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● Mining & Staking

Mining-Pools 2026: Wie sie zahlen und wer den Block baut

Wie zahlen Mining-Pools ihre Miner wirklich aus, und wer entscheidet, welche Transaktionen in einen Block kommen? Ein Blick auf Auszahlung, Zensur und den Stratum-V2-Umbruch von 2026.

Bitcoin hat Ende August 2026 wieder die Marke von 80.000 US-Dollar überschritten, umgerechnet gut 68.000 Euro, und die Rechenleistung des Netzwerks liegt stabil über einem Zettahash pro Sekunde. Fast nichts davon arbeitet allein. Nahezu jede dieser Maschinen schickt ihre Arbeit an einen von rund einem Dutzend Mining-Pools. Der Pool ist die unsichtbare Schicht zwischen dem ASIC-Chip im Rack und dem Eintrag in der Blockchain.

Die bekannte Erzählung über Pools dreht sich um Konzentration: Zwei Anbieter kontrollieren zusammen mehr als die Hälfte der Hashrate. Das ist real und wichtig, doch die spannendere Geschichte des Jahres 2026 ist zugleich mechanischer und politischer. Sie handelt davon, wie Pools ihre Miner bezahlen, und davon, wer eigentlich entscheidet, welche Transaktionen in einen Block wandern. An genau diesen beiden Fragen entzünden sich die Auseinandersetzungen dieses Jahres.

Dieser Text erklärt, warum Pools überhaupt existieren, wie ihre Auszahlungsmodelle funktionieren, wo ihre Macht über den Blockinhalt liegt, was das Protokoll Stratum V2 daran ändert und warum der Mai 2026 zum Wendepunkt wurde. Danach geht es um OCEAN und DATUM, um die überraschende Renaissance des Solo-Minings und darum, was das alles für Miner und Anleger im deutschsprachigen Raum bedeutet.

Warum Mining-Pools überhaupt existieren

Ein einzelner moderner Miner, etwa ein Antminer S21 mit rund 200 Terahash pro Sekunde, klingt nach viel. Gegen die Netzwerk-Hashrate von etwa 1,06 Zettahash pro Sekunde ist sein Anteil jedoch verschwindend gering, ungefähr zwei Zehnmillionstel. Rechnerisch würde ein solches Gerät im Alleingang im statistischen Mittel weit über ein Jahrhundert brauchen, um einen einzigen Block zu finden.

Mining ist ein Poisson-Prozess: Blöcke treffen zufällig ein, und der Erwartungswert sagt nichts über die brutale Streuung. Ein Solo-Miner könnte jahrelang leer ausgehen und dann in einem Monat gleich zweimal treffen. Für einen Betrieb mit Stromvertrag und Personal ist dieses Muster unkalkulierbar. Genau hier setzt der Pool an, und zwar nicht bei der Effizienz, sondern bei der Varianz.

Ein Pool bündelt die Rechenleistung tausender Teilnehmer, findet dadurch regelmäßig Blöcke und verteilt die Belohnung anteilig. Aus einer Lotterie wird ein Gehalt. Die Blocksubvention liegt seit dem Halving vom April 2024 bei 3,125 BTC, bei einem Kurs um 68.000 Euro also gut 210.000 Euro pro Block, dazu kommen die Transaktionsgebühren. Wer bei ohnehin knappen Margen kalkuliert, kann sich Einkommenslücken von mehreren Monaten schlicht nicht leisten.

Die Auszahlungsmodelle: PPS, FPPS, PPLNS, SOLO und TIDES

Damit ein Pool weiß, wie viel jeder Teilnehmer geleistet hat, verlangt er sogenannte Shares. Ein Share ist ein Hash, der eine niedrigere, vom Pool festgelegte Schwierigkeit erfüllt als das Netzwerk selbst. Für die Blockchain sind diese Shares wertlos, doch sie sind ein statistischer Nachweis dafür, wie viele Versuche ein Miner unternommen hat. Trifft einer dieser Hashes zufällig auch die viel härtere Netzwerk-Schwierigkeit, hat der Pool einen Block gefunden.

Kaum ein Miner wählt seinen Pool zuerst nach Ideologie. Fast alle entscheiden nach dem Auszahlungsmodell, denn es bestimmt Einkommen und Risiko zugleich. Die Modelle unterscheiden sich vor allem in einer Frage: Wer trägt das Glücksrisiko, der Pool oder der Miner? Ein Überblick (Details bei D-Central):

ModellAuszahlung erfolgtGlücks-Varianz trägtGebührGeeignet für
PPSpro Share, sofortPoolhochmaximale Planbarkeit
FPPSpro Share inkl. GebührenanteilPoolmittel bis hochindustrielle Miner mit fixen Kosten
PPS+Subvention wie PPS, Gebühren wie PPLNSüberwiegend PoolmittelKompromiss aus Planbarkeit und Fairness
PPLNSnur bei gefundenem BlockMinerniedrigloyale Miner mit Risikotoleranz
SOLOnur der Blockfinder erhält allesMiner (voll)sehr niedrigLotteriespieler und Ideologen
TIDESrollierendes Fenster, direkt aus CoinbaseMinerniedrigFokus auf Nicht-Verwahrung

FPPS, Full Pay Per Share, ist das Modell der Industrie. Der Pool zahlt für jeden gültigen Share einen festen Satz, der Blocksubvention und einen geschätzten Gebührenanteil enthält, ganz gleich, ob in dieser Periode ein Block fiel. Das Einkommen kommt so planbar wie ein Gehalt, weil der Pool die gesamte Streuung schluckt. Bezahlt wird das mit einer höheren Gebühr, in der eine Art Versicherungsprämie steckt.

PPLNS, Pay Per Last N Shares, dreht das um. Geld fließt nur, wenn der Pool wirklich einen Block findet, und verteilt wird nach den zuletzt eingereichten Shares in einem gleitenden Fenster. Das belohnt Treue und bestraft Pool-Hopping, also das ständige Wechseln zum gerade glücklichsten Pool. Die Gebühren sind niedriger, dafür schwankt das Einkommen mit dem Glück des Pools.

SOLO-Mining über einen Pool ist eine reine Koordinationsdienstleistung: Findet ein Teilnehmer einen Block, behält er die gesamte Belohnung, alle anderen gehen leer aus. TIDES schließlich ist das Modell des Pools OCEAN. Es zählt die Shares in einem transparenten, rollierenden Fenster von rund acht Blöcken an Netzwerkschwierigkeit und zahlt jeden Anteil, inklusive Gebühren, direkt aus der Coinbase-Transaktion des gefundenen Blocks an die Wallet des Miners. Der Pool verwahrt zu keinem Zeitpunkt fremdes Geld.

Gebühren und die versteckte Versicherungsprämie

Die Gebühr eines Pools ist mehr als ein Aufschlag, sie ist der Preis für die Übertragung von Risiko. Bei PPS-Modellen zahlt der Miner effektiv eine Versicherungsprämie dafür, dass der Pool die Glücksschwankungen übernimmt. Bei PPLNS entfällt diese Prämie weitgehend, weil der Miner das Risiko selbst trägt. Typische Gebühren liegen zwischen null und rund vier Prozent, und ein scheinbar kleiner Unterschied von ein bis zwei Prozentpunkten summiert sich bei einer Großmine über das Jahr zu erheblichen Beträgen.

Hinzu kommt ein oft übersehener Effekt: Manche Pools erheben ihre Gebühr auch auf die Transaktionsgebühren, nicht nur auf die Subvention. In Phasen hoher Mempool-Auslastung, in denen Gebühren einen spürbaren Teil der Blockbelohnung ausmachen, ist dieser Unterschied bedeutsam. Für Miner mit engen Margen entscheidet solches Kleingedrucktes mit über die Rentabilität.

Für die großen Pools sind Gebühren ohnehin nur eine von mehreren Einnahmequellen. Der Analysedienst Hashrate Index beschreibt moderne Pools nicht mehr als passive Belohnungsverteiler, sondern als Koordinations- und Kontrollzentren, die Firmware, Energieoptimierung und Finanzmärkte bündeln. Viele bieten ihren Minern etwa Absicherungsprodukte auf den Hashprice oder Auszahlungen in Stablecoins an und binden sie so tiefer an das eigene Ökosystem.

Die eigentliche Machtfrage: Wer baut den Block?

Bis hierher ging es ums Geld. Die politisch brisantere Frage lautet: Wer bestimmt eigentlich den Inhalt eines Blocks? Im klassischen Stratum-Protokoll, das seit über einem Jahrzehnt Standard ist, baut der Pool die komplette Blockvorlage. Er wählt die Transaktionen aus dem Mempool aus, ordnet sie, setzt die Coinbase-Transaktion und schickt dem Miner nur noch den Blockkopf zum Hashen.

Der Miner liefert also Strom und Rechenleistung, den eigentlichen Proof of Work, hat aber keinerlei Mitsprache darüber, welche Transaktionen bestätigt werden. Diese Arbeitsteilung ist effizient, doch sie konzentriert eine subtile Macht in den Händen weniger Betreiber: die Macht zu entscheiden, was ins Bitcoin-Ledger kommt und was nicht. Genau deshalb ist die Verteilung der Hashrate nur die halbe Wahrheit. Wer die Vorlagen baut, ist mindestens ebenso wichtig wie die Frage, wer wie viele Maschinen betreibt.

Der OFAC-Test: als Pools anfingen zu filtern

Dass diese Macht real ist, zeigte sich spätestens 2023. Der Bitcoin-Entwickler 0xB10C dokumentierte damals sechs Transaktionen, die von mehreren großen Pools, darunter ViaBTC, F2Pool und Foundry, nicht in Blöcke aufgenommen wurden, obwohl sie regulär im Mempool standen. Alle betrafen Adressen auf der Sanktionsliste des US-Finanzministeriums (OFAC), etwa den russischen OTC-Dienst SUEX. Werkzeuge wie miningpool.observer machen solche Auslassungen seither systematisch sichtbar (The Block).

Für westliche Miner ist das keine akademische Frage. Christopher Bendiksen, Bitcoin-Analyst beim Vermögensverwalter CoinShares, sagte gegenüber The Block, ein Teil der Miner werde OFAC-gelistete Transaktionen letztlich zensieren; das werde im Westen schlicht zu den Geschäftskosten gehören, „a cost of business in the West“.

Dass Filterung auch scheitern kann, zeigt das Beispiel Marathon. Der börsennotierte Miner hatte 2021 zeitweise OFAC-konforme Blöcke gebaut. Charlie Schumacher, Kommunikationschef des Unternehmens, begründete das Ende des Experiments damit, das Feature sei „immensely unpopular and impractical“ gewesen, also überaus unbeliebt und unpraktisch, und wurde wieder eingestellt.

Die tiefere Sorge lautet: Wenn eine Handvoll Pools den Großteil aller Blockvorlagen baut, muss ein Regulierer nur wenige Betreiber unter Druck setzen, um Transaktionen flächendeckend zu blockieren. Zensurresistenz, eine der Kerneigenschaften von Bitcoin, hängt dann an der Kulanz einiger weniger Firmen. Die Parallele zu MEV bei Ethereum, wo die Reihenfolge der Transaktionen zu Geld gemacht wird, liegt nahe: In beiden Fällen ist die Kontrolle über den Blockinhalt der eigentliche Hebel.

Stratum V2: das Protokoll, das den Block zurückgibt

Die technische Antwort auf dieses Problem heißt Stratum V2. Das Protokoll wurde maßgeblich von Braiins vorangetrieben, dem Betreiber des ehemaligen Slush Pool, der 2010 als erster Bitcoin-Mining-Pool überhaupt startete. Sein wichtigstes Element ist ein Unterprotokoll namens Job Declaration.

Job Declaration erlaubt es einzelnen Minern, ihre eigene Blockvorlage zu bauen und dem Pool vorzuschlagen, statt passiv die Vorlage des Pools zu übernehmen. Der Pool koordiniert weiterhin die Auszahlung und bündelt die Hashrate, verliert aber sein Monopol auf die Transaktionsauswahl. Damit wandert die Zensurentscheidung von einigen wenigen Betreibern zu potenziell tausenden Minern.

Stratum V2 bringt weitere Vorteile. Die Verbindung zwischen Miner und Pool wird Ende-zu-Ende verschlüsselt, was das sogenannte Hashrate-Hijacking erschwert, bei dem Angreifer unverschlüsselte Verbindungen abfangen und umleiten. Der Bandbreitenbedarf sinkt nach Angaben der Entwickler um rund 60 bis 70 Prozent, und in Tests von Braiins ließ sich die Rentabilität durch geringere Latenz und bessere Gebührenauswahl um bis zu 7,4 Prozent steigern. Die Spezifikation ist quelloffen und wird über die Stratum V2 Reference Implementation gepflegt (stratumprotocol.org, GitHub).

Der Wendepunkt: Mai 2026 und die sieben Pools

Lange blieb Stratum V2 ein Nischenthema, das an der Trägheit der großen Pools scheiterte. Das änderte sich im Mai 2026. Am 7. Mai traten sieben der größten Mining-Pools der Stratum V2 Working Group bei: AntPool, F2Pool, Foundry, SpiderPool, Block Inc., die MARA Foundation und DMND. Berichten zufolge signalisierten damit Pools mit rund 75 Prozent der globalen Rechenleistung ihre Unterstützung für den offenen Standard zur Blockkonstruktion (CoinDesk).

AntPool-Chef Andy Zhou erklärte, man sei „proud to support the broader adoption of Stratum V2“, also stolz, die breitere Einführung des Protokolls zu unterstützen. SpiderPool-Technikchef Kenway Wang hob hervor, die miner-gebauten Vorlagen seien „especially useful for operators in bandwidth-constrained environments“, besonders nützlich für Betreiber mit knapper Bandbreite (News.Bitcoin.com).

Bei aller Symbolik ist Vorsicht angebracht. Einer Arbeitsgruppe beizutreten und Unterstützung zu signalisieren, ist nicht dasselbe, wie Job Declaration standardmäßig zu aktivieren. Der Großteil der Hashrate läuft weiterhin über V1 oder über V2 ohne miner-gebaute Vorlagen. Das eigentlich Neue ist, dass die größten Akteure ihren Widerstand aufgegeben haben. Nativ auf Stratum V2 setzen bislang vor allem zwei Pools: Braiins und DEMAND (DMND), das im November 2025 als erster von Grund auf V2-nativer Pool startete. DMND und GoMining schürften gemeinsam den ersten bekannten Block mit vollständig miner-deklarierter Vorlage im Mainnet (Crypto Briefing).

DATUM und OCEAN: der radikalere Weg

Einen radikaleren Weg als Stratum V2 geht der Pool OCEAN. Gegründet wurde er im November 2023 vom langjährigen Bitcoin-Core-Entwickler Luke Dashjr und dem Miner Bitcoin Mechanic, finanziell unterstützt unter anderem von Jack Dorseys Firma Block. OCEANs Kerntechnologie heißt DATUM, kurz für Decentralized Alternative Templates for Universal Mining.

DATUM lässt jeden angeschlossenen Miner seine eigene Blockvorlage bauen und trotzdem im Pool bleiben. Kombiniert wird das mit einem nicht-verwahrenden Auszahlungsmodell: Die Belohnung fließt direkt aus der Coinbase-Transaktion an die Wallet des Miners, der Pool hält zu keinem Zeitpunkt fremdes Geld und es gibt kein Gegenparteirisiko (Bitcoin Magazine). Im April 2025 kündigte der Stablecoin-Riese Tether an, eigene und künftige Hashrate über das DATUM-Gateway auf OCEAN einzubringen (Tether). Im Juli 2026 stellte OCEAN auf der Messe Mining Disrupt zudem ein verschlüsseltes Betreiber-Dashboard namens Portal vor.

Der Ansatz hat allerdings eine Kehrseite, die zeigt, dass Dezentralisierung der Blockvorlagen in beide Richtungen wirkt. In seiner Anfangszeit filterte OCEAN bestimmte Transaktionstypen wie Ordinals-Inschriften heraus, was Kritiker als Zensur werteten, während der Pool von Spam-Filterung sprach; die Regel wurde später überarbeitet. Wenn einzelne Miner ihre Vorlagen selbst bauen, können sie eben auch selbst filtern. Der Gewinn liegt nicht in einem gütigen Torwächter, sondern im Pluralismus vieler Entscheider.

Solo-Mining und die Bitaxe-Lotterie

Am anderen Ende des Spektrums steht eine Bewegung, die 2026 überraschend viel Aufmerksamkeit bekam: das Solo-Mining zu Hause. Statt einem Pool beizutreten, richten Hobby-Miner ihr Gerät direkt oder über einen minimalen Koordinationsdienst wie Public Pool aufs Netzwerk und hoffen auf den einen großen Treffer.

Und die Treffer kommen. Am 9. Juli 2026 fand ein Solo-Miner mit einem winzigen Bitaxe-Gerät den Block 957382 und kassierte die volle Belohnung von gut 3,1 BTC, damals rund 200.000 US-Dollar oder etwa 172.000 Euro (CoinDesk). Anfang August folgte der nächste Solo-Block. Statistisch entsprach der Juli-Treffer laut CoinDesk einer Chance von rechnerisch einmal in rund 18.000 Jahren. Solo-Mining hat 2026 spürbar zugenommen; im Zwölfmonatszeitraum wurden schätzungsweise rund zwei Dutzend Blöcke im Alleingang gefunden.

Ein Bitaxe ist ein quelloffener Mini-ASIC, der denselben Chiptyp nutzt wie industrielle Antminer-S21-Maschinen, dabei aber nur rund ein bis 1,3 Terahash pro Sekunde bei 15 bis 21 Watt leistet und je nach Modell zwischen 60 und 150 Euro kostet. Wirtschaftlich bleibt das eine Lotterie: Gegen über ein Zettahash Netzwerk-Hashrate liegt die Erwartung bei einem Treffer über Jahrtausende. Ideologisch aber ist es die reinste Antwort auf die Vorlagenfrage, volle Selbstverwahrung, eigene Vorlage, kein Pool, erkauft mit dem völligen Verzicht auf planbares Einkommen.

Die Landschaft 2026: Konzentration und Geopolitik

So viel Bewegung es bei der Kontrolle über den Block gibt, so stabil bleibt die Verteilung der Rechenleistung. Nach Daten von Hashrate Index (Stand Ende 2025, die Anteile schwanken je nach Zeitfenster) sah die Rangliste zuletzt so aus:

PoolAnteil (ca.)Sitz / EigentümerAuszahlung (gängig)
Foundry USA30 %USA (DCG)FPPS
AntPool18 %China (Bitmain)FPPS
ViaBTC13 %internationalPPS
F2Pool10 %internationalFPPS
SpiderPool9 %AsienFPPS
MARA Pool6 %USA (börsennotiert)FPPS
SecPool5 %AsienFPPS
Luxor3 %USAFPPS
Binance Pool2 %Börsen-PoolFPPS
SBI Crypto1 %Japan (SBI)FPPS

Viele Pools bieten mehrere Auszahlungsmodelle an; angegeben ist jeweils das gängigste. Die Zahlen unterschätzen die Konzentration eher, als dass sie sie übertreiben. Der Nakamoto-Koeffizient, die Zahl der Akteure, die zusammen mehr als die Hälfte der Hashrate stellen, liegt für 2026 bei etwa drei. Zudem leiten kleinere Pools ihre Hashrate im Hintergrund teils über größere Anbieter (Proxy-Pooling), sodass die tatsächliche Ballung höher ist, als die Blockstatistik zeigt. Insgesamt liegt die Netzwerk-Hashrate bei rund 1,06 Zettahash pro Sekunde und damit auf dem Weg zur nächsten Zettahash-Schwelle. Live nachvollziehen lässt sich die Verteilung etwa bei mempool.space.

Geografisch und geopolitisch ist die Landschaft aufgeladen. Foundry sitzt in den USA und gehört zur Digital Currency Group, mit einem compliance-orientierten, institutionellen Profil. AntPool steht dem Hersteller Bitmain nahe. ViaBTC gilt als in Russland und Umgebung stark, sieht sich aber wachsender regulatorischer Kontrolle ausgesetzt, was einige Miner zu Alternativen wie EMCD wandern lässt. Parallel wägen viele Betreiber zunehmend ab, ob sie ihre Rechenzentren für Bitcoin-Hashing oder lieber für die lukrative Vermietung an KI-Workloads nutzen, ein Trend, der bei börsennotierten Minern wie MARA sichtbar wird.

Mining-Pools gegen Staking-Pools: dieselbe Frage, zwei Welten

Die Frage nach der Konzentration von Konsensmacht ist nicht auf Proof of Work beschränkt. Im Proof-of-Stake-Universum von Ethereum übernehmen Staking-Pools eine strukturell ähnliche Rolle. Anbieter wie Lido, Rocket Pool oder die großen Börsen bündeln nicht Hashrate, sondern eingesetzte ETH und die dazugehörigen Validatoren. Wer viele Validatoren betreibt, kontrolliert einen entsprechenden Anteil an Blockvorschlägen, Attestierungen und der MEV-Extraktion.

Die Sorge ist dieselbe wie bei Mining-Pools: Aggregation steigert die Effizienz, ballt dabei aber Konsensmacht. Lidos Anteil am gesamten gestakten ETH war jahrelang ein Governance-Streitthema. Und so wie Stratum V2 die Vorlagenmacht bei Proof of Work zurückverteilt, ist Distributed Validator Technology (DVT) die Antwort im Staking: Sie verteilt einen einzelnen Validatorschlüssel auf mehrere unabhängige Betreiber. In beiden Welten wird also gerade an technischen Lösungen gearbeitet, die Kontrolle vom Zentrum zurück an den Rand geben.

Was das für deutsche Miner und Anleger bedeutet

Für Miner und Anleger im deutschsprachigen Raum hat das Thema eine praktische und eine regulatorische Seite. Praktisch gilt: Bei Strompreisen von grob 30 bis 40 Cent pro Kilowattstunde ist industrielles Bitcoin-Mining in Deutschland gegen Regionen mit Preisen unter fünf Cent kaum konkurrenzfähig. Die meisten hiesigen Berührungspunkte laufen daher über Miner-Aktien und Mining-ETPs oder über das Hobby-Segment rund um Geräte wie den Bitaxe.

Regulatorisch ist reines Mining in Deutschland keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung. Sobald ein Pool aber Kundengelder verwahrt oder Auszahlungen bündelt, können Verwahr- und Dienstleisterpflichten greifen, wie sie die europäische Verordnung MiCA und die Aufsicht der BaFin für Kryptodienstleister vorsehen. Nicht-verwahrende Pools wie OCEAN umgehen einen Teil dieser Fragen, weil sie nie fremdes Geld halten. Wie weit die Aufsicht künftig auch in Bereiche wie Staking und dezentrale Infrastruktur hineinreicht, ist Gegenstand der laufenden MiCA-Überprüfung.

Steuerlich, und das ist ausdrücklich keine Beratung, gilt für privat gehaltene Kryptowerte in Deutschland die Ein-Jahres-Frist des Paragraf 23 EStG, nach der Veräußerungsgewinne steuerfrei sein können. Mining wird von der Finanzverwaltung jedoch häufig als gewerbliche Tätigkeit eingestuft, bei der die Belohnung zum Zuflusszeitpunkt mit ihrem Marktwert als Einkommen zählt. Das gewählte Auszahlungsmodell eines Pools kann beeinflussen, wann dieser Zufluss steuerlich anfällt. Wer ernsthaft mint, sollte das mit einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater klären.

Kriterien für die Pool-Wahl 2026

Wer 2026 einen Pool auswählt oder bewertet, sollte über die reine Gebühr hinausschauen. Die wichtigsten Kriterien:

  • Auszahlungsmodell: FPPS für maximale Planbarkeit, PPLNS für niedrigere Gebühren, TIDES oder SOLO für Nicht-Verwahrung und Ideologie.
  • Verwahrung: Hält der Pool die Belohnung treuhänderisch, oder fließt sie direkt aus der Coinbase an die eigene Wallet?
  • Gebühren und Mindestauszahlung: transparente Gebührenstruktur, Auszahlungsschwelle und der Umgang mit Gebühren auf Transaktionsgebühren.
  • Vorlagenkontrolle: Unterstützt der Pool Stratum V2 Job Declaration oder DATUM, kann der Miner also selbst gebaute Blockvorlagen einreichen?
  • Dezentralisierungsbeitrag: Stärkt die eigene Hashrate einen ohnehin dominanten Anbieter oder einen kleineren Herausforderer?
  • Regulatorische und geografische Exponierung: Sitz des Betreibers sowie seine Praxis bei Sanktionen und Zensur.
  • Zuverlässigkeit: Betriebszeit, Latenz, Support und Qualität des Dashboards.

Fazit: Hashrate bleibt konzentriert, Kontrolle wird verteilt

Die Hashrate bleibt konzentriert, und daran wird sich kurzfristig wenig ändern. Zwei bis drei Pools genügen weiterhin, um über die Hälfte der Rechenleistung zu stellen. Doch 2026 ist das Jahr, in dem die zweite, wichtigere Frage vom Nischenthema zur Schlagzeile wurde: Wer baut den Block?

Sieben der größten Pools haben ihren Widerstand gegen Stratum V2 aufgegeben. OCEAN und DATUM treiben ein radikaleres, nicht-verwahrendes Modell voran. Solo-Miner gewinnen weiterhin die gelegentliche Lotterie und führen vor, wie vollständige Selbstbestimmung aussieht, wenn auch ohne planbares Einkommen. Der entscheidende Test der kommenden Monate ist, ob aus dem Signal der Arbeitsgruppe gelebte Praxis wird, ob also Miner die Job Declaration tatsächlich einschalten.

Für Leserinnen und Leser im deutschsprachigen Raum liegt der praktische Nutzen weniger im Betrieb eigener Maschinen als im Verständnis dafür, wo die Konsensmacht sitzt. Wer mint oder investiert, kann mit der Wahl des Pools eine kleine, aber echte Stimme abgeben: für Anbieter, die Kontrolle verteilen, statt sie zu horten.

Frequently Asked Questions

Was ist ein Mining-Pool und warum brauche ich einen?

Ein Mining-Pool bündelt die Rechenleistung vieler Miner, damit sie gemeinsam Bitcoin-Blöcke finden und die Belohnung anteilig teilen. Ohne Pool wäre das Einkommen eines einzelnen Geräts reine Glückssache, denn bei einer Netzwerk-Hashrate von über einem Zettahash pro Sekunde müsste ein einzelnes Spitzengerät im statistischen Mittel weit über ein Jahrhundert auf einen eigenen Block warten. Der Pool verwandelt diese Lotterie in einen planbaren Zahlungsstrom.

Was ist der Unterschied zwischen FPPS und PPLNS?

Bei FPPS (Full Pay Per Share) zahlt der Pool für jeden eingereichten Anteil einen festen Satz aus Blocksubvention und Transaktionsgebühren, unabhängig davon, ob gerade ein Block gefunden wurde. Das Glücksrisiko trägt der Pool, dafür ist die Gebühr höher. Bei PPLNS (Pay Per Last N Shares) fließt Geld nur, wenn der Pool tatsächlich einen Block findet, und die Höhe richtet sich nach den zuletzt beigetragenen Anteilen. Das belohnt Treue und bestraft Pool-Hopping, überträgt die Schwankung aber auf den Miner.

Können Mining-Pools Bitcoin-Transaktionen zensieren?

Ja. Weil traditionell der Pool die Blockvorlage baut, entscheidet er, welche Transaktionen aus dem Mempool aufgenommen werden. 2023 dokumentierte der Entwickler 0xB10C, dass mehrere große Pools Transaktionen von OFAC-sanktionierten Adressen ausließen. Protokolle wie Stratum V2 und DATUM geben diese Auswahl an die einzelnen Miner zurück und schwächen so die Zensurmacht der Pools.

Was ändert Stratum V2 für Miner?

Stratum V2 erlaubt einzelnen Minern über die Job-Declaration-Funktion, ihre eigene Blockvorlage zu bauen, statt die des Pools zu übernehmen. Zusätzlich verschlüsselt das Protokoll die Verbindung, senkt den Bandbreitenbedarf deutlich und kann laut den Entwicklern die Rentabilität um bis zu 7,4 Prozent erhöhen. Im Mai 2026 signalisierten sieben Pools mit rund 75 Prozent der Hashrate ihre Unterstützung.

Lohnt sich Solo-Mining mit einem Bitaxe 2026?

Wirtschaftlich ist Solo-Mining mit einem Bitaxe eine Lotterie und kein Einkommen. Ein einzelnes Gerät liefert rund ein Terahash pro Sekunde und hat damit im statistischen Mittel über Jahrtausende hinweg nur eine minimale Chance, allein einen Block zu finden. 2026 gelang das mehreren Hobby-Minern, etwa im Juli bei Block 957382 mit gut 3,1 BTC Belohnung, doch solche Treffer bleiben seltene Glücksfälle und keine planbare Rendite.

Von Lukas Brandt, Mining- und Infrastruktur-Redaktion, HOGE Wire. Dieser Beitrag ist journalistische Analyse und keine Anlage- oder Steuerberatung.

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