Futures-Basis 2026: Wie der Bitcoin-Cash-and-Carry-Trade kollabierte
Der Cash-and-Carry-Trade galt als risikoloser Ertrag, bis die Bitcoin-Basis Ende 2025 kollabierte. Ein Rückblick auf Boom, Crash und die Frage nach der Rückkehr 2026.
Mitte Juli 2026 notiert Bitcoin bei rund 56.700 Euro, umgerechnet knapp 64.600 US-Dollar, wie CoinDesk-Daten zeigen, und damit weiterhin knapp die Hälfte unter dem Allzeithoch von 126.198 US-Dollar vom 6. Oktober 2025. Der eigentliche Bruch des vergangenen Jahres zeigt sich aber nicht im Spotchart, sondern in einer Kennzahl, die außerhalb institutioneller Handelsräume kaum jemand kennt: der Futures-Basis, jenem Renditeaufschlag, den Bitcoin-Terminkontrakte gegenüber dem Kassamarkt bieten, oder eben nicht mehr bieten.
Diese Basis war 2024 und 2025 die Grundlage eines der größten institutionellen Carry-Trades im Kryptomarkt: des Cash-and-Carry-Handels, bei dem Fonds Bitcoin am Kassamarkt, meist über einen Spot-ETF, kauften und gleichzeitig Terminkontrakte an der CME leerverkauften, um die Differenz weitgehend marktneutral einzustreichen. Ende 2025 brach dieser Handel zusammen, die Basis fiel zeitweise sogar unter null, und Hedgefonds zogen allein im ersten Quartal 2026 Zehntausende Bitcoin aus börsengehandelten Fonds ab. Was danach kam, ist eine der lehrreichsten Marktgeschichten des Jahres: darüber, wie aus einem als quasi risikofrei verkauften Trade plötzlich Verkaufsdruck wurde, wer am Ende die Verluste trug und warum Banken dort einstiegen, wo Hedgefonds aufgaben.
Was ist die Futures-Basis? Contango, Backwardation und die Formel
Die Futures-Basis beschreibt die Differenz zwischen dem Preis eines Terminkontrakts und dem aktuellen Kassa- beziehungsweise Spotpreis des zugrunde liegenden Vermögenswerts, in diesem Fall Bitcoin. Um Kontrakte mit unterschiedlichen Laufzeiten vergleichbar zu machen, wird die Basis üblicherweise annualisiert: Man nimmt die relative Differenz zwischen Futures- und Spotpreis und multipliziert sie mit 365, geteilt durch die Anzahl der Tage bis zum Verfall des Kontrakts. Das Ergebnis ist eine Rendite, die sich direkt mit anderen verzinsten Anlagen wie US-Staatsanleihen vergleichen lässt.
Notieren die Futures über dem Spotpreis, spricht man von Contango, einem Zustand, der auf optimistische Erwartungen und eine hohe Nachfrage nach gehebeltem Long-Exposure hindeutet. Liegen die Futures dagegen unter dem Spotpreis, handelt es sich um Backwardation, meist ein Zeichen von Marktstress, Deleveraging oder akuter Absicherungsnachfrage. Bitcoin-Futures an der CME notierten historisch fast immer in Contango, Backwardation blieb die Ausnahme und trat nur in echten Stressphasen auf. Das Prinzip ist nicht neu und auch nicht kryptospezifisch: Rohstoffmärkte wie Öl oder Gold kennen dieselbe Logik seit Jahrzehnten, dort spiegelt die Basis Lagerkosten, Zinsen und Angebotsknappheit wider. Bei Bitcoin, das keine Lagerkosten im klassischen Sinn kennt, bildet die Basis vor allem die Finanzierungskosten gehebelter Positionen und die Markterwartung ab.
Der Cash-and-Carry-Trade: Wie der quasi risikolose Basis-Handel funktioniert
Aus dieser Preisdifferenz lässt sich eine Handelsstrategie ableiten, die im traditionellen Finanzwesen als Cash-and-Carry-Trade bekannt ist. Ein Fonds kauft Bitcoin am Kassamarkt, in der Praxis meist über einen Spot-ETF, und verkauft gleichzeitig Terminkontrakte mit demselben Nominalwert leer. Bewegt sich der Bitcoin-Preis nach oben oder unten, gleichen sich Gewinn und Verlust der beiden Positionen im Idealfall aus, das Marktrisiko ist herausgehedgt. Am Verfallstag konvergieren Future und Spotpreis zwangsläufig, und der Fonds streicht die ursprüngliche Basis als Gewinn ein, unabhängig davon, ob Bitcoin gestiegen oder gefallen ist. Deshalb galt der Trade lange als quasi risikofrei, jedenfalls was das reine Preisrisiko betrifft; Finanzierungs-, Kontrahenten- und Liquiditätsrisiken bleiben trotzdem bestehen.
Erst der Start der US-Spot-Bitcoin-ETFs im Jänner 2024 machte diesen Handel im großen Stil praktikabel, aus einem einfachen strukturellen Grund: Mehrere der größten ETFs und die CME-Futures nutzen denselben Referenzkurs, die CME CF Bitcoin Reference Rate, wodurch beide Seiten des Trades exakt auf denselben Preis abgewickelt werden, wie CME Group in einer eigenen Analyse festhält. Zusätzlich bietet die Börse mit dem Instrument Basis Trade at Index Close institutionellen Anlegern die Möglichkeit, Futures direkt zu einem vereinbarten Aufschlag auf den Referenzkurs zu handeln, statt Spot- und Terminposition getrennt am Markt aufbauen zu müssen. Das senkt das Ausführungsrisiko erheblich und war eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Multi-Strategy-Fonds und dedizierte Krypto-Hedgefonds den Trade in großem Volumen fahren konnten.
2024 und 2025: Wie ETFs den Basis-Trade zum institutionellen Massenphänomen machten
Mit den ETFs kam auch das Kapital. Bereits im Februar 2024, wenige Wochen nach dem Start der Spot-Produkte, näherte sich die annualisierte CME-Basis nach Daten von CF Benchmarks der Marke von 25 Prozent, im November desselben Jahres, unmittelbar nach den US-Präsidentschaftswahlen, lag sie noch immer über 20 Prozent. Für einen Trade, der auf dem Papier weitgehend marktneutral ist, waren das außergewöhnliche Renditen, weit über dem, was zur selben Zeit kurzlaufende US-Staatsanleihen boten.
Nach einer Analyse des Datenanbieters Amberdata erreichte die 30-Tage-Basis im Jänner 2025 mit rund 15,3 Prozent annualisiert ihren Höhepunkt, ein Überschuss von 10,8 Prozentpunkten gegenüber dem damaligen Zinsniveau kurzlaufender Staatsanleihen. Interessant an Amberdatas Rückblick ist aber eine zweite Zahl: Über das gesamte Jahr 2025 betrachtet boten nur 31 von 365 Tagen, also rund acht Prozent, eine Basis von mehr als 10 Prozent, jenem Niveau, das viele Fondsmanager als wirklich attraktiv einstuften. Der vermeintliche Dauerbrenner war in Wahrheit ein enges Zeitfenster, das sich immer wieder öffnete und schloss, in dem sich aber wegen der schieren Kapitalmenge, die einströmte, zunehmend mehr Adressen drängten, von dedizierten Krypto-Hedgefonds bis zu Multi-Strategy-Plattformen, die ihre Bücher um eine vermeintlich risikoarme, doppelstellige Zusatzrendite erweitern wollten.
Herbst 2025: Der Wendepunkt, an dem die Basis kollabierte
Am 6. Oktober 2025 erreichte Bitcoin mit 126.198 US-Dollar sein bisheriges Allzeithoch, wie CoinDesk dokumentiert. Von diesem Hoch aus ging es in den folgenden Wochen deutlich bergab, und mit dem Kurs brach auch die Basis ein. Nach Amberdata-Daten fiel die annualisierte Basis im Oktober 2025 von 6,9 auf 4,5 Prozent, ein erster Vorbote dessen, was noch kommen sollte.
Zwischen 19. November und 3. Dezember 2025 kippte die CME-Basis erstmals seit Langem tatsächlich ins Negative, auf minus 2,35 Prozent, die tiefste Backwardation seit dem Zusammenbruch von FTX im November 2022, als der Wert kurzzeitig bis auf etwa minus 50 Prozent gefallen war, so CoinDesk unter Berufung auf Daten des Anbieters Velo. Bitcoin selbst markierte am 21. November 2025 mit rund 80.000 US-Dollar ein lokales Tief. Backwardation bei Bitcoin-Futures ist historisch selten und fällt fast immer mit Phasen erzwungener Deleveraging-Wellen zusammen, in der Vergangenheit unter anderem im November 2022, März 2023 und August 2023, jeweils rund um größere Markterschütterungen. Dass die Basis Ende 2025 negativ wurde, war also nicht bloß eine technische Randnotiz, sondern ein Warnsignal, dass sich unter der Oberfläche des Spotmarkts etwas Grundlegenderes verschob.
Die Kaskade: Vom Arbitrage-Trade zum Verkaufsdruck
Was danach passierte, zeigt, wie schnell ein als marktneutral verkaufter Trade zum Brandbeschleuniger werden kann. Positionen, die auf dem Papier gegen Kursschwankungen abgesichert waren, gerieten durch die schnelle Kompression der Basis selbst unter Druck, denn Risikomanager bei Hedgefonds und Multi-Strategy-Plattformen bemessen Verluste oft an der Marge zum eigenen Risikolimit, nicht nur am Nettopreisrisiko. Als die erwartete Basis-Rendite schmolz oder ganz verschwand, wurden vormals gehedgte Positionen aus Risikosicht zu Verlustpositionen, und Fondsmanager begannen, sie aufzulösen.
Laut einer Untersuchung von CoinDesk gingen rund 4 Milliarden US-Dollar an Bitcoin-ETF-Abflüssen im Oktober und November 2025 direkt auf diese Auflösung des Basis-Trades zurück, nicht auf eine breite Kapitulation der Anleger. Michael Marshall, Head of Research beim Datenanbieter Amberdata, brachte es gegenüber CoinDesk so auf den Punkt: „Die Verkäufe konzentrierten sich allerdings stark auf wenige Emittenten und hingen mit der mechanischen Auflösung des Basis-Trades zusammen, nicht mit einer breiten Investorenangst.“ Konkret entfielen laut seiner Analyse 89,1 Prozent der gesamten Abflüsse auf nur drei Anbieter, während sich der Spread zwischen Futures und Spot um 217 Basispunkte einengte, von 6,63 auf 4,46 Prozent. Parallel dazu brach das offene Interesse bei Bitcoin-Perpetual-Futures um 37,7 Prozent beziehungsweise 4,23 Milliarden US-Dollar von der Spitze bis zum Tiefpunkt ein, mit einer Korrelation von 0,878 zu den Bewegungen der Basis selbst, ein deutliches Indiz dafür, dass ETF-Verkäufe und das Eindecken von Futures-Short-Positionen praktisch im Gleichschritt abliefen.
Hedgefonds raus, Banken rein: Die große Umschichtung im ersten Quartal 2026
Wer genau saß eigentlich auf der anderen Seite dieses Trades? Die vierteljährlichen 13F-Meldungen professioneller US-Anleger, ausgewertet vom Vermögensverwalter CoinShares, geben für das erste Quartal 2026 ein ziemlich klares Bild: Institutionelle Bitcoin-ETF-Bestände fielen von 313.000 auf 261.000 BTC, ein Rückgang von 17 Prozent, der Dollarwert sank sogar um 35 Prozent auf 17,8 Milliarden US-Dollar, unter anderem weil Bitcoin im selben Quartal deutlich an Wert verlor. Der Anteil professioneller Melder am gesamten US-Bitcoin-ETF-Vermögen schrumpfte von 24,7 auf 20,8 Prozent. Innerhalb dieser Gruppe verlief die Entwicklung höchst unterschiedlich, wie die folgende Tabelle zeigt.
| Anlegertyp | Veränderung Q1 2026 | Bestand / Anteil | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Hedgefonds | minus 31.400 BTC (minus 39 % zum Vorquartal) | kein separater Bestand ausgewiesen | Größte Verkäufergruppe, direkte Folge der Basis-Trade-Auflösung |
| Broker / Wertpapierhäuser | minus 18.800 BTC (minus 53 %) | kein separater Bestand ausgewiesen | Morgan Stanley komplett ausgestiegen (8.300 BTC), Jane Street minus 10.800 BTC |
| Vermögensverwalter | minus 9.400 BTC (minus 5,9 %) | 150.300 BTC (58 % aller Bestände) | Größte, stabilste Gruppe, 159 neue Fondsmeldungen trotz Kursrückgangs |
| Banken | plus 7.800 BTC (plus 339 % zum Vorjahr) | 15.200 BTC | JPMorgan +3.000 BTC, Wells Fargo +4.000 BTC, Citigroup Erstmeldung mit 97 BTC |
| Staaten / Staatsfonds | plus 1.100 BTC | 8.300 BTC | Unter anderem der Mubadala-Fonds aus Abu Dhabi |
| Stiftungen (Endowments) | minus 40 % zum Vorquartal | kein separater Bestand ausgewiesen | Harvard reduzierte seine Position um 1.300 BTC |
Hedgefonds waren die mit Abstand größten Verkäufer, ihr direkter Reflex auf die Basis-Trade-Auflösung. Broker und Wertpapierhäuser zogen sich noch entschiedener zurück, während Vermögensverwalter, mit 150.300 BTC die mit Abstand größte Gruppe, kaum nachgaben und sogar neue Positionen aufbauten, ein Hinweis auf langfristig orientiertes statt taktisches Kapital. Am auffälligsten aber war der Auftritt der Banken, deren Bestände sich nahezu verdoppelten. James Butterfill, Head of Research bei CoinShares, ordnete die Entwicklung in seinem Ausblick für 2026 größer ein: „2026 wird jenes Jahr sein, in dem sich das Finanzsystem still und leise rund um öffentliche Blockchains und digitale Abwicklungsebenen neu aufstellt.“ Übersetzt auf diese Zahlen heißt das: Während taktisches Kapital, Hedgefonds und Broker, bei Volatilität den Ausgang sucht, bauen Banken, Vermögensverwalter und staatsnahe Fonds ihre Positionen eher aus oder halten sie, ein Markt mit spürbar zwei Geschwindigkeiten.
Die CME verliert Boden: Ein Terminmarkt im Rückzug
Die Auflösung des Basis-Trades traf auch die CME selbst empfindlich, schließlich war sie über Jahre hinweg die bevorzugte Adresse für die institutionelle Short-Seite des Handels. Nach Daten von The Block sank das offene Interesse bei CME-Bitcoin-Futures fünf Monate in Folge, von November 2025 an, bis es im März 2026 unter 8 Milliarden US-Dollar fiel und Anfang April mit 7,2 Milliarden US-Dollar den tiefsten Stand seit Februar 2024 erreichte. Das monatliche Handelsvolumen lag im März 2026 bei 163 Milliarden US-Dollar, ungefähr die Hälfte des Spitzenwerts vom Jänner 2025.
Bei einer CME-Basis von rund 5 Prozent gegenüber einer Rendite kurzlaufender US-Staatsanleihen von etwa 4,5 Prozent blieb schlicht kein nennenswerter Anreiz mehr, neue Positionen aufzubauen, die Marge deckte kaum die Finanzierungs- und Ausführungskosten des Trades. Bezeichnend für die Verschiebung: Nach Volumen fiel die CME laut The Block erstmals seit November 2023 hinter Binance zurück und verlor damit, zumindest nach dieser Kennzahl, ihren langjährigen Spitzenplatz als größte Bitcoin-Terminbörse. Wer heute über den Aufbau und die Verschiebung der Handelsvolumina im Kryptomarkt spricht, kommt an diesem Rückzug der regulierten Terminmärkte nicht vorbei, er ist einer der deutlichsten strukturellen Belege dafür, wie sehr die Marktarchitektur 2025 noch vom Basis-Trade geprägt war.
Sommer 2026: Wo die Basis heute steht, und warum Stimmung sie treibt
Mit dem neuen Jahr stabilisierte sich die Basis, allerdings auf einem historisch niedrigen Niveau. Laut einem Bloomberg-Bericht vom Jänner 2026 lag die annualisierte Basis, die ein Jahr zuvor noch rund 17 Prozent betragen hatte, nur noch bei etwa 4,7 Prozent, kaum genug, um die Finanzierungs- und Ausführungskosten des Trades zu decken, wie Amberdata-Analysten damals vorrechneten. Anfang Februar 2026 pendelte der Wert nach verschiedenen Quellen um die 4-Prozent-Marke, Anfang April lag er laut The Block bei rund 5 Prozent. Seither bewegt sich die annualisierte CME-Basis grob in einer Bandbreite von 4 bis 5,5 Prozent, spürbar näher an der Rendite von Staatsanleihen als an den zweistelligen Werten der Boomjahre.
Parallel dazu erlebten die US-Spot-Bitcoin-ETFs im Juni 2026 ihren bisher schwächsten Monat überhaupt, mit Netto-Abflüssen von rund 4,5 Milliarden US-Dollar, einem neuen Rekord, der den bisherigen Bestwert vom Februar 2025 um etwa 29 Prozent übertraf, wie unser Bericht zu den ETF-Abflüssen im Juni im Detail zeigt. Anders als im Herbst 2025 war dieser Juni-Einbruch aber nicht in erster Linie ein Basis-Trade-Phänomen, sondern wurde vor allem dem Börsengang von SpaceX am 12. Juni, der Kapital aus risikoreicheren Anlagen abzog, sowie einer restriktiveren Zinssignalisierung des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh zugeschrieben. Allein IBIT von BlackRock verzeichnete rund 3,55 Milliarden US-Dollar an Abflüssen, etwa drei Viertel des gesamten Kategorienwerts, während Bitcoin im Monatsverlauf um 20,48 Prozent fiel, der stärkste Monatsverlust seit Juni 2022.
Dass die Basis trotz dieses erneuten Kapitalabzugs nicht noch einmal ins Negative rutschte, passt zu einem Muster, das CF Benchmarks in seiner Forschung zu den strukturellen Treibern der Basis herausgearbeitet hat: Die Basis korreliert eng mit Kursmomentum, etwa gemessen über den MACD-Indikator (Korrelation 0,50) oder rollierende 90-Tage-Kursveränderungen (0,54), und mit dem Fear-and-Greed-Index. Liegt Letzterer über 0,75, also in Phasen extremer Gier, entstehen historisch Contango-Aufschläge von 15 bis 30 Prozent annualisiert, unter 0,25, in Phasen extremer Angst, hält sich dagegen anhaltende Backwardation. Im Sommer 2026 bewegt sich die Marktstimmung nach dieser Lesart in einem neutralen Mittelfeld, weder euphorisch genug für einen neuen Basis-Boom noch panisch genug für eine erneute Kollapsphase. Die folgende Tabelle fasst den Verlauf der annualisierten CME-Basis seit dem ETF-Start zusammen.
| Zeitraum | Annualisierte CME-Basis | Bitcoin-Kurs (ungefähr) | Ereignis |
|---|---|---|---|
| Februar 2024 | rund 25 % | 50.000 bis 60.000 USD | Erste Boomphase nach ETF-Start |
| November 2024 | über 20 % | über 90.000 USD | Zweite Boomwelle nach den US-Wahlen |
| Jänner 2025 | rund 15,3 % (30-Tage, Amberdata) | über 100.000 USD | Zyklushoch laut Amberdata |
| Oktober 2025 | Kompression von 6,9 % auf 4,5 % | fallend vom ATH bei 126.198 USD | Beginn des Zusammenbruchs |
| 19. Nov. bis 3. Dez. 2025 | minus 2,35 % (Backwardation) | rund 80.000 USD | Tiefste Backwardation seit dem FTX-Kollaps |
| Anfang April 2026 | rund 5 % | unter 70.000 USD | CME-Open-Interest auf Mehrjahrestief |
| Juli 2026 | rund 4 bis 5,5 % | rund 64.600 USD | Basis knapp über der Kapitalkostenschwelle |
Perpetuals und die Funding Rate: Die tägliche Basis der Dauer-Kontrakte
CME-Futures haben ein festes Verfallsdatum, doch der weitaus größere Teil des Krypto-Derivatemarkts läuft über Perpetual Futures, Kontrakte ohne Fälligkeit. Weil es dort keinen Verfallstag gibt, an dem Future und Spot zwangsläufig konvergieren, braucht es einen anderen Mechanismus, um die Preise beider Märkte zusammenzuhalten: die Funding Rate. Sie wirkt im Grunde wie eine kontinuierlich abgerechnete Basis: Zahlen bei positiver Funding Rate die Long-Positionen an die Shorts, signalisiert das einen contango-ähnlichen Zustand mit Nachfrageüberhang auf der Long-Seite; bei negativer Funding Rate ist es umgekehrt, ein backwardation-ähnliches Signal für Stress oder Deleveraging. Die genauen Formeln, Zeitintervalle und Obergrenzen unterscheiden sich von Börse zu Börse teils deutlich, das haben wir in unserem Grundlagenartikel zur Funding Rate bei Perpetuals ausführlich aufgeschlüsselt.
Bemerkenswert ist der zeitliche Gleichlauf: Genau in jenem Fenster, in dem die CME-Basis Ende 2025 kollabierte, rutschte auch die Funding Rate an mehreren großen Börsen tief ins Negative. Das zeigt, dass es sich nicht um ein isoliertes CME-Phänomen handelte, sondern um eine marktweite Deleveraging-Welle, die befristete und unbefristete Kontrakte gleichermaßen erfasste.
Der risikofreie Vergleich: Warum Staatsanleihen dem Basis-Trade den Rang ablaufen
Ein Cash-and-Carry-Trade lohnt sich für einen Fonds nur, wenn er nach Abzug aller Kosten mehr abwirft als die risikofreie Alternative, in der Regel kurzlaufende US-Staatsanleihen. Bei einem Zins- und damit T-Bill-Niveau von rund 4,5 Prozent musste die Basis also schon einen ordentlichen Aufschlag bieten, um das zusätzliche Kontrahenten-, Liquiditäts- und Ausführungsrisiko des Trades zu rechtfertigen. Genau dieser Aufschlag ist es, der zwischen Boom- und Bust-Phase am stärksten schwankte: Am Höhepunkt im Jänner 2025 lag die Basis nach Amberdata-Daten 10,8 Prozentpunkte über der Staatsanleihenrendite, ein Polster, das Kapital förmlich anzog. Bei einer Basis von 4 bis 5,5 Prozent, wie sie seit Anfang 2026 die Regel ist, bleibt davon nur noch ein hauchdünner, teils sogar negativer Aufschlag übrig, kaum genug, um das zusätzliche operative Risiko einzupreisen, geschweige denn, um Kapital aus einfacheren, staatlich garantierten Anlagen abzuziehen.
Diese Logik erklärt auch, warum Zinsentscheidungen und Anleiherenditen für den Krypto-Terminmarkt eine so viel größere Rolle spielen, als es auf den ersten Blick scheint: Steigen die Renditen von Staatsanleihen weiter, wird die Messlatte für einen attraktiven Basis-Trade automatisch höher gelegt, fallen sie, sinkt sie. Wie eng Anleiherenditen und Bitcoin-Markt mittlerweile verknüpft sind, haben wir bereits in unserem Artikel zum Zusammenspiel von Bond-Markt und Bitcoin ausführlich behandelt.
Die Antwort der CME: 24/7-Handel und neue Absicherungsinstrumente
Ein oft unterschätztes Risiko im Cash-and-Carry-Trade betrifft nicht die Basis selbst, sondern die Handelszeiten: Bitcoin handelt rund um die Uhr, CME-Futures taten das bis vor Kurzem nicht durchgehend, wodurch sich am Wochenende eine Lücke zwischen beiden Marktseiten auftun konnte, die im Ernstfall genau in jenem Moment aufriss, in dem ein Fonds sie am wenigsten brauchen konnte. Die Börse reagierte darauf im Mai 2026: Seit 29. Mai läuft der Handel mit Bitcoin- und Ether-Futures nahezu durchgehend, mit nur einer kurzen täglichen Wartungspause, wie CME Group in einer Pressemitteilung bekannt gab.
Tim McCourt, bei CME Group globaler Leiter für Aktien-, Devisen- und alternative Produkte, begründete den Schritt mit der Kundennachfrage nach durchgehender Liquidität, die die Lücke zwischen traditionellen, regulierten Handelsplätzen und der 24/7-Natur von Kryptowerten schließen solle. Giovanni Vicioso, globaler Leiter für Kryptowährungsprodukte bei CME Group, ergänzte mit Blick auf ein zweites neues Produkt, die Bitcoin-Volatility-Futures: „Die frühe Nachfrage nach unseren neuen Bitcoin-Volatility-Futures zeigt, wie groß der Bedarf an innovativeren Werkzeugen zur Absicherung gegen ungünstige Marktbewegungen ist. Unser neues 24/7-Handelsmodell erweitert den Nutzen dieser Kontrakte und erlaubt es Investoren, das Volatilitätsrisiko ihres Portfolios zu jeder Stunde, an jedem Tag der Woche präzise zu steuern.“ Für Basis-Trader ist das mehr als nur Komfort: Ein Terminmarkt, der Wochenendlücken schließt und Volatilität von reinem Richtungsrisiko trennbar macht, senkt tendenziell genau jene operativen Risikoaufschläge, die 2025 einen Teil der Kaskade befeuert hatten.
Regulatorischer Rahmen in Österreich: FMA, MiFID II und die Hebelgrenze
Für heimische Anlegerinnen und Anleger ist neben der reinen Marktmechanik vor allem die regulatorische Einordnung relevant, und die verläuft in Österreich entlang einer klaren Trennlinie. Kassa-Kryptowerte wie Bitcoin oder Ether selbst fallen unter die EU-Verordnung MiCA, in Österreich beaufsichtigt von der Finanzmarktaufsicht (FMA) als zuständiger nationaler Behörde; die Übergangsfrist für heimische Anbieter ist mit 1. Juli 2026 ausgelaufen. Terminkontrakte, Perpetual Futures und CFDs auf Kryptowerte fallen dagegen nicht unter MiCA, sondern unter die Finanzmarktrichtlinie MiFID II, ebenfalls von der FMA beaufsichtigt, aber mit einem eigenen, deutlich strengeren Regelwerk für Privatanleger. Die folgende Tabelle zeigt die Einordnung im Überblick.
| Instrument | Rechtsrahmen | Zuständige Behörde | Hebelgrenze für Privatanleger |
|---|---|---|---|
| Bitcoin / Ether (Spotmarkt) | MiCA (MiCAR) | FMA | Nicht anwendbar (Kassageschäft ohne Hebel) |
| CME-Futures (institutionell) | MiFID II | FMA / Herkunftsstaat des Anbieters | Kein regulärer Retail-Zugang |
| Perpetual Futures auf Kryptowerte | MiFID II, ESMA-CFD-Produktintervention | FMA | 2:1 |
| Sonstige Krypto-CFDs | MiFID II, ESMA-CFD-Produktintervention | FMA | 2:1 |
| CFDs auf Major-Devisenpaare (zum Vergleich) | MiFID II, ESMA-CFD-Produktintervention | FMA | 30:1 |
Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA stellte in einer Erklärung vom 24. Februar 2026 klar, dass sogenannte Perpetual Futures, unabhängig davon, wie sie vermarktet werden, in der Substanz meist CFDs (Contracts for Difference) sind und damit den bestehenden CFD-Produktinterventionsmaßnahmen unterliegen. Dazu zählen im Kern:
- Ein verpflichtender Risikohinweis bei Bewerbung und Vertrieb
- Eine Marginglattstellung (Margin Close-out) ab einem definierten Schwellenwert
- Ein Schutz vor Nachschusspflicht, die sogenannte Negative Balance Protection
- Ein Verbot monetärer und nicht-monetärer Anreize, etwa Bonuszahlungen
- Eine Hebelbegrenzung für Privatanleger von maximal 2:1 bei Krypto-CFDs, gegenüber bis zu 100:1 auf manchen Offshore-Plattformen
Für Österreich bedeutet das in der Praxis: Der institutionelle Cash-and-Carry-Trade, wie ihn CME-Händler fahren, lässt sich für Privatanleger innerhalb des regulierten EU-Rahmens gar nicht sinnvoll nachbilden, ein Hebel von 2:1 macht die ohnehin schon dünne Basis-Rendite wirtschaftlich uninteressant, selbst wenn die Basis wieder zweistellig würde. Der heimische Vorzeigeanbieter Bitpanda, seit April 2025 als Kryptowerte-Dienstleister nach Art. 63 MiCAR von der FMA zugelassen, bildet diese Grenze exemplarisch ab: Das Angebot „Bitpanda Leverage“ erlaubt seit 2023 gehebelten CFD-Handel, seit Juli 2025 ergänzt um Margin Trading mit bis zu zehnfachem Hebel auf über 120 Kryptowerte, gegen eine anteilige tägliche Finanzierungsgebühr von 0,18 Prozent, wie aus der Produktseite des Anbieters hervorgeht. Echte Futures oder Optionen bietet die Plattform bewusst nicht an, ein direktes Spiegelbild der ESMA-Linie. Wer als Privatanleger dennoch die volle institutionelle Basis-Rendite abgreifen will, muss auf weniger regulierte, meist außereuropäische Plattformen ausweichen und übernimmt damit genau jene Kontrahenten- und Verwahrrisiken, vor denen die FMA warnt. Werden dabei tatsächlich Gewinne realisiert, unterliegen diese für in Österreich steuerpflichtige Privatpersonen in der Regel dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent nach Paragraf 27a EStG, wie er seit der öko-sozialen Steuerreform 2022 für Kryptovermögen gilt, wie das Finanzministerium erläutert.
Ausblick: Kehrt der Basis-Trade zurück?
Ob und wann der Cash-and-Carry-Trade wieder in nennenswertem Umfang zurückkehrt, hängt von mehreren Stellschrauben gleichzeitig ab. Nach dem Muster, das CF Benchmarks anhand von Momentum und Stimmung herausgearbeitet hat, bräuchte es zunächst wieder eine Phase spürbaren Aufwärtsmomentums und eines Fear-and-Greed-Werts oberhalb von etwa 0,75, um die annualisierte Basis wieder in Richtung 15 bis 30 Prozent zu heben. Ebenso wichtig ist die Gegenrechnung: Sollten die Renditen kurzlaufender US-Staatsanleihen sinken, würde die Latte für einen attraktiven Aufschlag automatisch niedriger liegen, wovon auch eine moderatere Basis wieder profitieren könnte. Und schließlich muss sich zeigen, ob die von der CME neu eingeführte durchgehende Handelszeit die Wochenendrisiken, die 2025 einen Teil der Kaskade befeuerten, tatsächlich dauerhaft entschärft.
Bemerkenswert ist unterdessen, dass ein Teil des institutionellen Kapitals gar nicht auf eine Rückkehr des Basis-Trades wartet, sondern in ein strukturell anderes Vehikel umsteigt: börsennotierte Treasury-Gesellschaften, die Bitcoin oder Ether direkt auf der Bilanz halten und darüber, anders als der marktneutrale Basis-Trade, eine gehebelte, klar direktionale Wette auf den Kurs anbieten. Wie fragil auch dieses Modell werden kann, wenn der Marktwert der Bilanzbestände unter den Unternehmenswert fällt, haben wir in unserem Bericht zu den Krypto-Treasury-Firmen unter Druck beschrieben. Für Multi-Strategy-Fonds, die ihr Kapital über Anlageklassen hinweg allokieren, spielt zudem eine Rolle, wie stark sich Bitcoin aktuell im Gleichlauf mit Aktienmärkten bewegt; je geringer diese Korrelation ausfällt, desto attraktiver wird ein marktneutrales Krypto-Engagement für einen breit diversifizierenden Fonds.
Für den Sommer 2026 lässt sich festhalten: Der Basis-Trade ist nicht tot, aber er ist vom Selbstläufer der Boomjahre zu einem Trade geworden, der nur unter recht spezifischen Bedingungen wieder attraktiv wird. Der Markt drumherum, die CME mit neuer Infrastruktur, Banken mit wachsenden Positionen, Aufsichtsbehörden mit schärferen Leitplanken für Privatanleger, hat sich in der Zwischenzeit spürbar verändert.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Futures-Basis bei Bitcoin?
Die Futures-Basis ist die annualisierte prozentuale Differenz zwischen dem Preis eines Bitcoin-Terminkontrakts, etwa an der CME, und dem aktuellen Spotpreis. Notieren die Futures über dem Spotpreis, spricht man von Contango, notieren sie darunter, von Backwardation. Die Basis lässt sich direkt mit der Rendite anderer verzinster Anlagen wie US-Staatsanleihen vergleichen und bildet die Grundlage für den institutionellen Cash-and-Carry-Trade.
Wie funktioniert der Cash-and-Carry-Trade mit Bitcoin?
Beim Cash-and-Carry-Trade kauft ein Fonds Bitcoin am Kassamarkt, meist über einen Spot-ETF, und verkauft gleichzeitig Terminkontrakte mit demselben Nominalwert leer. Da sich Spot- und Futures-Preis bis zum Verfallstag angleichen, lässt sich die ursprüngliche Preisdifferenz weitgehend unabhängig von der Kursrichtung als Gewinn vereinnahmen. Das Marktrisiko ist damit weitgehend abgesichert, Finanzierungs-, Kontrahenten- und Liquiditätsrisiken bleiben aber bestehen.
Warum ist die Bitcoin-Futures-Basis 2025 eingebrochen?
Nach dem Allzeithoch von Bitcoin am 6. Oktober 2025 bei 126.198 US-Dollar fiel der Kurs deutlich, während sich die Terminkurse langsamer anpassten, wodurch die Basis komprimierte. Zwischen November und Dezember 2025 rutschte sie zeitweise sogar unter null, in Backwardation. Weil dadurch aus vermeintlich risikoarmen Positionen faktische Verlustpositionen wurden, lösten viele Fonds ihre Basis-Trades auf, was zusätzlichen Verkaufsdruck bei Bitcoin-ETFs erzeugte.
Was unterscheidet Contango von Backwardation?
Contango liegt vor, wenn Terminkontrakte über dem Spotpreis notieren, meist ein Zeichen optimistischer Erwartungen und hoher Nachfrage nach gehebeltem Long-Exposure. Backwardation liegt vor, wenn Terminkontrakte unter dem Spotpreis notieren, historisch ein seltenes Signal für Marktstress oder erzwungenes Deleveraging, wie zuletzt Ende 2025 oder zuvor rund um den Zusammenbruch von FTX im November 2022.
Können Privatanleger in Österreich den Basis-Trade nachbilden?
Nur eingeschränkt. Kryptowährungen selbst fallen unter die EU-Verordnung MiCA, während Terminkontrakte, Perpetual Futures und CFDs unter die Finanzmarktrichtlinie MiFID II fallen, in Österreich beide von der FMA beaufsichtigt. Für Krypto-CFDs gilt für Privatanleger eine Hebelgrenze von maximal 2:1, wodurch sich die institutionelle Basis-Rendite kaum gewinnbringend nachbilden lässt. Anbieter wie Bitpanda bieten dementsprechend CFDs und Margin Trading, aber keine klassischen Futures oder Optionen an.
Verfasst von der HOGE Wire Redaktion, Ressort Märkte.