Mining-Margen 2026: das Megawatt entscheidet, nicht der Bitcoin
Die Branche misst Mining-Margen pro Bitcoin. Doch 2026 entscheidet eine andere Zahl: die Marge pro Megawatt, bestimmt von Strompreis, Effizienz und der AI-Konkurrenz ums selbe Megawatt.
Heute vor genau einem Jahr, am 6. Oktober 2025, markierte Bitcoin sein Allzeithoch bei rund 126.080 US-Dollar. Ein Jahr später steht der Kurs bei etwa 85.600 USD, umgerechnet knapp 76.000 Euro und damit gut 32 Prozent unter dem Rekord (CoinGecko). Für die Miner war dieses Jahr trotzdem kein reiner Abstieg: Das dritte Quartal 2026 war das stärkste seit 2017 (dipprofit), und der Hashprice hat sich vom Junitief bei knapp 28 USD auf rund 41 USD pro PH und Tag erholt. Die alte Frage bleibt dennoch: Wer in dieser Flotte verdient eigentlich noch Geld?
Die übliche Antwort kommt in Dollar pro Bitcoin. Miner und Analysten zitieren ihre Cash-Kosten und ihre All-in-Kosten je Bitcoin, Riot etwa 49.912 USD cash und 90.631 USD inklusive Abschreibung im zweiten Quartal (Riot Platforms). Diese Zahl ist nicht falsch, aber sie ist zunehmend die falsche Recheneinheit. Denn worum konkurrieren Miner 2026 wirklich? Nicht um Hashrate und nicht einmal in erster Linie um den Bitcoin-Kurs, sondern um etwas viel Knapperes: um Megawatt billigen, abschaltbaren Stroms. Die Marge, die am Ende entscheidet, wer überlebt, ist deshalb nicht die Marge pro Bitcoin, sondern die Marge pro Megawatt.
Dieser Artikel dreht die Perspektive um 90 Grad. Statt zu fragen, was ein Bitcoin in der Herstellung kostet, fragen wir, was ein Megawatt einbringt, was es kostet und wofür man es sonst noch einsetzen könnte. Diese Sicht erklärt, warum dasselbe Gerät in Texas Gewinn und in Deutschland Verlust macht, warum die Difficulty die Marge Monat für Monat auffrisst und warum die größten Miner ihre Megawatt gerade reihenweise an KI-Rechenzentren vermieten.
| Kennzahl | Stand 6. Oktober 2026 |
|---|---|
| Bitcoin-Kurs | ~85.600 USD / ~76.000 EUR (ca. 32 % unter dem ATH vom 6. Okt. 2025) |
| Hashprice | ~40,90 USD pro PH/Tag (~36 EUR, ~0,00048 BTC) |
| Difficulty | 132,72 T (Retarget 3. Okt. -0,03 %; nächster ~17. Okt., ~+0,6 % erwartet) |
| Netzwerk-Hashrate | ~980 EH/s (knapp unter 1 ZH/s; ATH ~1.160 EH/s im Nov. 2025) |
| Sicherheitsbudget | ~14 Mrd. USD pro Jahr (450 BTC/Tag x Kurs x 365) |
| Industriestrom Deutschland | ~22,6 ct/kWh (~226 EUR/MWh; Eurostat H2 2025) |
| Quartalsbilanz Q3 2026 | bestes Quartal seit 2017 (~+42 %) |
Warum „Kosten pro Bitcoin“ die falsche Kennzahl ist
Die Kosten pro geschürftem Bitcoin klingen nach einer sauberen Stückkostenrechnung, wie der Herstellungspreis eines Autos. Tatsächlich ist die Kennzahl aus drei Gründen schlecht vergleichbar und als Steuerungsgröße irreführend.
Erstens bewegt sich der Nenner mit der Difficulty. Wächst das Netzwerk, produziert dieselbe Maschine weniger Bitcoin, also steigen die Kosten pro Bitcoin, obwohl sich an Strompreis und Hardware nichts geändert hat. Zweitens hängt die All-in-Zahl massiv von der Abschreibungspolitik ab: Wer seine ASICs über eineinhalb Jahre abschreibt, weist viel höhere Kosten pro Bitcoin aus als ein Wettbewerber mit fünf Jahren Nutzungsdauer, bei identischem Betrieb. Drittens vermischen viele Miner die Kennzahl mit ihrer Bitcoin-Treasury: Seit der Umstellung auf Fair-Value-Bilanzierung läuft jede Kursbewegung der gehaltenen Coins als Milliardengewinn oder -verlust durch die Gewinn- und Verlustrechnung und hat mit den Betriebskosten des Minings nichts zu tun.
CoinShares beziffert die umsatzgewichteten Cash-Kosten der börsennotierten Miner für das zweite Quartal auf rund 75.500 USD pro Bitcoin, mehr als der durchschnittliche BTC-Kurs in jenem Quartal (CoinShares). Gleichzeitig weist TeraWulf All-in-Kosten von über 471.000 USD pro Bitcoin aus, ein Wert, den der Report selbst als nicht vergleichbar markiert, weil das Unternehmen mitten im Umbau zum KI-Rechenzentrum steckt. Zwei Zahlen, angeblich dieselbe Einheit, in Wahrheit unvergleichbar. Genau deshalb lohnt der Wechsel auf eine physikalische, geräteunabhängige Basis: das Megawatt.
Rohstoffindustrien kennen dieses Problem und lösen es längst über die physische Einheit. Goldminen berichten zwar Kosten je Unze, steuern ihr Geschäft aber über Kennzahlen pro geförderte Tonne und pro verarbeiteter Mühlenkapazität; energieintensive Werke denken ohnehin in Kosten je Megawattstunde. Bitcoin-Mining ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme, sondern ein besonders reines Beispiel: Das Produkt, ein Bitcoin, ist für alle identisch und am Weltmarkt zum selben Preis handelbar, der einzige Unterschied zwischen zwei Minern liegt in den Kosten, mit denen sie ihre Megawatt in Hashes verwandeln. Genau deshalb ist die Marge pro Megawatt die natürliche Steuerungsgröße und die Kosten pro Bitcoin bestenfalls eine nachgelagerte Berichtsgröße.
Hashprice: der Umsatz, den ein Megawatt erntet
Der Hashprice ist die Brücke zwischen Kurs und Megawatt. Der von Luxors Hashrate Index geprägte Begriff misst den erwarteten Umsatz pro Recheneinheit und Tag, notiert in US-Dollar pro Petahash pro Sekunde und Tag. Die Formel ist simpel: etwa 144 Blöcke pro Tag, multipliziert mit der Blocksubvention (derzeit 3,125 BTC) plus Gebühren, multipliziert mit dem BTC-Kurs, geteilt durch die Netzwerk-Hashrate.
Anfang Oktober 2026 liegt der Hashprice bei rund 40,90 USD pro PH und Tag (Hashrate Index), nach einem Fünfjahrestief von knapp 28 USD Ende Juni. In Bitcoin gerechnet sind das etwa 0,00048 BTC, praktisch unverändert gegenüber dem Frühsommer, denn die Erholung war ein Kurs-, kein Netzwerkereignis.
Dieser Unterschied zwischen Dollar- und Bitcoin-Hashprice ist für die Megawatt-Marge wichtiger, als er klingt. In Dollar hat sich der Umsatz pro Megawatt seit Juni fast verdoppelt; in Bitcoin ist er praktisch gleich geblieben. Wer seine Kosten in Dollar trägt (Strom, Löhne, Leasing) und seinen Umsatz faktisch in Bitcoin erzielt, dessen Marge pro Megawatt steht und fällt mit dem Wechselkurs, nicht mit der Netzwerkleistung. Das erklärt, warum ein und dieselbe Flotte im Quartalsvergleich zwischen sattem Gewinn und roten Zahlen pendeln kann, ohne dass sich an Hardware oder Standort das Geringste geändert hätte.
Für die Megawatt-Sicht ist das Entscheidende: Der Hashprice sagt, was eine Einheit Rechenleistung einbringt. Kombiniert man ihn mit der Effizienz einer Maschine (Joule pro Terahash), bekommt man direkt den Umsatz pro Megawattstunde. Eine effiziente Maschine verwandelt dieselbe Kilowattstunde in mehr Hashes und damit in mehr Umsatz, eine alte in weniger. Genau das macht die Effizienz zum ersten der drei Marge-Hebel, zu denen wir gleich kommen.
Was ein Megawatt pro Stunde wirklich einbringt
Rechnen wir den Hashprice auf die Megawattstunde um. Die Umrechnung ist geradlinig: Umsatz pro MWh gleich Hashprice geteilt durch (0,024 mal Effizienz in J/TH). Bei einem Hashprice von 40,90 USD ergibt sich für die vier von Hashrate Index verwendeten Effizienzklassen folgendes Bild.
| Effizienzklasse (J/TH) | Umsatz pro MWh (USD) | Umsatz pro MWh (EUR) |
|---|---|---|
| unter 14 (z. B. 12) | ~142 | ~126 |
| 14 bis 19 (z. B. 16,5) | ~103 | ~91 |
| 19 bis 25 (z. B. 22) | ~77 | ~68 |
| 25 bis 38 (z. B. 31,5) | ~54 | ~48 |
Zwei Dinge springen ins Auge. Erstens ist die Spanne enorm: Eine moderne Maschine erntet pro Megawattstunde fast dreimal so viel wie ein fünf Jahre altes Gerät, aus exakt demselben Strom. Zweitens sind das Bruttozahlen, vor dem ersten Cent Stromrechnung. Die Marge entsteht erst, wenn man die Stromkosten abzieht, und hier beginnt die eigentliche Geschichte von 2026.
Von Umsatz zu Marge: der Strompreis entscheidet
Die Marge pro Megawattstunde ist der Umsatz pro MWh minus die Stromkosten pro MWh. Weil der Umsatz netzweit für alle gleich ist (der Hashprice kennt keine Postleitzahl), macht allein der Strompreis aus derselben Maschine einen Gewinn- oder einen Verlustbringer. Die folgende Tabelle zeigt die Marge pro MWh für eine moderne (rund 12 J/TH) und eine ältere Maschine (rund 22 J/TH) an drei typischen Standorten.
| Standort (Strompreis) | Modern ~12 J/TH (Umsatz ~126 EUR/MWh) | Alt ~22 J/TH (Umsatz ~68 EUR/MWh) |
|---|---|---|
| Billigstandort ~4,5 ct/kWh (~45 EUR/MWh): Golf, Äthiopien, Texas behind-the-meter | +81 EUR/MWh | +23 EUR/MWh |
| US-Industrieschnitt ~8,85 ct/kWh (~79 EUR/MWh) | +47 EUR/MWh | -11 EUR/MWh |
| Deutschland Industrie ~22,6 ct/kWh (~226 EUR/MWh) | -100 EUR/MWh | -158 EUR/MWh |
Die Tabelle erklärt das ganze Spiel. Am Billigstandort verdienen beide Maschinen, die moderne üppig (techbullion). Beim US-Industriepreis kippt die alte Maschine bereits in den Verlust, während die moderne noch komfortabel liegt. Und in Deutschland verliert alles, selbst der modernste Chip, und zwar um 100 Euro je Megawattstunde. Mining ist 2026 kein Geschäft, das man überall betreiben kann; es ist ein Geschäft, das dorthin wandert, wo das Megawatt am billigsten ist.
Ein konkretes Beispiel macht die Größenordnung greifbar. Ein Standort mit 100 MW effektiver Leistung, bestückt mit modernen Maschinen um 12 J/TH, erntet beim aktuellen Hashprice brutto rund 142 USD pro MWh, über ein ganzes Jahr also grob 124 Mio. USD, bevor ein Cent Strom bezahlt ist. An einem Billigstandort mit 4,5 Cent je kWh kostet der Strom rund 39 Mio. USD, es bleibt eine Rohmarge von etwa 85 Mio. USD. Verlegt man exakt denselben Standort nach Deutschland (rund 254 USD je MWh), kostet der Strom etwa 223 Mio. USD und übersteigt den Umsatz um rund 99 Mio. USD. Dieselbe Hardware, dieselbe Difficulty, ein standortbedingter Unterschied von fast 185 Mio. USD Jahresmarge.
Dieselbe Rechnung erklärt auch, warum Betreiber ihre Standortwahl nicht nach dem heutigen Strompreis treffen, sondern nach dem langfristig gesicherten. Ein Vertrag über billige, planbare Megawatt ist in diesem Geschäft wertvoller als die neueste Hardware, denn Chips lassen sich über Nacht nachkaufen, ein 20-Jahres-Stromvertrag am richtigen Netzknoten nicht. Die Jagd nach der besten Marge pro Megawatt ist deshalb immer zuerst eine Jagd nach dem Stromvertrag und erst danach eine nach dem besseren ASIC.
Deutschland rechnet sich nicht: 22,6 Cent gegen 14 Cent Erlös
Für deutsche Leser lohnt der genaue Blick. Der Industriestrompreis lag in der zweiten Jahreshälfte 2025 bei rund 22,6 Cent pro Kilowattstunde und damit etwa 23 Prozent über dem EU-Schnitt (industrie-fachwissen.de nach Eurostat). Selbst die effizienteste heute lieferbare Maschine braucht beim aktuellen Hashprice einen Strompreis unter rund 16 Cent, nur um die Stromrechnung zu decken. Der subventionierte Industriestrompreis von 5 Cent, über den die Bundesregierung diskutiert, schließt Rechenzentren fürs Mining ausdrücklich aus.
Die folgende Tabelle zeigt, bis zu welchem Strompreis jede gängige Maschine beim Hashprice von 40,90 USD gerade noch kostendeckend läuft, der sogenannte Break-even. Alles darüber bedeutet Verlust auf Cash-Basis, also die Schwelle, ab der ein rational handelnder Betreiber abschaltet.
| ASIC (Effizienz) | Break-even EUR/kWh | Break-even USD/kWh |
|---|---|---|
| Bitmain Antminer S23 (9,5 J/TH) | 0,159 | 0,179 |
| Bitmain Antminer S21 XP (13,5 J/TH) | 0,112 | 0,126 |
| Bitmain Antminer S21 Pro (15 J/TH) | 0,101 | 0,114 |
| MicroBT Whatsminer M60S (18,5 J/TH) | 0,082 | 0,092 |
| Antminer S19 XP (21,5 J/TH) | 0,070 | 0,079 |
| Antminer S19j Pro (29,5 J/TH) | 0,051 | 0,058 |
Der letzte Satz ist die deutsche Mining-Realität in einer Zeile: 22,6 Cent liegen über dem Break-even jeder Maschine der Tabelle, auch der besten. Wer in Deutschland am regulären Industrietarif mint, zahlt drauf, Punkt. Rentabel wird es nur mit Sonderkonstruktionen, direkt am Kraftwerk (behind-the-meter), mit Abwärmenutzung oder mit Netzdienstleistungen, zu denen wir noch kommen. Die BaFin reguliert dabei übrigens die Krypto-Dienstleister (Handel, Verwahrung), nicht das Mining selbst, das kein erlaubnispflichtiges Finanzgeschäft ist (BaFin).
Die drei Hebel der Megawatt-Marge
Die Marge pro Megawatt hängt an genau drei Stellschrauben, und jede große Mining-Strategie ist im Kern eine Wette auf eine davon.
- Effizienz (J/TH): bestimmt den Umsatz pro MWh. Je weniger Joule pro Terahash, desto mehr Hashes und Umsatz aus derselben Kilowattstunde. Der Sprung von einem S19j Pro (29,5) auf einen S23 (9,5) verdreifacht den Umsatz pro MWh, erzwingt aber dauernde Neuinvestitionen.
- Strompreis (EUR/MWh): bestimmt die Kosten pro MWh. Die mit Abstand größte Spreizung im ganzen Geschäft, von unter 5 Cent am Golf bis 22,6 Cent in Deutschland.
- Auslastung: bestimmt, wie viele Stunden das Megawatt überhaupt hasht. Wer bei Strompreisspitzen abschaltet oder Megawatt an die Netzstabilisierung verkauft, verzichtet auf Mining-Umsatz, kassiert aber andere Erlöse, oft mit höherer Marge.
Die per-Bitcoin-Kennzahl verrührt diese drei Hebel zu einer einzigen, trüben Zahl. Die per-Megawatt-Sicht trennt sie sauber und zeigt, dass zwei Miner mit identischen Kosten pro Bitcoin völlig verschiedene Geschäfte betreiben können. Mehr zur grundsätzlichen Ökonomie von Blockbelohnung und Netzsicherung lesen Sie in unserer Analyse Miner gegen Validator.
Difficulty: warum jedes Megawatt mit der Zeit weniger erntet
Ein Megawatt ist kein Vermögenswert mit konstantem Ertrag. Sein Mining-Umsatz schrumpft mechanisch, sobald das Netzwerk wächst, selbst bei stabilem Kurs. Der Grund ist die Difficulty, Bitcoins Selbstregulierung, die den Schwierigkeitsgrad alle gut zwei Wochen so nachjustiert, dass die Blockzeit bei rund zehn Minuten bleibt.
2026 arbeitet dieser Thermostat sichtbar gegen die Miner. Nach einer Serie von Senkungen während der Flaute drehte die Difficulty wieder nach oben: am 6. September um 1,31 Prozent, am 19. September um 4,16 Prozent auf 132,76 T, die größte Anhebung seit Juni (news.bitcoin.com). Der Retarget vom 3. Oktober fiel mit -0,03 Prozent praktisch flach aus, der nächste wird für den 17. Oktober mit rund +0,6 Prozent erwartet (CoinWarz). Jede Anhebung bedeutet: Dasselbe Megawatt gewinnt einen kleineren Anteil an den fixen 450 BTC pro Tag.
Der Kontext dazu: Die Netzwerk-Hashrate kletterte bis zum Allzeithoch von rund 1.160 EH/s im November 2025 und mit ihr die Zahl der Megawatt, die um dieselben 450 BTC konkurrieren. Als der Kurs 2026 einbrach, gingen rund 150 EH/s an ineffizienter Hardware vom Netz, die Difficulty fiel über mehrere Retargets, und genau das stabilisierte die Marge der Überlebenden. Dieser Selbstheilungsmechanismus ist der Grund, warum Mining nie dauerhaft defizitär bleibt: Fällt die Marge pro Megawatt zu tief, schalten die teuersten Megawatt ab, bis es sich für die übrigen wieder trägt. Die Difficulty ist damit kein Gegner, sondern ein Thermostat, der die Marge des Grenzanbieters immer wieder gegen null zieht.
Nikolaos Panigirtzoglou von JPMorgan beschreibt den Mechanismus in der Flautrichtung: „Wenn Bitcoin unter seine Produktionskosten fällt, fahren teurere Miner herunter, die Hashrate sinkt, und die Difficulty passt sich nach unten an“ (tftc). Er beziffert die Produktionskosten auf rund 78.000 USD. 2026 lief der Mechanismus zeitweise umgekehrt: Der Kurs stieg, kaum eine Maschine ging vom Netz, also zog die Difficulty an und holte einen Teil des Kursgewinns pro Megawatt wieder zurück.
Das Megawatt hat Alternativen: Mining gegen AI-Colocation
Hier kommt die wichtigste Entwicklung des Jahres ins Spiel. Wenn das Megawatt die eigentliche Recheneinheit ist, dann lautet die entscheidende Frage nicht mehr „Wie effizient mine ich?“, sondern „Was ist die beste Verwendung dieses Megawatts?“. Und immer öfter lautet die Antwort: KI-Rechenzentrum statt Mining.
Die Zahlen sind eindeutig. John Todaro, Analyst bei Needham, bringt es auf den Punkt: „Der Umsatz pro Megawatt und die EBITDA-Margen sind bei HPC und AI-Colocation weit höher als beim Mining. Die Kapitalmärkte belohnen KI-orientierte Rechenzentren mit deutlich höheren Bewertungsmultiplikatoren als klassische Miner“ (CoinGeek). Riots Vertrag mit dem KI-Labor Anthropic (von Riot offiziell nur als führendes Frontier-AI-Labor bezeichnet, von CNBC und Bloomberg als Anthropic identifiziert) macht es konkret: 191 MW, 20 Jahre bis 2048, rund 9,1 Mrd. USD Grundumsatz, bis zu 16,1 Mrd. mit Verlängerungsoptionen (CNBC).
Rechnet man das aufs Megawatt herunter, sind es rund 2,4 Mio. USD pro MW und Jahr an vertraglich zugesagtem Umsatz. Ein modernes Mining-Megawatt (rund 9 bis 15 J/TH) erlöst beim aktuellen Hashprice brutto grob 1,0 bis 1,6 Mio. USD im Jahr, bevor ein Cent Strom bezahlt ist, und diese Zahl schwankt täglich mit Kurs und Difficulty. Die folgende Tabelle stellt die beiden Verwendungen eines Megawatts gegenüber.
| Kennzahl | Mining-Megawatt | AI-/HPC-Colocation-Megawatt |
|---|---|---|
| Umsatz pro MW/Jahr (brutto) | ~1,0 bis 1,6 Mio. USD, täglich schwankend | ~2,4 Mio. USD, vertraglich fix bis 2048 |
| Umsatzstabilität | volatil (Kurs + Difficulty) | 20-Jahres-Vertrag |
| Capex pro MW | ~0,7 bis 1 Mio. USD | ~8 bis 15 Mio. USD |
| Wer zahlt den Strom | der Miner | meist der Mieter |
| EBITDA-Marge | komprimiert | laut Todaro deutlich höher |
Der Haken ist das Kapital: Ein KI-Megawatt kostet in der Ausrüstung das Acht- bis Fünfzehnfache eines Mining-Megawatts (insights4.vc). Doch es liefert den rund doppelten Umsatz, stabil und mit dem Mieter als Stromzahler. Kein Wunder, dass Riot, Core Scientific, Hut 8 und TeraWulf zusammen Verträge über mehr als 70 Mrd. USD unterschrieben haben. Welche Nachfrage dahintersteht, zeigt unser Leitfaden zur dezentralen Inferenz; auch Netzwerke wie Bittensor konkurrieren um genau diese Rechenkapazität.
Noch eine Ebene komplizierter wird es, weil nicht jeder, der ein Megawatt betreibt, auch die Mining-Marge kassiert. Beim Hosting vermietet ein Betreiber die Megawatt an fremde Miner zu einem festen Preis je Kilowattstunde plus Aufschlag; die Kursschwankung trägt dann der Kunde, der Hoster verdient eine stabile, kleine Marge pro MWh. Beim Eigenbetrieb (Self-Mining) behält der Betreiber die volle, aber volatile Megawatt-Marge selbst. Dasselbe physische Megawatt kann also je nach Geschäftsmodell einen fixen Vermieterertrag oder eine schwankende Minermarge abwerfen, ein weiterer Grund, warum Kosten pro Bitcoin über Firmen hinweg wenig aussagen und die Marge pro Megawatt die ehrlichere Zahl ist.
Demand Response: die Marge, die entsteht, wenn man nicht mined
Es gibt eine dritte Verwendung für ein Megawatt, die oft übersehen wird: es gar nicht zu verbrauchen. In Strommärkten wie dem texanischen ERCOT werden Großverbraucher dafür bezahlt, bei Netzengpässen abzuschalten. Für Miner ist das ideal, denn anders als eine Aluminiumhütte oder eine Chemieanlage kostet sie das Abschalten nichts außer entgangener Hashrate, kein kaputtes Produkt, kein teurer Neustart.
Die Mechanik dahinter ist erstaunlich lukrativ. Programme wie die Responsive Reserve Service reagieren nahezu sofort und zahlen am besten, während langsamere Reservestufen weniger bringen. Besonders wirksam ist das texanische Four-Coincident-Peak-Verfahren (4CP): Wer in den vier sommerlichen Spitzenintervallen abschaltet, senkt seine Netzentgelte für das gesamte Folgejahr. Für einen Miner ist das eine reine Rechenaufgabe, der entgangene Mining-Umsatz einer Handvoll Stunden gegen die eingesparten Netzkosten eines ganzen Jahres, und sie geht fast immer zugunsten des Abschaltens aus. Pro Megawatt betrachtet, verwandelt sich die Fähigkeit, auf Knopfdruck stillzustehen, in eine eigene Ertragsquelle.
Riot verbuchte allein im zweiten Quartal 2026 rund 10,1 Mio. USD und im ersten Halbjahr 31,1 Mio. USD an Strom- und Demand-Response-Gutschriften (Riot Platforms). Diese Gutschriften sind, pro Megawatt gerechnet, reine Zusatzmarge, die den effektiven Strompreis drückt. In der per-Bitcoin-Rechnung verschwinden sie als obskurer Abzugsposten; in der per-Megawatt-Rechnung sind sie das, was sie sind: eine eigene Einnahmequelle des Megawatts.
Das ist auch der tiefere Grund für Fred Thiels oft zitierte Prognose. Der MARA-Chef nennt Mining „ein Nullsummenspiel. Je mehr Kapazität hinzukommt, desto schwerer wird es für alle anderen. Die Margen komprimieren, und der Boden ist dein Energiepreis“ (CoinGeek). Seine Schlussfolgerung: „Bis 2028 wirst du entweder ein Stromerzeuger sein, einem gehören oder mit einem zusammenarbeiten. Die Tage des Miners, der einfach am Netz hängt, sind gezählt.“
Treasury und Fair-Value: warum der ausgewiesene Gewinn täuscht
Ein Wort zur Vorsicht beim Lesen von Quartalszahlen. Viele Miner halten große Bitcoin-Bestände; MARA etwa rund 35.000 BTC. Seit der Umstellung auf Fair-Value-Bilanzierung laufen Kursbewegungen dieser Bestände direkt durch die Gewinn- und Verlustrechnung. Ein Quartal mit fallendem BTC-Kurs kann so einen Milliardenverlust ausweisen, obwohl das operative Mining Cash abwirft, und umgekehrt.
Ein Beispiel aus dem laufenden Jahr: MARA wies in einem einzelnen Quartal 2026 einen Nettoverlust von über einer Milliarde USD aus, fast vollständig getrieben von der Neubewertung seiner Bitcoin-Bestände, während das eigentliche Mining weiterlief. Umgekehrt kann ein Quartal mit steigendem Kurs einen Buchgewinn zeigen, der mit der operativen Leistung der Megawatt nichts zu tun hat. Für die Analyse der Marge pro Megawatt ist dieser Posten reines Rauschen und gehört herausgerechnet, sonst misst man die Wette auf den Bitcoin-Kurs statt die Qualität des Mining-Betriebs.
Für die Marge pro Megawatt heißt das: Trennen Sie das Betriebsergebnis des Minings vom Treasury-Ergebnis. Das Megawatt verdient oder verliert an Strom, Effizienz und Hashprice; die Treasury ist eine davon unabhängige Kurswette. Wer beides vermischt, verwechselt ein gutes Mining-Quartal mit einem guten Bitcoin-Quartal. Wer die Coins eigentlich verwahrt und unter welcher Regel, wird 2026 zunehmend zur eigenen Frage, siehe unsere Einordnung zur neuen SEC-Verwahrregel.
Fees und das Sicherheitsbudget pro Megawatt
Was ein Megawatt erntet, hängt zu über 99 Prozent an der Blocksubvention und nur zu einem Bruchteil an den Transaktionsgebühren. Anfang Oktober 2026 machen Fees nur rund 0,4 Prozent der Blockbelohnung aus. Für die Marge bedeutet das: Gebühren sind derzeit kein nennenswerter Puffer. Die großen Ausnahmen waren die Ordinals- und Runes-Spitzen, etwa der Start von Runes im April 2024, der die Gebühren kurzzeitig auf Rekordwerte trieb, bevor sie binnen eines Jahres wieder einbrachen (mehr dazu in unserem Runes-Erklärstück).
Multipliziert man Hashprice mal Hashrate aufs Jahr, ergibt sich Bitcoins gesamtes Sicherheitsbudget, der Betrag, den ein Angreifer im Prinzip pro Jahr überbieten müsste: rund 14 Mrd. USD (etwa 12,5 Mrd. Euro). Das ist die Summe aller Megawatt-Erlöse des Netzwerks. Mit der Halbierung der Subvention 2028 (von 3,125 auf 1,5625 BTC) halbiert sich bei konstantem Kurs auch dieses Budget, der Grund, warum die langfristige Marge pro Megawatt letztlich am Kurs und an der Gebührenentwicklung hängt.
Für die Marge pro Megawatt heißt das zweierlei. Kurzfristig sind Gebühren Beiwerk, ein gutes Megawatt lebt heute fast vollständig von der Subvention. Langfristig aber ist die Gebührenentwicklung die einzige Variable, die das pro Megawatt sinkende Subventionseinkommen auffangen könnte; bleibt sie schwach, muss der Kurs die bei jeder Halbierung aufgerissene Lücke schließen, sonst sinkt der Umsatz pro Megawattstunde strukturell weiter. Für einen Betreiber in Deutschland, dessen Megawatt schon heute defizitär ist, verschiebt jede Halbierung die Schwelle, ab der sich der Betrieb überhaupt wieder lohnen könnte, noch einmal weiter nach oben.
Wer das Rennen ums Megawatt gewinnt
Übersetzt man die Marge pro Megawatt in eine Strategie, zerfällt die Flotte in Gewinner und Verlierer entlang dreier Fragen: Wie billig ist mein Strom, wie effizient meine Hardware, und habe ich die Option, das Megawatt an die KI zu vermieten?
Riot hat mit dem Anthropic-Vertrag die erste klare Antwort geliefert und wird von der Börse zunehmend wie ein Rechenzentrumsentwickler bewertet, nicht wie ein Bitcoin-Proxy. MARA setzt dagegen auf vertikale Integration und eigene Stromerzeugung (Zukauf des Gaskraftwerks Long Ridge, Ziel rund 4,8 GW), hat aber noch keinen großen Ankermieter im KI-Geschäft, der Hauptkritikpunkt der Skeptiker. CoinShares erwartet, dass einige börsennotierte Miner bis Jahresende bis zu 70 Prozent ihres Umsatzes aus KI ziehen, gegenüber rund 30 Prozent heute (The Block). Wie unterschiedlich das Rekordquartal die Flotte auffächert, haben wir in das Rekordquartal spaltet die Flotte ausführlich gezeigt.
Der gemeinsame Nenner: Wer teuren Netzstrom ohne Abschaltoption hat, verliert in beiden Welten. Wer billige, abschaltbare Megawatt hat, kann zwischen Mining, Demand Response und KI-Vermietung das jeweils lukrativste wählen. Das Megawatt mit Optionen ist 2026 das wertvollste Gut der Branche.
Die Börse hat diese Logik längst eingepreist. Seit Mitte 2026 bewegen sich beide Aktien weniger mit dem Bitcoin-Kurs als mit den Zinsen: An einzelnen Tagen fielen MARA und Riot selbst dann, wenn BTC zulegte, sobald die Anleiherenditen stiegen, weil ein Rechenzentrumsentwickler mit 20-Jahres-Mietvertrag wie eine langlaufende Anleihe auf den Diskontsatz reagiert. Das ist die Marge pro Megawatt, übersetzt in eine Bewertung: Wer stabile, vertraglich zugesagte Megawatt-Erlöse hat, wird am Kapitalmarkt wie Infrastruktur bewertet, wer volatile Mining-Megawatt hat, bleibt ein Bitcoin-Proxy.
Konkret heißt das: Riot verkauft einen Teil seiner Megawatt als planbaren, langfristigen Erlösstrom und finanziert den Umbau unter anderem über eine Zwischenfinanzierung von Morgan Stanley. MARA geht den umgekehrten Weg und kauft sich mit dem Gaskraftwerk Long Ridge und einem Joint Venture mit Starwood selbst die Stromerzeugung ins Haus, um die billigsten Megawatt künftig selbst zu produzieren statt sie zu mieten. Beide Strategien zielen auf dasselbe: die Kontrolle über möglichst viele Megawatt zu möglichst geringen und möglichst planbaren Kosten. Ob am Ende der Landlord oder der Stromerzeuger die höhere Marge pro Megawatt holt, ist die eigentliche Wette, die Anleger in diesem Sektor eingehen.
Was im Q3-Bericht Ende Oktober auf die Marge pro Megawatt zu achten ist
Die Quartalszahlen für das dritte Quartal erscheinen Ende Oktober. Wer die Marge pro Megawatt verstehen will, sollte weniger auf die Schlagzeile „Kosten pro Bitcoin“ achten als auf folgende Punkte:
- Umsatz und EBITDA pro Megawatt: die ehrlichste Kennzahl, weil sie Effizienz, Strompreis und Auslastung bündelt und über Firmen hinweg vergleichbar ist.
- Anteil des KI- und Hosting-Umsatzes: steigt er Richtung der von CoinShares genannten 70 Prozent? Riots Data-Center-Segment war zuletzt die erste nennenswerte Nicht-Mining-Umsatzlinie.
- Effektiver Strompreis nach Gutschriften: Demand-Response- und Curtailment-Erlöse senken den realen Preis pro MWh; sie gehören sichtbar gemacht, nicht im Kostenblock versteckt.
- Durchschnittliche Flotteneffizienz (J/TH): der direkte Treiber des Umsatzes pro MWh und damit ein Frühindikator für die nächste Hardware-Investitionsrunde.
Ausblick: der Weg zum Kraftwerk
Die Logik des Megawatts weist über 2026 hinaus. Am 17. Oktober steht der nächste Difficulty-Retarget an, am 27. und 28. Oktober entscheidet die US-Notenbank über die Zinsen, was über den Kurs auf jeden Hashprice und damit auf jede Megawatt-Marge durchschlägt. Mittelfristig steht 2028 die nächste Halbierung an, die den Mining-Umsatz pro Megawatt bei konstantem Kurs schlagartig halbiert.
Thiels Formel („Stromerzeuger, einem gehören oder mit einem zusammenarbeiten“) ist deshalb mehr als ein Spruch; sie ist die logische Endstation der Marge pro Megawatt. Wenn der Umsatz pro Megawattstunde strukturell sinkt und die KI-Nachfrage denselben Strom höher bezahlt, gewinnt, wer das Megawatt besitzt, nicht, wer es bloß verstromt. Die Miner, die das verstanden haben, hören auf, sich als Bitcoin-Unternehmen zu begreifen, und fangen an, sich als Energieunternehmen mit mehreren Absatzkanälen zu verstehen. Die Marge pro Megawatt ist die Kennzahl, in der sich dieser Wandel zuerst zeigt.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Marge pro Megawatt beim Bitcoin-Mining?
Die Marge pro Megawatt ist der Umsatz, den ein Megawatt Rechenleistung erzielt (Hashprice mal Effizienz), abzüglich der Stromkosten für dieses Megawatt. Sie ist aussagekräftiger als die Kosten pro Bitcoin, weil sie unabhängig von Difficulty, Abschreibungspolitik und Treasury-Effekten ist und sich über Firmen und Standorte hinweg vergleichen lässt.
Warum ist Bitcoin-Mining in Deutschland unrentabel?
Der deutsche Industriestrom kostet rund 22,6 Cent pro Kilowattstunde. Selbst die effizienteste heute verfügbare Maschine braucht beim aktuellen Hashprice einen Strompreis unter etwa 16 Cent, um nur die Stromrechnung zu decken. Am regulären Netztarif macht in Deutschland daher praktisch jede Maschine Verlust; rentabel wird es nur behind-the-meter, mit Abwärmenutzung oder über Netzdienstleistungen.
Wie hoch ist der Hashprice im Oktober 2026?
Anfang Oktober 2026 liegt der Hashprice bei rund 40,90 US-Dollar pro Petahash und Tag, umgerechnet etwa 36 Euro oder 0,00048 BTC. Das ist eine Erholung von rund 50 Prozent gegenüber dem Fünfjahrestief von knapp 28 USD Ende Juni, liegt aber weit unter den über 60 USD aus dem Jahr 2025.
Verdient ein Megawatt mit KI mehr als mit Mining?
In der Regel ja. Riots KI-Vertrag mit Anthropic bringt rund 2,4 Millionen USD pro Megawatt und Jahr an vertraglich fixem Umsatz, während ein modernes Mining-Megawatt beim aktuellen Hashprice brutto grob 1,0 bis 1,6 Millionen USD erzielt und zusätzlich stark schwankt. KI-Colocation erfordert allerdings das Acht- bis Fünfzehnfache an Kapital pro Megawatt.
Reguliert die BaFin das Bitcoin-Mining?
Nein. Die BaFin beaufsichtigt unter MiCA Krypto-Dienstleister wie Handelsplätze und Verwahrer, nicht das Mining selbst, das kein erlaubnispflichtiges Finanzgeschäft ist. Für Miner sind in Deutschland vor allem Strom-, Steuer- und Standortfragen relevant, nicht die Finanzaufsicht.
Von Yuki Tanaka, Ressort Mining und Staking, HOGE Wire.