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● Markets

Der Dollar im Nenner: Stablecoins hinter dem Krypto-Volumen

Das gemeldete Krypto-Volumen ist fast immer in Dollar-Stablecoins wie USDT gemessen. Warum MiCA diesen Nenner aus Europa verdrängt und was das für Anleger in Österreich bedeutet.

Im August 2026 wechselten an den großen Krypto-Börsen Spot-Positionen im Gegenwert von 510,4 Milliarden Dollar den Besitzer, der stärkste Monatszuwachs des heurigen Jahres und ein Sprung um 19 Prozent gegenüber dem Juli-Tief von 429 Milliarden. Solche Zahlen laufen als Handelsvolumen durch jeden Marktbericht. Selten wird dabei die naheliegendste Frage gestellt: in welcher Währung eigentlich?

Die Antwort ist unbequem für einen Kontinent, der in Euro rechnet. Der weitaus größte Teil dieses Volumens ist nicht in Euro und nicht in echten Dollar-Banknoten gemessen, sondern in Stablecoins, allen voran in Tether (USDT). Nach Daten des Analysehauses Kaiko entfielen Ende März 2026 rund 83 Prozent des in Dollar abgerechneten Spot-Volumens auf Stablecoin-Paare statt auf klassische Fiat-Paare. Wer Krypto handelt, handelt fast immer gegen einen synthetischen Dollar. Und genau diesen Dollar hat die EU seit dem 1. Juli 2026 von jeder lizenzierten Börse in Österreich und im übrigen Europäischen Wirtschaftsraum verbannt. Das ist die eigentliche Geschichte hinter dem Volumen: ein Nenner, der Dollar heißt, und eine Regulierung, die ihn austauschen will.

Warum „Volumen“ immer eine Währungsangabe ist

Volumen ist keine reine Stückzahl, sondern ein Produkt aus Menge und Preis, und der Preis steht immer in einer Quote-Währung. Wenn CoinGecko oder eine Börse ein Tagesvolumen ausweisen, summieren sie Trades über hunderte Handelspaare und rechnen das Ergebnis in einen Dollar-Gegenwert um. Die Überschrift lautet dann „510 Milliarden Dollar“. Die tatsächliche Abrechnungswährung der einzelnen Trades ist aber meistens ein Stablecoin. Der Dollar in der Schlagzeile ist also selten ein Dollar von der Bank, sondern ein USDT oder USDC, der nur wie ein Dollar aussieht.

Dass es so weit kam, ist relativ neu. Im Jahr 2021 teilten sich Stablecoins und echte Fiat-Paare das in Dollar abgerechnete Spot-Volumen noch im Verhältnis von rund 78 zu 22 Prozent. Heute liegt es bei gut 83 zu 17. Die Banküberweisung als Handelsschiene ist verkümmert; der Stablecoin ist zum, wie Kaiko es nennt, operativen Dollar im Inneren der Märkte geworden, der Abwicklung, Liquidität und Preisbildung fast jedes wichtigen Paares trägt. Die folgende Momentaufnahme zeigt zugleich, wie konzentriert dieses Volumen auf wenige Handelsplätze ist.

BörseSpot-Volumen August 2026Marktanteil
Binance243,1 Mrd. Dollar47,6 Prozent
OKX46,9 Mrd. Dollarrund 9 Prozent
Coinbase40,9 Mrd. Dollarrund 8 Prozent
Top 3 zusammen330,9 Mrd. Dollar64,8 Prozent
Alle 14 erfassten Börsen510,4 Mrd. Dollar100 Prozent
Spot-Handelsvolumen im August 2026; Quelle: WuBlockchain-Daten via BeInCrypto.

Basis und Quote: die zwei Seiten jedes Handelspaares

Jedes Handelspaar hat eine Basis und eine Quote. Bei BTC/USDT ist Bitcoin die Basis, USDT die Quote; der Kurs sagt, wie viele USDT ein Bitcoin kostet. Die Quote-Währung ist damit doppelt zentral: Sie ist die Recheneinheit, in der der Preis ausgedrückt wird, und das Zahlungsmittel, in dem der Trade abgewickelt wird. Wer verkauft, bekommt USDT; wer kauft, gibt USDT her. Das Volumen eines Paares ist nichts anderes als die Summe dieser Quote-Beträge.

Dass ausgerechnet Stablecoins die Fiat-Paare verdrängt haben, hat handfeste Gründe. Ein Dollar auf dem Bankkonto ist an Öffnungszeiten, Feiertage und Korrespondenzbanken gebunden; ein Dollar als USDT läuft rund um die Uhr, wandert in Sekunden zwischen Börsen und lässt sich in DeFi-Protokollen weiterverwenden. Für Händlerinnen in Lagos, Buenos Aires oder Wien ist der Stablecoin überdies der einfachste Weg, Dollar-Risiko zu halten, ohne ein US-Bankkonto zu besitzen. Der Stablecoin ist der Dollar für Menschen, die keinen Zugang zum Dollar-Bankensystem haben.

Auf diesen Vorteil legt sich ein Netzwerkeffekt. Liquidität sammelt sich dort, wo sie schon am tiefsten ist, also im meistgenutzten Quote-Token. Je mehr Volumen durch USDT-Paare läuft, desto enger werden dort die Spreads, desto mehr neues Volumen zieht es an. So wird aus einem frühen Vorsprung eine Quasi-Monopolstellung, die kein Wettbewerber allein durch bessere Technik einholt.

USDT, der operative Dollar der Märkte

Die Zahlen zeigen, wie einseitig das ist. Der gesamte Stablecoin-Markt bringt Anfang September 2026 über 300 Milliarden Dollar auf die Waage. Davon entfallen rund 183 Milliarden auf USDT, gut 60 Prozent des Marktes; USDC von Circle folgt mit etwa 74 Milliarden. Auf der Handelsseite ist die Dominanz noch größer: USDT trägt nach Kaiko-Daten regelmäßig über 80 Prozent des von Stablecoins getragenen Volumens.

Warum gerade USDT? Tether war 2014 früh am Markt, wickelt einen Großteil seiner Transfers über das günstige Tron-Netzwerk ab und bedient die Dollar-Nachfrage in Schwellenländern, wo der Greenback knapp und begehrt ist. Jede große Börse außerhalb Europas baut ihre tiefsten Orderbücher auf USDT-Paaren auf. USDC ist der regulatorisch sauberere Herausforderer; sein Anteil am Stablecoin-Handel ist von rund 11 Prozent Anfang 2025 auf etwa 21 Prozent 2026 gestiegen, vor allem, weil europäische Plattformen darauf ausweichen mussten. Die folgende Übersicht ordnet die Bausteine ein und macht das eigentliche Thema dieses Textes sichtbar: den Größenunterschied zwischen dem Dollar-Block und allem, was auf Euro lautet.

TokenMarktkapitalisierungAnteilMiCA-Status
USDT (Tether)rund 183 Mrd. Dollargut 60 Prozent des Stablecoin-Marktsnicht zugelassen, im EWR delistet
USDC (Circle)rund 74 Mrd. Dollaretwa 24 Prozentkonform (E-Geld-Lizenz Frankreich)
EURC (Circle, Euro)rund 526 Mio. DollarMarktführer im Euro-Segmentkonform
Euro-Stablecoins gesamtrund 674 Mio. Dollarunter 0,3 Prozent des Gesamtmarktskonform
Stablecoin-Markt gesamtüber 300 Mrd. Dollar100 Prozentgemischt
Stablecoin-Landschaft, Stand September 2026; Quellen: DefiLlama, CryptoBriefing/Decta.

Warum fast jede Order eine Dollar-Wette ist

Für die einzelne Anlegerin hat das eine Konsequenz, die im Alltag untergeht. Wer Bitcoin gegen USDT kauft, geht zwei Positionen gleichzeitig ein: long Bitcoin und short einen Dollar. Die Gegenwährung ist ein Dollar-Token, also ist jeder Gewinn und Verlust zunächst in Dollar ausgedrückt. Erst beim Blick auf das eigene Euro-Konto wird daraus eine Euro-Zahl, und in dieser Umrechnung steckt der Wechselkurs.

Das ist keine Spitzfindigkeit. Bewegt sich EUR/USD, verschiebt sich ein Teil des in Euro gemessenen Ergebnisses, ganz ohne dass Bitcoin sich bewegt hätte. Am 24. September 2026 stand der Euro bei rund 1,138 Dollar, Bitcoin notierte bei etwa 69.000 Euro. Wie viel eines vermeintlichen Bitcoin-Gewinns in Wahrheit nur eine Währungsbewegung ist, hat HOGE Wire an anderer Stelle zerlegt; die DXY-Wette hinter dem Bitcoin-Gewinn ist der unsichtbare Beifahrer jeder in USDT quotierten Position.

Der Dollar-Nenner ist damit kein neutraler Maßstab, sondern selbst eine Preisgröße. Wer in Euro spart und in Dollar-Stablecoins handelt, trägt eine Fremdwährungswette mit, die auf keinem Kontoauszug als solche auftaucht. In ruhigen Phasen fällt das kaum auf; in einem Jahr, in dem der Euro binnen zwölf Monaten spürbar zum Dollar nachgab, macht es den Unterschied zwischen einem Papiergewinn und einem realen aus.

Der Euro als Randnotiz im Nenner

Gemessen an USDT ist der Euro im Quote-Layer eine Fußnote. Selbst auf europäischen Plattformen wie Bitpanda, Kraken oder Bitvavo, die echte Euro-Paare führen, wird der weltweite Referenzpreis auf USDT-Orderbüchern gebildet und erst danach in Euro arbitragiert. Der Euro ist Preisnehmer, nicht Preisbildner. Das gilt selbst dann, wenn Sie nie einen einzigen USDT halten: Der Kurs, den Ihre Euro-Order bekommt, kommt aus einem Dollar-Buch.

Diese Asymmetrie zeigt sich auch in den Kapitalströmen. Die Stablecoin-Guthaben, die auf Börsen liegen, gelten als trockenes Pulver, als kaufbereites Kapital, das jederzeit in Coins fließen kann. Wenn Analysten heute Zuflüsse auf Handelsplätze verfolgen, meinen sie fast immer Dollar-Token; der wichtigste Whale-Alert ist längst ein Stablecoin-Transfer und kein Bitcoin-Transfer. Euro-Guthaben tauchen in dieser Betrachtung kaum auf, weil es sie in relevanter Größe nicht gibt.

Für Europa bedeutet das eine stille Abhängigkeit. Die Liquidität, die den Preis macht, spricht Dollar. Der Euro kommt erst am Ende der Kette ins Spiel, wenn der Gewinn realisiert und aufs Konto überwiesen wird. Genau diese Nachrangigkeit ist der Grund, warum die Regulierung überhaupt eingreift.

Wie MiCA USDT aus dem lizenzierten Europa verdrängt

Unter MiCA gilt ein an eine einzelne Währung gebundener Stablecoin als E-Geld-Token (EMT). Sein Emittent muss ein zugelassenes E-Geld-Institut oder eine Bank sein, ein genehmigtes Whitepaper vorlegen und jederzeit die Rücknahme zum Nennwert garantieren. Ein Handelsplatz, der unter MiCA lizenziert ist, darf seinen Kundinnen im EWR nur EMTs anbieten, deren Emittent diese Zulassung besitzt. Damit wird die Frage nach der Quote-Währung zu einer Frage der Lizenz.

Tether hat die Zulassung nie beantragt. Also war USDT kein zugelassener EMT, und die Börsen mussten handeln. Coinbase entfernte USDT für EU-Kunden schon im Dezember 2024, Crypto.com folgte im Jänner 2025, die EWR-Einheit von Binance schränkte die USDT-Paare im März 2025 ein. Mit dem Ende der verkürzten Übergangsfrist am 1. Juli 2026, die für Österreich, Deutschland und Italien galt, verschwand USDT endgültig aus den Orderbüchern der regulierten Plätze.

Für die Aufsicht in Österreich ist die Finanzmarktaufsicht FMA zuständig, die als nationale Behörde unter MiCA die Dienstleister überwacht, nicht den Token selbst. Der heimische Vorzeige-CASP Bitpanda ist von Haus aus auf Euro und regulierte Dollar-Token ausgelegt. Wichtig für Anlegerinnen und Anleger: Das Halten und die Eigenverwahrung von USDT bleiben legal. Verboten ist nur, den Token auf einer lizenzierten EWR-Börse zu kaufen oder zu verkaufen.

ZeitpunktEreignis
Dezember 2024Coinbase entfernt USDT für EU-Kundinnen und -Kunden
30. Dezember 2024MiCA-Wohlverhaltensregeln für CASPs treten in Kraft
Jänner 2025Crypto.com beendet den USDT-Handel im EWR
März 2025Binances EWR-Einheit schränkt USDT-Paare ein
1. Juli 2026Ende der verkürzten Übergangsfrist (AT/DE/IT); USDT von regulierten Orderbüchern verschwunden
Der Rückzug von USDT aus dem lizenzierten EWR; Quellen: Finance Magnates, Crowdfund Insider.

Warum Tether Nein sagt, und die EZB plötzlich einlenkt

Der Bruch hat einen konkreten Auslöser, und Tether nennt ihn offen. Firmenchef Paolo Ardoino begründet die Absage an MiCA mit einer einzigen Vorschrift: Bedeutende EMT-Emittenten müssen mindestens 60 Prozent ihrer Reserven als Einlagen bei Geschäftsbanken halten (30 Prozent bei kleineren Token). Tether hält nach eigenen Angaben rund 80 Prozent seiner Reserven in kurzlaufenden US-Staatsanleihen und argumentiert, ein erzwungener Umzug in größtenteils unbesicherte Bankeinlagen sei ein Schritt nach unten bei Kreditqualität und Liquidität, der die nach Firmenangaben rund 400 Millionen USDT-Halter gefährde.

Man muss Ardoinos Interesse nicht teilen, um die Pointe zu sehen: Ausgerechnet die Regel, die USDT aus Europa gedrängt hat, steht inzwischen selbst zur Disposition. Mehrere europäische Notenbanken haben empfohlen, die starren Schwellen von 30 und 60 Prozent zu streichen und durch Liquiditätstests zu ersetzen, die auf Papiere abstellen, die sich binnen ein bis fünf Werktagen zu Geld machen lassen. Gesetz ist das noch nicht. Aber es zeigt, dass die europäische Stablecoin-Architektur mitten im Umbau ist, während sie bereits vollendete Tatsachen geschaffen hat.

Für Tether ist die Rechnung einfach. Der Konzern verdient an den Zinsen seiner Anleihereserven prächtig und kann auf einen Kontinent verzichten, dessen lizenzierte Börsen ohnehin nur einen kleinen Teil des globalen USDT-Volumens ausmachen. Europa verliert damit den Zugriff auf den liquidesten Dollar-Token der Welt, ohne dass dieser Token dadurch verschwände. Er handelt einfach woanders.

Die Souveränitätsfrage: warum Brüssel den Dollar-Nenner fürchtet

Hinter dem technischen Streit steht ein größeres Motiv. Die EU will verhindern, dass ein fremder, privat emittierter Dollar zur Standardwährung des europäischen Krypto- und später vielleicht des Zahlungsverkehrs wird. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat das in einer Rede im Mai 2026 unverblümt formuliert: Mit knapp 98 Prozent aller Stablecoins, die auf US-Dollar lauten, und einem Amerika, das diese Stellung nun per Gesetz zementiere, laute das wachsende Argument, Europa müsse das US-Modell nachahmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Andernfalls drohe, so Lagarde, eine Zukunft der digitalen Dollarisierung und ein Verlust der geldpolitischen Souveränität.

Diese Sorge hat eine konkrete regulatorische Verlängerung. Artikel 23 der MiCA-Verordnung deckelt nicht-euro-basierte EMTs, sobald sie als Zahlungsmittel für Waren und Dienstleistungen genutzt werden, bei einer Million Transaktionen oder 200 Millionen Euro pro Tag; darüber muss der Emittent die Ausgabe stoppen. Auf den reinen Handel zielt die Klausel nicht, wohl aber auf den Traum, USDT könnte in Europa zur alltäglichen Bezahlwährung werden. Es ist eine bewusst gezogene Brandmauer gegen die Dollarisierung des Zahlungsverkehrs.

Die positive Antwort soll Zentralbankgeld sein. Die EZB treibt den digitalen Euro voran (Marktstart nicht vor 2029) und testet mit dem Projekt Pontes die Abwicklung tokenisierter Geschäfte in Zentralbankgeld. Die Logik ist dieselbe wie bei Lagardes Warnung: Wer die Recheneinheit der neuen Märkte nicht selbst stellt, überlässt sie einem anderen.

Der Euro-Stablecoin, der nicht in die Gänge kommt

Bleibt die Frage, ob der Markt die Lücke von selbst füllt. Die MiCA-konformen Euro-Stablecoins wachsen tatsächlich kräftig: Ihre gemeinsame Marktkapitalisierung stieg binnen eines Jahres von rund 296 auf 674 Millionen Dollar, ein Plus von 128 Prozent. Angeführt wird das Feld mit deutlichem Abstand von EURC, dem Euro-Token von Circle, mit etwa 526 Millionen Dollar, gefolgt von EURCV, EURI und EURR.

Circle war der erste globale Emittent, der rechtzeitig MiCA-konform wurde; das Haus erhielt in Frankreich eine E-Geld-Lizenz und gibt seit dem 1. Juli 2024 sowohl USDC als auch EURC nativ an europäische Kunden aus. Firmenchef Jeremy Allaire nannte die MiCA-Konformität einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg, digitales Geld in den Maßstab und die Akzeptanz des Mainstreams zu bringen.

Und doch relativiert ein einziger Vergleich den ganzen Optimismus. Die 674 Millionen Dollar aller Euro-Stablecoins zusammen sind weniger als ein halbes Prozent der über 183 Milliarden, die allein in USDT stecken. Der Euro-Stablecoin ist regulatorisch erwünscht, aber ökonomisch ein Zwerg. Die Gründe sind strukturell: Es fehlt der Netzwerkeffekt, die Emittenten dürfen den Haltern keine Zinsen zahlen, und die Reservewährung der Krypto-Welt ist und bleibt der Dollar. Ein Token, den kaum jemand als Quote nutzt, zieht auch kaum Handelsvolumen an.

Zwei Volumenwelten: der Dollar draußen, der Euro drinnen

Das Ergebnis ist eine Zweiteilung der Volumenlandschaft. Global ist die Dollar-Denominierung stärker denn je. In den USA hat der GENIUS Act, den Präsident Trump am 18. Juli 2025 unterzeichnete, den Dollar-Zahlungs-Stablecoins erstmals einen bundesrechtlichen Rahmen gegeben: Reserven zu 100 Prozent in Bargeld und kurzlaufenden Staatsanleihen, monatliche Offenlegung, Bundesaufsicht. Amerika hat den Dollar-Stablecoin damit geadelt, während Europa ihn von seinen Börsen nahm.

In Europa hat sich das Volumen der lizenzierten Plätze in USDC- und Euro-Paare umgeschichtet. Das USDT-Volumen ist nicht verdampft, es ist abgewandert: zu Nicht-EWR-Einheiten derselben Börsen, auf dezentrale Handelsplätze und in die Eigenverwahrung. Auch die Derivate folgen diesem Muster. Der globale Terminmarkt läuft weiter überwiegend auf USDT-besicherten Perpetuals, während europäische Anbieter auf USDC-Margin umstellen; wie stark die Wahl der Sicherheiten die Ökonomie des Carry-Trades prägt, ist ein eigenes Kapitel.

Für die Statistik hat das Folgen. Das auf europäischen Lizenzplätzen gemeldete Volumen ist heute ein anderes Tier als das globale: kleiner, stärker in Euro und USDC, und ein Teil der Aktivität hat den regulierten Perimeter schlicht verlassen. Wer europäische und globale Volumenzahlen vergleicht, vergleicht nicht mehr nur Größen, sondern zwei verschiedene Währungswelten.

Was das für Anlegerinnen und Anleger in Österreich heißt

Praktisch ist die Umstellung nicht nur Bürokratie. Auf einer lizenzierten Börse in Österreich handeln Sie heute überwiegend Euro- oder USDC-Paare. Das nimmt eine versteckte Ebene heraus: Zwischen Ihnen und dem Markt liegt kein zusätzlicher USDT-Peg mehr, dessen Bindung im Stress reißen könnte. Der Referenzpreis wird zwar weiterhin auf USDT-Orderbüchern gebildet, aber Ihre unmittelbare Gegenwährung ist ein regulierter Token oder der Euro selbst.

Verschwunden ist die Dollar-Wette damit nicht, sie ist nur eine Etage nach oben gewandert. Solange der Weltpreis in Dollar entsteht, trägt jede Euro-Rendite die Bewegung von EUR/USD mit. Dazu kommt die Zinsseite: Stablecoin-Emittenten verdienen an ihren Anleihereserven, und nach dem Zinsschritt der Fed vom 16. September 2026 auf 3,75 bis 4,0 Prozent ist dieses Geschäft so lukrativ wie lange nicht. Höhere Dollar-Zinsen machen den Dollar-Stablecoin für seinen Emittenten profitabler und finanzieren indirekt seine Vormacht; was das für die Bepreisung von Hebelpositionen bedeutet, spüren Trader an den Funding-Sätzen.

Steuerlich bleibt Nüchternheit angebracht. Der Tausch von USDC in Bitcoin ist in Österreich kein neutraler Vorgang, sondern eine Veräußerung, die unter den Sondersteuersatz von 27,5 Prozent nach Paragraf 27a EStG fällt; auch Stablecoin gegen Stablecoin zählt. Inländische Plattformen behalten die Kapitalertragsteuer seit Anfang 2024 automatisch ein. Die FMA beaufsichtigt dabei den Dienstleister; für die Bewertung des Tokens sind Sie selbst verantwortlich.

Der Nenner als Risiko

Ein Markt, der fast vollständig auf einer privaten Recheneinheit ruht, erbt deren Schwächen. Wackelt die Quote-Währung, wackelt das ganze Volumengebäude. Der Krypto-Crash vom Oktober 2025 lieferte den Vorgeschmack: Mitten in der Liquidationswelle geriet der synthetische Dollar USDe auf Binance zeitweise deutlich unter seine Dollar-Bindung, was Positionen zusätzlich unter Druck setzte. Ein Nenner, der reißt, macht aus einem Kursrutsch eine Kaskade.

Dazu kommt das Konzentrationsrisiko. Wenn ein einziger Emittent mehr als 60 Prozent des Marktes und über 80 Prozent des Handelsvolumens denominiert, hängt die Funktionsfähigkeit der Börsen an der Reservequalität und Transparenz dieses einen Unternehmens. Genau an dieser Stelle liegt der Kern des europäischen Arguments: Ein zugelassener Emittent mit segregierten Reserven, geprüftem Whitepaper und garantierter Rücknahme zum Nennwert ist die sicherere Klempnerei, selbst wenn er weniger Liquidität bietet.

Der Preis dieser Sicherheit ist real. Europa tauscht die tiefste Dollar-Liquidität der Welt gegen regulierte, aber dünnere Euro- und USDC-Schienen. Ob das ein guter Tausch ist, wird sich erst im nächsten echten Stresstest zeigen, wenn Volumen und Liquidität wieder auseinanderfallen und es darauf ankommt, wie belastbar der Nenner wirklich ist.

Ausblick: der Dollar bleibt die Einheit, der Euro sucht seine Rolle

Kurzfristig ändert sich an der Grundtatsache wenig. Die Recheneinheit der Krypto-Welt ist der Dollar, und der GENIUS Act sorgt dafür, dass regulierte Dollar-Stablecoins in den USA weiter wachsen. Europa versucht derweil, per Gesetz einen zweiten Nenner ins Dasein zu heben: einen regulierten Euro-Token, einen digitalen Euro, eine Abwicklung in Zentralbankgeld.

Für die Volumenzahlen heißt das: Das Dollarzeichen vor der nächsten 500-Milliarden-Schlagzeile wird auch künftig meistens ein Stablecoin sein, zunehmend ein regulierter. In Europa wird es öfter ein Euro oder ein konformer Dollar-Token sein, im Rest der Welt weiter USDT. Zwei Volumenwelten, ein gemeinsamer Ursprung im Dollar, und eine offene Frage, ob der Euro je mehr als eine Randnotiz im Nenner wird.

Für Anlegerinnen und Anleger in Österreich lohnt es sich, die Frage vom Anfang mitzunehmen: Wenn die nächste Rekordzahl über den Bildschirm läuft, nicht nur zu fragen, wie hoch das Volumen ist, sondern in welcher Währung es gemessen wird. In der Antwort steckt mehr über die Machtverhältnisse des Marktes als in der Zahl selbst.

Häufig gestellte Fragen

In welcher Währung wird das Krypto-Handelsvolumen gemessen?

Börsen und Datenanbieter weisen das Volumen in einem Dollar-Gegenwert aus, doch abgewickelt werden die meisten Trades in Stablecoins, vor allem in Tether (USDT). Nach Kaiko-Daten entfielen Ende März 2026 rund 83 Prozent des in Dollar abgerechneten Spot-Volumens auf Stablecoin-Paare und nur noch etwa 17 Prozent auf echte Fiat-Paare. Der Dollar in der Schlagzeile ist also fast immer ein synthetischer Dollar.

Warum ist USDT auf europäischen Börsen nicht mehr handelbar?

Unter der EU-Verordnung MiCA gilt ein an eine Währung gebundener Stablecoin als E-Geld-Token, dessen Emittent zugelassen sein muss. Tether hat keine Zulassung beantragt, deshalb dürfen lizenzierte Handelsplätze im Europäischen Wirtschaftsraum seit dem 1. Juli 2026 keine USDT-Paare mehr anbieten. Das bloße Halten und die Eigenverwahrung von USDT bleiben dagegen erlaubt.

Ist ein Bitcoin-Kauf mit einem Dollar-Stablecoin eine Dollar-Wette?

Ja. Wer Bitcoin gegen USDT oder USDC kauft, ist gleichzeitig long Bitcoin und short einen Dollar, denn die Gegenwährung ist ein Dollar-Token. Der in Euro gemessene Gewinn oder Verlust enthält damit immer auch die Bewegung des Wechselkurses EUR/USD.

Welche Euro-Stablecoins sind MiCA-konform?

Zu den zugelassenen Euro-Stablecoins zählen EURC von Circle als Marktführer sowie kleinere Token wie EURCV, EURI und EURR. Zusammen kommen sie nur auf einen Marktwert von rund 674 Millionen Dollar, ein Bruchteil der über 180 Milliarden Dollar, die allein in USDT stecken.

Muss ich in Österreich Steuern zahlen, wenn ich USDC in Bitcoin tausche?

Ja. Der Tausch eines Stablecoins in eine andere Kryptowährung gilt als Veräußerung und fällt unter den Sondersteuersatz von 27,5 Prozent nach Paragraf 27a EStG. Inländische Plattformen behalten die Kapitalertragsteuer seit Anfang 2024 automatisch ein.

Von Liam Brennan, Redakteur für Marktstruktur bei HOGE Wire.

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