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● Mining & Staking

Hashprice ein Jahr nach dem Rekord: der Zyklus der Miner

Vor einem Jahr erreichte Bitcoin sein Rekordhoch, und der Hashprice fiel trotzdem. Zwölf Monate später zeigt der Zyklus, warum Miner fast immer zur falschen Zeit bauen.

Vor einem Jahr, Anfang Oktober 2025, lief für Bitcoin-Miner scheinbar alles zusammen. Der Kurs kletterte auf ein Rekordhoch von rund 126.000 US-Dollar, die Rechenleistung des Netzwerks überschritt erstmals dauerhaft ein Zettahash (1.000 EH/s), und die Mining-Difficulty erreichte mit knapp 156 Billionen ihren bis heute höchsten Stand. Und trotzdem fiel der Hashprice, also der tägliche Umsatz je Einheit Rechenleistung, in genau diesem Monat weiter. Wer die zwölf Monate seither nachzeichnet, findet darin keine Panne, sondern ein Muster, das Ökonomen seit hundert Jahren kennen.

Heute, Mitte Oktober 2026, steht Bitcoin bei rund 74.500 Euro (etwa 83.400 US-Dollar), gut ein Drittel unter dem Rekord. Der Hashprice notiert bei knapp 40 US-Dollar je PH und Tag, nachdem er Ende Juni ein Mehrjahrestief nahe 28 Dollar gesehen hatte. Dieser Text ist kein weiterer Hashprice-Erklärer, sondern eine Jahresbilanz. Die These dahinter ist einfach: Der Absturz und die Erholung des Hashprice waren weniger eine Geschichte des Bitcoin-Kurses als eine Geschichte von Investitionen, die zur falschen Zeit getroffen wurden.

Diese Lesart ist mehr als eine rückblickende Pointe. Sie erklärt, warum die Erholung seit dem Sommer so zäh verläuft, warum ausgerechnet deutsche Standorte im Abseits stehen, und warum der nächste Kapitalzufluss, diesmal getrieben von künstlicher Intelligenz, schon wieder die Saat für den übernächsten Überhang legen könnte. Der Hashprice ist dafür die ideale Linse, weil er alle relevanten Kräfte in einer einzigen Zahl bündelt: Kurs, Rechenleistung, Belohnung und Gebühren. Wer ihn über ein volles Jahr verfolgt, sieht der Mining-Ökonomie beim Atmen zu.

Ein Jahr nach dem Rekord: die Momentaufnahme

Die kürzeste Art, das Jahr zu fassen, ist ein direkter Vergleich der beiden Oktober. Der Bitcoin-Kurs bringt es laut CoinGecko auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,5 Billionen Euro (etwa 1,68 Billionen Dollar); Fortune notierte am 13. Oktober 2026 einen Preis von 83.408 Dollar. Die Rechenleistung ist zwar wieder in der Nähe eines Zettahash, die Difficulty aber liegt deutlich unter dem Rekord. Der Hashprice hat sich halbwegs erholt, ohne an das Niveau von vor einem Jahr heranzukommen.

KennzahlOktober 2025 (Rekord)Oktober 2026 (heute)
Bitcoin-Kursrund 126.000 USDrund 83.400 USD (ca. 74.500 EUR)
Hashprice (USD/PH/Tag)rund 48, fallendrund 39 bis 40
Netzwerk-Hashraterund 1.082 EH/srund 1.020 bis 1.060 EH/s
Difficulty155,97 Bio. (Rekord)132,72 Bio.
Block-Subvention3,125 BTC3,125 BTC
Beherrschendes Themaneuer KursrekordAI-Umbau der Branche
Quellen: CoinGecko, Fortune, Hashrate Index, CoinWarz. Hashprice und Hashrate sind volatil und tagesabhängig.

Drei Dinge fallen sofort auf. Erstens hat sich der Bitcoin-Kurs zwar klar von seinen Sommertiefs erholt, liegt aber immer noch rund ein Drittel unter dem Rekord. Zweitens ist die Rechenleistung fast wieder auf dem Niveau von vor einem Jahr, die Difficulty dagegen deutlich darunter, ein erster Hinweis, dass das Netzwerk zwischenzeitlich Kapazität verloren und sie erst teilweise zurückgewonnen hat. Und drittens hat sich die beherrschende Erzählung der Branche verschoben: weg vom Kursrekord und der Jagd nach Hashrate, hin zum Umbau in Richtung künstlicher Intelligenz. Jede dieser drei Beobachtungen hat ihre eigene Ursache, und zusammengenommen ergeben sie die Geschichte dieses Jahres.

Hashprice in einem Satz

Der Hashprice ist der erwartete Tagesumsatz eines Miners je Einheit Rechenleistung, üblicherweise in US-Dollar pro Petahash und Tag (PH/Tag). Die Formel ist überschaubar: Man nimmt die rund 144 Blöcke pro Tag, multipliziert mit der Blockbelohnung (zurzeit 3,125 BTC plus Gebühren) und mit dem Bitcoin-Kurs, und teilt das Ergebnis durch die gesamte Netzwerk-Hashrate. Der Begriff stammt vom Analyse-Anbieter Luxor, der den Hashprice-Index etabliert hat. Wichtig für alles Weitere: Der Hashprice ist eine Weltzahl. Er ist für jeden Miner auf dem Planeten identisch, egal ob in Texas, Äthiopien oder Nordrhein-Westfalen. Was sich lokal unterscheidet, ist allein die Kostenseite, vor allem der Strompreis, wie wir in der Analyse zur lokalen Stromrechnung ausführlich gezeigt haben.

Ein kurzes Rechenbeispiel macht das greifbar. Bei rund 144 Blöcken täglich, einer Subvention von 3,125 BTC, einem Kurs von etwa 83.400 Dollar und einer Hashrate von grob 1.020.000 PH/s ergibt sich ein Wert von 144 mal 3,125 mal 83.400, geteilt durch 1.020.000, also ungefähr 37 Dollar; die Transaktionsgebühren heben die veröffentlichten Werte auf knapp 40 Dollar an. Jede Variable in dieser Rechnung hat 2026 ihre eigene Geschichte geschrieben: Der Kurs fiel und stieg wieder, die Hashrate kletterte, die Gebühren blieben marginal, und die Subvention bleibt bis zum Halving 2028 fix. Der Hashprice presst all das in eine Zahl, und genau deshalb ist er so aussagekräftig und zugleich so sprunghaft.

Der Wendepunkt lag im Hoch, nicht im Tief

Die meisten Rückblicke datieren den Beginn der Miner-Krise auf den Kursrutsch des Winters. Das ist zu spät. Der Hashprice begann schon zu fallen, als Bitcoin sein Allzeithoch markierte. Im Oktober 2025 sackte der monatliche Durchschnitts-Hashprice laut Luxors Hashrate Lookback um 6,9 Prozent auf 48,47 Dollar je PH/Tag, den dritten Monatsrückgang in Folge. Zur selben Zeit meldete CoinDesk unter Berufung auf JPMorgan, dass die Netzwerk-Hashrate im Oktober im Schnitt auf 1.082 EH/s stieg und die Difficulty um 8,4 Prozent auf ein Rekordhoch kletterte.

Das ist der Kern der Sache. Der Bitcoin-Kurs, der Zähler in der Hashprice-Formel, stand auf Rekord, aber die Hashrate, der Nenner, wuchs schneller. Schon Anfang Oktober 2025 trug CoinDesk die Schlagzeile, dass das Mining den härtesten Stand aller Zeiten erreicht, während der Hashprice rutscht. Der Wettbewerb um die feste Blockbelohnung verschärfte sich also schneller, als der steigende Kurs ihn vergüten konnte. Der Gipfel des Kurses war zugleich der Beginn des Abschwungs bei den Miner-Erlösen.

Dieser Befund widerspricht der Alltagsintuition, die den Hashprice stillschweigend an den Kurs koppelt. Steigt Bitcoin, so das Bauchgefühl, steigt auch der Umsatz der Miner. Das stimmt aber nur, solange die Rechenleistung nicht schneller wächst. Genau das jedoch tat sie im Herbst 2025. Jeder neue Kursrekord lockte frisches Kapital in die Branche, und jedes Megawatt, das ans Netz ging, verteilte dieselbe feste Blockbelohnung auf mehr Schultern. Der Hashprice ist eben kein Preis, sondern ein Quotient, und der Nenner war 2025 der aktivere Teil der Gleichung.

Der Schweinezyklus der Rechenleistung

Warum wuchs die Hashrate ausgerechnet dann am stärksten, als sich das Mining kaum noch lohnte? Weil die Entscheidung zu wachsen Monate vorher gefallen war. Hier hilft ein Begriff aus der deutschen Agrarökonomie: der Schweinezyklus, in den 1920er-Jahren vom Agrarökonomen Arthur Hanau beschrieben. Hohe Preise verleiten Landwirte dazu, mehr Ferkel aufzuziehen; bis die Tiere schlachtreif sind, ist der Markt überversorgt und der Preis fällt; die Bauern drosseln, und Jahre später wiederholt sich das Spiel. Der entscheidende Mechanismus ist die Verzögerung zwischen Investitionsentscheidung und Wirkung.

Beim Bitcoin-Mining läuft es fast identisch, nur mit ASICs statt Ferkeln. In der ersten Jahreshälfte 2025, als der Hashprice noch bei 55 bis über 60 Dollar lag, bestellten Miner im großen Stil neue Hardware und sicherten sich Megawatt. Diese Maschinen, oft mit sechs bis zwölf Monaten Vorlauf, gingen Ende 2025 und im ersten Halbjahr 2026 ans Netz, also genau dann, als der Kurs vom Rekord abbröckelte. Das Ergebnis war eine Rechenleistung, die weit über das hinauswuchs, was die Erlöse noch trugen. Wer die Hardware-Seite dieses Rennens verstehen will, findet in unserer Analyse zum Duell Bitmain gegen MicroBT die Hintergründe dazu, wie die beiden Hersteller das Angebot steuern und zunehmend selbst schürfen.

Der Vorlauf ist dabei die entscheidende Größe. Zwischen der Bestellung einer ASIC-Charge und ihrem produktiven Betrieb liegen Monate: Fertigung, Verschiffung, Zoll, der Bau oder die Anmietung der Halle, der Netzanschluss. Wer im Frühjahr 2025 bei einem Hashprice von 60 Dollar kalkulierte, plante für eine Welt, die es bei Inbetriebnahme nicht mehr gab. Verschärfend kam hinzu, dass das Halving vom April 2024 die Belohnung bereits auf 3,125 BTC halbiert hatte; die Branche versuchte, diesen Einschnitt mit schierer Masse an Rechenleistung auszugleichen, und beschleunigte damit genau den Wettlauf, der die Marge auffraß. Masse war die Antwort auf ein Mengenproblem, das sich durch Masse nicht lösen lässt.

Zwölf Monate im Zeitraffer

Die folgende Tabelle zeigt den Weg des Hashprice über das Jahr. Auffällig ist nicht nur der Absturz, sondern sein Timing: Der Tiefpunkt kam erst Ende Juni 2026, acht Monate nach dem Kursrekord, exakt in dem Moment, als die zuvor bestellte Kapazität vollständig angeschlossen war.

ZeitpunktHashprice (USD/PH/Tag)Was passierte
Okt 2025rund 48, fallendKursrekord, Hashrate über 1 ZH/s, Difficulty-Rekord
Nov 2025Fünf-Jahres-TiefRekord-Difficulty trifft auf drehenden Kurs
Dez 2025rund 35Vorbestellte Kapazität strömt weiter ins Netz
März 2026rund 28 bis 30Neues Tief nach dem Halving von 2024
Ende Juni 2026rund 27,70Tiefpunkt, Hashrate selbst auf Fünf-Jahres-Tief
Anfang Aug 2026rund 32Difficulty fällt, erste Erholung
6. Sep 202639,63 (+22 % z. Vormonat)Kurs-Rally zieht den Hashprice mit
Okt 2026rund 39 bis 40Difficulty holt auf (+4,16 % am 19. Sep)
Quellen: Hashrate Index, CoinDesk, news.bitcoin.com. Werte gerundet und tagesabhängig.

Zwischen dem Rekord und dem Tief verlor der Hashprice rund 40 Prozent. Die Erholung ab August 2026 fiel mit einem Monatsplus von 22 Prozent kräftig aus, blieb aber ein Kurs-Ereignis und kein Netzwerk-Ereignis. Auf diesen Unterschied kommen wir noch zurück.

Bemerkenswert ist vor allem die Hartnäckigkeit des Tiefs. Der Hashprice verharrte vom Spätherbst 2025 bis in den Sommer 2026 in einem schmalen Band um die 30 Dollar oder knapp darunter, über mehr als ein halbes Jahr. Das war kein kurzer Schock, sondern eine anhaltende Phase, in der der Erlös für einen erheblichen Teil der Flotte unter den laufenden Kosten lag. Erst die Kombination aus abschaltender Kapazität, also sinkender Difficulty, und steigendem Kurs im Spätsommer 2026 drehte das Blatt. Die Reihenfolge ist wichtig: Zuerst korrigierte das Netzwerk sich selbst, dann half der Markt nach.

Zweimal Fünf-Jahres-Tief und die Kapitulation

Der Boden kam in zwei Etappen. Bereits Mitte November 2025 fiel der Hashprice laut CoinDesk auf ein Fünf-Jahres-Tief. Danach ging es weiter bergab, bis Ende Juni 2026 Tagespreise nahe 27,70 Dollar erreicht wurden, einige der niedrigsten Werte, die je gemessen wurden. Zugleich markierte die Hashrate im ersten Halbjahr 2026 selbst ein Fünf-Jahres-Tief, weil deutlich über hundert EH/s an älterer Hardware vom Netz gingen. Das ist Kapitulation im Lehrbuchsinn: Wenn der Erlös die Stromrechnung nicht mehr deckt, schalten Miner ab.

Wie eng es war, zeigen die Produktionskosten. Laut dem Bitcoin-Mining-Report von CoinShares für das zweite Quartal 2026 lagen die gewichteten Barkosten der börsennotierten Miner (ohne Steuern und Abschreibung) bei rund 75.500 Dollar je Bitcoin und damit zeitweise über dem Marktpreis. JPMorgan-Analyst Nikolaos Panigirtzoglou bezifferte die Vollkosten je Bitcoin auf etwa 78.000 Dollar und schätzte, dass 15 bis 20 Prozent der Flotte unrentabel arbeiteten. Für einen in Euro rechnenden Betreiber war das eine existenzielle Lage.

Die Krise traf nicht alle gleich. Die Spanne der Produktionskosten zwischen den börsennotierten Minern ist enorm und reicht von Betreibern mit eigenem, sehr günstigem Strom in Texas bis zu Flotten, deren Vollkosten je Bitcoin weit über dem Marktpreis lagen. Wer alte, ineffiziente Hardware an teurem Netzstrom betrieb, war zuerst draußen; wer unter 15 J/TH und unter sechs US-Cent je kWh blieb, überstand auch das Juni-Tief mit positiver Barmarge. Die Kapitulation war also kein Flächenbrand, sondern eine Auslese, und sie verlief entlang genau der beiden Achsen, die der Hashprice selbst nicht enthält: Effizienz der Maschine und Preis des Stroms.

Die Difficulty als eingebaute Korrektur

Der Schweinezyklus kennt beim Schwein kein Korrektiv außer der Insolvenz. Bitcoin hat eines, und es steckt im Protokoll: die Difficulty-Anpassung alle rund zwei Wochen. Fällt Rechenleistung weg, sinkt die Difficulty, und die verbliebenen Miner verdienen je Einheit wieder mehr. Genau das geschah 2026. Panigirtzoglou fasste den Mechanismus so zusammen: „Wenn Bitcoin unter seinen Produktionskosten handelt, fahren teurere Miner herunter, die Hashrate sinkt, und die Difficulty passt sich nach unten an.“

Die Zahlenreihe des Jahres liest sich wie ein Thermostat bei der Arbeit: tiefe Einschnitte im Sommer, als Miner abschalteten, dann wieder Anstiege, als der Kurs sich erholte und Hardware zurückkam. Der Rekordwert von 155,97 Billionen aus dem November 2025 liegt bis heute rund 15 Prozent über dem aktuellen Stand.

DatumÄnderungDifficulty danach
14. Jun 2026-10,09 %124,93 Bio.
27. Jun 2026+7,15 %133,87 Bio.
11. Jul 2026-5,00 %127,17 Bio.
25. Jul 2026-0,74 %126,23 Bio.
8. Aug 2026+0,99 %127,48 Bio.
23. Aug 2026-1,31 %125,81 Bio.
6. Sep 2026+1,31 %127,45 Bio.
19. Sep 2026+4,16 %132,76 Bio.
3. Okt 2026-0,03 %132,72 Bio.
ca. 16. Okt 2026 (Schätzung)ca. +3,4 %ca. 137 Bio.
Quelle: CoinWarz. Der letzte Eintrag ist eine Schätzung vor dem Retarget.

Laut CoinWarz steht die Difficulty aktuell bei 132,72 Billionen, der nächste Retarget wird um den 16. Oktober erwartet und dürfte sie um gut drei Prozent nach oben schieben. Das ist der eigentliche Grund, warum die Hashprice-Erholung zäh bleibt: Jeder Kursgewinn lockt Rechenleistung an, und die Difficulty konkurriert den Vorteil wieder weg. Der Thermostat glättet den Schweinezyklus, er hebt ihn nicht auf.

Perfekt ist dieses Korrektiv nicht, denn es wirkt mit Verzögerung. Die Difficulty passt sich nur alle 2.016 Blöcke an, also etwa alle zwei Wochen, und sie orientiert sich rückblickend an den Blockzeiten der zurückliegenden Periode. Fällt der Kurs abrupt, verdienen Miner tagelang unter ihren Kosten, bevor der nächste Retarget Entlastung bringt; steigt der Kurs wie im Spätsommer 2026, kassieren die Betreiber ein Fenster überdurchschnittlicher Margen, bis die Anpassung nachzieht. Diese Verzögerung ist die kleine Schwester des Schweinezyklus: Auch das Korrektiv kommt immer einen Takt zu spät, nur eben in Tagen statt in Monaten.

Hashprice global, Marge lokal

Jetzt wird aus der Weltzahl eine deutsche Rechnung. Da der Hashprice überall gleich ist, entscheidet allein der Strompreis darüber, wer verdient. Die folgende Tabelle rechnet den maximal tragbaren Strompreis (die Gewinnschwelle) für gängige ASIC-Modelle in drei Phasen des Jahres durch: beim Rekord-Hashprice von Oktober 2025, am Juni-Tief und heute. Grundlage ist die Faustformel Hashprice geteilt durch 24 mal die Effizienz in J/TH, umgerechnet zu einem Euro-Kurs von rund 1,12.

ASIC (J/TH)bei ca. 48 USD (Okt 2025)bei ca. 28 USD (Juni-Tief)bei ca. 40 USD (heute)
Antminer S23 Hydro (9,5)0,188 (0,21)0,110 (0,12)0,157 (0,18)
Antminer S21 XP (13,5)0,132 (0,15)0,077 (0,09)0,110 (0,12)
Antminer S21 Pro (15)0,119 (0,13)0,069 (0,08)0,099 (0,11)
WhatsMiner M60S (18,5)0,097 (0,11)0,056 (0,06)0,080 (0,09)
Antminer S19 XP (21,5)0,083 (0,09)0,048 (0,05)0,069 (0,08)
Antminer S19j Pro (29,5)0,061 (0,07)0,035 (0,04)0,050 (0,06)
Gewinnschwelle in EUR/kWh (USD in Klammern). Quellen: Hersteller-Spezifikationen von Bitmain und WhatsMiner; Berechnung HOGE Wire.

Die Tabelle erklärt das deutsche Dilemma in einer Zeile. Der gewerbliche Industriestrompreis lag laut einer Eurostat-Auswertung im zweiten Halbjahr 2025 bei rund 22,6 Cent je kWh, etwa ein Viertel über dem EU-Schnitt. Selbst der modernste Wasserkühler mit 9,5 J/TH braucht bei einem Hashprice von 40 Dollar aber nur knapp 16 Euro-Cent, um die Gewinnschwelle zu erreichen. An deutschen Netzpreisen ist damit praktisch die gesamte Flotte unter Wasser. Der 2026 eingeführte subventionierte Industriestrompreis von fünf Cent gilt nur für definierte energieintensive Branchen und schließt Rechenzentren und Mining ausdrücklich aus.

Regulatorisch ist das kein Zufall. Mining ist in Deutschland keine lizenzpflichtige Finanzdienstleistung. Die BaFin beaufsichtigt laut ihrem Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen Verwahrer und Handelsplattformen (die CASPs unter MiCA), nicht aber das Schürfen selbst. Wer in Deutschland mint, tut das als Energie- und Industriebetrieb, nicht als beaufsichtigter Finanzakteur, und genau die Energieseite ist hierzulande das Problem.

International sieht die Rechnung völlig anders aus. In Teilen der Golfregion, in Äthiopien mit Wasserkraft, in Kasachstan oder hinter dem Zähler an texanischen Gasquellen liegen die Stromkosten bei vier bis sechs US-Cent je kWh, teils darunter. Dort verdient selbst mittelalte Hardware bei einem Hashprice von 40 Dollar noch Geld. Deutsche Betreiber können diese Lücke nur schließen, wenn sie Strom nutzen, der ohnehin verloren ginge, etwa abgeregelten Wind- oder Solarstrom, oder wenn sie die Abwärme sinnvoll weiterverwenden. Als Abnehmer von Netzstrom zu Industriepreisen ist ein deutscher Standort im globalen Hashprice-Wettbewerb strukturell chancenlos, und daran ändert auch die Erholung auf 40 Dollar nichts.

Warum der Kurs stärker fiel als der Hashprice

Ein scheinbarer Widerspruch rundet die Jahresbilanz ab. Der Bitcoin-Kurs steht heute rund 34 Prozent unter dem Rekord, der Hashprice aber nur etwa 17 Prozent unter seinem Wert vom Oktober 2025. Wie kann die Miner-Kennzahl den Absturz besser überstanden haben als der zugrunde liegende Kurs? Weil der Nenner mitgefallen ist. Die Difficulty gab vom Rekord rund 15 Prozent nach, und dieser Rückgang hat den Kursverlust je Recheneinheit teilweise aufgefangen. Der Thermostat hat die Miner geschützt, die durchgehalten haben.

Noch klarer wird es, wenn man den Hashprice nicht in Dollar, sondern in Bitcoin misst. In BTC gerechnet lag er vor einem Jahr bei grob 0,0005 BTC je PH/Tag und liegt heute bei rund 0,00047 BTC, also fast unverändert. Die gesamte Achterbahn des Jahres war in Bitcoin-Einheiten viel flacher. Das ist vielleicht die wichtigste Lehre: Der Hashprice in Dollar ist zu großen Teilen ein Kurs-Thermometer, der Hashprice in Bitcoin misst den echten Wettbewerb um die Blockbelohnung. Und dieser Wettbewerb ist über das Jahr kaum milder geworden.

Für die Bewertung von Miner-Aktien ist diese Unterscheidung mehr als akademisch. Ein Betreiber, dessen Bestand an Rechenleistung in Bitcoin gerechnet real abschmilzt, muss laufend reinvestieren, nur um seinen Anteil am Netzwerk zu halten. Der Dollar-Hashprice kann sich erholen und verdeckt dabei die reale Erosion, die die wachsende Difficulty erzeugt. Genau deshalb ist der in Bitcoin gemessene Hashprice die ehrlichere Kennzahl: Er zeigt, dass das vergangene Jahr trotz der nominalen Achterbahn vor allem eines war, ein gleichbleibend harter Verdrängungswettbewerb.

Der nächste Zyklus: AI-Kapital flutet die Branche

Wenn der Schweinezyklus eine Lehre hat, dann diese: Der nächste Überhang entsteht, während alle noch über den letzten reden. 2026 fließt mehr Kapital in Mining-Standorte als je zuvor, nur heißt das Ziel diesmal oft nicht Hashrate, sondern AI. Laut CoinShares haben die börsennotierten Miner inzwischen Verträge über mehr als 70 Milliarden Dollar für AI- und HPC-Rechenzentren angekündigt. Allein IREN unterzeichnete im November 2025 einen 5-Jahres-Vertrag über 9,7 Milliarden Dollar mit Microsoft, der NVIDIA-GB300-Kapazität in Texas bereitstellt. In einem einzigen Quartal 2026 investierten vierzehn gelistete Miner nach Daten von ChainCatcher zusammen rund 18,6 Milliarden Dollar in Infrastruktur.

Der Grund ist nackte Ökonomie. Needham-Analyst John Todaro bringt es auf den Punkt: „Umsatz pro Megawatt und EBITDA-Margen sind bei HPC und AI-Colocation weit höher als beim Mining.“ CoinShares-Analyst James Butterfill erwartet, dass einige Miner bis Jahresende bis zu 70 Prozent ihres Umsatzes aus AI beziehen, gegenüber rund 30 Prozent heute, und spricht von einer der schwierigsten Phasen seit dem Halving. Dasselbe Muster treibt die Nachfrage nach GPU-Rechenleistung andernorts, wie unsere Analyse zu Renders Rekordquartal zeigt.

Der Größenunterschied ist dramatisch. Während reine Mining-Infrastruktur grob 0,7 bis 1 Million Dollar je Megawatt kostet, verschlingt AI-fähige Rechenzentrumskapazität mit Flüssigkühlung und High-End-GPUs ein Vielfaches davon, dafür aber bei deutlich höheren und vor allem planbaren Erlösen je Megawatt. Ein über fünf Jahre vertraglich fixierter AI-Umsatz ist für einen Betreiber etwas grundlegend anderes als ein Mining-Erlös, der im Takt von Kurs und Difficulty schwankt. Das erklärt, warum fast jeder große Miner 2026 einen Teil seiner Megawatt umwidmet, und warum der Hashprice für diese Unternehmen zunehmend nur noch eine von zwei Einnahmequellen beschreibt.

Bricht AI den Zyklus, oder verschiebt es ihn nur?

Hier wird die Analogie interessant, denn AI könnte den klassischen Schweinezyklus theoretisch durchbrechen. Vermietet ein Betreiber seine Megawatt an einen AI-Kunden, werden sie nicht zu Hashrate. Kapazität, die früher den Hashprice gedrückt hätte, verschwindet also aus der Mining-Gleichung. In dieser Lesart stützt der AI-Boom den Hashprice, weil er Strom und Kapital vom Schürfen abzieht. MARA-Chef Fred Thiel formuliert die Konsequenz für die Branche drastisch: „Bis 2028 bist du entweder selbst Stromerzeuger, gehörst einem oder bist mit einem verbündet.“

Die andere Lesart ist weniger beruhigend. Der Zyklus verschwindet nicht, er wandert nur eine Ebene höher. Dieselben Milliardeninvestitionen, die heute als AI-Umbau gefeiert werden, könnten in zwei Jahren eine Überversorgung an Rechenzentrumskapazität erzeugen, wenn die AI-Nachfrage nicht Schritt hält. Thiel nennt das Mining selbst ein Nullsummenspiel: „Je mehr Kapazität hinzukommt, desto schwerer wird es für alle anderen. Die Margen schrumpfen, und der Boden sind deine Energiekosten.“ Dieser Satz gilt für Hashrate wie für AI-Leasing. Der Schweinezyklus hat womöglich nur die Ware gewechselt.

Welche der beiden Lesarten stimmt, entscheidet sich an einer einzigen Frage: Wächst die AI-Nachfrage schneller als die Kapazität, die die Branche gerade baut? Solange Hyperscaler jede verfügbare Megawattstunde abnehmen, zieht der AI-Boom tatsächlich Rechenleistung aus dem Mining und stützt den Hashprice. Kippt die Nachfrage, sitzen dieselben Betreiber auf teuren, oft schuldenfinanzierten Rechenzentren, und der Reflex, die Anlagen zurück aufs Mining zu schalten, würde die Hashrate schlagartig erhöhen und den Hashprice erneut drücken. Die Optionalität, die heute als Stärke gefeiert wird, ist zugleich ein latenter Angebotsüberhang.

Das Sicherheitsbudget und die Rechnung für 2028

Der Hashprice ist nicht nur eine Miner-Kennzahl, er ist auch der Preis für Bitcoins Sicherheit. Multipliziert man den heutigen Hashprice mit der gesamten Hashrate, ergibt sich ein jährliches Miner-Einkommen von gut 12 Milliarden Euro (rund 14 Milliarden Dollar). Das ist grob der Betrag, den ein Angreifer überbieten müsste, um das Netzwerk zu attackieren. Über 99 Prozent davon stammen aus der Block-Subvention, die Transaktionsgebühren tragen zurzeit weniger als ein Prozent bei.

Das wird 2028 zum Thema. Beim nächsten Halving im Frühjahr sinkt die Subvention von 3,125 auf 1,5625 BTC, das Sicherheitsbudget halbiert sich bei konstantem Kurs. Ob die Gebühren das auffangen, hängt an Fragen, die weit über das Mining hinausreichen, etwa an der künftigen Nutzung des Base Layers; unsere Analyse zu Taproot und dem BIP-54-Test zeigt, wie zäh sich solche Debatten im Bitcoin-Konsens ziehen. Zugleich entsteht mit Bitcoin-Staking über Babylon eine ganz andere Art, mit Bitcoin Erträge zu erzielen, die nichts mehr mit Hashrate zu tun hat. Der Hashprice ist also nicht nur das Einkommen der Miner, sondern auch ein Frühindikator für die Belastbarkeit des Sicherheitsmodells.

Die Rechnung für 2028 lässt sich grob beziffern. Bei heutiger Hashrate und heutigem Kurs läge das Sicherheitsbudget nach der Halbierung der Subvention nur noch bei gut sechs statt zwölf Milliarden Euro im Jahr, sofern die Difficulty sich anpasst und ein Teil der Kapazität abschaltet. Soll das Budget stabil bleiben, müsste entweder der Bitcoin-Kurs sich näherungsweise verdoppeln, oder die Transaktionsgebühren müssten von heute unter einem Prozent auf ein Vielfaches steigen. Fred Thiel formuliert die Schwelle so, dass die Rechnung ohne ein jährliches Kurswachstum von 50 Prozent oder mehr nach 2028 sehr schwierig werde. Das ist kein akutes Problem, aber ein struktureller Countdown, der mit jedem Zyklus näher rückt.

Wie sich der Zyklus absichern lässt

Wenn das Kernproblem die Verzögerung zwischen Investition und Erlös ist, dann ist das naheliegende Gegenmittel ein Instrument, das künftige Erlöse heute festschreibt. Genau das leisten Hashprice-Derivate. Über Forwards und Futures kann ein Betreiber den Umsatz je PH für Monate im Voraus verkaufen und sich gegen den nächsten Absturz versichern, zum Preis, auf die Oberseite einer Rally zu verzichten. 2026 war der Lehrfall dafür: Wer im Frühjahr seinen Hashprice für das zweite Halbjahr nahe 30 Dollar absicherte, schnitt deutlich besser ab als der ungesicherte Nachbar, der das Juni-Tief voll mitnahm.

Der Terminmarkt sendet zugleich ein Signal über die Erwartung. Die Sechs-Monats-Forwards notierten den Großteil des Jahres unter dem Kassakurs, eine Backwardation, die nichts anderes bedeutet, als dass der Markt mit fallenden Hashprices rechnet, weil die Difficulty mit jedem Kursgewinn nachzieht. Für Miner, die in Euro kalkulieren und zusätzlich ein Währungsrisiko tragen (ihr Erlös fällt in Dollar an, ihre Stromrechnung in Euro), ist eine solche Absicherung kein Luxus, sondern Teil eines professionellen Betriebs. Dass viele den Zyklus dennoch ungesichert mitfuhren, gehört zu den teureren Lehren des Jahres.

Was das Jahr lehrt, und der Blick nach vorn

Vier Lehren bleiben aus zwölf Monaten Hashprice.

  • Antizyklisch bauen. Wer im Hoch bei 55 Dollar Hashprice bestellt, liefert ins Tief. Die Überlebenden des Jahres haben Kapazität dann gesichert, als es wehtat.
  • Den Strompreis zuerst lösen. Der Hashprice ist eine Weltzahl, die Marge ist lokal. In Deutschland entscheidet die Steckdose, nicht die Chartlinie.
  • Den Dollar vom Bitcoin trennen. In BTC gerechnet war das Jahr ruhig; der Dollar-Hashprice folgt vor allem dem Kurs.
  • Diversifizieren, aber nüchtern. AI-Erlöse pro Megawatt schlagen das Mining, doch derselbe Kapitalzufluss kann den nächsten Überhang vorbereiten.

Keine dieser Lehren ist neu, und das ist der eigentliche Punkt. Schon nach den Einbrüchen von 2018 und 2022 galt dasselbe, und trotzdem baute die Branche im nächsten Hoch wieder prozyklisch auf. Der Unterschied 2026 ist allein die Fluchttür AI, die aus der sonst üblichen Pleitewelle eine Gabelung macht: Die einen werden zu Energie- und Rechenzentrumsbetreibern, die anderen bleiben reine Schürfer und tragen das volle Gewicht des Zyklus. Welcher Weg der klügere war, wird sich erst im nächsten Abschwung zeigen.

Kurzfristig bestimmen drei Termine den Takt. Um den 16. Oktober steht der nächste Difficulty-Retarget an, geschätzt plus gut drei Prozent, was den Hashprice ohne Kursgewinn leicht drückt. Am 27. und 28. Oktober tagt die US-Notenbank, deren Zinspfad den Bitcoin-Kurs und damit den Zähler der Hashprice-Formel bewegt. Und Ende Oktober legen die großen Miner ihre Quartalszahlen vor, in denen sich die Trennlinie zwischen reinen Schürfern und AI-Hybriden weiter öffnen dürfte. Darüber hinaus bleibt das Halving 2028 der strukturelle Fixpunkt. Ein Jahr nach dem Rekord steht der Hashprice für eine schlichte Wahrheit: Im Mining gewinnt selten, wer am lautesten wächst, sondern wer am längsten günstig rechnet.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Hashprice einfach erklärt?

Der Hashprice ist der erwartete Tagesumsatz eines Bitcoin-Miners je Einheit Rechenleistung, meist angegeben in US-Dollar pro Petahash und Tag. Er ergibt sich aus Blockbelohnung, Bitcoin-Kurs und Gebühren, geteilt durch die gesamte Netzwerk-Hashrate, und ist damit weltweit für jeden Miner gleich.

Warum ist der Hashprice gefallen, obwohl Bitcoin teuer war?

Weil die Rechenleistung schneller wuchs als der Kurs. Miner bestellten in der Hochphase 2025 große Mengen Hardware, die erst Monate später ans Netz ging und den Wettbewerb um die feste Blockbelohnung verschärfte. Der höhere Kurs wurde durch die gestiegene Hashrate und Difficulty mehr als aufgezehrt.

Wie hoch ist der Hashprice im Oktober 2026?

Mitte Oktober 2026 liegt der Hashprice bei rund 39 bis 40 US-Dollar je Petahash und Tag, umgerechnet etwa 35 Euro. Das ist eine deutliche Erholung vom Mehrjahrestief nahe 28 Dollar Ende Juni 2026, bleibt aber unter dem Niveau von rund 48 Dollar vor einem Jahr.

Lohnt sich Bitcoin-Mining in Deutschland noch?

An normalen Netzpreisen kaum. Der gewerbliche Strompreis liegt in Deutschland bei rund 22,6 Cent je Kilowattstunde, während selbst der effizienteste ASIC bei einem Hashprice von 40 Dollar nur etwa 16 Cent tragen kann. Rentabel ist Mining hierzulande praktisch nur mit eigenem, sehr günstigem oder sonst ungenutztem Strom.

Was passiert mit dem Hashprice beim Halving 2028?

Beim Halving im Frühjahr 2028 sinkt die Blockbelohnung von 3,125 auf 1,5625 BTC. Bei gleichem Kurs und gleicher Hashrate halbiert das den Hashprice schlagartig. Nur ein deutlich höherer Bitcoin-Kurs, niedrigere Difficulty oder spürbar höhere Transaktionsgebühren können den Effekt ausgleichen.

Yuki Tanaka berichtet für HOGE Wire über Mining, Staking und die Ökonomie der Blockchain-Infrastruktur.

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