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● Markets

Krypto-Handelsvolumen Q2 2026: Spot fällt, Derivate halten

Im zweiten Quartal 2026 brach das Spot-Volumen an Krypto-Börsen um fast 28 Prozent ein, während Derivate und DEX-Plattformen zulegten. Ein Datenüberblick über die Verschiebung.

Der Widerspruch im zweiten Quartal

Der gesamte Kryptomarkt ist im zweiten Quartal 2026 um 12,6 Prozent beziehungsweise rund 304,8 Milliarden US-Dollar (etwa 266 Milliarden Euro) geschrumpft und schloss bei 2,1 Billionen US-Dollar (rund 1,83 Billionen Euro), dem niedrigsten Stand seit September 2024, wie aus dem Q2-2026-Branchenbericht von CoinGecko hervorgeht. Wer daraus schließt, dass an den Krypto-Börsen insgesamt weniger gehandelt wurde, liegt nur zur Hälfte richtig. Tatsächlich ist das Handelsvolumen nicht gleichmäßig eingebrochen, es hat sich verschoben: weg vom klassischen Spotkauf, hin zu Derivaten, dezentralen Plattformen, tokenisierten Real-World-Assets und, für viele überraschend, hin zu Prognosemärkten, die mit Kryptowerten oft nur die technische Infrastruktur teilen.

Diese Verschiebung ist mehr als eine Fußnote für Statistik-Fans. Sie bestimmt, wessen Gebühreneinnahmen wachsen, welche Plattformen regulatorisch unter Druck geraten und wie verlässlich die Volumenzahlen sind, die täglich auf Dashboards wie CoinMarketCap oder CoinGecko auftauchen. In einer früheren Analyse haben wir bereits gezeigt, was die Handelsvolumen-Zahlen 2026 wirklich aussagen, mit Fokus auf das erste Quartal und die Frage, wie viel davon überhaupt real ist. Dieser Beitrag baut darauf auf und zeigt, wie sich das Bild im zweiten Quartal weiterentwickelt hat, inklusive einiger Trends, die zu Jahresbeginn noch kaum sichtbar waren.

Die Bilanz des zweiten Quartals in Zahlen

Der Spothandel an den zehn größten zentralisierten Börsen (CEX) fiel im zweiten Quartal auf 1,95 Billionen US-Dollar (rund 1,70 Billionen Euro), ein Rückgang von 27,9 Prozent gegenüber den 2,70 Billionen US-Dollar aus dem ersten Quartal, so der CoinGecko-Bericht. Im Mai, dem schwächsten Monat, lag das monatliche Volumen bei nur noch 619 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Der Bitcoin-Preis selbst gab im gleichen Zeitraum von rund 68.200 US-Dollar (etwa 59.600 Euro) Ende März auf etwa 60.150 US-Dollar (rund 52.600 Euro) Ende Juni nach, wie Daten der CME-Group-Quartalsübersicht zeigen, ein Kursrückgang, der die Kauflaune spürbar gedämpft hat.

Ganz anders das Bild bei Derivaten. Perpetual Futures und klassische Futures an den zehn größten Terminbörsen kamen im zweiten Quartal auf 12,7 Billionen US-Dollar (rund 11,1 Billionen Euro), nur 10,0 Prozent weniger als die 14,1 Billionen US-Dollar aus Q1. Der Rückgang bei Derivaten fiel damit weniger als halb so stark aus wie beim Spotmarkt, ein deutliches Signal dafür, dass Trader in unsicheren Phasen nicht unbedingt weniger handeln, sondern zunehmend auf gehebelte Positionen statt auf den direkten Kauf von Coins setzen. Diese Verhaltensänderung zieht sich durch fast jedes Segment, das wir uns im Folgenden ansehen.

Wer die Charts anführt: Konzentration trotz Baisse

Auffällig ist, dass sich die Marktmacht im schwächeren Quartal nicht etwa auf mehr Plattformen verteilt hat, sondern sich weiter auf die größten Namen konzentriert. Binance baute seinen Marktanteil im Spotgeschäft der Top-10-Börsen laut CoinGecko auf 38,7 Prozent aus, mit Abstand der höchste Wert im Feld. Bybit folgte mit 10,0 Prozent auf Platz zwei. Am unteren Ende der Rangliste ging es dagegen deutlich bergab: Crypto.com verlor 40,9 Prozent an Volumen, KuCoin 38,5 Prozent, beides Rückgänge, die spürbar über dem Marktdurchschnitt von minus 27,9 Prozent lagen.

Der auffälligste Fall ist aber MEXC. Die Börse fiel laut CoinGecko von Rang zwei auf Rang sieben zurück, ihr Volumen halbierte sich von 275,2 auf 121,2 Milliarden US-Dollar nahezu. Bemerkenswert daran: In eigenen Mitteilungen zeichnete MEXC für dasselbe Quartal ein deutlich freundlicheres Bild, mit Wachstum und einem zweiten Platz nach Spot-Marktanteil. Diese Diskrepanz zwischen der Selbstdarstellung einer Börse und der unabhängigen Erhebung eines Datenanbieters ist kein Einzelfall, sie ist genau der Grund, warum unabhängige Prüfmethoden wie der weiter unten beschriebene Trust Score für die Einordnung von Volumenzahlen so wichtig sind.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Verschiebungen unter den Top-10-Spotbörsen im zweiten Quartal 2026 zusammen.

BörseMarktanteil / Veränderung Q2 2026Kommentar
Binance38,7% MarktanteilDominanz trotz Baisse ausgebaut
Bybit10,0% MarktanteilKlar auf Platz zwei
MEXC275,2 auf 121,2 Mrd. USD (etwa halbiert)Rutscht von Rang 2 auf Rang 7
Crypto.com-40,9% VolumenRückgang deutlich über Marktdurchschnitt
KuCoin-38,5% VolumenRückgang deutlich über Marktdurchschnitt
Top 10 gesamt1,95 Bio. USD (-27,9% ggü. Q1)Gesamtmarkt schrumpft trotz Konzentration an der Spitze

Coinbase und die institutionelle Kälte

Während Binance seine Position ausbaute, bekam die an der Nasdaq gelistete Coinbase die schwache Marktstimmung deutlich zu spüren. Im ersten Quartal 2026 lag der Nettoumsatz bei 1,3 Milliarden US-Dollar (rund 1,14 Milliarden Euro), inklusive 755,8 Millionen US-Dollar Transaktionsumsatz, wie aus der Investor-Relations-Mitteilung des Unternehmens hervorgeht. Unterm Strich stand dennoch ein Nettoverlust von 394 Millionen US-Dollar, deutlich schlechter als von Analysten erwartet.

Die Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht Coinbase erst am 30. Juli 2026, also nach Erscheinen dieses Beitrags, doch die Richtung der Branche lässt sich bereits jetzt ablesen: Fällt das Spotvolumen wie beschrieben um fast 28 Prozent, trifft das eine Börse wie Coinbase, deren Geschäftsmodell stark auf Transaktionsgebühren im Spotgeschäft beruht, besonders hart. Nicht zufällig treibt das Unternehmen parallel die Diversifizierung voran, etwa über Derivate und, wie weiter unten beschrieben, Prognosemärkte, ein Muster ähnlich jenen institutionellen Bewegungen, die wir bereits in unserer Analyse zu Bitcoin-Aktien und der Wall-Street-Wette auf Krypto beschrieben haben.

Derivate regieren: Warum Futures und Perpetuals die Show stehlen

Rechnet man Spot- und Derivatevolumen der Top-10-Börsen im zweiten Quartal gegeneinander, kamen auf jeden US-Dollar Spotvolumen rund 6,5 US-Dollar an Futures- und Perpetual-Volumen. Perpetual Futures, jene endlos laufenden Terminkontrakte ohne Verfallsdatum, sind damit weiterhin das mit Abstand größte Marktsegment im Kryptohandel. Wer verstehen will, wie genau sich Long- und Short-Positionen bei Perpetuals gegenseitig über die sogenannte Funding Rate finanzieren, findet eine ausführliche Erklärung in unserem Beitrag zur Funding Rate bei Perpetuals.

Auch im regulierten, institutionellen Segment zeigt sich die Derivate-Stärke. Bei der CME Group, der weltweit größten regulierten Terminbörse, stieg das durchschnittliche Tagesvolumen der gesamten Krypto-Produktpalette im zweiten Quartal um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 250.000 Kontrakte, bei einem durchschnittlichen offenen Interesse von 216.000 Kontrakten, wie die CME selbst in ihrem Quartalsbericht mitteilt. „Demand for regulated cryptocurrency futures continues to increase, with average daily volume in our suite up 43% year-to-date“, sagte Giovanni Vicioso, Global Head of Cryptocurrency Products bei der CME Group, im Mai 2026.

Ganz reibungslos verlief das Quartal für institutionelle Derivate aber nicht. Anfang April fiel das offene Interesse bei CME-Bitcoin-Futures auf 8,41 Milliarden US-Dollar, den niedrigsten Stand seit 14 Monaten, ausgelöst durch die Auflösung von sogenannten Cash-and-Carry-Trades, bei denen Investoren gleichzeitig Spot-Bitcoin kaufen und Futures leerverkaufen, um von der Preisdifferenz zu profitieren. Wie genau dieser Trade im Detail funktioniert und warum er im Frühjahr 2026 unter Druck geriet, haben wir in unserer Analyse zum Zusammenbruch des Cash-and-Carry-Trades aufgearbeitet.

Die stille Explosion: RWA-Perpetuals als neue Nische

Ein Segment, das im ersten Halbjahr 2026 von praktisch null auf relevant sprang, sind Perpetual Futures auf tokenisierte Real-World-Assets (RWA), also etwa auf US-Aktien, Rohstoffe oder Devisen, verpackt als Krypto-Perpetual. Lag das Volumen in diesem Nischensegment im vierten Quartal 2025 noch bei rund 12,4 Milliarden US-Dollar, kletterte es im ersten Quartal 2026 auf über 524,8 Milliarden US-Dollar, mehr als der gesamte RWA-Perpetual-Umsatz des Jahres 2025 zusammen, wie Marktdaten zeigen. Im Mai 2026 erreichte allein der Monatsumsatz rund 211 Milliarden US-Dollar.

Angeführt wird das Segment von Binance mit einem Marktanteil von etwa 55,7 Prozent im Mai 2026, während auf der dezentralen Seite Hyperliquids HIP-3-Framework die treibende Kraft ist und der Preis-Orakel-Anbieter Pyth Network nach eigenen Angaben rund 52 Prozent des globalen RWA-Perpetual-Volumens mit Kursdaten versorgt. Für Trader bedeutet das im Kern: Wer keinen direkten Zugang zu Aktien-CFDs oder außerbörslichen Wetten auf Einzelaktien hat, findet über RWA-Perpetuals auf Krypto-Plattformen einen Umweg, der regulatorisch in einer Grauzone zwischen Krypto- und Wertpapierrecht liegt, ein Punkt, den Aufsichtsbehörden diesseits und jenseits des Atlantiks aufmerksam beobachten.

DEX gegen CEX: Der Vormarsch der On-Chain-Börsen

Der langfristige Trend hin zu dezentralen Börsen (DEX) hat sich 2026 fortgesetzt, wenn auch nicht linear. Das Verhältnis von DEX- zu CEX-Spotvolumen lag im Jänner 2024 noch bei 6,9 Prozent, im Jänner 2026 bereits bei 13,6 Prozent, mit einem historischen Ausreißer von über 37 Prozent im Juni 2025, als ein Großteil des Volumens über PancakeSwap lief, ausgelöst durch Order-Routing von Binances eigenem Alpha-Programm, wie CoinGeckos CEX-und-DEX-Trading-Activity-Report dokumentiert.

Noch dynamischer verlief die Entwicklung bei dezentralen Perpetual-Börsen. Im Juni 2026 stieg deren Anteil am Volumen der zentralisierten Konkurrenz auf rund 9,2 Prozent, während das monatliche Gesamtvolumen aller Perp-DEX auf etwa 676 Milliarden US-Dollar kletterte, ein Plus von 14 Prozent gegenüber Mai, wie ein Bericht unter Berufung auf The-Block-Daten festhält. Hyperliquid allein kam auf etwa 250 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 36 Prozent zum Vormonat, und blieb damit die klare Nummer eins unter den Perp-DEX.

Der neue Rivale: Prognosemärkte saugen Volumen und Aufmerksamkeit ab

Während klassische Krypto-Handelsplätze um schrumpfende Spotvolumina kämpften, erlebte ein angrenzendes Segment sein bislang stärkstes Quartal: Prognosemärkte wie Kalshi und Polymarket kamen im zweiten Quartal 2026 gemeinsam auf ein Rekordvolumen von 113,8 Milliarden US-Dollar (rund 99,4 Milliarden Euro), wie unter anderem CNBC berichtet. Angetrieben wurde der Boom maßgeblich von der Fußball-Weltmeisterschaft: Allein im Juni erreichte das monatliche Volumen mit rund 50,7 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand.

Die beiden großen Plattformen entwickelten sich dabei unterschiedlich: Kalshi, das in den USA CFTC-reguliert operiert, kam im Juni auf mehr als 31 Milliarden US-Dollar Volumen und hielt einen Marktanteil von etwa 58,9 Prozent, während Polymarket zwar mit 10,8 Milliarden US-Dollar ebenfalls einen Rekordmonat verzeichnete, sein Marktanteil aber von 35,8 auf 30,2 Prozent zurückging. Kalshi-Mitgründer und CEO Tarek Mansour begründet den Erfolg des Modells damit, dass Prognosemärkte echte finanzielle Konsequenzen erzwingen: „The incentive structure in prediction markets is truth. You get paid if you’re right“, sagte Mansour gegenüber Forbes. Für die Krypto-Branche ist die Entwicklung relevant, weil Polymarket technisch auf Polygon abgewickelt wird und Kapital sowie Aufmerksamkeit von Tradern bindet, die andernfalls möglicherweise auf klassischen Spot- oder Perpetual-Plattformen aktiv wären.

Wie viel davon ist überhaupt echt? Trust Score und die Wash-Trading-Frage

Jede Diskussion über Handelsvolumen an Krypto-Börsen muss eine unbequeme Frage mitdenken: Wie viel davon ist echt? Historisch ist die Antwort ernüchternd. Eine Analyse von Bitwise Asset Management, die 2019 der US-Börsenaufsicht SEC vorgelegt wurde, kam zum Schluss, dass rund 95 Prozent des damals gemeldeten Bitcoin-Spotvolumens fingiert war, real blieben laut Bitwise nur etwa 273 Millionen der gemeldeten rund 6 Milliarden US-Dollar Tagesvolumen übrig, wie CNBC damals berichtete. Wie hartnäckig diese Problematik bis heute ist, zeigt sich auch 2026 noch, etwa im weiter oben beschriebenen Fall MEXC.

CoinGecko reagierte im Mai 2026 mit einem größeren Update seiner Trust-Score-Methodik, intern „Basilisk“ genannt: Die Web-Traffic-Gewichtung wurde durch direkte Volumenmessung und die Tiefe der Order-Bücher ersetzt, ein zusätzlicher Regulation Score kam hinzu, und Börsen werden seither auf einer Kurve relativ zu ihren Mitbewerbern bewertet statt in absoluten Werten. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Coinbase führt das Trust-Score-Ranking praktisch an, obwohl die Börse nach reinem Volumen bestenfalls im Mittelfeld der Top 10 liegt, ein Beleg dafür, dass Volumen und Vertrauenswürdigkeit zwei unterschiedliche Dinge sind.

Regulatorischer Wendepunkt: Das Ende der MiCA-Übergangsfrist

Mitten in dieses volatile Marktumfeld fiel ein regulatorisches Datum von erheblicher Tragweite: Am 1. Juli 2026 lief die Übergangsfrist der Markets-in-Crypto-Assets-Verordnung (MiCA) EU-weit aus. Die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA stellte dazu klar, dass Unternehmen ohne aufrechte MiCA-Zulassung ab diesem Stichtag keine Krypto-Dienstleistungen mehr aktiv an Kundinnen und Kunden in der EU vermarkten dürfen, wie auch die österreichische FMA in ihrer Zusammenfassung der ESMA-Vorgaben festhält.

Nicht lizenzierte Anbieter sind seither aufgefordert, ihre Aktivitäten in der EU geordnet einzustellen und dabei die Interessen bestehender Kundinnen und Kunden zu wahren. Für den Kontext dieses Beitrags ist das relevant, weil ein Teil des zuvor beschriebenen, an EU-Retail-Kunden gerichteten Volumens schlicht nicht mehr legal von unlizenzierten Plattformen stammen darf. Zusätzlich verschärfen die Marktmissbrauchsleitlinien der MiCA-Verordnung (Titel VI: insider dealing, unrechtmäßige Offenlegung, Marktmanipulation), deren letzter Teil ab 28. Juli 2026 greift, die Aufsicht über genau jene Praktiken, die Handelsvolumen künstlich aufblähen können.

Österreich im Fokus: Die FMA als Torwächterin

Für österreichische Anlegerinnen und Anleger bedeutet das Ende der Übergangsfrist vor allem eines: Klarheit darüber, wer überhaupt noch legal Dienstleistungen anbieten darf. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) führt dazu ein öffentlich einsehbares Unternehmensregister; bis Ende Juni 2026 hatte sie nach eigenen Angaben zehn Anbieter für den österreichischen Markt zugelassen, darunter Bitpanda, 21bitcoin, Cryptonow, DADAT und Bybit, wie die FMA selbst mitteilt.

Bitpanda bleibt dabei das Aushängeschild: Das Wiener Unternehmen zählte bereits 2025 zu den ersten vollständig MiCA-lizenzierten Anbietern im deutschsprachigen Raum. Für heimische Trader heißt das im Umkehrschluss: Ein beträchtlicher Teil des weltweiten Handelsvolumens, das dieser Beitrag beschreibt, insbesondere auf Plattformen ohne österreichische oder EU-Zulassung, ist für den lokalen Markt ab sofort schlicht tabu, unabhängig davon, wie hoch die dort ausgewiesenen Zahlen sind.

Handelsvolumen im Vergleich: Alle Segmente auf einen Blick

Um die verschiedenen, teils gegenläufigen Trends dieses Beitrags einzuordnen, lohnt sich ein zusammenfassender Blick auf die wichtigsten Marktsegmente, ihre jeweiligen Volumina und die zugrunde liegenden Zeiträume. Wichtig dabei: Nicht alle Zahlen sind direkt vergleichbar, da manche auf Quartals-, andere auf Monatsbasis erhoben werden.

MarktsegmentVolumenZeitraumVeränderung
CEX-Spothandel (Top 10)1,95 Bio. USDQ2 2026-27,9% ggü. Q1
CEX-Perpetuals/Futures (Top 10)12,7 Bio. USDQ2 2026-10,0% ggü. Q1
DEX-Perpetuals (gesamt)676 Mrd. USDJuni 2026+14% ggü. Mai
RWA-Perpetuals (gesamt)über 500 Mrd. USDQ1 2026Rekordniveau
Prognosemärkte (Kalshi + Polymarket)113,8 Mrd. USDQ2 2026Rekordquartal

Das Muster, das sich aus dieser Übersicht ergibt, ist eindeutig: Kapital und Aufmerksamkeit fließen 2026 nicht einfach aus dem Kryptomarkt ab, sie verteilen sich neu, auf mehr Hebel, mehr On-Chain-Infrastruktur und mehr Plattformen außerhalb des klassischen Spot-Handels. Für die Gesamtbranche ist das ambivalent: Mehr Derivate- und DEX-Aktivität bedeutet tendenziell höhere Volatilität und Liquidationsrisiken, aber auch mehr Wettbewerb und potenziell bessere Konditionen für Trader, die wissen, wo sie suchen müssen.

Was das für Trader und Anleger bedeutet

Aus den Zahlen dieses Beitrags lassen sich einige praktische Schlüsse ziehen. Erstens: Eine hohe 24-Stunden-Volumenzahl auf einem Dashboard ist kein Qualitätsmerkmal für sich, sie sollte immer im Zusammenhang mit einem unabhängigen Vertrauensindikator wie dem Trust Score gelesen werden, gerade angesichts der oben beschriebenen Differenz zwischen Eigenangaben und unabhängiger Erhebung bei einzelnen Börsen. Zweitens: Perpetual Futures sind rechtlich in der EU keine Krypto-Assets im Sinne der MiCA-Verordnung, sondern Finanzinstrumente nach MiFID II, was bedeutet, dass für Privatkunden Hebelobergrenzen und weitere Anlegerschutzvorgaben der ESMA gelten, unabhängig davon, wie die jeweilige Plattform reguliert ist.

Drittens lohnt sich ein Blick auf die Kostenseite gehebelter Positionen: Wer über Wochen oder Monate eine Perpetual-Position hält, zahlt oder erhält laufend die Funding Rate, deren Mechanik und historische Ausschläge wir in unserem separaten Beitrag im Detail erklären. Viertens schließlich: Die Fragmentierung des Handelsvolumens über immer mehr Venues, von klassischen CEX über DEX bis zu RWA-Perpetuals und Prognosemärkten, bedeutet für kleinere Positionsgrößen tendenziell höhere Slippage-Risiken auf weniger liquiden Plattformen, ein Faktor, der bei der Wahl der Handelsplattform oft unterschätzt wird.

Ausblick: Was im dritten Quartal zu beobachten ist

Mehrere Entwicklungen dürften das dritte Quartal heuer prägen. Am 30. Juli 2026 veröffentlicht Coinbase seine Zahlen für das zweite Quartal, ein erster harter Test dafür, wie stark der Rückgang des Spotvolumens tatsächlich auf die Bilanzen börsennotierter Krypto-Unternehmen durchschlägt. Gleichzeitig wird sich zeigen, ob die verschärfte ESMA-Aufsicht nach dem Ende der MiCA-Übergangsfrist zu sichtbaren Marktaustritten nicht lizenzierter Anbieter aus dem EU-Raum führt, was wiederum das ausgewiesene, an EU-Kunden gerichtete Volumen weiter verändern dürfte.

Spannend bleibt auch, ob sich die in diesem Beitrag beschriebene Konzentration auf wenige große Plattformen wie Binance fortsetzt oder ob MiCA-lizenzierte Alternativen wie Bitpanda in Europa Marktanteile gewinnen. Nicht zuletzt bleibt die makroökonomische Lage entscheidend: Die von CoinGecko beschriebene Entkopplung von Kryptowerten und traditionellen Risikoanlagen im zweiten Quartal wirft die Frage auf, ob Bitcoin seine Rolle als Absicherung gegen klassische Marktrisiken zurückgewinnt, ein Thema, das wir bereits in unserem Beitrag zur Korrelation zwischen Bitcoin und Aktien vertieft haben.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist das Handelsvolumen an Krypto-Börsen 2026 gesunken?

Das Spotvolumen an den zehn größten Börsen fiel im zweiten Quartal 2026 um 27,9 Prozent, vor allem weil der Gesamtmarkt im gleichen Zeitraum um 12,6 Prozent schrumpfte und Anlegerinnen und Anleger bei fallenden Preisen tendenziell weniger direkt kaufen. Das Volumen bei Derivaten sank mit minus 10,0 Prozent deutlich schwächer, was zeigt, dass sich die Handelsaktivität eher verschoben als tatsächlich aufgelöst hat.

Was ist der Unterschied zwischen Spot- und Derivatehandel an Krypto-Börsen?

Beim Spothandel kauft oder verkauft man den zugrunde liegenden Coin direkt und besitzt ihn danach auch. Bei Derivaten wie Perpetual Futures wird lediglich auf die Preisentwicklung gewettet, meist mit Hebel und ohne den Coin tatsächlich zu besitzen. Perpetual Futures gelten in der EU rechtlich als Finanzinstrumente nach MiFID II und unterliegen damit anderen Regeln als der MiCA-regulierte Spothandel.

Wie zuverlässig sind die Handelsvolumen-Zahlen der Krypto-Börsen?

Mit Vorsicht zu genießen. Eine Analyse von Bitwise Asset Management aus dem Jahr 2019 bezifferte den Anteil fingierten Bitcoin-Spotvolumens auf rund 95 Prozent, und auch 2026 zeigen sich noch Diskrepanzen zwischen den Eigenangaben einzelner Börsen und unabhängigen Erhebungen wie dem Trust Score von CoinGecko. Als Faustregel gilt: Ein Token, dessen 24-Stunden-Volumen die eigene Marktkapitalisierung deutlich übersteigt, sollte kritisch hinterfragt werden.

Welche Krypto-Börsen sind in Österreich von der FMA zugelassen?

Nach Angaben der FMA waren bis Ende Juni 2026 zehn Anbieter für den österreichischen Markt zugelassen, darunter Bitpanda, 21bitcoin, Cryptonow, DADAT und Bybit. Seit dem Ende der MiCA-Übergangsfrist am 1. Juli 2026 dürfen nur noch Anbieter mit gültiger MiCA-Lizenz Krypto-Dienstleistungen aktiv an EU-Kundinnen und -Kunden vermarkten.

Was sind Perpetual Futures und warum dominieren sie das Handelsvolumen?

Perpetual Futures sind Terminkontrakte ohne Verfallsdatum, die über eine periodische Funding Rate an den Spotpreis gekoppelt bleiben. Sie erlauben hohen Hebel und einfaches Shorten, weshalb sie im zweiten Quartal 2026 mit 12,7 Billionen US-Dollar rund das 6,5-Fache des Spotvolumens der Top-10-Börsen ausmachten.

Von der HOGE Wire Redaktion, Ressort Markets.

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