhalb eines Monats, den news.bitcoin.com Anfang September dokumentierte. Auf den ersten Blick sieht das nach einer Erholung der Mining-Ökonomie aus. Auf den zweiten Blick war es fast ausschließlich eine Bewegung des Bitcoin-Preises. Der Kurs war nach der Fed-Sitzung vom 16. September, auf der die Notenbank die Leitzinsen zum ersten Mal seit 2023 um 25 Basispunkte anhob, wieder deutlich über 80.000 Dollar geklettert. Weil der Preis im Zähler der Hashprice-Formel steht, hebt jede Kursrally die Kennzahl praktisch automatisch.

Den besten Beleg dafür liefert die in Bitcoin gerechnete Variante des Hashprice. Sie verharrte über die Rally hinweg bei rund 0,0005 BTC pro Petahash und Tag, also nahezu unverändert. In Bitcoin gerechnet fällt der Preis-Hebel weg, übrig bleiben nur Belohnung und Difficulty. Dass die BTC-Notierung des Hashprice kaum reagierte, zeigt: Am Netzwerk selbst hatte sich zunächst nichts geändert. Die Miner verdienten nicht mehr Bitcoin, ihre Bitcoin waren nur mehr Dollar wert.

Diese Unterscheidung ist mehr als Buchhalterei. Eine kursgetriebene Erholung ist so stabil wie der Kurs selbst, und der hängt im Herbst 2026 an Makrofaktoren, die mit Mining nichts zu tun haben: Zinspfad, Dollar, ETF-Zuflüsse, Risikoappetit. Wer die Kursbewegung im Detail nachvollziehen will, findet die Einordnung in unserer Analyse zur Volatilitätsklemme vor dem Q4-Ausbruch. Für den Hashprice heißt das: Was der Preis gibt, kann der Preis wieder nehmen, und selbst wenn er hält, wartet schon der nächste Hebel.

Die Difficulty schlägt zurück

Und dann kam das Netzwerk. Die Difficulty passt sich alle 2016 Blöcke an, im Schnitt also etwa alle zwei Wochen, mit dem Ziel, die durchschnittliche Blockzeit bei zehn Minuten zu halten. Die gesamte erste Jahreshälfte und den Sommer über war sie gefallen: minus 10,09 Prozent am 14. Juni, minus 5 Prozent am 11. Juli, minus 1,31 Prozent am 23. August. Miner hatten Rechner abgeschaltet oder Kapazität in Richtung KI-Rechenzentren umgeleitet, weil sich Mining bei tiefem Preis kaum lohnte. CoinDesk sprach Anfang August vom zweiten jährlichen Rückgang der Difficulty überhaupt, ein historisch seltenes Ereignis. Der Effekt für die Übriggebliebenen: Wer durchhielt, bekam ein größeres Stück vom Kuchen, weil weniger Konkurrenz um dieselbe fixe Belohnung mitrechnete.

Mit der Kursrally kehrte sich das um. Am 5. September stieg die Difficulty um 1,31 Prozent, am 19. September dann um 4,16 Prozent auf 132,76 Billionen, der größte Aufwärtsschritt seit dem Plus von 7,15 Prozent im Juni. Höherer Preis lockt abgeschaltete Maschinen zurück ans Netz, die Hashrate festigt sich in Richtung eines Zettahash, und die Difficulty zieht nach, um die Zehn-Minuten-Blockzeit zu verteidigen. Nikolaos Panigirtzoglou von JPMorgan hat den Mechanismus einmal so beschrieben: „Wenn Bitcoin unter seinen Produktionskosten handelt, fahren teurere Miner herunter, die Hashrate sinkt, und die Difficulty passt sich nach unten an.“ Im September lief genau dieser Satz rückwärts: Der Preis stieg, die Rechner kamen zurück, die Difficulty passte sich nach oben an.

Die Folge ist mechanisch und unbestechlich. Eine überschlägige Rechnung zeigt das Ausmaß: Bei einem Bitcoin-Preis von rund 83.100 Dollar und der aktuellen Difficulty von 132,76 Billionen ergibt die Formel einen Hashprice von etwa 39,5 Dollar. Hätte die Difficulty dagegen noch auf dem Stand von Anfang September bei 127,45 Billionen verharrt, läge derselbe Preis bei einem Hashprice von rund 41 Dollar. Die Anpassung vom 19. September hat also grob 1,50 Dollar je Petahash, etwa vier Prozent, wieder abgeschöpft, bevor der Miner sie überhaupt sah. Das Netzwerk holt sich seinen Anteil zurück, und der nächste Retarget steht laut CoinWarz bereits für den 3. Oktober an, geschätzt mit einem weiteren kleinen Plus. Die folgende Tabelle zeigt den Weg der Difficulty durch 2026.

Datum 2026Anpassungneue Difficulty
14. Juni-10,09 %124,93 Bio.
27. Juni+7,15 %133,87 Bio.
11. Juli-5,00 %127,17 Bio.
25. Juli-0,74 %126,23 Bio.
8. August+0,99 %127,48 Bio.
23. August-1,31 %125,81 Bio.
5. September+1,31 %127,45 Bio.
19. September+4,16 %132,76 Bio.
3. Oktober (geschätzt)rund +0,4 %rund 133,3 Bio.

Warum diesmal das Netz der Deckel ist, nicht die Fed

Die Berichterstattung im September drehte sich fast ausschließlich um die Fed. Das ist verständlich, denn die erste Zinserhöhung seit 2023 und der straffe Ausblick unter dem neuen Vorsitzenden bewegen Risikoanlagen und damit den Bitcoin-Preis. Für die Bewertung börsennotierter Miner ist der Zinspfad sogar entscheidend, weil er den Diskontsatz für langfristige Rechenzentrums-Cashflows bestimmt. Doch für die Zahl Hashprice selbst ist die Fed nur ein indirekter Faktor. Sie wirkt über einen einzigen Kanal, den Bitcoin-Preis, und damit über nur einen der drei Hebel.

Der direkte, mechanische Deckel liegt woanders. Er heißt Difficulty und wird nicht von einer Notenbank gesetzt, sondern von einem Algorithmus, der alle zwei Wochen automatisch nachjustiert. Egal, was der Preis tut, die Difficulty folgt mit Verzögerung und zieht den Hashprice pro Einheit wieder in Richtung der Kosten des Grenzminers. Das ist der eigentliche Unterschied dieses Quartals: Nicht die Geldpolitik, sondern das Protokoll begrenzt, wie viel von der Kursrally beim einzelnen Rechner ankommt.

Man kann es so zuspitzen: Die Fed setzt den Preis, über den sie nicht einmal direkt bestimmt, das Protokoll setzt die Konkurrenz. Ein Zinsschritt kann Bitcoin um zehn Prozent bewegen, aber ob davon beim Miner etwas ankommt, entscheidet der nächste Retarget. Wer den Hashprice prognostizieren will, sollte deshalb weniger auf die Sitzungsprotokolle der Notenbank starren als auf den Thermostat des Netzwerks, der gerade wieder heizt.

Hashprice in Bitcoin gerechnet: die ehrlichere Zahl

Es lohnt, den Hashprice einmal von der Dollar-Brille zu befreien. In Bitcoin gerechnet lag er das ganze Jahr über bei rund 0,0005 BTC pro Petahash und Tag und hat sich auch durch die September-Rally kaum bewegt. Der Grund ist die Formel: In Bitcoin fällt der Preis-Hebel weg, weil man nicht mehr Dollar pro Bitcoin misst, sondern direkt in Bitcoin abrechnet. Übrig bleiben nur zwei Kräfte, die Belohnung pro Block und die Difficulty. Weil die Belohnung fix ist, kann der Bitcoin-Hashprice überhaupt nur steigen, wenn die Difficulty fällt oder die Gebühren anziehen.

Das ist die ehrlichere Kennzahl für den strukturellen Zustand des Minings. Sie sagt: In der Substanz hat sich nichts verbessert. Ein Betreiber, der seine Bitcoin hält, verdient nicht mehr Coins als im Juni; seine Coins sind nur mehr wert. Für die Miner, die ihre Bestände als Treasury führen und nicht sofort verkaufen, ist die Dollar-Rally deshalb ein Buchgewinn in der Bilanz, aber keine Verbesserung der laufenden Produktion.

Die in Bitcoin gemessene Vergütung der Rechenarbeit, gewissermaßen die Realrendite des Minings, ist unverändert gedrückt, und die steigende Difficulty drückt sie weiter. Für Anleger ist das ein wichtiger Filter: Eine in Dollar glänzende Erholung kann in Bitcoin völlig flach sein. Genau diese Lücke zwischen nominaler und realer Betrachtung übersehen viele, wenn sie eine Kursrally reflexhaft als Gesundung der Miner deuten.

Dieselbe Zahl, verschiedene Welten: Strompreis und Standort

Hashprice ist eine einzige globale Dollar-Zahl, aber was sie bedeutet, entscheidet sich am lokalen Strompreis. Die Gewinnschwelle lässt sich sauber ausrechnen: Break-even-Strompreis gleich Hashprice geteilt durch das Produkt aus 24 und der Effizienz der Maschine in Joule pro Terahash. Je effizienter das Gerät, desto höher der Strompreis, den es noch verträgt. Die folgende Tabelle zeigt die Gewinnschwelle für gängige ASIC-Generationen bei einem Hashprice von 40 Dollar, in Dollar und in Euro (Wechselkurs rund 1,138).

ASIC-Modell (Effizienz)Break-even $/kWhBreak-even €/kWh
Antminer S23 Hydro (9,5 J/TH)0,175 $0,154 €
Antminer S21 XP (13,5 J/TH)0,123 $0,108 €
Antminer S21 Pro (15 J/TH)0,111 $0,098 €
Whatsminer M60S (18,5 J/TH)0,090 $0,079 €
Antminer S19 XP (21,5 J/TH)0,078 $0,068 €
Antminer S19j Pro (29,5 J/TH)0,056 $0,049 €

Jetzt kommt der deutsche Standortnachteil ins Spiel. Der Industriestrompreis lag in Deutschland im zweiten Halbjahr 2025 laut Eurostat bei rund 22,6 Cent je Kilowattstunde und damit etwa 23 Prozent über dem EU-Durchschnitt von gut 18 Cent; selbst Großverbraucher mit allen Entlastungen zahlen eher um die 12 Cent, wie ein Vergleich der Industriestrompreise zeigt. Zum Vergleich: Günstige Standorte in West-Texas beziehen Strom für drei bis fünf Cent, in Finnland und Schweden liegt Industriestrom bei sieben bis zehn Cent.

Legt man die Gewinnschwellen aus der Tabelle daneben, wird der Befund brutal: Bei deutschen Endpreisen um 22 Cent arbeitet praktisch die gesamte Flotte mit Verlust, weil selbst das effizienteste Gerät nur rund 15 Cent verträgt. Selbst zum entlasteten Großverbraucher-Tarif von rund 12 Cent kommt allein die neueste Hardware unter zehn Joule pro Terahash knapp über die Schwelle, alles Ältere verbrennt Geld. Derselbe Hashprice von 40 Dollar, der in West-Texas eine fette Marge bedeutet, ist in Deutschland ein garantiertes Verlustgeschäft.

Das erklärt, warum das industrielle Bitcoin-Mining Deutschland längst verlassen hat und warum die Effizienz der Hardware für die überlebenden Betreiber zur Überlebensfrage geworden ist. Wie sehr die Abschreibung alter Geräte und der Wettlauf um jedes Joule die Rechnung bestimmen, haben wir im Duell Bitmain gegen MicroBT aufgeschlüsselt. Und warum der Strom selbst zur eigentlichen Wertschöpfung wird, zeigt unser Blick auf den Energiemix hinter Mining und Staking.

Was der Terminmarkt für Q4 einpreist

Der Hashprice ist längst nicht mehr nur eine Beobachtungsgröße, sondern ein handelbarer Markt. Über Anbieter wie Luxor lassen sich Hashprice-Forwards mit Laufzeiten bis zu zwölf Monaten abschließen, an der CFTC-regulierten Börse Bitnomial notieren Hashrate-Futures. Für die Frage nach dem vierten Quartal ist vor allem die Form der Terminkurve interessant. Zuletzt lag der Halbjahreskontrakt unter dem Spotpreis, der Markt befand sich also in Backwardation. Das ist die kollektive Wette der Profis, dass die aktuelle Erholung nicht hält.

Diese Erwartung ist konsistent mit allem, was wir bisher gesehen haben. Bleibt der Preis oben, zieht die Difficulty weiter nach und drückt den Hashprice pro Einheit; fällt der Preis, sinkt der Hashprice ohnehin. In beide Richtungen sorgt der Thermostat dafür, dass die Kennzahl zu den Kosten des Grenzminers zurückstrebt. Ein Terminkurs unter dem Spot ist damit weniger eine Prognose als eine Beschreibung der eingebauten Schwerkraft des Systems.

Für Miner ist genau das der Grund, überhaupt zu hedgen. Wer heute einen Teil seiner künftigen Produktion zu 37 oder 38 Dollar verkauft, sichert sich gegen den Fall ab, dass die Difficulty die 40 Dollar bis zum Jahresende auffrisst. Der Preis dieser Absicherung, der implizite Kapitalkostensatz der Miner, lag zuletzt im hohen einstelligen Prozentbereich pro Jahr. Wer dagegen ungesichert bleibt, wettet darauf, dass der Preis schneller steigt, als der Thermostat nachziehen kann, eine Wette, die die Terminkurve gerade nicht teilt.

Gebühren, Sicherheitsbudget und die Uhr bis 2028

Ein Blick auf den zweiten Hebel, die Belohnung pro Block, offenbart die vielleicht größte strukturelle Schwäche des Hashprice. Die Transaktionsgebühren machen derzeit nur 0,43 Prozent der Blockbelohnung aus; mehr als 99 Prozent des Miner-Umsatzes stammen aus der Subvention von 3,125 Bitcoin je Block. Kurzzeitige Gebührenspitzen wie beim Start von Ordinals und Runes 2024 sind längst verpufft, der Alltag heißt: Die Gebühren tragen fast nichts bei. Solange das so bleibt, hängt die gesamte Einnahmenseite an einer Zahl, die das Protokoll periodisch halbiert.

Das nächste Halving wird im Frühjahr 2028 erwartet und senkt die Subvention auf 1,5625 Bitcoin. Bei konstantem Preis halbiert sich damit der dominierende Term des Hashprice fast vollständig. Rechnet man Hashprice mal Hashrate übers Jahr, ergibt sich das sogenannte Sicherheitsbudget, die Gesamtsumme, die Bitcoin seinen Minern für den Schutz des Netzwerks zahlt; sie liegt derzeit im Bereich mehrerer Milliarden Euro pro Jahr. Nach 2028 sinkt dieser Betrag bei gleichem Preis auf etwa die Hälfte.

MARA-Chef Fred Thiel bringt das Problem auf den Punkt: Der Übergang von der Blockbelohnung zu den Transaktionsgebühren habe schlicht noch nicht stattgefunden, und „wenn Bitcoin nicht um 50 Prozent oder mehr pro Jahr wächst, wird die Rechnung nach 2028 sehr schwierig, und nach 2032 noch schwieriger“. Die Difficulty mag die Erholung des Quartals dämpfen, das Halving droht die ganze Bemessungsgrundlage zu verkleinern. Für den langfristigen Blick auf den Hashprice ist das Halving deshalb der wichtigere Termin als jede einzelne Fed-Sitzung.

Die KI-Konkurrenz: der Alternativpreis jedes Megawatts

Es gibt einen vierten Faktor, der zwar nicht in der Hashprice-Formel steht, aber inzwischen darüber entscheidet, ob 40 Dollar überhaupt genug sind: die alternative Verwendung des Stroms. Jedes Megawatt, das ein Miner in ASICs steckt, könnte stattdessen an ein KI-Rechenzentrum vermietet werden, oft zu einem festen, planbaren Preis. Genau dieser Vergleich hat die freiwillige Difficulty-Senkung des Sommers ausgelöst, als Betreiber Kapazität von Bitcoin zu High-Performance-Computing umschichteten. Der Rückgang war eben keine erzwungene Kapitulation wie beim China-Verbot 2021, sondern eine betriebswirtschaftliche Entscheidung.

Die Größenordnung ist erheblich. Laut CoinShares haben börsennotierte Miner inzwischen KI- und HPC-Verträge im Volumen von mehr als 70 Milliarden Dollar angekündigt, und einzelne Unternehmen könnten bis Ende 2026 bis zu 70 Prozent ihres Umsatzes aus KI ziehen, gegenüber rund 30 Prozent heute. Analyst James Butterfill nennt die Lage „eine der schwierigsten Phasen“ seit dem letzten Halving. Needham-Analyst John Todaro formuliert die betriebswirtschaftliche Logik nüchtern: „Der Umsatz pro Megawatt und die EBITDA-Margen sind bei HPC und KI-Colocation weit höher als beim Mining.“

Thiel geht noch weiter: Bis 2028 werde man entweder selbst Stromerzeuger sein, einem gehören oder mit einem zusammenarbeiten; die Zeiten des reinen Miners am Netzstecker seien gezählt. Wie stark die Nachfrage nach Rechenleistung inzwischen ganze Kurse trägt, zeigt unsere Analyse zur AKT-Rally von Akash. Für den Hashprice bedeutet das eine doppelte Klammer. Nach oben deckelt die KI-Konkurrenz die Erholung, weil zurückkehrende Kapazität die Difficulty treibt; nach unten setzt sie einen Alternativpreis, unterhalb dessen Betreiber ihre Megawatt lieber an KI vermieten, als weiter zu minen. Der Hashprice bewegt sich damit in einem immer engeren Korridor zwischen dem Grenzkostenboden der Miner und dem Opportunitätspreis des Stroms.

Was das für deutsche Miner und Anleger bedeutet

Für Betreiber im deutschsprachigen Raum ist die Botschaft ernüchternd, aber klar. Physisches Mining rechnet sich hierzulande wegen der Strompreise nicht, und daran ändert auch ein Hashprice von 40 Dollar nichts. Der subventionierte Industriestrompreis von fünf Cent, über den seit Anfang 2026 diskutiert wird, ist strategischen energieintensiven Branchen vorbehalten und schließt Miner ausdrücklich aus. Wer im Inland Rechenleistung betreiben will, tut das eher aus Nischengründen wie der Nutzung von Abwärme zum Heizen als aus reiner Hashprice-Logik.

Aufsichtsrechtlich ist wichtig, dass Mining selbst in Deutschland keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung ist. Die BaFin beaufsichtigt unter MiCA die Krypto-Dienstleister, also Verwahrung und Handel, wie ihr Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen festhält, nicht aber die Rechenarbeit im Netzwerk. Für die meisten hiesigen Anleger findet die Beteiligung deshalb ohnehin nicht über eigene Hardware statt, sondern über börsennotierte Miner wie MARA, Riot oder IREN oder über entsprechende Krypto-ETPs.

Und genau dort wird der Hashprice zur zentralen Kennzahl. Wer eine Mining-Aktie hält, wettet nicht mehr nur auf den Bitcoin-Preis, sondern auf ein Bündel aus Preis, Difficulty, Stromkosten, Finanzierungskosten und dem Erfolg des KI-Schwenks. Der Hashprice ist die eine Zahl, die die Einnahmenseite dieses Bündels zusammenfasst. Steigt er nachhaltig, wird aus einer defizitären Flotte schnell eine profitable; drückt die Difficulty ihn zurück, kippt die Rechnung ebenso schnell wieder. Wer verstehen will, wie fragil die Balance zwischen Rechenleistung und Sicherheit ist, findet in unserer Analyse zur verborgenen Hashrate den passenden Hintergrund.

Ausblick: drei Szenarien für den Hashprice im Q4

Wie es mit dem Hashprice weitergeht, hängt am Wettlauf zwischen Preis und Difficulty. Drei Szenarien sind für das vierte Quartal plausibel, und alle drei laufen auf dieselbe Schwerkraft hinaus.

  • Bullenfall: Bitcoin läuft in Richtung 100.000 Dollar. Der Hashprice könnte kurzfristig auf 45 bis 50 Dollar springen, doch die Difficulty würde mit der von JPMorgan gemessenen Sensitivität von rund 0,62 zum Preis nachziehen und den Vorsprung binnen weniger Retargets wieder einsammeln.
  • Basisfall: Bitcoin pendelt zwischen 80.000 und 85.000 Dollar. Die Difficulty steigt weiter in kleinen Schritten, und der Hashprice driftet aus dem Bereich um 40 Dollar zurück in die hohen 30er.
  • Bärenfall: Bitcoin fällt unter die von JPMorgan geschätzten Produktionskosten von rund 78.000 Dollar. Teurere Rechner gehen vom Netz, die Difficulty sinkt wieder, und der Hashprice findet über genau denselben Mechanismus einen Boden, nur auf tieferem Niveau.

Die Pointe ist in allen drei Fällen gleich: Was auch immer der Preis tut, die Difficulty folgt mit Verzögerung und zieht den Hashprice zu den Kosten des Grenzminers zurück. Der Hashprice ist keine Einbahnstraße nach oben, sondern eine Kennzahl mit eingebauter Rückstellkraft. Für das Quartalsende heißt das: Die Erholung ist real, aber sie steht unter der ständigen Aufsicht eines Thermostats, der keine Rücksicht auf Kursfantasien nimmt. Wer den Hashprice im vierten Quartal liest, sollte deshalb nicht die absolute Zahl bejubeln, sondern beobachten, wie schnell die Difficulty die nächste Preisbewegung einholt.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Hashprice einfach erklärt?

Hashprice ist der erwartete Umsatz, den ein Miner pro Einheit Rechenleistung und Tag erzielt, üblicherweise in US-Dollar pro Petahash pro Sekunde und Tag angegeben. Die Kennzahl bündelt Blocksubvention, Transaktionsgebühren, den Bitcoin-Preis und die gesamte Netzwerk-Hashrate in einer einzigen Zahl. Sie misst Umsatz vor Strom- und Hardwarekosten, nicht den Gewinn.

Wie hoch ist der Hashprice Ende September 2026?

Ende September 2026 liegt der Hashprice bei rund 40 US-Dollar pro Petahash und Tag, umgerechnet etwa 35 Euro. Der letzte saubere Wochenwert lag am 6. September bei 39,63 Dollar, ein Plus von gut 22 Prozent gegenüber dem Monat davor. Damit hat sich die Kennzahl um mehr als 40 Prozent von ihrem Juni-Tief bei knapp 28 Dollar erholt.

Warum steigt der Hashprice nicht stärker, obwohl Bitcoin gestiegen ist?

Weil ein zweiter Hebel gegenläuft: die Mining-Difficulty. Steigt der Bitcoin-Preis, kommen abgeschaltete Rechner zurück ans Netz, die Hashrate legt zu und die Difficulty passt sich nach oben an. Am 19. September stieg sie um 4,16 Prozent, der größte Aufwärtsschritt seit Juni. Diese Anpassung frisst einen Teil des Preisgewinns wieder auf, weil sich derselbe Umsatz auf mehr Rechenleistung verteilt.

Lohnt sich Bitcoin-Mining in Deutschland beim aktuellen Hashprice?

Für die allermeisten Betreiber nein. Bei einem Hashprice von rund 40 Dollar liegt die Gewinnschwelle selbst für sehr effiziente Geräte bei etwa 10 bis 15 Cent je Kilowattstunde. Der deutsche Industriestrompreis lag im zweiten Halbjahr 2025 bei rund 22 Cent, Großverbraucher zahlen mit Entlastungen eher 12 Cent. Nur die neueste Hardware unter 10 Joule pro Terahash kommt damit knapp über die Schwelle, ältere Geräte arbeiten klar mit Verlust.

Was passiert mit dem Hashprice beim Halving 2028?

Beim nächsten Halving, erwartet im Frühjahr 2028, sinkt die Blocksubvention von 3,125 auf 1,5625 Bitcoin. Da die Subvention über 99 Prozent des Miner-Umsatzes ausmacht, halbiert sich der dominierende Teil des Hashprice bei konstantem Preis nahezu. Damit die Kennzahl stabil bleibt, müsste entweder der Bitcoin-Preis deutlich steigen oder die Transaktionsgebühren müssten von heute unter einem Prozent auf einen erheblichen Anteil der Blockbelohnung wachsen.

Von Yuki Tanaka, Redaktion Bitcoin und Mining, HOGE Wire.

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