Mining-Pools 2026: Wer Bitcoins Hashrate wirklich kontrolliert
Zwei Pools kontrollieren mehr als die Hälfte der Bitcoin-Hashrate. Stratum V2 und DATUM verschieben 2026 die Macht über die Block-Vorlagen zurück zu den Minern.
Die Bitcoin-Hashrate erreicht 2026 ein Allzeithoch nach dem anderen, doch der Kurs hinkt deutlich hinterher: Ende Juni 2026 notiert ein Bitcoin bei rund 52.400 Euro, gut 17 Prozent unter dem Niveau von vor einem Monat. Während die meisten Anleger gebannt auf die Charts schauen, entscheidet sich die eigentliche Machtfrage des Netzwerks an einer Stelle, die kaum jemand beachtet: bei den Mining-Pools.
Ein gutes Dutzend dieser Pools bündelt die Rechenleistung von Hunderttausenden Minern weltweit. Zwei davon, Foundry USA und AntPool, kontrollieren zusammen mehr als die Hälfte der globalen Hashrate. Genau diese Konzentration steht 2026 im Zentrum der wichtigsten technischen Debatte um Bitcoin seit Jahren. Dieser Beitrag erklärt, wie Mining-Pools funktionieren, warum ihre Größe ein Risiko ist und welche Lösungen gerade an Tempo gewinnen.
Was ein Mining-Pool wirklich leistet
Bitcoin-Mining ist im Kern eine Lotterie. Ein einzelner ASIC-Miner mit einigen Terahash an Leistung würde statistisch über Jahre keinen einzigen Block finden. Ein Mining-Pool löst dieses Problem, indem er die Hashrate vieler Teilnehmer bündelt, gemeinsam nach gültigen Blocks sucht und die Belohnung anteilig verteilt. Seit dem Halving vom April 2024 liegt die Block-Belohnung bei 3,125 BTC; beim aktuellen Kurs sind das rund 164.000 Euro pro Block, hinzu kommen die Transaktionsgebühren.
Der Pool-Betreiber übernimmt dabei drei Aufgaben. Erstens stellt er die Block-Vorlage zusammen, also das Template mit der Liste der Transaktionen, die in den nächsten Block sollen. Zweitens koordiniert er die angeschlossenen Miner über das Stratum-Protokoll. Drittens rechnet er die Auszahlung ab, meist nach Modellen wie FPPS (Full Pay Per Share) oder PPLNS (Pay Per Last N Shares). Wer einem Pool beitritt, liefert Rechenleistung und erhält dafür einen planbaren Ertrag. Die Kehrseite dieser Bequemlichkeit: Über die Auswahl der Transaktionen entscheidet traditionell der Pool, nicht der Miner. Nach Daten von The Block liegt die monatliche Netzwerk-Hashrate auf Rekordniveau, was den Wettbewerb um jeden gefundenen Block zusätzlich verschärft.
Zwei Pools, mehr als die Hälfte der Hashrate
Die Verteilung der Rechenleistung ist 2026 so ungleich wie selten zuvor. Nach Daten von Hashrate Index führt Foundry USA mit gut 34 Prozent, gefolgt von AntPool mit rund 14 Prozent. Zusammen kommen beide je nach Tag auf 49 bis 52 Prozent der globalen Hashrate. Rechnet man ViaBTC, F2Pool und SpiderPool hinzu, kontrollieren wenige Pools rund drei Viertel des Netzwerks. Die folgende Tabelle zeigt die ungefähren Anteile; sie schwanken täglich mit der Block-Produktion.
| Pool | Anteil an der Hashrate | Hintergrund |
|---|---|---|
| Foundry USA | rund 34 % | US-Betreiber, institutionell geprägt |
| AntPool | rund 14 % | Bitmain-nahes Umfeld |
| ViaBTC | rund 13 % | global aufgestellt |
| F2Pool | rund 11 % | einer der ältesten Pools |
| SpiderPool | rund 10,5 % | seit 2024 stark gewachsen |
| MARA Pool | rund 5 % | börsennotierte MARA Holdings |
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Pool und Miner. Foundry und AntPool besitzen die Hashrate nicht selbst; sie bündeln die Leistung tausender unabhängiger Betreiber, die jederzeit den Pool wechseln können. Diese Bündelung macht das Mining effizient, schafft aber zugleich einzelne Punkte, an denen sich Druck ausüben ließe. Alle Fäden der Block-Erstellung laufen so bei einer Handvoll Unternehmen zusammen, und das ist der eigentliche Knackpunkt.
Warum die Konzentration ein Problem ist
Das Lehrbuch-Szenario heißt 51-Prozent-Attacke. Wer dauerhaft mehr als die Hälfte der Hashrate kontrolliert, könnte theoretisch Blocks neu anordnen, eigene Coins doppelt ausgeben oder Transaktionen blockieren. In der Praxis ist das unwahrscheinlich: Da die Pools nur fremde Rechenleistung bündeln, müssten tausende Miner gemeinsam betrügen wollen, und sie würden ihren Pool beim ersten Verdacht verlassen. Den Präzedenzfall lieferte 2014 der Pool GHash.io, der kurzzeitig über die Hälfte der Hashrate hielt und seinen Anteil danach auf Druck der Community freiwillig senkte. Eine solche Attacke wäre zudem teuer und selbstzerstörerisch, weil sie das Vertrauen in genau jenes Asset untergrübe, von dem die Angreifer leben.
Das realistischere Risiko ist nicht der Angriff, sondern die Zensur. Weil der Pool entscheidet, welche Transaktionen ins Template wandern, könnte ein Betreiber unter regulatorischem Druck gezwungen werden, Überweisungen von sanktionierten Adressen auszuschließen. Cointelegraph beschreibt die wachsende Größe einzelner Miner als existenzielle Frage für die Neutralität des Netzwerks. Wer die Block-Vorlage baut, hält damit auch die Macht über Reihenfolge und Aufnahme von Transaktionen; ein Hebel, der auf Ethereum unter dem Stichwort MEV (Maximal Extractable Value) seit Jahren intensiv diskutiert wird.
Stratum V2: Wer entscheidet, was in den Block kommt
Im Mai 2026 kam Bewegung in die festgefahrene Lage. Sieben der größten Mining-Pools, die zusammen rund 75 Prozent der globalen Hashrate stellen, kündigten an, das offene Protokoll Stratum V2 zu unterstützen. Laut CoinDesk gehören dazu Foundry, AntPool, F2Pool, SpiderPool, MARA Pool, Block Inc. und DMND. Der Kern der Neuerung: Die Auswahl, welche Transaktionen in den nächsten Block kommen, liegt künftig beim Miner und nicht mehr allein beim Betreiber des Pools.
Stratum V2 verändert die Hashrate-Konzentration nicht, wohl aber die Frage, wer über den Inhalt der Blocks bestimmt. Technisch bringt das Protokoll mehrere Vorteile: eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Verbindung, einen deutlich geringeren Bandbreitenbedarf und eine drastisch kürzere Latenz beim Block-Wechsel. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen.
| Merkmal | Stratum V1 | Stratum V2 |
|---|---|---|
| Transaktionsauswahl | Pool | Miner (Job Declaration) |
| Verschlüsselung | keine | Ende-zu-Ende |
| Latenz beim Block-Wechsel | rund 325 ms | rund 1,42 ms |
| Bandbreite | hoch | reduziert |
Die kürzere Latenz klingt nach einem Detail, summiert sich aber: Schätzungen zufolge spart sie rund 4,9 Stunden Rechenleistung pro Jahr und kann den Nettogewinn um bis zu 7,4 Prozent erhöhen. Die Grundlagen sind gelegt. Bitcoin Core v30 brachte Ende Oktober 2025 eine experimentelle Stratum-V2-Unterstützung, und mit DEMAND (DMND) ging im November 2025 der erste von Grund auf V2-native Pool an den Start, nachdem Braiins das Protokoll über Jahre vorangetrieben hatte. Der Referenzcode ist offen einsehbar im Stratum-Reference-Implementation-Repository; eine kompakte Einordnung liefert das Bitcoin Magazine.
DATUM und OCEAN: der konsequentere Weg
Manchen Verfechtern der Dezentralisierung geht Stratum V2 nicht weit genug. Der Grund: Solange der Pool die vollständige Transaktionsliste während der Aushandlung sieht, könnte er ein Template theoretisch ablehnen. Der Pool OCEAN, mitgegründet vom Bitcoin-Core-Entwickler Luke Dashjr, setzt deshalb auf ein eigenes Protokoll namens DATUM (Decentralized Alternative Templates for Universal Mining). Dabei baut jeder Miner seine Block-Vorlage selbst und teilt mit dem Pool nur die Merkle-Zweige. Für den Inhalt des Templates ist der Pool damit mathematisch blind; er erhält den Arbeitsnachweis, sieht die einzelnen Transaktionen jedoch nicht.
Die Auszahlungen bei OCEAN sind nicht-kustodial, die Coins berühren also nie eine Wallet des Pools. Zusätzlich gewährt OCEAN Minern, die DATUM nutzen, einen Rabatt von 50 Prozent auf die Pool-Gebühr. Der Preis dieser Souveränität ist ein höherer technischer Aufwand, weil der Miner die Vorlage selbst erstellen muss. Aus dem Nischenprojekt wurde institutionelle Realität, als Tether ankündigte, eigene Hashrate über DATUM auf OCEAN zu lenken, ausdrücklich mit dem Ziel, die Zensurresistenz des Netzwerks zu stärken. Wer tiefer einsteigen will, findet die DATUM-Dokumentation sowie den quelloffenen Code im DATUM-Gateway-Repository auf GitHub.
Mining-Pools und Staking-Pools: dieselbe Frage, zwei Welten
Das Muster der Bündelung ist nicht auf Bitcoin beschränkt. Seit Ethereum 2022 auf Proof of Stake umgestellt hat, taucht dieselbe Konzentrationsfrage bei den Staking-Pools auf. Marktführer Lido bündelt nach Daten des Dune-Dashboards von hildobby rund 23 bis 24 Prozent aller gestakten ETH, nach einem Höchststand von über 32 Prozent im Jahr 2023. Die Sorge ähnelt jener im Mining: Je mehr Validatoren über ein einziges Protokoll laufen, desto stärker konzentriert sich die Macht über Block-Produktion und Governance.
Der Unterschied liegt in der Mechanik. Ein Bitcoin-Miner kann seinen Pool binnen Sekunden wechseln, indem er die Rechenleistung umlenkt; bei Proof of Stake sind Kapital und Validatoren träger gebunden, ein Wechsel ist aufwendiger. Für den Cluster aus Mining und Staking heißt das: Beide Welten ringen mit demselben Zielkonflikt zwischen Bequemlichkeit und Dezentralisierung, lösen ihn aber mit unterschiedlichen Werkzeugen.
Was das für deutsche Miner und Anleger bedeutet
In Deutschland gilt seit Ende Dezember 2024 die EU-Verordnung MiCA vollständig. Über das Kryptomärkteaufsichtsgesetz (KMAG) hat der Gesetzgeber die nationale Übergangsfrist auf den 31. Dezember 2025 vorgezogen; seither vergibt die BaFin die Zulassungen für Kryptowerte-Dienstleister. Entscheidend für Miner: Das Mining selbst ist keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung. Die BaFin beaufsichtigt unter MiCAR die Dienstleister, also Handelsplattformen und Verwahrer, nicht die Mining- oder Staking-Aktivität als solche. Die erzielten Erträge bleiben jedoch ein steuerliches Thema und sollten sauber dokumentiert werden.
Wirtschaftlich bleibt das Umfeld 2026 angespannt. Bei einem Kurs um 52.400 Euro bringt ein gefundener Block zwar rund 164.000 Euro, doch die Rekord-Hashrate verteilt diesen Ertrag auf immer mehr Rechenleistung. In Euro gerechnet ist die sogenannte Hashprice, also der Ertrag je Recheneinheit, seit dem Halving spürbar gesunken, was schwächere Standorte aus dem Markt drängt. Für deutsche Heim-Miner entscheidet damit vor allem der Strompreis über die Rentabilität. Bei der Pool-Wahl lohnt 2026 ein zweiter Blick: Neben Gebührenmodell und Auszahlung ist neu relevant, ob ein Pool Stratum V2 oder DATUM unterstützt und dem Miner damit die Hoheit über die Transaktionsauswahl zurückgibt.
Worauf Miner bei der Pool-Wahl 2026 achten sollten
Die Wahl des richtigen Pools ist 2026 mehr als eine Gebührenfrage. Wer mitminen will, sollte mehrere Kriterien abwägen:
- Auszahlungsmodell: FPPS glättet die Erträge, PPLNS belohnt Treue zum Pool, reines PPS ist planbar, aber oft teurer.
- Gebühren: übliche Spannen liegen zwischen 0 und 3 Prozent; DATUM-Nutzer bei OCEAN erhalten einen Rabatt von 50 Prozent.
- Protokoll: Unterstützt der Pool Stratum V2 oder DATUM und gibt dem Miner damit die Transaktionshoheit zurück?
- Verwahrung: Bei nicht-kustodialen Auszahlungen fließen die Coins direkt in die eigene Wallet.
- Dezentralisierung: Ein kleinerer Pool stärkt die Gesundheit des Netzwerks, auch wenn die Auszahlungen etwas unregelmäßiger ausfallen.
Fazit: Die Hashrate bleibt konzentriert, die Kontrolle wird verteilt
Die eigentliche Geschichte des Jahres 2026 ist nicht der Bärenmarkt, sondern eine stille Machtverschiebung. Die Hashrate bleibt auf wenige Pools konzentriert, doch die Entscheidung darüber, was in einen Block kommt, wandert zurück zum einzelnen Miner. Stratum V2 und DATUM sind die beiden Hebel dieser Bewegung. Die Arbeitsgruppe hinter Stratum V2 rechnet damit, dass das Protokoll bis Ende 2026 zum Standard neuer ASIC-Firmware wird und 40 bis 60 Prozent der Hashrate erreichen könnte.
Für Anleger ist die Dezentralisierung kein Randthema, sondern eine Sicherheitseigenschaft, die das langfristige Wertversprechen von Bitcoin trägt. Wer 2026 auf Mining-Pools schaut, sollte deshalb weniger auf die nackten Prozentzahlen achten als auf die Frage, wer am Ende die Block-Vorlage baut. Genau dort entscheidet sich, wie zensurresistent das Netzwerk bleibt.
Von der HOGE Wire Redaktion, Ressort Mining und Staking.