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● Mining & Staking

Hashrate-Wachstum 2026: Bilanz und Wende im dritten Quartal

Zum Ende des dritten Quartals 2026 stabilisiert sich Bitcoins Hashrate, die Difficulty dreht wieder nach oben. Die Q3-Bilanz: neue Mining-Landkarte, Effizienzschub, Kampf um jede Megawattstunde.

Das dritte Quartal 2026 begann mit einer ungewohnten Schlagzeile: Bitcoins Rechenleistung wuchs nicht mehr. Nach Jahren, in denen die Hashrate fast ohne Pause neue Rekorde markierte, lag das Netzwerk im Juli spürbar unter seinem Herbst-2025-Hoch, und viele Beobachter fragten sich, ob die große Wachstumsphase vorbei sei. Drei Monate später sieht das Bild anders aus. Der Kurs zog von rund 63.000 US-Dollar zur Jahresmitte auf über 83.000 US-Dollar an, stillgelegte Maschinen gingen wieder ans Netz, und die Difficulty kletterte in zwei Schritten kräftig nach oben.

Zum Quartalsende lohnt sich deshalb eine nüchterne Bilanz. Wie stark ist die Hashrate wirklich gewachsen, wo ist sie geschrumpft, und was sagt die neue Weltkarte des Minings über die nächsten Monate? Dieser Beitrag zieht die Zahlen zusammen, ordnet die Wende im dritten Quartal ein und blickt auf das vierte Quartal 2026. Wichtig vorab: Bei der Hashrate reden wir über eine Schätzung, nicht über eine direkt gemessene Größe, und Preise nennen wir in Euro, weil die HOGE-Wire-Leserschaft im deutschsprachigen Raum sitzt.

Hashrate-Wachstum: der Stand zum Quartalsende 2026

Beginnen wir mit der Momentaufnahme. Ende September 2026 rechnete das Bitcoin-Netzwerk mit einer geschätzten Leistung von rund 940 Exahash pro Sekunde (EH/s). Das sind etwa 6 Prozent weniger als im zweiten Quartal und ungefähr 12 Prozent unter dem Rekord von rund 1.066 EH/s aus dem Dezember 2025. Gleichzeitig liegt die Mining-Difficulty bei 132,76 Billionen und damit klar über dem Sommertief von 124,93 Billionen. Der Bitcoin-Kurs stand laut CoinGecko bei rund 83.500 US-Dollar (etwa 73.500 Euro), gut ein Drittel unter dem Allzeithoch von 126.080 US-Dollar vom Oktober 2025.

KennzahlStand Ende Q3 2026
Netzwerk-Hashrate (geschätzt)rund 940 EH/s
Veränderung zum Vorquartaletwa minus 6 Prozent
Mining-Difficulty132,76 Billionen
Difficulty-Rekord (Nov. 2025)rund 156 Billionen
Hashpricerund 40 US-Dollar je PH/Tag (rund 35 Euro)
Bitcoin-Kursrund 83.500 US-Dollar / 73.500 Euro
Marktkapitalisierungrund 1,68 Billionen US-Dollar
Sicherheitsbudget (annualisiert)rund 13 bis 14 Mrd. US-Dollar

Diese Zahlen erzählen eine doppelte Geschichte. Auf Jahressicht ist die Hashrate zum ersten Mal seit sechs Jahren nicht mehr eindeutig gewachsen; das erste Quartal 2026 brachte laut CoinDesk den ersten Quartalsrückgang seit 2019. Auf Quartalssicht aber hat sich die Kurve stabilisiert und im September wieder nach oben gedreht. Wer „Wachstum“ sagt, muss 2026 also genauer werden: Es geht nicht mehr um immer neue Rekorde, sondern um die Frage, ob und wo das Netz überhaupt noch zulegt. Genau diese Verschiebung macht die Quartalsbilanz spannend.

Der Bogen des dritten Quartals: von der Flaute zum Comeback

Um die Bilanz zu verstehen, hilft ein Blick auf den Verlauf. Das Quartal startete im Juli in einer Phase, die Analysten als freiwillige Kapitulation beschrieben. Der Kurs hing seit Monaten unter der Produktionskostenlinie vieler Betreiber, der Hashprice (die tägliche Mining-Einnahme je Rechenleistung) lag nahe einem Fünfjahrestief, und ein spürbarer Teil der Flotte stand still oder wanderte zu KI- und HPC-Aufträgen ab. Die Difficulty fiel entsprechend: Am 11. Juli sank sie um 5 Prozent, nachdem sie im Juni schon einen Sprung um gut 10 Prozent nach unten hingelegt hatte.

Der Wendepunkt kam mit dem Preis. Im August zog Bitcoin kräftig an, und im September beschleunigte sich die Erholung: Am 22. September flossen laut Branchendaten fast eine Milliarde US-Dollar an einem einzigen Tag in die US-Spot-ETFs, der stärkste Zufluss des Jahres, und der Kurs sprang zeitweise über 86.000 US-Dollar. Sobald das Mining wieder profitabel wurde, kehrten stillgelegte Maschinen ans Netz zurück. Die Folge zeigte sich in der Difficulty: plus 1,31 Prozent am 5. September, dann plus 4,16 Prozent am 19. September, der größte Aufwärtsschritt seit Ende Juni.

Diese Wende unterscheidet sich grundlegend von früheren Einbrüchen, und genau das macht die Bilanz 2026 so ungewöhnlich. Bitcoins Geschichte kennt drei Muster: die Kapitulation im Bärenmarkt (2018 und 2022), als der Preis abstürzte und überschuldete Miner reihenweise ausfielen; das erzwungene Verbot (2021 in China), als über Nacht mehr als die Hälfte der Rechenleistung offline ging; und nun, 2026, den freiwilligen Rückzug. Niemand hat diesmal etwas verboten, und der Preis brach nicht ein wie 2022. Stattdessen entschieden Betreiber selbst, ihre Megawatt zeitweise lieber an KI-Kunden zu vermieten, als Bitcoin zu schürfen. Dass die Kurve auf einen Preisimpuls hin sofort wieder nach oben drehte, zeigt: Die Kapazität war nie zerstört, sie lag nur in Wartestellung.

Am Ende steht also ein Quartal in zwei Hälften: erst Flaute, dann Comeback. Die aggregierte Hashrate blieb im Jahresvergleich unter Druck, aber der Trend drehte, und die Zusammensetzung des Netzes verschob sich deutlich. Wer nur auf die eine große Zahl schaut, verpasst die eigentliche Bewegung, die unter der Oberfläche stattfand.

Von Kilohash zu Zettahash: wo die Kurve heute steht

Ein kurzer historischer Rahmen ordnet die Zahlen ein. Bitcoins Rechenleistung ist in siebzehn Jahren um mehr als zwanzig Größenordnungen gewachsen, von einzelnen Prozessoren über Grafikkarten und FPGAs bis zu spezialisierten ASIC-Chips. Die Meilensteine zeigen, wie sich das Tempo verdichtet hat: Von der ersten Exahash-Marke bis zur ersten Zettahash vergingen weniger als zehn Jahre.

MeilensteinZeitpunktWert
Erste GPU-Mining-SoftwareOktober 2010rund 100-fache CPU-Leistung
Erster ASIC (Avalon)Januar 2013rund 66 GH/s
1 EH/sAnfang 20161.000.000 TH/s
100 EH/s4. Januar 2020Faktor 100 in vier Jahren
500 EH/s (7-Tage-Schnitt)November 2023halbe Zettahash
1 ZH/s (7-Tage-Schnitt)Anfang September 2025erstmals gehalten
Rekord rund 1,16 ZH/s19. Oktober 2025rund 1.162 EH/s
Wieder unter 1 ZH/s17. Januar 2026988 EH/s (7-Tage-Schnitt)
Q3 2026September 2026rund 940 EH/s

Der entscheidende Bruch liegt im Herbst 2025. Der 7-Tage-Schnitt der Hashrate hielt Anfang September 2025 erstmals die Zettahash-Marke, der Rekord folgte am 19. Oktober 2025 mit rund 1.162 EH/s (etwa 1,16 ZH/s). Danach ging es das erste Mal freiwillig bergab: Am 17. Januar 2026 rutschte der Wert wieder unter eine Zettahash, auf 988 EH/s im Wochenschnitt. Seitdem pendelt das Netz unter seinem Hoch. Die 940 EH/s zum Quartalsende sind kein neuer Rekord, aber sie zeigen, dass die Kurve nach dem Sommer nicht abgestürzt, sondern auf hohem Niveau eingerastet ist.

Am Rande sei die hartnäckigste Falle dieses Themas erwähnt: Einige automatisch erzeugte Chart-Zusammenfassungen behaupten ein Allzeithoch von 1,44 ZH/s im September 2025. Diese Zahl taucht immer wieder auf und ist falsch. Der belegte Rekord liegt bei rund 1,16 ZH/s. Bei einer Größe, die ohnehin nur geschätzt wird, lohnt sich hier die Skepsis.

Der Blick zurück erklärt auch, warum Wachstum bisher so verlässlich war. Jede Hardware-Generation, von der CPU über die GPU bis zum ASIC, senkte die Kosten je Rechenschritt drastisch, und solange der Preis im Trend stieg, lohnte es sich, immer mehr Maschinen anzuschließen. Wachstum war die Normalität, Stagnation die Ausnahme. Genau deshalb ist 2026 bemerkenswert: Es ist das erste Jahr, in dem die Kurve nicht wegen eines Verbots oder eines Preiscrashs abflachte, sondern weil sich für die Betreiber eine profitablere Verwendung ihres Stroms auftat. Wer die Wachstumskurve der Zukunft abschätzen will, muss deshalb nicht mehr nur auf Chips und Preis schauen, sondern auch auf die Konkurrenz um die Steckdose.

Die neue Weltkarte des Minings: das Q3-Heatmap

Die spannendste Neuigkeit des Quartals steckt nicht in der Gesamtzahl, sondern in der Verteilung. Der aktuelle Global-Hashrate-Heatmap von Hashrate Index für das dritte Quartal 2026 ist frisch veröffentlicht und zeigt eine Landkarte im Umbruch. Das Netzwerk schrumpfte auf rund 940 EH/s, das zweite Quartalsminus in Folge, doch darunter sortierten sich die Länder neu.

LandAnteil Q3 2026Hashrate (ca.)
USA36,7 %345 EH/s
Russland17,2 %162 EH/s
China12,2 %115 EH/s
Paraguay4,7 %44 EH/s
VAE3,0 %28 EH/s
Oman2,8 %26 EH/s
Kanada2,6 %24 EH/s
Äthiopien2,4 %23 EH/s
Indonesien1,8 %17 EH/s
Norwegen (neu)1,7 %16 EH/s
Kasachstan (Platz 11)rund 1,6 %15 EH/s

Zwei Bewegungen stechen heraus. Erstens: Kasachstan, einst nach dem chinesischen Mining-Verbot kurzzeitig auf fast ein Fünftel der Welt-Hashrate gestiegen, fiel zum ersten Mal seit Jahren aus den Top 10 (Platz 11, rund 15 EH/s, ein Minus von 29 Prozent im Jahresvergleich). Zweitens: Norwegen rückte neu in die Top 10 ein, nicht weil es stark zulegte, sondern weil es stabil blieb, während andere schrumpften. Kaan Farahani, Research Analyst bei Luxor, bringt das auf den Punkt: In einem schrumpfenden Netz sei schon Stabilität ein Gewinn.

Die Jahresvergleiche erzählen dieselbe Geschichte von Umverteilung statt Zerstörung. Pakistan legte von einer sehr kleinen Basis um rund 733 Prozent zu, Äthiopien um 35 Prozent, während Iran nach den regionalen Konflikten rund 71 Prozent verlor und China um 8 Prozent nachgab. Die drei größten Länder (USA, Russland, China) halten zusammen weiterhin rund zwei Drittel der Welt-Hashrate. Hashrate-Wachstum ist 2026 also weniger eine Frage des „Wie viel“ als des „Wo“. Wer die Verschiebung im Detail nachvollziehen will, findet in unserer Analyse zu Bitcoins verborgener Hashrate die Eigentümerseite dieser Karte.

Warum die USA an Boden verlieren

Am auffälligsten ist der leichte Bedeutungsverlust der USA. Sie bleiben mit rund 36,7 Prozent und etwa 345 EH/s die klare Nummer eins, aber ihr Anteil sank gegenüber dem zweiten Quartal um rund 30 EH/s, und über das gesamte Jahr summiert sich der Rückgang. Das ist kein Zeichen von Schwäche der US-Industrie, sondern die direkte Folge des KI-Booms: Genau die großen, gut angebundenen Standorte in Texas und anderswo, die bisher Bitcoin schürfen, sind die attraktivsten Flächen für KI-Rechenzentren. Wenn eine Megawattstunde in einem HPC-Vertrag mehr einbringt als im Mining, wandert sie dorthin.

Ethan Vera, COO des Mining-Dienstleisters Luxor, fasst die Neubewertung im Q3-Heatmap so zusammen: Miner würden überall als Energie- und KI-Infrastruktur neu bewertet. Das erklärt, warum die USA relativ Anteile abgeben, ohne dass dort Kapazität verschwindet: Sie wird umgewidmet, nicht abgeschaltet. Für die Netzsicherheit bedeutet das eine langsame Verschiebung des Schwerpunkts, aber keinen Bruch. Der amerikanische Vorsprung bleibt komfortabel, auch wenn er im dritten Quartal ein Stück kleiner wurde.

Der Vorgang lässt sich in Texas gut beobachten, dem Herzstück des US-Minings. Dort sitzen Miner an einem Netz, das im Sommer regelmäßig an seine Grenzen kommt, und verdienen zusätzlich Geld, indem sie bei Spitzenlast abschalten und Kapazität zurückgeben. Genau diese Flächen mit starker Netzanbindung und großen Grundstücken sind aber auch für KI-Rechenzentren ideal, die sich anders als Miner nicht kurzfristig drosseln lassen und deshalb bereit sind, langfristig hohe Preise zu zahlen. Der relative Rückgang der USA in der Q3-Statistik ist also kein Abwandern ins Ausland, sondern eine Umnutzung im Inland: dieselben Betreiber, dieselben Standorte, aber zunehmend ein anderer Verwendungszweck für den Strom.

Wo die Hashrate noch wächst: Golf, Äthiopien, Pakistan

Während die etablierten Zentren stagnieren, wächst die Hashrate an den Rändern. Paraguay kletterte auf rund 4,7 Prozent (etwa 44 EH/s), getragen von günstigem Wasserkraftstrom aus den großen Staudämmen und dem Ausbau von Betreibern wie HIVE Digital. Die Golfstaaten VAE (rund 3,0 Prozent) und Oman (rund 2,8 Prozent) bauen Mining bewusst als staatliche Industriepolitik aus, mit langfristig angebundenen Großanlagen statt kurzfristiger Strompreisarbitrage.

Am dynamischsten wirken die Frontiermärkte. Äthiopien legte dank des Grand-Ethiopian-Renaissance-Staudamms um 35 Prozent zu, auch wenn der staatliche Versorger die Tarife anziehen will und damit die Margen bedroht. Pakistan verzeichnete mit rund 733 Prozent den größten prozentualen Zuwachs, allerdings von einer winzigen Basis aus. Solche Sprünge sind mit Vorsicht zu genießen: Billiger Strom ist oft aus strukturellen Gründen billig, und Kasachstans Absturz aus den Top 10 mahnt, wie schnell aus einem Boom ein Rückzug werden kann. Wo genau die nächste Wachstumswelle physisch landet, entscheidet am Ende der Strompreis, ein Thema, das wir im Energiemix hinter dem Staking ausführlicher beleuchten.

Die Difficulty dreht wieder nach oben

Kein Instrument bildet die Wende so klar ab wie die Difficulty. Sie passt sich alle 2.016 Blöcke (etwa zwei Wochen) automatisch an, damit ein Block im Schnitt zehn Minuten dauert, egal wie viel Rechenleistung gerade online ist. Fällt Hashrate weg, sinkt die Difficulty; kommt sie zurück, steigt sie. Das dritte Quartal liefert dafür ein Lehrbuchbeispiel.

DatumDifficultyVeränderung
14. Juni124,93 Bio.-10,09 %
27. Juni133,87 Bio.+7,15 %
11. Juli127,17 Bio.-5,00 %
25. Juli126,23 Bio.-0,74 %
8. August127,48 Bio.+0,99 %
23. August125,81 Bio.-1,31 %
5. September127,45 Bio.+1,31 %
19. September132,76 Bio.+4,16 %
ca. 3. Oktober (Schätzung)rund 133 Bio.etwa +0,2 %

Nach einer Serie von Senkungen im Frühsommer folgten im Quartalsverlauf drei Anhebungen, zuletzt der kräftige Sprung um 4,16 Prozent am 19. September. Damit liegt die Difficulty wieder deutlich über ihrem Sommertief, bleibt aber rund 15 Prozent unter dem Rekord von rund 156 Billionen (November 2025). Die nächste Anpassung Anfang Oktober wird laut CoinWarz nur leicht positiv geschätzt (rund plus 0,2 Prozent), aber solche frühen Schätzungen sind notorisch verrauscht und drehen bis zum Stichtag oft noch. Für Miner ist die Botschaft eindeutig: Der kurze Sommer der niedrigen Difficulty ist vorbei, das Netz holt sich einen Teil des durch die Rally gestiegenen Ertrags über eine höhere Schwierigkeit zurück. Wie stark das den Hashprice deckelt, haben wir in Hashprice zum Quartalsende im Detail durchgerechnet.

Der Preis zieht, die Hashrate folgt (mit Verzögerung)

Der wichtigste Treiber der Q3-Wende war nicht neue Hardware, sondern der Preis. Das ist ein oft missverstandener Zusammenhang: Nicht die Hashrate treibt den Kurs, sondern der Kurs treibt (mit Verzögerung) die Hashrate. Steigt der Preis, wird das Mining profitabler, alte Maschinen lohnen sich wieder, stillgelegte Kapazität geht ans Netz, und einige Wochen später zieht die Difficulty nach. Genau das war im September zu beobachten.

Nikolaos Panigirtzoglou von JPMorgan hat den Mechanismus prägnant beschrieben: „Wenn Bitcoin unter seinen Produktionskosten handelt, fahren teurere Miner herunter, die Hashrate sinkt, und die Difficulty passt sich nach unten an.“ Im dritten Quartal lief dieser Satz rückwärts: Der Kurs kletterte über die geschätzte Produktionskostenlinie von rund 78.000 US-Dollar, also fuhren Miner wieder hoch, die Hashrate stieg, und die Difficulty zog an. Für Anleger heißt das: Ein Hashrate-Anstieg ist kein unabhängiges Kaufsignal, sondern meist ein nachlaufender Schatten des Preises. Wer die aktuelle Kurslage einordnen will, findet in unserer Analyse der Kostenbasis-Zonen die relevanten Halte- und Widerstandsmarken.

Wichtig ist die Verzögerung in diesem Mechanismus. Ein wieder eingeschalteter Rig produziert binnen Stunden Hashrate, aber die Difficulty misst nur alle zwei Wochen nach, und der 7-Tage-Schnitt der Hashrate glättet kurzfristige Ausschläge zusätzlich. Zwischen dem Preisimpuls und der sichtbaren Reaktion in den Netzzahlen liegen also Tage bis Wochen, weshalb einzelne Tageswerte in dieser Phase besonders verrauscht sind. Aufschlussreich ist zudem der in Bitcoin gerechnete Hashprice: Er blieb während der Rally weitgehend stabil, weil die Erholung ein reines Preisereignis war und kein Netzereignis. In US-Dollar verdiente ein Miner mehr, in Bitcoin je Rechenleistung dagegen kaum. Wer Hashrate-Trends liest, sollte deshalb immer fragen, ob sich das Netz bewegt hat oder nur der Wechselkurs.

Effizienz als heimlicher Wachstumsmotor

Es gibt eine Form von Wachstum, die selbst dann weiterläuft, wenn die EH/s-Zahl stillsteht: die Effizienz der Maschinen. Jede ASIC-Generation liefert mehr Rechenleistung pro Watt, gemessen in Joule pro Terahash (J/TH). Wo ein Antminer S9 von 2016 noch rund 98 J/TH brauchte, kommt der 2026 ausgelieferte Antminer S23 Hydro auf etwa 9,5 J/TH, der erste Serien-Miner unter der Marke von zehn Joule. Das ist rund die zehnfache Effizienz in einem Jahrzehnt.

ModellJahrEffizienzLeistung
Antminer S9201698 J/TH13,5 TH/s
Antminer S19202034 J/TH95 TH/s
Antminer S19 XP202221,5 J/TH140 TH/s
Antminer S21 XP2024/2513,5 J/TH270 TH/s
MicroBT WhatsMiner M702025rund 14,5 J/THrund 220 TH/s
Antminer S23 Hydro20269,5 J/THrund 560 TH/s

Für das Wachstum hat das eine paradoxe Folge. Laut einer Analyse von CoinDesk und The Miner Mag ersetzen die neuen, hocheffizienten Rigs zunehmend alte Flotten, statt das Netz zu erweitern. Ein Betreiber tauscht S19 gegen S23 und hält seine Megawattzahl konstant; die Rechenleistung an diesem Standort steigt, aber netto kommt weniger neue Hashrate hinzu, als die Chip-Fortschritte vermuten lassen. Effizienz macht das Netz sicherer und die Betreiber wettbewerbsfähiger, ohne dass die große Zahl explodiert. Genau das erklärt einen Teil der Q3-Stagnation: Es wird modernisiert, nicht expandiert.

Diese Verschiebung erklärt auch, warum echtes Netto-Wachstum an einer weiteren Stelle klemmt: beim Nachschub an Chips. Praktisch alle Bitcoin-ASICs stammen von einer Handvoll Herstellern, allen voran den chinesischen Anbietern Bitmain, MicroBT und Canaan, die wiederum auf wenige hochmoderne Chip-Fabriken angewiesen sind. Genau um deren fortschrittlichste Fertigungsprozesse konkurrieren sie mit den KI-Chips von Nvidia und anderen. Ein Wechsel der Foundry oder ein neuer Fertigungsknoten bedeutet zwölf bis achtzehn Monate Vorlauf, und US-Zölle auf importierte Hardware haben die Lieferketten zusätzlich verkompliziert. Selbst wenn der Preis stimmt, kann das Netz also nur so schnell wachsen, wie neue Maschinen vom Band laufen, ein struktureller Deckel, der die stürmischen Wachstumsraten früherer Zyklen unwahrscheinlicher macht.

Der neue Rivale um jede Megawattstunde: KI und HPC

Der größte strukturelle Faktor hinter der 2026er Stagnation heißt künstliche Intelligenz. Mining und KI-Rechenzentren konkurrieren um dieselbe knappe Ressource: günstige, gut angebundene Elektrizität. Und für viele börsennotierte Betreiber gewinnt die KI dieses Duell. James Butterfill von CoinShares spricht von einer der schwierigsten Phasen für Miner und schätzt, dass einige börsennotierte Unternehmen bis Ende 2026 bis zu 70 Prozent ihrer Erlöse aus KI beziehen könnten, gegenüber rund 30 Prozent heute; sektorweit summieren sich die angekündigten KI- und HPC-Verträge auf über 70 Milliarden US-Dollar.

Die Zahlen zur Verlagerung sind eindeutig. Laut Branchendaten hielt die börsennotierte Miner-Kohorte im zweiten Quartal 2026 nur noch rund 319 EH/s an realisierter Hashrate, nach 368 EH/s ein halbes Jahr zuvor, während das Gesamtnetz weit größer blieb. Mit anderen Worten: Die sichtbaren, regulierten Unternehmen stellen nur noch etwa ein Drittel der Rechenleistung, und ihr Anteil schrumpft, während die KI-Erlöse steigen. Der Grund ist simple Betriebswirtschaft: Erlös und Marge je Megawatt sind im KI-Colocation-Geschäft deutlich höher als im Mining. Die GPU-Nachfrage, die diesen Boom antreibt, beleuchten wir am Beispiel Akash und der AKT-Rally genauer.

Wie ernst es die Branche meint, zeigen die Abschlüsse des Jahres. Große börsennotierte Betreiber wie Riot, TeraWulf oder Core Scientific haben milliardenschwere, jahrzehntelange Verträge mit KI- und Cloud-Anbietern unterschrieben oder ganze Standorte für Hochleistungsrechnen umgewidmet; CleanSpark signalisierte offen, dass sich neues Mining bei den aktuellen Hashprices kaum noch lohne. Ethan Vera von Luxor weist zugleich auf die Kehrseite hin: Miner seien für das Stromnetz wertvoller, als viele glaubten, denn sie könnten sich als flexible Last binnen Sekunden abschalten, etwas, das die KI-Kapazität, die sie ersetzt, noch nicht könne. Für die Hashrate bedeutet dieser Zwiespalt: Kapazität, die einmal an einen KI-Vertrag gebunden ist, kommt so schnell nicht ins Mining zurück.

Wer sichert das Netz? Die börsennotierte Minderheit

Aus der KI-Verlagerung folgt eine oft übersehene Wahrheit: Die börsennotierten Miner, über die am meisten berichtet wird, sind gar nicht die Mehrheit des Netzes. Wenn die sichtbare Kohorte nur rund ein Drittel der Hashrate stellt, dann sichern die übrigen zwei Drittel, private, oft im Ausland ansässige oder staatlich gestützte Betreiber, Bitcoin im Stillen. Diese Verschiebung ist der eigentliche Strukturwandel des Jahres.

Zwei Dinge sind dabei wichtig. Erstens ist das kein Sicherheitsproblem an sich: Mining-Pools bündeln zwar die Rechenleistung vieler Betreiber zur Koordination, besitzen die Maschinen aber nicht und ersetzen nicht die Eigentümer. Zweitens verändert es, wie transparent das Netz ist. Je mehr Kapazität von öffentlich berichtenden US-Firmen zu weniger sichtbaren Betreibern in anderen Jurisdiktionen wandert, desto weniger sagt ein Blick auf die Quartalsberichte der großen Miner über den tatsächlichen Zustand des Netzes aus. Für die Bilanz zum Quartalsende heißt das: Ein sinkender Anteil der börsennotierten Miner bedeutet nicht, dass Bitcoin unsicherer wird, sondern dass sich sein Rückgrat verlagert.

Ein Blick auf die Pool-Ebene rundet das Bild ab. Rechenleistung und Eigentum fallen hier auseinander: Große Pools wie Foundry USA und AntPool koordinieren zusammen den Großteil der gefundenen Blöcke, besitzen die Maschinen aber nicht, sondern bündeln nur die Arbeit tausender einzelner Betreiber. Diese Konzentration auf wenige Pools ist ein reales Governance-Thema, weshalb Ansätze wie Stratum V2 den einzelnen Minern mehr Kontrolle über die Auswahl der Transaktionen zurückgeben wollen. Für die Sicherheitsfrage gilt aber weiterhin die Trennung: Ein Pool, der viele Blöcke koordiniert, ist nicht dasselbe wie ein Akteur, der die halbe Hashrate besitzt. Wer über Zensur oder Angriffe nachdenkt, muss beide Ebenen getrennt betrachten.

Was Wachstum für die Sicherheit bedeutet

Warum ist Hashrate-Wachstum überhaupt wichtig? Weil die gesamte Rechenleistung des Netzes den Preis für einen Angriff bestimmt. Multipliziert man den Hashprice mit der Hashrate, ergibt sich ein annualisiertes Sicherheitsbudget von grob 13 bis 14 Milliarden US-Dollar pro Jahr, das ist die Summe, mit der ehrliche Miner dafür bezahlt werden, das Netz zu verteidigen. Selbst wenn die Hashrate-Schätzung um zehn oder zwanzig Prozent danebenliegt, ändert das an dieser Größenordnung wenig.

Campbell Harvey von der Duke University hat die Kosten eines Mehrheitsangriffs zuletzt auf rund 8 Milliarden US-Dollar beziffert, etwa ein halbes Prozent des Bitcoin-Werts, wenn ein Angreifer die Hardware-Beschaffung mit einer großen Short-Position in Derivaten kombiniert. Realistisch bleibt ein solcher Angriff, wie er selbst betont, wegen der schieren Größe unwahrscheinlich. Wichtiger für die langfristige Bilanz ist die Halbierung der Blockbelohnung 2028, wenn die Subvention von 3,125 auf 1,5625 BTC fällt. Solange Transaktionsgebühren nur einen Bruchteil des Miner-Ertrags ausmachen, hängt das Sicherheitsbudget am Preis: Wächst er nicht kräftig weiter, wird die Rechnung nach 2028 anspruchsvoller. Hashrate-Wachstum ist damit kein Selbstzweck, sondern die Kehrseite der Sicherheitsfrage.

Der Vergleich mit Proof of Stake schärft den Punkt. Bei Bitcoin bezahlt physische Energie die Sicherheit, bei Ethereum gebundenes Kapital; beide Systeme haben 2026 erlebt, dass der Preis der Sicherheit je eingesetzter Einheit fällt, während die Menge der eingesetzten Ressource Rekorde erreichte. Für Bitcoin heißt das konkret: Solange die Blockbelohnung den Löwenanteil des Miner-Ertrags stellt, hängt das gesamte Sicherheitsbudget an Subvention mal Preis. Die Transaktionsgebühren müssten über die kommenden Halvings einen wachsenden Teil übernehmen, doch davon ist das Netz weit entfernt, sie machen derzeit nur einen Bruchteil des Ertrags aus. Hashrate-Wachstum ist damit langfristig weniger eine Frage der Technik als eine Frage, ob Preis und Gebühren zusammen mit dem sinkenden Blockzuschuss Schritt halten.

Mining, BaFin und der regulatorische Rahmen

Für deutschsprachige Leser lohnt die regulatorische Einordnung. Bitcoin-Mining selbst ist in Deutschland keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung; die BaFin beaufsichtigt Krypto-Dienstleister (Verwahrung, Handel, Vermittlung) und Emittenten unter MiCA, nicht das Schürfen von Blöcken. Wer in Deutschland Hardware betreibt, fällt also nicht automatisch unter die MiCA-Aufsicht, sehr wohl aber unter Energie-, Steuer- und Gewerberecht.

Für Anleger im deutschsprachigen Raum ist die Hashrate damit vor allem eine indirekte Wette. Wer auf das Wachstum des Netzes setzen will, tut das in der Praxis über Aktien börsennotierter Miner, über Krypto-ETPs oder schlicht über Bitcoin selbst, nicht über eigene Hardware im Keller. Gewinne aus solchen Investments unterliegen der üblichen Besteuerung, und wer Miner-Aktien hält, kauft zunehmend auch ein KI-Rechenzentrumsgeschäft mit, wie der Umbau vieler Betreiber zeigt. Die Trennlinie zwischen einem Bitcoin-Miner und einem KI-Infrastrukturunternehmen verschwimmt, und genau das sollten Anleger bei der Bewertung im Hinterkopf behalten.

Praktisch relevanter als die Aufsicht ist ohnehin der Strompreis. Deutsche Industriestromkosten von rund 20 Cent je Kilowattstunde und mehr machen heimisches Mining gegenüber US-Standorten mit unter 6 Cent kaum konkurrenzfähig; der neue subventionierte Industriestrompreis ist ausdrücklich nicht für Miner gedacht. Für den deutschsprachigen Raum ist Hashrate-Wachstum deshalb vor allem eine Investment- und Beobachtungsfrage (über Miner-Aktien, ETPs oder den Netzzustand), weniger eine Frage des eigenen Betriebs. Die europäische Perspektive bleibt: MiCA regelt die Dienstleister rund um die Coins, nicht das Protokoll selbst.

Ausblick auf das vierte Quartal 2026

Wie geht es weiter? Die kurzfristige Richtung der Hashrate hängt an drei Größen. Erstens am Preis: Hält Bitcoin die Erholung über der Produktionskostenlinie, bleiben die zurückgekehrten Maschinen am Netz, und die Difficulty steigt weiter. Ein Rückfall unter rund 78.000 US-Dollar würde dagegen erneut Kapazität abschalten. Zweitens am KI-Sog: Solange eine Megawattstunde in HPC-Verträgen mehr einbringt, fließt neuer Strom eher in KI als in zusätzliche Rigs, was echtes Netto-Wachstum bremst. Drittens am Nachschub an Chips, denn selbst profitable Betreiber können nur so schnell wachsen, wie die Foundries neue ASICs liefern.

Woran lässt sich die Richtung ablesen? Drei Signale sind praktikabel: die Difficulty-Anpassungen alle zwei Wochen (steigen sie weiter, kommen Maschinen zurück), der 7-Tage-Schnitt der Hashrate statt einzelner Tageswerte (er glättet das Rauschen) und der Hashprice als Gradmesser der Rentabilität. Kommt eine neue Ausgabe des Global-Heatmap heraus, lohnt zudem der Blick auf die Verschiebungen zwischen den Ländern, denn dort zeigt sich die Umverteilung früher als in der Gesamtzahl. Wer diese drei bis vier Kennzahlen im Auge behält, erkennt eine echte Wende schneller als aus Schlagzeilen über ein vermeintliches neues Allzeithoch.

CoinShares hatte für das Jahresende 2026 rund 1,8 ZH/s in Aussicht gestellt, allerdings unter der Bedingung einer Kurserholung Richtung 100.000 US-Dollar. Nach der Q3-Bilanz wirkt dieses Ziel ambitioniert: Bei rund 940 EH/s und einem Kurs um 83.000 US-Dollar müsste sowohl der Preis kräftig anziehen als auch der KI-Sog nachlassen. Wahrscheinlicher ist ein Netz, das auf hohem Niveau seitwärts wächst, während sich die Landkarte weiter verschiebt. Für die Kursrichtung, an der letztlich alles hängt, bleiben der Jahresschluss mit seinem Optionsverfall und die Notenbanktermine der entscheidende Taktgeber. Wer im vierten Quartal auf die Hashrate schaut, sollte weniger auf ein neues Allzeithoch warten als darauf achten, wo die nächste günstige Megawattstunde entsteht.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist die Bitcoin-Hashrate im dritten Quartal 2026?

Zum Ende des dritten Quartals 2026 lag die geschätzte Netzwerk-Hashrate bei rund 940 EH/s. Das sind etwa 6 Prozent weniger als im zweiten Quartal und rund 12 Prozent unter dem Rekord von etwa 1.066 EH/s aus dem Dezember 2025. Die Hashrate wird aus Difficulty und Blockzeiten geschätzt, ist also kein exakt gemessener Wert.

Warum ist die Bitcoin-Hashrate 2026 nicht weiter gewachsen?

Hauptgrund ist der KI-Boom: Rechenzentren für künstliche Intelligenz konkurrieren mit Minern um günstigen Strom, und für viele Betreiber ist ein HPC-Vertrag lukrativer als Mining. Hinzu kamen schwache Margen, ein Kurs zeitweise unter der Produktionskostenlinie und die Tatsache, dass neue, effizientere Maschinen oft alte Flotten ersetzen, statt das Netz zu vergrößern.

Welches Land hat die meiste Bitcoin-Hashrate?

Die USA führen mit rund 36,7 Prozent (etwa 345 EH/s), gefolgt von Russland (rund 17 Prozent) und China (rund 12 Prozent). Im dritten Quartal 2026 fiel Kasachstan erstmals seit Jahren aus den Top 10, während Norwegen neu einzog. Die drei größten Länder halten zusammen weiterhin rund zwei Drittel der Welt-Hashrate.

Was bedeutet der Difficulty-Anstieg im September 2026 für Miner?

Die Difficulty stieg am 19. September um 4,16 Prozent, nach einem Plus von 1,31 Prozent Anfang des Monats. Für Miner heißt das: Ein Teil des durch die Kursrally gestiegenen Ertrags wird über die höhere Schwierigkeit wieder aufgezehrt, weil pro Rechenleistung weniger Bitcoin herausspringt. Die niedrige Sommer-Difficulty, die effizienten Betreibern kurz höhere Margen bescherte, ist damit vorbei.

Reguliert die BaFin Bitcoin-Mining?

Nein. Bitcoin-Mining ist in Deutschland keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung. Die BaFin beaufsichtigt unter MiCA Krypto-Dienstleister wie Handelsplattformen und Verwahrer sowie Emittenten, nicht das Mining selbst. Für Betreiber gelten aber Energie-, Steuer- und Gewerberecht; die hohen deutschen Strompreise machen heimisches Mining ohnehin kaum konkurrenzfähig.

Von Marcus Okafor, Redaktion Bitcoin und Mining, HOGE Wire.

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